Die Genfer Initiative (Geneva Initiative) begleitet die Entwicklungen zu politischen Perspektiven mit einem
„monthly assessment of the road to the two-state solution“ – graphisch interessant aufbereitet…
Monat: September 2022
Von welcher israelischen Linken sprechen Sie?
„Eine Linke, die den Nahostkonflikt auf ihre Tagesordnung setzt, gibt es nicht. Eine Linke, die um die Verringerung der sozialen Diskrepanzen kämpft, auch nicht. Meretz kämpft abstrakt um Menschenrechte. Die Arbeitspartei um alles, nur nicht um die Belange der Arbeiter. Und die arabischen Parteien kommen ohnehin nicht gegen die Dominanz des zionistischen Establishments an. Eine israelische Linke gibt es nicht,“ resümiert der bekannte israelische Wissenschaftler und em. Hochschulprofessor Moshe Zuckermann im Interview in der heutigen Ausgabe der Tageszeitung Junge Welt.
Zum Thema siehe auch: Times of Israel | Washington Post | Haaretz
Es gibt keine einfachen Antworten
Weder Projektionen, noch das Verschließen der Augen, noch schräge Einseitigkeiten bringen uns zurück in einen Stand „davor“ – der Zivilsationsbruch unserer Geschichte bleibt eine Wunde, die es immer wieder und immer wieder neu anzugehen gilt – ohne je die eine Antwort zu finden …:
Heiner Roetz, seines Zeichens emeritierter Professor der Sinologie und in den 1970er Jahren in der „Frankfurter Szene“ akitv, lädt in beeindruckender Weise zu einer solchen Reflektion in einem Beitrag in der Frankfurter Rundschau ein:
„Nach dem Holocaust: Die Last den anderen aufbürden. Die deutsch-israelische Freundschaft ist angespannt. Die unappetlichen Seiten der deutschen Solidarität mit Israel„
Profiles in Peace
Sonntag, 18. September 2022 | 1:00 PM EST Time (= 19.00 Uhr MEZ)
Eine Zoom-Versanstraltung des East End Temmple New York
Rabbi Kronish will discuss his new book, which traces the lives of Israeli Jews and Palestinian Arabs who are working to build peaceful relationships between their communities. He will be joined by two peacemakers: Prof. Mohammed Dajani and Prof. Galia Golan.

Rechtsextremismus nach 1945
Tagung des Archivs für Sozialgeschichte / Friedrich Ebert-Stiftung | 29.09.2022 – 30.09.2022
In der Diskussion um rechtspopulistische und rechtsextreme Politik und Aktivitäten wird die historische Kontinuität rechtsextremen Denkens und Handelns wenig thematisiert. Das rechtsextreme Milieu wird häufig als etwas Fremdes und außerhalb der Gesellschaft und ihrer grundlegenden politischen Kultur Stehendes verstanden. Noch augenfälliger galt dies für die DDR, die aus dem Antifaschismus ihre politische Legitimation bezog. Zugleich zeigt sich in den aktuellen Wahlkämpfen in Europa immer deutlicher, dass es ein erhebliches Stimmenreservoir für rechtsextreme, nationalistische Parteien gibt. Diese oft populistischen Bewegungen lediglich als „Betriebsunfälle“ zu interpretieren, verkennt die vielfältigen historischen Kontinuitäten im rechtsextremen Milieu ebenso wie soziale Brüche und ideologische Neuausrichtungen.
Eine Gesellschaftsgeschichte des Rechtsextremismus zu entwerfen, mit einem vergleichenden Blick auf Entwicklungen in Europa, ist daher ein lohnender Ansatz, um diese politische Bewegung stärker zu kontextualisieren und vor allem zu historisieren. Eine solcher Ansatz fragt nicht nur nach den Entwicklungen und Hintergründen des politisch marginalisierten rechtsextremen Milieus, sondern auch nach tieferliegenden Einstellungen und vor allem nach gesellschaftlichen Bedeutungen und Funktionen des Rechtsextremismus. Dabei wird auch erkennbar, dass bereits der Begriff viele unterschiedliche Aufladungen hatte. War Rechtsextremismus in den 1950er-Jahren das Gleiche wie heute? Wer entwarf Zuschreibungen, wie wurden Kategorien und Kriterien definiert? In welchem Verhältnis standen Fremd- und Selbstzuschreibungen? Nicht zuletzt ist an dieser Stelle auch zu analysieren, welche Rolle Beobachter politischer Bewegungen für die Begriffsverständnisse spielten.
Hinsichtlich der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mit Rechtsextremismus sind staatlich-institutionelle und politische Ausführungs- und Entscheidungsgruppen ebenso bedeutsam wie zivilgesellschaftliche Akteure, Gruppen ehemals Verfolgter oder von rassistischer Gewalt und Diskriminierung Betroffener. Wer beteiligte sich am gesellschaftlichen Diskurs über Rechtsextremismus, welchen Deutungen dominierten und welche wurden ausgegrenzt? Welche Funktionen nahm der Rechtsextremismus im politischen Selbstverständigungsdiskurs Deutschlands ein – auch jenseits der deutsch-deutschen Auseinandersetzung? Wie wurde er beobachtet und eingeordnet? Dies ließe sich beispielsweise im Kontext von Wahlen näher analysieren, deren Ergebnisse auch die Konjunkturen der Beobachtung und Erforschung mitbestimmten. Hier sind vielfache Verschiebungen und Erweiterungen im historischen Verlauf zu beobachten. Zudem internationalisierten sich Rechtsextremismus und Rechtspopulismus nach 1945 und vernetzten sich überdies transnational.
