Dem Grauen ein Gesicht geben

Die Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem hat ein kürzlich erhaltenes Bilderalbum mit Photos zum November-Pogrom digital aufbereite und es online zugänglich gemacht.

„Rare Photographs Shed Light on the Events of the November Pogrom 84 Years Ago“

Im Nachgang zu Karlsruhe (ÖRK/WCC)

Auf der 11. Vollversammlung des Weltkircherates in Karlsruhe im September 2022 waren auch die Fragen von Israel & Palästina und die Position zur Verwendung der Begrifflichkeit „Apartheid“ auf der Tagesordnung.

Hier das Heft 2/2002 des PRO ÖKUMENE-Informationsdienstes, das einen Rückblick auf die Tagung und die unterschiedlichen Debatten wirft, auch zu zahlreichen anderen Fragen natürlich.

Wir gratulieren

Daniel Barenboim zum 80. Geburtstag

Daniel Barenboim zu 80. Geburtstag

Erinnerung: Morgen, 15. November

diAk-online mit Katharina Konarek (Haifa)

zur Einordung des israelischen Wahlergebnisses und der potentiellen neuen israelischen Regierung, zu der ja in den vergangenen zwei Wochen schon eine Reihe von Namen und möglichen Projekten in der Öffentlichkeit kursieren.

diAk online Konarek

Was heißt: Singularität des Holocaust?

Prof. em. Dr. Michael Wildt:
Überarbeitete und ergänzte Fassung der Abschiedsvorlesung vom 17. Februar 2022 an der Humboldt-Universität zu Berlin

„In der aktuellen Debatte um Holocaust, Kolonialismus und Erinnerung hat Per Leo jüngst angeregt, dass Historikerinnen und Historiker irritierende Fragen stellen sollten. Diesem, wie ich finde, klugen Vorschlag folgend, möchte ich hier diskutieren, ob und inwieweit die Rede von der Singularität des Holocaust angemessen, sinnvoll, erkenntnisfördernd ist. Wie ist sie (in der Bundesrepublik) entstanden, und worin könnte heute ihre Aussagekraft liegen? Müsste die Perspektive nicht erweitert werden? Solche Fragen führen in das Zentrum einer Debatte, die hierzulande seit der Auseinandersetzung vom Frühjahr 2020 um den afrikanischen postkolonialen Theoretiker Achille Mbembe heftig entbrannt ist, dem der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung Felix Klein vorwarf, den Holocaust zu relativieren. Die vor allem in den Feuilletons geführte Debatte verschärfte sich, als der in den USA lehrende Historiker A. Dirk Moses im Mai 2021 mit einem provokanten Essay die deutsche Erinnerungskultur kritisierte: In der Fixierung auf den Holocaust würden die Kolonialverbrechen ausgeblendet. Die Kontroverse um Antisemitismus auf der diesjährigen documenta bildete mit den schrillen Tönen zweifellos den vorläufigen Tiefpunkt dieser Debatte. Nachdenkliche Argumente wie von Micha Brumlik, Sebastian Conrad, Charlotte Wiedemann oder Natan Sznaider scheinen kaum noch Gehör zu finden.“

Der spannende ganze Text kann hier gelesen oder heruntergeladen werden.

Bibliographische Angaben:

Prof. em. Dr. Michael Wildt, Was heißt: Singularität des Holocaust?, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 19 (2022), H. 1,
URL: https://zeithistorische-forschungen.de/1-2022/6022,
DOI: https://doi.org/10.14765/zzf.dok-2405,
Druckausgabe: S. 128-147.

There is no ‘halachic state’ in Jewish law

Eine interessante und jetzt mit Blick auf die Entwicklungen in Israel und im rechten/religiösen Lager spannende Debatte, zu der hier Rabbiner Naftalie Rothenberg auf dem Blog der Times of Israel seine Position darlegt;

Theocracy is simply not a Jewish legal concept – the halachic legal system applies its authority only to those who accept it

Beschluß des Haushaltsausschusses

Deutsch-Israelisch-Palästinensisches Promotionskolleg in Flensburg wird gefördert

Wissenschaftler*innen präsentieren Arbeit zu internationaler Verständigung im Deutschen Bundestag

Mit insgesamt 2,1 Millionen Euro fördert der Bund die European Wasatia Graduate School for Peace and Conflict Resolution an der Europa-Universität Flensburg. Das hat der Haushaltsausschuß des Bundestages entschieden. Damit ist die Graduiertenschule, in der Promovierende aus Israel, Palästina und Deutschland gemeinsam religionsübergreifend und interdisziplinär zu Lösungen des Konflikts im Nahen Osten forschen, bis zum Jahr 2029 gesichert. Zudem kann mit dem Geld ein Programm für Gastwissenschaftler*innen (scholar-in-residence) aufgelegt und eigene Stipendien vergeben werden.

