Israel: Neue Straßen fürs Westjordanland

Arte zeigt mehr als die Bilder

„Israel investiert viel Geld in neue Schnellstraßen, Tunnel, Viadukte und Parkhäuser im palästinensischen Westjordanland. Das ermutigt immer mehr Bürger:innen Israels, sich in den neuen Siedlungen niederzulassen, denn die sind ja jetzt durch moderne und sichere Straßen mit den großen Städten im Kernland verbunden. 

Diese Straßen sind auch die Antwort auf Israels Bevölkerungszuwachs. Die meisten Israelis leben in Tel Aviv und Jerusalem, und in diesen Ballungsgebieten wird es allmählich eng. Also bauen sie die Siedlungen im Westjordanland aus. Doch allmählich gleicht das Ganze immer mehr einer schleichenden Übernahme der Palästinensergebiete.“

Eine sehr wichtige Arte-Reporte, die anschaulich macht, wie durch die Infrastrukturpolitik der Regierung die israelische Herrschaft über Territorium des Westjordanlandes und jenseits eines zwei-Staaten-Models systematisch ausgedehnt und dauerhaft fermentiert wird.

Silence Breakers

Ein Film von Silvina Landsmann – Kinostrat am 24. März 2022

Die NGO „Breaking the Silence” – kurz BtS – besteht aus ehemaligen israelischen Soldaten und Soldatinnen, die durch das Sammeln persönlicher Erinnerungsberichte auf den militärischen Alltag und den Umgang mit der Bevölkerung in den besetzten Gebieten aufmerksam machen wollen. Die Regisseurin Silvina Landsmann ermöglicht mit ihrem Film einen Blick hinter die Kulissen einer umstrittenen Gruppierung mit einem kontrovers diskutierten Ansatz inmitten eines über 70 Jahre schwelenden Konflikts.

Was macht einen guten Soldaten aus? Die Fähigkeit, ohne Skrupel Befehle auszuführen, oder die Berücksichtigung von höheren moralischen Zielen im Umgang mit dem Feind? Letzteres war vielen Mitgliedern von BtS erst nach ihrer aktiven Militärzeit möglich. In ihrer Arbeit setzen sie sich mit Einsätzen und Handlungen auseinander, die ihnen heute falsch vorkommen. Mit Videos, Vorträgen und Stadtführungen wenen sie sich an die israelische Bevölkerung und an ausländische Medien. Auf den Straßen Hebrons kommt es immer wieder zum Zusammenstoß zwischen BtS, israelischen Siedlern und dem Militär. Auch auf politischer Ebene wird die Organisation scharf kritisiert. Ihr wird vorgeworfen, Geschichten zu erfinden, dem Ruf Israels zu schaden und dem Antisemitismus in die Hände zu spielen. Mit filmisch nüchternen Bildern beobachtet Landsmann, wie die Gruppe äußerlich und innerlich um ihre Stimme kämpft. (Dok.Leipzig)

Vor dem regulären Kinostart finden u.a. in Berlin, Frankfurt, München und Hamburg Vorführungen des Films statt, bei denen die Regisseurin und Aktivist:innen von Breaking the Silence anwesend sein werden.

Krieg beginnt in den Köpfen

Mit dem völkerechtswidrigen Überfall auf die Ukraine ist der Krieg nach Europa zurückgekehrt.  Der Angriffskrieg ist begleitet von ideologischen Umdeutungen der Politik der letzten Jahrzehnte, die mit der Hoffnung einer dauerhaften Friedensordnung, ausgehend von Europa, verbunden war.

Die Arbeit des diAk war und ist einer Friedensordnung in allen gesellschaftlichen Bereichen verpflichtet.  Dabei  ist es uns wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, daß Geschichtsnarrative, die Feindbilder begründen sollen, einen Teil der Kriegsführung darstellen. 

Wir weisen daher hier auf den aktuellen Aufruf des Arbeitskreises Historische Friedensforschung hin.

