Deutsch-Polnisches Haus

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Claudia Roth, hat am 29. August 2023 in Berlin gemeinsam mit der Staatsministerin für Europa im Auswärtigen Amt, Dr. Anna Lührmann, sowie Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, und Prof. Dr. Peter-Oliver Loew, Direktor des Deutschen Polen-Instituts, das Eckpunktepapier zum geplanten „Deutsch-Polnischen Haus“ vorgestellt.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth erklärt:

„Die Einrichtung des ‚Deutsch-Polnischen Hauses‘ ist eines der wichtigsten erinnerungs- und kulturpolitischen Projekte Deutschlands. Unser zentrales Anliegen ist es, im Herzen Berlins einen Ort zu schaffen, der den polnischen Opfern des nationalsozialistischen Deutschlands gewidmet ist und der die Begegnung und Auseinandersetzung mit unserer Geschichte fördert. Wir wollen an diesem Ort Wissen über das Leid der Polinnen und Polen zwischen 1939 und 1945 vermitteln sowie auch über die deutsch-polnische Geschichte insgesamt informieren. Durch Wissen wollen wir würdiges Gedenken schaffen – denn Kenntnis der Geschichte ist eine wichtige Voraussetzung für ein gemeinsames Erinnern für die Zukunft.“

Staatsministerin Dr. Anna Lührmann sagt:

„Das ‚Deutsch-Polnische Haus‘ wird ein Ort der Begegnung in Verantwortung vor der Vergangenheit. Besonderen Stellenwert wird das Gedenken an die deutschen Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs einnehmen. Wir schaffen auch einen Ort, an dem wir gemeinsam in die Zukunft blicken. Diesem Haus sind wir heute einen großen Schritt näher gekommen!“

Das vorgelegte Eckpunktepapier wurde durch die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in enger Partnerschaft mit dem Deutschen Polen-Institut erarbeitet. Es umfaßt ein detailliertes Konzept zum Deutsch-Polnischen Haus, das neben einem Gedenkzeichen für die Opfer des deutschen Krieges gegen und der Besatzung von Polen auch Ausstellungen zur Geschichte der deutschen Besatzung Polens sowie zur deutsch-polnischen Geschichte in sich vereinen soll. Zudem sollen Bildungsprogramme angeboten und Begegnungen ermöglicht werden, beispielsweise durch Lesungen, Konzerte oder Vorträge.

Das Deutsch-Polnische Haus soll im Zentrum Berlins errichtet werden. Bis zur Errichtung des Hauses sind Veranstaltungen und eine Wanderausstellung geplant, die an die polnischen Opfer der deutschen Verbrechen erinnern.

Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, erklärt:

„Kern des ‚Deutsch-Polnischen Hauses‘ ist die Wissensvermittlung über die deutsche Besatzungsherrschaft in Polen und die Würdigung der Opfer. Dazu zählen auch die noch immer wirkmächtigen Traumata von Krieg, Massenmord und Zerstörung. Zugleich wird die über tausendjährige und für zwei Nachbarn, für zwei große Kulturnationen in der Mitte Europas einzigartige Verflechtungsgeschichte bis in die Gegenwart hinein auf vielfältige Weise beleuchtet. Dieser Ort soll ein ‚Labor‘ der Freundschaft, der historischen Bildung und des künstlerischen Austausches, des gegenseitigen Verständnisses und beidseits achtungsvollen Umgangs in einem gemeinsamen Europa sein.“

Prof. Dr. Peter-Oliver Loew, Direktor des Deutschen Polen-Instituts, ergänzt:

„Das ‚Deutsch-Polnische Haus‘ wird ein Leuchtturm der Empathie: So wie hier sind Deutsche Polen noch nie gegenübergetreten – mit Gedenken, mit Information und mit einem breit gefächerten Bildungsangebot, symbolisch markant in der Mitte Berlins, nur hundert Kilometer von Polen entfernt. Ich freue mich, daß unsere Initiative, die das Deutsche Polen-Institut seit 2017 begleitet und mitgestaltet, nun ein großes Stück vorankommt. Wir wollen Deutsche und Polen miteinander ins Gespräch bringen, jungen Menschen vermitteln, wozu Nationalismus und Faschismus im 20. Jahrhundert führen konnten und dazu beitragen, dass wir voneinander und übereinander lernen.“

