Auch Bretter, die die Welt bedeuten

Bei den Jerusalem Skater Girls leben jüdische, christliche und muslimische Frauen ihren Sport aus. Nebenbei reißen sie gesellschaftliche Barrieren ein – darüber ein Artikel in der taz von Tobias Grießbach.

Stiftung Mercator: Rassismus bremst den Prozeß der Integration

Die Deutschen zeigen eine große Offenheit gegenüber Einwanderung, rund die Hälfte äußert jedoch Vorbehalte im Hinblick auf die Beibehaltung der kulturellen Identität Zugewanderter


Dies sind zwei Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld, bei der Menschen mit und ohne Einwanderungserfahrung befragt wurden. Die Studie erscheint seit 2014 in einem zweijährigen Turnus und wird von der Stiftung Mercator gefördert.

Willkommenskultur – Die Auswertung der Daten zeigt, dass die Zustimmung zu einer Willkommenskultur deutlich zunimmt (Zustimmung: 2014: 40%, 2016: 39%, 2018: 37%, 2020: 55%). Die Zustimmung wuchs während der Coronapandemie, in der Einwanderung kaum stattfand und Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft selten waren. Die meisten Befragten begrüßen es, wenn Einwandernde sich für Deutschland entscheiden. Mehr als die Hälfte der Befragten (62%) freuen sich, dass Deutschland vielfältiger und bunter wird; jede fünfte befragte Person lehnt das hingegen ab.

Erwartungen an die kulturelle Anpassung – Zwei Drittel der Befragten ohne Migrationsgeschichte äußerten die Erwartung, dass Migrant*innen sich mehr an die Deutschen anpassen sollten und nicht umgekehrt. 11% meinen, die Deutschen müssen sich mehr anpassen. Etwa der gleiche Anteil (61%) äußert die Erwartung, dass dies nur von den Zuwanderern geschehen soll. Menschen, die selbst nach Deutschland eingewandert sind, äußerten zu 56% diese Erwartung. Nur 14% aller Befragten gaben an, beide sollten sich einander annähern. Damit befürworten gegenüber 2014 (27%) nur noch halb so viele Menschen ohne Wanderungsgeschichte ein „Aufeinanderzubewegen“. Die politischen Auseinandersetzungen um die starke Zuwanderung in den Jahren 2015/16 und das Aufkommen des Rechtspopulismus haben deutliche Spuren auf die Einstellung zu kulturellen Anpassungsprozessen hinterlassen, folgern die Autor*innen.

Akzeptanz kultureller Eigenheiten – Die Offenheit gegenüber sichtbaren Zeichen kultureller Differenz ist bei einem Teil der Befragten deutlich eingeschränkt. So meinen 40%, dass Orte der Religionsausübung nicht sichtbar sein sollten. Für 15% gehören nicht-christliche Stätten der Religionsausübung nicht zu Deutschland, 9% akzeptieren keine auf bestimmte Herkünfte bezogene Kulturvereine und Begegnungsstätte. 17% der Befragten lehnen es ab, dass Menschen anderer Kultur Funktionen im öffentlichen Dienst wahrnehmen.

„Die Frage der Akzeptanz kultureller Eigenheiten und Identitäten ist für die Integration genauso entscheidend wie die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Arbeit und Bildung“, gibt Studienleiter Prof. Dr. Andreas Zick zu bedenken. Soweit die kulturelle Identität mit geltenden Normen und Werten vereinbar sei, mache sie die Vielfalt einer Einwanderungsgesellschaft aus und trage zur kulturellen Entwicklung bei.

Migrationsvorstellungen – Für die Teilhabe Eingewanderter am gesellschaftlichen Leben sprechen sich fast 73% der Befragten aus, die nie gewandert sind, und 76% jener, die eine Einwanderungsgeschichte haben. Hingegen gestehen nur 48% der Befragten Migrant*innen zu, ihre kulturelle Identität aufrecht zu erhalten. Wer selbst eine Wanderungsgeschichte hat, stimmt mit 64% mehrheitlich für die Aufrechterhaltung kultureller Identitäten.