„Ich freue mich sehr darüber, daß es gelungen ist, dieses in Deutschland bisher einmalige Programm für Promovierende aus Israel, Palästina und Deutschland weiter zu fördern. Die European Wasatia Graduate School for Peace & Conflict Resolution wird zukünftig bis zu 359.000 € jährlich im Rahmen ihrer Arbeit für Frieden, Verständigung und Versöhnung vom Bund erhalten“, so Dr. Wiebke Esdar, zuständige Haushaltspolitikerin der SPD-Bundestagsfraktion für den Etat des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Prof. Dr. Ralf Wüstenberg, Professor für evangelische Theologie und Direktor des Graduiertenkollegs bewertet diese Anschlußfinanzierung als wichtiges friedensethisches Signal. „Dieses Zeichen strahlt über den Nahost-Konflikt hinaus und berührt wesentlich auch europäische Fragen. Es ist nun sichergestellt, daß über die gegenwärtig eingeschriebenen Promovierenden zwei weitere Kohorten in 2023 und in 2026 aufgenommen werden können. Neben Israelis, Palästinensern und Deutschen sollen Stipendien auch an junge Promovierende aus andere Transformationsgesellschaften gehen, wie u.a. Südafrika, Irland, Albanien. Gemeinsames Lernen, eigenständiges Forschen und das wechselseitige Entdecken von Konfliktlösungsstrategien im Horizont von Wasatia und Versöhnung sind die Eckpfeiler des Programms.“

Auch Prof. Dr. Udo Steinbach, Leiter des MENA Study Centre der Maecenata Stiftung, das eng mit der Wasatia Graduate School zusammenarbeitet, schätzt die Entscheidung des Deutschen Bundestags als nachhaltigen Beitrag Deutschlands für die Lösung des palästinensisch-israelischen Konflikts ein.

Projektkoordinatorin Dr. Zeina Barakat freut sich über das breite Interesse an der European Wasatia Graduate School for Peace and Conflict Resolution unter den Parlamentariern des Deutschen Bundestages und erklärte: „Als in Jerusalem geborene Palästinenserin, die sich über ein Jahrzehnt auch wissenschaftlich mit Friedensethik befaßt, sind die Ziele der Graduiertenschule auch eine Herzenzangelegenheit.“

Die „European Wasatia Graduate School for Peace and Conflict Resolution“

Das interdisziplinäre, transnationale und multireligiöse Promotionskolleg wurde im November 2021 gegründet. Derzeit sind zwölf Doktorand*innen Teil der „European Wasatia Graduate School for Peace and Conflict Resolution“.

Das Kolleg identifiziert Wahrheit wie Recht als Bedingung für Frieden und Konfliktlösung im israelisch-palästinensischen Verhältnis. Vor dem Hintergrund, dass rechtliche, politische und religiöse Dimensionen der Versöhnung ihrerseits mentale Komponenten beinhalten, wie etwa die Anerkennung von Leid, die Befähigung zur inter-religiösen Toleranz und zur Dekonstruktion festgefahrener Narrative, soll die Wasatia Graduate School als ein interdisziplinäres Forum fungieren, das Versöhnung als zentrales Element zur gesellschaftlichen Konfliktlösung herausstellt.

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Den Schmerz der Anderen begreifen III

Goethe-Institut und Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv vertagen die für den 13. November geplante Veranstaltung „Den Schmerz der anderen begreifen“ auf einen späteren Zeitpunkt.