Hintergrund:
Am 30. Oktober 2020 beschloß der Deutsche Bundestag in Berlin einen Ort zu errichten, der den polnischen Opfern des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Besatzung Polens gewidmet ist. Das Auswärtige Amt erarbeitete mit Unterstützung einer deutsch-polnischen Expertenkommission sowie eines politischen Beirats ein erstes Konzept. 2022 übernahm die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien die Zuständigkeit und bat die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas gemeinsam mit dem Deutschen Polen-Institut ein Konzept für die Errichtung eines „Deutsch-Polnischen Hauses“ auszuarbeiten. Die hierzu bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas eingerichtete Stabsstelle nahm im März 2023 ihre Tätigkeit auf. Im Frühjahr 2024 soll ein Realisierungsvorschlag vorliegen, über den dann der Bundestag entscheiden wird.

Das Eckpunktepapier zum „Deutsch-Polnischen Haus. Gedenken – Begegnen – Verstehen“ kann hier auf Deutsch und Polnisch herunterladen.

Anschlagsserie auf Gedenkstätten in Deutschland

Volker Witting auf der Seite der Deutschen Welle zu aktuellen Entwicklungen

Antisemitismus, Rassismus, Homophobie – Anschläge auf Gedenkstätten häufen sich. Was sind Gründe für diese Attacken auf Demokratie und Minderheiten?

Fromm und gegen die Besatzung?!

This week’s guest is Mikhael Manekin. Mikhael is an anti-occupation activist, Director of the Alliance Fellowship, and an Orthodox religious Jew living in Jerusalem. The narrative around the fight for Israel’s values – within the Jewish community –  is often told as one with a stark divide: where “Secular Left” faces off against “Religious Right“. And it’s true that, oftentimes religious observance and right wing politics in Israel do go hand in hand. But Mikhael challenges that narrative. In this episode, we talk to Mikael about how the religious community fits into the struggle to end the occupation, the struggle for peace, equality, and justice.

Und was läßt sich bei uns zum ‚Elephanten im Raum‘ sagen?

[….] „Es hilft auch nicht, sich hinter Aussagen von Juden/Jüdinnen zu verstecken. Zu glauben, nur Juden dürften Israels Politik kritisieren, wäre seltsam identitär. Und um zu erahnen, wie die Ku-Klux-Klan-Gestalten in Netanjahus Koalition die humanistischen Traditionen des Judentums beleidigen, muss ich nicht Jüdin sein. So wie es der Aufklärung dienen kann, gegen reaktionären Islamismus progressive muslimische Stimmen zu zitieren, lassen sich gegen den Ethnonationalismus jüdische Antipoden anführen.
Doch enthebt einen dies eben nicht davon, eine eigene Position zu beziehen. Die sollte, vom Deutschen aus, stets die Geschichte im Blick haben, auch den heutigen Antisemitismus. Gleichgültigkeit und Wegsehen lassen sich indes nicht mit dem Holocaust begründen.“

Beitrag von Wolfgang Iro in der Frankfurter Rundschau: Die Diskussionskultur hierzulande über Antisemitismus verweigert sich der Realität in Israel und den besetzten Gebieten.

Der Elephant im Raum

„Elephant in the Room“ – so lautet der Titel eines Manifests, das aus den USA kommt. Aktuell (17.8.23) haben 1.719 überwiegend jüdische Wissenschafter:innen sich der Erklärung angeschlossen.

We, academics and other public figures from Israel/Palestine and abroad, call attention to the direct link between Israel’s recent attack on the judiciary and its illegal occupation of millions of Palestinians in the Occupied Palestinian Territories. Palestinian people lack almost all basic rights, including the right to vote and protest. They face constant violence: this year alone, Israeli forces have killed over 190 Palestinians in the West Bank and Gaza and demolished over 590 structures. Settler vigilantes burn, loot, and kill with impunity.