Eine Mehrheit der Befragten (44%) befürworten beides, Teilhabe und die Aufrechterhaltung kulturell wichtiger Merkmale. Die Zustimmung zur Integration sinkt hingegen deutlich: 2014: 60%; 2016: 51%; 2021: 48%, während eine Befürwortung der Assimilation, die Teilhabe aber auch Aufgabe kultureller Bedeutsamkeiten verlangt, im Vergleich zum Jahr 2016 (22%) auf 31% ansteigt. Damit hat das Niveau derer, die sich für eine Assimilation Zugewanderter aussprechen, wieder den Stand der ersten Erhebung im Jahr 2014 (29%) erreicht. Unter Befragten mit Einwanderungsgeschichte ist die Befürwortung der Integration deutlich höher (56%).

„Der Wunsch vieler Einwandernder, kulturell bedeutsame Dinge, Rituale und Identitäten aufrecht zu erhalten, bedeutet nicht, dass sie sich abschotten wollen“, erläutert Zick. Nur 5% der Befragten mit Einwanderungsgeschichte identifiziert sich nur allein nach Herkunft und als „nicht-deutsch“.

Anforderung an Zugehörigkeit – Nicht-Eingewanderte sehen als Kriterien für die Zugehörigkeit zum Land die Beherrschung der deutschen Sprache (94%), die Achtung von Werten und Traditionen (93%), eine Erwerbstätigkeit (86%), der Einsatz für die Allgemeinheit (82%) sowie die Unabhängigkeit von Sozialhilfe (82%). Hingegen finden kaum zu erwerbende Kriterien wie „Christ sein“ (28%), in Deutschland gelebt zu haben (33%) oder in Deutschland geboren zu werden (26%) weniger starken Zuspruch.

Werden die Zugehörigkeitskriterien addiert und nach der Häufigkeit der Nennung gewichtet, so werden 2020 61% der Anforderungen genannt. Die Anforderungen der Befragten an Zugewanderte sind damit gegenüber den Vergleichsjahren 2018 (47%) und 2014 (53%) gestiegen. Zu beobachten ist ein stärkerer Zuspruch zu Kriterien wie „sich deutsch fühlen“ (39%) oder „in Deutschland geboren sein“ (23%) unter Menschen, die schon länger als 5 Jahren in Deutschland leben als jenen, die noch keine 5 Jahre im Land sind (12%). Auch in den anderen Kriterien der Zugehörigkeit nähern sich Eingewanderte mit der Dauer ihres Lebens in Deutschland immer stärker den Nicht-Zugewanderten an.

Rassismus – 33% der Befragten, die nach Deutschland eingewandert sind, geben an, sehr oft oder oft rassistischen Beschimpfungen ausgesetzt zu sein. „Nur Teilhabe in Arbeit und Bildung reichen nicht aus“, so Andreas Zick. Der Schutz vor Herabwürdigung ist eine Minimalanforderung, die ein Einwanderungsland wie Deutschland leisten müsse. „Rassismus bremst den Prozess der Integration“, so Zick.

Das Forschungsteam plädiert für eine Perspektive auf die Einwanderungsgesellschaft Deutschlands, die kulturelle Prägungen und Unterschiede einschließt, diese jedoch nicht überbetont. „Der Alltag der Menschen in Deutschland mit und ohne Einwanderungsgeschichte ist kein Leben zwischen Kulturen, sondern mit Kulturen. Niemand gründet im Alltag sein gesamtes Handeln kulturell oder religiös“, so Andreas Zick. Mit dieser Perspektive würden Populisten und Rechtskonservative ständig Differenzen behaupten und Befürchtungen erzeugen, die bei einem Teil der Bevölkerung verfangen oder ohnehin vorhanden sind. So stimmt es 36% der Befragten negativ und ängstlich, wenn sie hören, dass Bräuche, Werte und Traditionen von Migrant*innen in wenigen Jahren gleichwertig sein werden.

Helfen könnte eine zugewandte Einwanderungspolitik, die den Prozess des Ankommens unterstützt und durch Bildung und Kommunikation begleitet. „Wir sehen hier die Länder in der Verantwortung, in der schulischen und außerschulischen Bildung Grundfragen kultureller Anpassungsprozesse stärker zu verankern“, so Michael Schwarz, Geschäftsführer der Stiftung Mercator. „Wir müssen besser vermitteln, wie Menschen sich Kulturen aneignen und sich Gesellschaft ständig verändert.“

Kreise und Kommunen, die z.B. mehr Geflüchtete aufnehmen möchten, besondere Maßnahmen für die Bildung Eingewanderten anbieten oder interkulturelle Stadtplanungen und längerfristige Integrationsmaßnahmen entwickeln wollen, sollten dafür aus einem Sonderfonds Mittel abrufen können, fordert Zick.