Die Erinnerung an die Shoah und das Gedenken der Opfer sind dem Goethe-Institut und der Rosa-Luxemburg-Stiftung ein großes Anliegen. Das Goethe-Institut widmet sich diesem Thema in zahlreichen Projekten in Israel und weltweit. Es steht für Verständigung und Dialog. Das Datum der ursprünglich für den 9. November in Tel Aviv geplanten Veranstaltung „Den Schmerz der anderen begreifen“ war sehr unglücklich gewählt und wurde korrigiert. Im Vorfeld der Veranstaltung hat sich in Deutschland und Israel zunehmend ein Diskussionsklima entwickelt, das deren sachgerechte Durchführung unmöglich macht. Es muss mit massiven Störungen gerechnet werden, die Sicherheit der Podiumsdiskussion ist vor diesem Hintergrund leider nicht zu gewährleisten. Das wichtige Thema der Erinnerungskultur kann so nicht in angemessener Weise behandelt werden.

Das Goethe-Institut und die Rosa-Luxemburg-Stiftung haben deshalb gemeinsam entschieden, die für den 13. November geplante Veranstaltung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Wir werden jetzt gemeinsam mit einer Vielzahl von Diskursbeteiligten über die Neukonzeptionierung nachdenken.


Wir bedauern sehr, dass die von uns geplante Veranstaltung bereits vor ihrer Durchführung in einem Maße der öffentlichen Kritik ausgesetzt war, dass ihre erneute Verschiebung unumgänglich wurde.

***

In einer persönlichen Erklärung schreibt Charlotte Wiedemann über die Absage der Präsentation ihre Buches u.a.:

 „Niemand hatte vor, die in ihren Dimensionen und Konsequenzen völlig unterschiedlichen historischen Ereignisse Holocaust und Nakba gleichzusetzen. (…) Stattdessen sollte debattiert werden, wie die beiden jeweils identitätsstiftenden Traumata verflochten sind und wie sie von der anderen Seite besser verstanden werden können. (…) Dies war ein Testfall, wie Deutschland mit der verschärft rechten Stimmung nach den Wahlen [in Israel] umgeht, und Deutschland hat nach meinem Verständnis demokratischer Werte diesen Test nicht bestanden.“ 

Ukraine | Rußland – und wo steht Israel?

Zwei kontroverse Positionen auf der Plattform https://www.ipg-journal.de der Ebert-Stiftung

Daniel Rakov, West-Jerusalem, Oberstleutnant a.D. und Senior Fellow am Jerusalem Institute for Strategy and Security (JISS):

Umstrittene Weigerung – Das Nein der israelischen Regierung zu Waffenlieferungen an die Ukraine irritiert viele im Westen. Doch für die Haltung gibt es strategische Gründe.

Gil Murciano

Tel Aviv

Dr. Gil Murciano ist der CEO von Mitvim (Israeli Institute for Regional Foreign Policies). Er ist Mitglied der Adjunct Faculty der Hertie School of Governance Berlin, wo er als Dozent für Internationale Politik des Nahen Ostens tätig ist

„Das dürfte für Russland eine Baustelle zu viel sein“ – Über Israels Verhältnis zum Westen, Waffenexporte in die Ukraine, Moskaus Rolle in Syrien und die Bedrohung durch Iran.

Den Schmerz der Anderen begreifen II

„In seiner Rezension des Buches „Der Schmerz der Anderen“ von Charlotte Wiedemann äußerte Micha Brumlik die Hoffnung, es „könne .. gelingen, die festgefahrenen Fronten in der Diskussion über das Verhältnis von kolonialen Gräueltaten und nationalsozialistischem Judenmord und die Singularität der Shoah wieder aufzulockern“.

Diese Hoffnung hat sich nicht er füllt.

Seit das Goethe-Institut in Tel Aviv in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung in Tel Aviv am 9. November eine Veranstaltung mit der Autorin unter der Überschrift „Holocaust, Nakba und deutsche Erinnerungskultur“ ankündigte, gehen die Wellen hoch. (Vergleiche unser Post vom 9. November). Die Rede ist von einer Revision des deutschen Geschichtsbildes, von einer Diffamierung Israels.

Daß es keineswegs um einen Vergleich des Holocaust mit der Nakba geht, wie Amos Goldberg von der Hebräischen Universität in Jerusalem erläutert, spielt offensichtlich in der in der Zwischenzeit polemisch aufgeladenen Debatte keine Rolle mehr.

Das Goethe-Institut hat in der Zwischenzeit die Veranstaltung auf das unverfängliche Datum des 13. November verlegt.

Hier der Link zum Artikel in der taz.