Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Deutschen Bischofskonferenz, äußerte sich mit deutlichen Worten zu den jüngsten Übergriffen extremistischer Siedler im Westjordanland:
„In diesen Tagen ist die mehrheitlich christliche Stadt Taybeh im Westjordanland in die Schlagzeilen geraten. Sie ist das vorerst letzte Beispiel für die unerträglichen Übergriffe extremistischer jüdischer Siedler auf palästinensische Orte. Längst handelt es sich nicht mehr um Einzelfälle, sondern um die Alltagserfahrung der dort ansässigen Bevölkerung, die eingeschüchtert werden soll, um sie zur Auswanderung zu veranlassen.
Die Gefahr, die von randalierenden Siedlern ausgeht, verschärft die Lebenssituation der Palästinenser, die ohnehin von der systematischen Zerstückelung der Infrastruktur im Westjordanland und der drastischen Einschränkung der Bewegungsfreiheit betroffen sind.
Der israelische Staat muss endlich seiner Verantwortung gerecht werden: Die Übergriffe müssen verhindert und Straftäter zur Verantwortung gezogen werden. Andernfalls wird nicht nur das internationale Renommee Israels beschädigt, sondern jeder Rest an Zukunftshoffnung, der unter den Palästinenser noch gegeben sein mag, zerstört. So ist ein Frieden in der Region auch langfristig undenkbar.
Angesichts des jüngsten Vorfalls sollte auch nicht vergessen werden, dass das christliche Leben ein wichtiger Bestandteil des palästinensischen Volkes ist. Es darf nicht vollständig aus der Region verschwinden!“
Über die Rückkehr – wenn es je weg war – des Rechts des Stärkeren...
Man speist im Weißen Haus auf teurem Porzellan und reflektiert bei der Suppe über die Zukunft der Palästinenser:innen im Gazastreifen, die ihre Heimat verlassen wöllten – ein ganz demokratisches Recht sei es ja der Menschen dort …
„Die Zwei-Staaten-Lösung ist und bleibt der einzige Weg“ – Amr Moussa, ehemaliger Generalsekretär der Arabischen Liga, über die Lage im Nahen Osten, Ägyptens Rolle und die Zukunft für Palästina.
Die Gewalt radikaler jüdischer Siedler:innen im besetzten Westjordanland gegen die palästinensische Bevölkerung hat seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sprunghaft zugenommen. Teile der rechten Regierung unterstützen diese Gewalt, bei denen mehrere Menschen getötet, zahlreiche Häuser in Brand gesteckt und Tausende zur Flucht gezwungen wurden. Ermutigt von der Tolerierung und teils Legitimierung durch die Regierung griffen Siedler letzte Woche Soldaten – und in der Nacht auf Montag sogar einen Militärstützpunkt – an.
Erklärung des Parents Circle-Israeli Palestinian Bereaved Families for Peace vom 17. Juni 2025
„In diesen dramatischen und schmerzhaften Tagen haben wir – die palästinensischen und israelischen Familien, die den höchsten Preis bezahlt haben – eine klare Botschaft: Wir weigern uns, ein Leben zu führen, das von Mord, Besatzung und Angst bestimmt ist. Krieg und Konflikt werden uns nicht definieren. Wir bestehen weiterhin darauf, daß die Zukunft nur durch geteilte Menschlichkeit, Würde und die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit für alle gestaltet werden kann.“
Israels Zivilgesellschaft protestiert, Eindrücke aus Israel
3Sat: „Kulturzeit“ vom 10. Juni 2025: Leid in Gaza: Israelis protestieren
Israels Zivilgesellschaft wacht auf
Die Reihe der stillen Demonstranten in Israel, die jeden Samstag am Rande der großen Antiregierungskundgebung Bilder von in Gaza getöteten Kinder in der Hand halten, will nicht aufhören. Unter ihnen Künstler wie Addam Yekutieli. Sie kommen mit einem Appell an ihr Land und ihre Regierung: Bewahrt die Menschlichkeit! Verschließt nicht die Augen vor dem Leid und der Trauer auch der anderen Seite – der palästinensischen Zivilisten in Gaza!