Erklärung des AKHF zum Krieg in der Ukraine 2022 – Arbeitskreis Historische Friedens- und Konfliktforschung e.V. (historische-friedensforschung.org)

Interessen und die Pflicht, zu verhandeln

Wie nur wenige Staaten, hat Israels Regierung in den ersten Tagen nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine die akzeptierten Handlungsmuster auf diplomatischem und internationalem politischen Gebiet beibehalten. Auch bot Premierminister Naphtali Bennet sofort an, daß Israel zwischen beiden Kriegsparteien als Vermittler agiert.

Zu den Motiven dafür mag die gegenseitige Akzeptanz Rußlands und Israels und ihrer jeweiligen regional- und geopolitischen Interessen in der Region und darüber hinaus zählen, darunter die bisher bewährte israelisch-russische Koordination betreffs Syrien, und die historischen Verbindungen ebenso wie die gegenwärtigen vielfältigen Beziehungen und Kontakte auf offizieller staatlicher wie auch gesellschaftlicher Ebene.

Dazu zählen auch die persönlichen Kontakte: Mehr als ein Fünftel der israelisch-jüdischen Bevölkerung stammen aus der Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten, sind nach Israel eingewandert, pflegen bis heute enge Kontakte zu ihren Herkunftsgebieten und sind durch russisch(sprachig)e Medien über die Ereignisse in Rußland und der Ukraine bei Bedarf ausführlicher und u.U. weit klarer informiert als durch übersetzte und komprimiert wiedergegebene Nachrichtenmeldungen.

Israels Regierung wird die internationalen Sanktionen – vorerst – nicht mittragen. So übernimmt die Regierung nun die ausgefallene Versicherung für die Fluggesellschaft EL AL, damit diese ihre Fluglinie Tel Aviv-Moskau vorerst weiterführen wird.

Zuvor hatte Außenminister Jair Lapid angewiesen, für den Fall, daß russische Geschäftsleute Anfragen stellen könnten, um die Sanktionen zu umgehen, diese Anfragen abwegig beschieden werden sollten.

Gleichwohl steht Israel für jüdische ukrainische Staatsbürger:innen auf der Flucht vor dem Krieg offen. Der frühere Ministerpräsident und Likudvorsitzende Benjamin Netanjahu geht hingegen weiter. Er fordert, allen ukrainischen Personen, die Zuflucht in Israel beantragen, ein Kurzzeitvisum zu erteilen und verweist auf die guten Beziehungen zwischen Israel und der Ukraine. Bereits seit Jahren seien die israelische und die ukrainische Wirtschaft eng verbunden. Viele israelische Unternehmen beschäftigten Entwicklungsteams mit ukrainischer Basis und, wie Netanjahu anführt, schätzungsweise bis zu 50.000 Programmierer:innen.

Siehe: Times of Israel / Jerusalem Post

Zeit gekauft – Blick auf Sheikh Jarrah

Zwangsräumung von Palästinenser:innen ausgesetzt

Die Lage von palästinensischen Familien in Ostjerusalem, die von Räumungen bedroht sind, könnte sich entspannen. Laut einem Urteil dürfen die Bewohner:innen vorerst bleiben – so lange bis die Eigentumsrechte geprüft sind – ein Verfahren, daß sich lange hinziehen kann und damit prinzipiell Möglichkeiten für eine politische Regelung eröffnet… ob diese gewollt sein wird, muß sich zeigen.

Hier der Bericht von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv, auf tagesschau.de.

Welche Chancen hat die Idee?

The Beilin-Husseini Holy Land Confederation Plan (February 21, 2022)

Auf der Seite von Peace Now finden sich „klare Antworten auf schwierige Fragen“ mit Yossi Alpher.

Hügeljugend?

The Hilltop Youth and Jewish Terrorism

Why do the IDF, the police, and society turn a blind eye towards these Israeli extremists? A discussion with ToI’s Senior Analyst Haviv Rettig Gur.

