Zum Äußersten entschlossen

Israels Regierung treibt ihre umstrittene Justizreform trotz Massenprotesten voran, die Beratungen in der Knesset laufen weiter …

Wie weit könnte die Lage im Ringen Netanjahus um die Durchsetzung der „Justizreform trotz Massenprotesten“ eskalieren? Wie Muriel Asseburg im ipg-journal schreibt, geht es der gesellschaftlich breit aufgestellten Protestbewegung darum, „Israels politische und gesellschaftliche Ordnung zu bewahren, nicht sie zu verändern“. Das heißt aber auch: „Gelingt es dem Kabinett Netanjahu im Wege der Salamitaktik, die genannten Vorhaben zum Umbau der Justiz umzusetzen, werden die entscheidenden Mechanismen außer Kraft gesetzt, die bis dato zur Verfügung stehen, um im israelischen System rechtsstaatliches Handeln abzusichern. Damit wäre der Weg in eine illiberale Mehrheitsdemokratie ohne effektiven Minderheitenschutz vorgezeichnet.“

Auf dem Weg nach Jerusalem

22. Juli 2023

Israel. Auf dem Weg in den Gottesstaat

Weltspiegel Doku – 17.Juli 2023 – 45 min

(Verfügbar in der ARD-Mediathek bis Juli 2024)

„Kein Strom mehr am Shabbat? Geschlechtertrennung im öffentlichen Nahverkehr? Ein Staat Groß-Israel in seinen ursprünglichen biblischen Grenzen? Das alles könnte Realität in Israel werden, wenn es nach dem Willen einiger Ultra-Orthodoxer oder nationalistisch-religiöser Hardliner geht. So stark wie nie zuvor sind sie derzeit in der Regierungskoalition vertreten. Sie lassen Premier Netanjahu spüren, daß er auf sie angewiesen ist und setzen sich kompromißlos für die eigenen Belange ein: ‚Land and Law‘, also ‚Land und religiöse Gesetze‘.“

Ziemlich selten gehört, … oder gelesen:

Ein Meinungsbeitrag von Dahlia Scheindlin im „Stern“: „Die faktische Annexion des Westjordanlands kümmert kaum jemanden – dabei sind die Folgen viel dramatischer für Israels Demokratie.“ (Dahlia Scheindlin, eine der führenden politischen Analystinnen Israels, sie forscht am Think Tank Century International in Tel Aviv)

Im falschen Film …

zu sein, könnte man:frau versucht sein zu denken, aber

Der Diskurs eskaliert, schreibt Jakob Reimann in der heutigen Ausgabe der Tageszeitung Junge Welt und bringt einen Beitrag zur heftigen Debatte gegen die renommierte, international anerkannte Nahostwissenschaftlerin Drin. Muriel Asseburg.

Der eskalierte Diskurs
Besatzer gibt’s nur im Donbass, niemals auch in Palästina: Reaktionen auf Interview bei Jung & naiv zeigen »Unmöglichkeit der deutschen Nahostdebatte«. Von Jakob Reimann

Hanno Hauenstein twittert aktuell das Vorgehen der „faschistoiden Organisation Im Tirzu“ und die physischen Einschüchterungen gegen Muriel Asseburg in Tel Aviv.

Achtungszeichen von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) Berlin: In der gestrigen Presseerklärung stellt sich die SWP demonstrativ hinter Drin. Asseburg: „Unsere sehr geschätzte Kollegin Dr. Muriel Asseburg sieht sich seit geraumer Zeit scharfen Anfeindungen ausgesetzt..“ und: „Die aktuellen Vorwürfe haben jedoch eine andere Qualität: Wenn Zitate verkürzt oder verfälscht wiedergegeben und Interpretationen des Gesagten genutzt werden, um gezielt Empörungen zu schüren, dann sind diese Vorwürfe in der Sache und im Ton unangemessen. Dies betrifft insbesondere den Vorwurf des Antisemitismus. Dagegen verwahren wir uns entschieden.“

Zu einem demokratischen Stil zurückkehren, das erhofft sich pax Christi Deutschland in Bezug auf die aktuellen Ereignisse rund um die Äußerungen von Muriel Asseburg.

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Als diAk treten wir für einen sachlichen, offenen, fairen Austausch in der Debatte ein, der kontrovers sein mag und auch herausfordernd. Drin. Muriel Asseburg erleben wir als eine souverän abwägende, unverzichtbare akademische und wissenschaftliche Persönlichkeit und schätzen ihre Analyse und ihre Beiträge.
Persönliche und physische Angriffe von Kritiker:innen auf Personen, wie auf Muriel Asseburg gestern (12. Juli 2023) in Tel Aviv, lehnen wir entschieden ab.