„Das Massaker des 7. Oktobers war ohne jeden Zweifel ein grauenhafter Einschnitt in unsere Gesellschaft“, sagt Yekutieli, der unter dem Alias Know Hope arbeitet. „Es traf uns in unserer tiefsten rohen, unterbewussten Psyche. Das Problem ist, dass in diesem Krieg das Trauma als Waffe eingesetzt wurde. Die andere Seite wird schlicht dehumanisiert. Vielleicht kennen die Leute die Opferzahlen in Gaza, aber sie sagen sich: ‚Na und? Es sind doch nur Palästinenser.‘ Unsere Aufgabe ist es jetzt, die humanistischen Werte hochzuhalten.“
Es sind nicht nur Ultralinke, die ein Ende des Krieges in Gaza fordern. Immer mehr begreifen, dass Israel zum „Pariah“ der Staatengemeinschaft wird, wie die Tageszeitung „Haaretz“ neulich titelte. In einem Meinungsartikel schrieb dort der ehemalige Ministerpräsident Ehud Olmert: „Es gibt zu viele Fälle von der grausamen Erschießungen von Zivilisten, von Zerstörung von Eigentum und Häusern. Israelis begehen Kriegsverbrechen.“ Der ehemalige Armeechef Moshe Yaalon beschuldigt die Netanyahu-Regierung, ethnische Säuberung zu betreiben. Der neue Parteichef der Arbeiterpartei, der Ex-General Yair Golan, sorgte für einen Skandal, als er offen sagte, Israel würde als Hobby Kinder töten. Worte, die noch vor ein paar Wochen undenkbar gewesen wären.
120.000 Reservisten der Armee haben die Regierung zu einem Waffenstillstand aufgerufen. Den Ball ins Rollen gebracht hat Uri Arad, ehemaliger Kampfpilot mit einem offenen Brief der Luftwaffenreservisten. „Die Regierung versucht uns Märchen zu erzählen, wie dass nur militärischer Druck unsere Geiseln in Gaza zurückbringen würde. 41 von ihnen sind bereits in der Geiselhaft gestorben“, sagt er. „Beendet den Krieg und bringt die Geiseln nachhause!“ Der offene Brief der Piloten war nur der erste. Es folgten Aufrufe der Fallschirmjäger, der Infanterie, der Ärzte und der Sanitäter.
Bringt Israels Kriegsführung das Land ins internationale Aus? Der Publizist Ben Dror Yamini sieht eine akute Gefahr. Doch Schuld daran, meint er, seien auch die internationalen Medien, die zunehmend Israel dämonisieren, während sie deren terroristische Gegner ignorieren. „Warum um Himmels willen, diese Doppelmoral?“, klagt er an. „Warum erzählt Ihr nicht die wahre Geschichte der Hamas? Eine Organisation, die mit deutlichsten Worten zur Vernichtung von Juden aufruft, zur muslimischen Weltherrschaft. Die Hamas war der IS bevor es den IS gab. All das zeigt man in den internationalen Medien nicht. Das muss gesagt werden! Andererseits heißt das nicht, dass ihr ausländischen Journalisten nicht das Vorgehen der israelischen Regierung kritisieren sollt.“
Eindrücke aus Israel – Gespräch mit Shai Hoffmann
Wir sprechen mit dem Schauspieler, Musiker, Sozialunternehmer und Aktivisten Shai Hoffmann über die Lage in Israel. Hoffmann ist deutscher Jude mit israelischen Wurzeln. Er engagiert sich für Demokratie und Toleranz, unter anderem ist er Initiator der „Israel-Palästina-Videos“ und hostet den Podcast „Über Israel und Palästina sprechen“
Waffen statt Wiederaufbau: Israel bewaffnet palästinensische Gegner der Hamas, im Gazastreifen droht nun noch mehr Chaos. Die Strategie erinnert an frühere Fehler Netanjahus und könnte sich rächen. Eine Analyse von Steffi Hentschke, Tel Aviv in Die Zeit