Ein Podcast der Times of Israel (From The Hartman Institute | Sponsored)

Keinen Baum den Gegnern des Friedens

Solidarity With Victims of Settler Violence

Aus einem Mailing des NIF / New Israel Fund

More than 400 activists took part in a tree planting event in the Palestinian village of Burin near Nablus in the West Bank earlier this month to demonstrate solidarity with local Palestinians and human rights activists. The event was organized by Rabbis for Human Rights and funded by a New Israel Fund emergency grant.

Only two weeks earlier, settlers from the nearby illegal outpost of Givat Ronen attacked Rabbis for Human Rights activists in Burin. Unfortunately, this violence is nothing new. For years, Jewish settlers have targeted this area, frequently rampaging through the hillsides, burning and uprooting the olive trees of local farmers.

Rabbis for Human Rights Executive Director Avi Dabush said, “This picture of hundreds of Israelis, including those injured by Jewish terrorists returning to the scene of the attack two weeks after it occurred, represents a significant victory. We declared that we will not give in to violence and that we will return to the field to stand in solidarity with Palestinian olive farmers against those who regularly attack them. And that is what we did.”

Other organizations who took part in the rally included Mothers Against Violence, Zazim — Community Action, Combatants for Peace, Mehazkim – Fighting for a Progressive Israel, MachsomWatch, Omdim Beyachad (Standing Together), Breaking the Silence, Peace Now, and Torat Tzedek – Torah of Justice.

Zazim said, “Our community has rallied for the cause and we arrive here this morning to demonstrate that our answer to violence and hatred is partnership. They uproot and we plant until the occupation ends.”

Jan Bazuin – Tagebuch eines Zwangsarbeiters

Buchvorstellung und Gespräch mit
Barbara Yelin, Barbara Beuys, Paul-Moritz Rabe, Judith Heitkamp, Monika Franz, Rupert Grübl, Leon Bazuin (u.a.)

23.02.2022 | 19.00 Uhr

Rotterdam, im Herbst 1944: Der neunzehnjährige Jan Bazuin erlebt den Hungerwinter. Täglich muss Brennmaterial und Essbares ‚organisiert‘ werden. Sein Vater droht, ihn von den Deutschen abholen zu lassen, wenn er nicht auszieht. Einziger Lichtblick ist die Freundin Annie. Doch Anfang Januar 1945 ändert sich alles. Jan wird zur Zwangsarbeit nach Bayern verschleppt…

Das kürzlich entdeckte Tagebuch des jungen Niederländers Jan Bazuin überrascht durch seinen ungekünstelten, jugendlichen und selbst in größter Not optimistisch klingenden Ton. Die Aufzeichnungen enden am 23. April 1945, kurz nach Jans riskanter Flucht aus dem Lager in München-Neuaubing, also genau von dort, wo das NS-Dokumentationszentrum derzeit die Einrichtung eines Erinnerungsortes plant. 

Der Text ist für die Forschung eine wichtige Quelle. Vor allem aber führt er ganz voraussetzungslos und intensiv vor Augen, wie ein Jugendlicher Deportation und Arbeitslager in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs erlebte. Die Zeichnerin Barbara Yelin hat die knappen, schnörkellosen Notizen illustriert und macht so das Geschehen auf unheimliche Weise präsent. Paul-Moritz Rabe hat das Tagebuch editiert und mit einem Nachwort versehen.

Ort NS-Dokumentationszentrum München und via Livestream unter www.youtube.com/nsdoku

Teilnahme kostenfrei – Keine Anmeldung notwendig

Veranstalter NS-Dokumentationszentrum München in Kooperation mit dem Verlag C.H. Beck und der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

Typisch deutsch?

Ein Beitrag zur Debatte um den Amnesty-Bericht von Saba-Nur Cheema (Frankfurt/M.):

„Alle Welt redet über Antisemitismus und Apartheid. Nur die palästinensische Seite nicht. Warum?“

Frankfurter Rundschau (10. Februar 2022)