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Ergänzung: (4. August 2023) Beitrag von Gert Krell vom Blog des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung

Akevot

Wer kann was wann wie erinnern – in der Auseinandersetzung um Geschichte geht es im um die Deutungshoheit in der Gegenwart

Ein Beispiel für diese Arbeit ist das israelische Institut Akevot

Akevot Institute for Israeli-Palestinian Conflict Research was founded in 2014 out of a recognition of the unique role archives can play in breaking conflict-enhancing myths, fostering fact-based discourse, and supporting the work of human rights defenders.  We make archives a tool for change by researching and exposing mechanisms, processes and events who play a role in the perpetuation of the Conflict. We assist human rights defenders and civil society organizations in accessing archival documentation relevant to their work. We campaign to expand the public’s access to government archives to promote transparency and freedom of information.

Helfen Regenschirme?

Erster Teil der Justizreform in der Knesset abgesegnet

Im Bericht von Mareike Enghusen im Tagesspiegel heißt es:

Derweil scheinen die Forderungen nach einem härteren Vorgehen gegen Demonstranten Wirkung zu zeigen. Videos auf sozialen Medien zeigen, wie berittene Polizisten in Jerusalem und Tel Aviv Demonstranten mit ihren Pferden rammen. Mindestens ein Mensch soll dabei verletzt worden sein. Bis Dienstagnachmittag wurden zudem mindestens 60 Menschen wegen Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen.

Die Organisatoren der Protestbewegung machen derweil klar, sich von dem härteren Vorgehen nicht einschüchtern lassen zu wollen. „Die Polizei setzt bereits Wasserwerfer ein“, meldeten sie am Dienstagnachmittag mit augenzwinkerndem Emoji über ihre Kanäle in den sozialen Medien. „Bringt Regenschirme mit.“

Hier die Sicht des ORF

iReturn

Über die / aus der Arbeit der israelischen NGO ‚Zochrot

About iReturn

iReturnNavigate Palestine, Imagine The Future, is an upgraded version of the famous trilingual iNakba App first launched in 2014.

Zochrot Navigate Palestine

The App is designed to enhance understanding of the Palestinian Nakba, it’s manifestations in the landscape and the possibility for redress.  

With the iReturn app, Zochrot aims to  use technology to re-tell a suppressed history and to reveal Israel’s hidden landscape of ethnic cleansing and forced expulsions. It gives users and beneficiaries a tool through which they could learn that history but also envision a just, viable, and peaceful solution to the ongoing crisis facing Palestinian refugees and internally displaced persons (IDPs).  … (mehr)

kurz & knapp der BpB

Verhindert die israelische Zivilgesellschaft eine illiberale Wende?
Interview über die Justizreform in Israel

Ein Gespräch mit Dr. Peter Lintl, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin

OCHA Update, Jenin 4. Juli 2023

Israeli forces’ operation in Jenin | Flash Update #2 as of 16:30, 4 July 2023 | Full report

KEY POINTS

  • For the second consecutive day, Israeli forces have been carrying out a large-scale air and ground operation in Jenin Refugee Camp and its surroundings, resulting in further casualties, damages and the displacement of thousands, fleeing the area. Displacement significantly increased in the past 12 hours. As of 16:30 on 4 July, more than 500 Palestinian families, comprising more than 3,500 people, are estimated to be internally displaced, either because their homes have been damaged, or destroyed, or due to safety concerns. Internally displaced persons are staying in government buildings, hotels, mosques, churches, in the government hospital and with relatives.
  • Large Israeli ground forces have continued raiding homes in the camp and appeared to move from one house to another through holes they drilled in the outer walls.
  • As of 22:30 on 4 July, the Palestinian Ministry of Health (MoH) confirmed that since the start of the operation, twelve Palestinians, including five children, were killed in Jenin. Furthermore, at least 143 people have been injured, of whom at least 20 are reportedly in critical condition. 
  • For the second consecutive day, vehicular and pedestrian entry to the camp is predominantly limited to one entrance where Israeli forces inspect vehicles, including ambulances. Moreover, Israeli forces bulldozed roads leading to the refugee camp, seriously hindering ambulances’ access to those injured within the camp. 
  • For the second consecutive day, most of the camp is without electricity or water, due to significant damage to infrastructure.  
  • The Humanitarian Coordinator has expressed concerns about the ongoing airstrikes and ground offensive in the densely populated Jenin Refugee Camp  and the humanitarian consequences. 
  • International humanitarian actors carried out an inter-agency field mission to Jenin City. Partners visited the Jenin Municipality and the Jenin Governmental Hospital and delivered essential medical supplies.