Without equal rights for all, whether in one state, two states, or in some other political framework, there is always a danger of dictatorship. There cannot be democracy for Jews in Israel as long as Palestinians live under a regime of apartheid, as Israeli legal experts have described it. Indeed, the ultimate purpose of the judicial overhaul is to tighten restrictions on Gaza, deprive Palestinians of equal rights both beyond the Green Line and within it, annex more land, and ethnically cleanse all territories under Israeli rule of their Palestinian population. The problems did not start with the current radical government: Jewish supremacism has been growing for years and was enshrined in law by the 2018 Nation State Law.

American Jews have long been at the forefront of social justice causes, from racial equality to abortion rights, but have paid insufficient attention to the elephant in the room: Israel’s long-standing occupation that, we repeat, has yielded a regime of apartheid. As Israel has grown more right-wing and come under the spell of the current government’s messianic, homophobic, and misogynistic agenda, young American Jews have grown more and more alienated from it. Meanwhile, American Jewish billionaire funders help support the Israeli far right. 

In this moment of urgency and also possibility for change, we call on leaders of North American Jewry – foundation leaders, scholars, rabbis, educators – to

  1. Support the Israeli protest movement, yet call on it to embrace equality for Jews and Palestinians within the Green Line and in the OPT. 
  2. Support human rights organizations which defend Palestinians and provide real-time information on the lived reality of occupation and apartheid.
  3. Commit to overhaul educational norms and curricula for Jewish children and youth in order to provide a more honest appraisal of Israel’s past and present.
  4. Demand from elected leaders in the United States that they help end the occupation, restrict American military aid from being used in the Occupied Palestinian Territories, and end Israeli impunity in the UN and other international organizations.

No more silence. The time to act is now.

Die aktuelle Liste der Unterzeichnenden findet sich online.

Von draußen – und drinnen – draufgeschaut

Peter Kuras („Writer and translator, born and raised in Traverse City, Michigan, lives in Berlin“) auf Jewish Currents zu:

Welche Stimme haben die Palästinenser:innen in Israel?

Ein Beitrag von Baker Zoubi auf der Plattform +972mag.com über mögliche Perspektiven für die politische Partizipation der Palästinenser:innen („israelischen Araber“) in einem zukünftigen Staat Israel.

Der „Umbau“ geht weiter

Times of Israel:

Amid rising accusations of racism, Smotrich adamant funds for Arab towns will be cut

Far-right finance minister says he has Netanyahu’s backing to halt East Jerusalem funding, alleges money earmarked for Arab authorities goes to organized crime

***

Haaretz ‘Political Bribe’ |

Far-right Finance Minister Freezes Funds for Israeli Arab Cities, East J’lem Students Despite Shin Bet and Ed. Ministry’s Position

The interior minister firmly demanded Israel’s Finance Minister Bezalel Smotrich release the funds previously promised to the municipalities, but Smotrich holds firm, also opposing funding to preparatory programs for Palestinian students in East Jerusalem

Anfang August | Gedenken

In Polen wird am 1. August an an Opfer des Warschauer Aufstands von 1944 gedacht. Vor 79 Jahren, am 1. August 1944, hatte die polnische Untergrundarmee Armia Krajowa die nationalsozialistischen Besatzer in Warschau angegriffen. Die Hauptstadt sollte in polnischer Hand sein, wenn von Osten sowjetische Truppen anrücken. Doch in 63 Tagen schlugen deutsche Truppen den Aufstand nieder, richteten Massaker an der Zivilbevölkerung an und zerstörten große Teile der Stadt.

Und der 2. August ist der Europäischen Gedenktag für Sinti und Roma, eingeführt im Jahre 2015 durch das Europäische Parmalemt. 1944 wurden an diesem Tag die letzten verbliebenen 4.300 Sinti und Roma im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet.

United to End the Occupation

Ein online-Gespräch der American Friends of Combatants for Peace

August 3, 202312:00pm ET / 7pm Jerusalem

[Nachtrag: 4. August – Aufzeichnung ist hier zu finden]

Hadar Cohen & Eva Borgwardt will explore how many in the Jewish diaspora are organizing for dignity and equality for all, from the river to the sea. Learn from leaders who are fighting against antisemitism and for Palestinian liberation.

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