Ausgehend von diesen Fragen will die Redaktion des Archivs für Sozialgeschichte gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren zentrale Dimensionen des Themas ermitteln und konzeptionelle Überlegungen für den geplanten Band und die einzelnen Beiträge entwickeln. Weitere Teilnahmen sind daher nur im Einzelfall nach vorheriger Anmeldung möglich.
Programm – Anmedlung bis 23. September 2022
Festakt Gedenkveranstaltung 70 Jahre Luxemburger Abkommen
15. September 2022 | Im Jüdischen Museum Berlin sprach aus diesem Anlaß der Bundeskanzler
Bundeskanzler Olaf Scholz hat dabei Shoa-Überlebenden weitere Unterstützung versprochen. Es sei der Bundesrepublik heute und in Zukunft ein Anliegen, Entschädigungszahlungen sicherzustellen, damit sie den Lebensabend in Würde verbringen könnten, sagte Scholz. Dies gelte auch für Fürsorgeleistungen, sagte Scholz in seiner Ansprache bei der Veranstaltung zur Würdigung des vor 70 Jahren unterzeichneten ‚Luxemburger Abkommens‘ im Jüdischen Museum Berlin.
Scholz bezeichnete den Vertrag mit Israel und der ‚Jewish Claims Conference‘, mit dem sich Deutschland 1952 zu Entschädigungszahlungen verpflichtet hatte, als »zweiten Gründungsakt der Bundesrepublik«.
Der Akt habe die schwere Schuld, die Deutschland durch die Verfolgung und kaltblütige Ermordung der Juden auf sich geladen habe, nicht abtragen können. Es sei aber der Versuch gewesen, Verantwortung zu übernehmen, sagte der Kanzler. (Download der Rede des Kanzlers)
***

Bericht im Deutschlandfunk
Siehe dazu auch die aktuelle Ausstellung vom 7. September 2022 bis zum 5. Oktober 2022
Die Ausstellung kann nach vorheriger Anmeldung montags bis freitags in der Zeit von 9 bis 17 Uhr im Paul-Löbe-Haus, Eingang West, Konrad-Adenauer-Straße 1, 10557 Berlin-Mitte, besucht werden.
https://www.bundestag.de/ausstellung-luxemburger-abkommen
Erneuerung der PLO?
Ein Beitrag auf al-Shabaka – The Palestinian Policy Network
Von Al-Shabaka Policy Member Belal Shobaki, Head of the Department of Political Science at Hebron University.
Reconstituting the PLO: Any Place for Hamas and Islamic Jihad?
„The Palestinian people at home and in exile have shown over the course of a century that they are capable of recreating their national project for self-determination, freedom, and rights. This paper makes a modest contribution by showing that some of the basic elements are there and can – and must – be used without delay.“
Sparen am falschen Ende
Das Außenministerium will der renommierten Plattform die Fördermittel streichen. Stiftungen, Wissenschaft und Medienschaffende reagieren entsetzt.
Das Auswärtige Amt will offenbar die Förderung für das angesehene Onlineportal Qantara.de ab 2023 komplett einstellen. Das würde das Aus für die Plattform bedeuten, die sich seit fast 20 Jahren dem Dialog mit der arabisch-islamischen Welt verschrieben hat, kritisch die Lage von Menschenrechten und Demokratie in der Region kommentiert und Autor:innen zu Wort kommen lässt, die in ihrer Heimat nicht frei schreiben können. Wissenschaftler:innen, Medienschaffende und Vertreter:innen politischer Stiftungen reagierten entsetzt auf die Streichungspläne.
Es geht, angesichts eines Ministeriums-Etats von in diesem Jahr 7,1 Milliarden Euro, nicht um sehr viel Geld: Rund 360 000 Euro steckt das Ministerium derzeit noch in Qantara.de, das von der Deutschen Welle betrieben wird. Die Förderung müsse „aus Spargründen“ wegfallen, wurde dem Beirat mitgeteilt, wie die FR erfuhr. Eine Anfrage dazu ließ das Ministerium zunächst unbeantwortet. Im Beirat sitzen das Goethe-Institut und das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa).
Quelle: Frankfurter Rundschau
+972 zur Deutschen Welle
Halacha-Handschriften in Berlin
Online-Werkstattgespräch an der Staatsbibliothek Berlin
Neri Yeshayahu Ariel, Ph.D.
Donnerstag, 22. September 2022 | 18.15 Uhr
Weitere Informationen und Webex-Zugangsdaten:
https://blog.sbb.berlin/termin/halacha-handschriften-22-9-22/
Die klassische Einteilung der Literaturforschung gilt auch für jüdische Schriften. Eine der Eigenschaften der Buchkultur ist es, dass es hinweisende Literatur gibt, die die Leser durchs Leben führt und seinen Blick weitet: Philosophie, Weisheitsliteratur, Ethik und Hermeneutik der früheren Werke (Kommentarliteratur). Einer der großen Schwerpunkte der Halacha ist die Beschäftigung mit dem Alltag und den Problemen, die aus dem alltäglichen Leben entstehen. Das Judentum beschäftigt sich intensiv mit rechtlichen Fragestellungen, weil es zu einer Änderung im inneren Leben der Gläubigen führen möchte. Als jüdische Besonderheit entsteht deshalb eine tiefe Verbindung zwischen Literatur und Recht in der größeren Perspektive, die die Literaturwissenschaft kennt. In diesem Vortrag werden die Grundzüge der Halacha, nämlich das jüdische Recht, erklärt. Einige Halacha-Handschriften der Staatsbibliothek werden vorgestellt, und es wird auf deren Besonderheiten eingegangen.