Zudem müsse die Zukunft der Migration dauerhaft oben auf der Agenda der Politik bleiben. Im Wahlkampf werde dieses Thema lieber ausgeblendet, so die Studie. „Migration war immer ein Konfliktthema. Umso mehr liegt es in der Verantwortung der Politiker und Politikerinnen, ihre Konzepte im Hinblick auf die Migration darzustellen“, so Andreas Zick. „Die Studie zeigt: Die Politik kann auf eine Gesellschaft bauen, die bei allen Differenzen, Herausforderungen und Konflikten Migration als Alltag und Bereicherung sieht. Die Mehrheit von 53% der Befragten stimmt der Aussage zu „Das Zusammenleben mit Migranten wird den Zusammenhalt in Deutschland stärken.“

ÜBER DAS INSTITUT FÜR INTERDISZIPLINÄRE KONFLIKT- UND GEWALTFORSCHUNG DER UNIVERSITÄT BIELEFELD

Das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) ist eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität Bielefeld. Seit 25 Jahren forscht das IKG in drittmittelgeförderten Projekten zu innergesellschaftlichen Konflikten. Zentrale Forschungsthemen sind Radikalisierung und Extremismus, Vorurteile, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung sowie Migration, Akkulturation und sozialer Wandel. Das IKG ist Teilinstitut des Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt.

ÜBER DIE STIFTUNG MERCATOR

Die Stiftung Mercator ist eine private, unabhängige Stiftung. Sie tritt mit den von ihr geförderten Projekten und stiftungseigenen Aktivitäten für eine Gesellschaft ein, die sich durch Weltoffenheit, Solidarität und Chancengleichheit auszeichnet.

Bereits seit 1995 setzt sich die Stiftung Mercator dafür ein, die gesellschaftlichen Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben von Menschen zu schaffen, die sich im Hinblick auf ihre Herkunft, ihre Überzeugungen und ihre soziale Lage unterscheiden.

Aus diesem Grund fördert die Stiftung Mercator die Teilhabe von benachteiligten Menschen und tritt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Sie unterstützt darüber hinaus die Verständigung und den Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und macht sich stark für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in einem geeinten Europa.

Die Stiftung fördert Wissenschaft und Forschung zu den von ihr verfolgten Zielen zum Wohle aller. In einem neuen thematischen Schwerpunkt beleuchtet die Stiftung die Auswirkungen der Digitalisierung auf Demokratie und Gesellschaft. Die Stiftung Mercator will die natürlichen Lebensgrundlagen bewahren und unterstützt Projekte, die Wege hin zur Klimaneutralität aufzeigen.

Die Stiftung Mercator engagiert sich in Deutschland, Europa und weltweit. Dem Ruhrgebiet, der Heimat der Stifterfamilie und dem Sitz der Stiftung, fühlt sie sich besonders verbunden.

Hier weitere Informationen

Nie genug der Träume

Am Sonntagabend ging das Middle East Union Festival zu Ende, ein Ende der immer ein Anfang ist…

Hier die Schlußerklärung…

Deklaration der Nahost-Union

Wir verkünden die Gründung der Nahost-Union
im Rahmen von humanem, ökonomischem und sozialem Denken und Verfahren,
welche die Staaten des Nahen Ostens, Nordafrikas sowie die Türkei und den Iran vereinen.

Die Deklaration der Nahost-Union trägt in sich unter anderem die Idee der Wichtigkeit
der Menschen- und Bürgerrechte für alle Bewohnerinnen und Bewohner des Nahen Ostens.

Das Recht auf eine gleiche und faire Verteilung der natürlichen Ressourcen unter den Staaten der Region, die ohnehin bereits an den Folgen der Klimakrise zusammenbrechen.

Die Nahost-Union wird eine Verfassung schreiben, in der die Rechte, Wünsche und Bedürfnisse aller Mitglieder der Union, einschließlich der Frauen, LGBTQI-Menschen, Kinder und Geflüchteten,
verankert sein werden.

Diese Verkündung macht aber die folgende Frage nicht überflüssig:
Was wäre passiert, wenn der Nahe Osten von den europäischen Mächten nicht erobert worden wäre? Welche Bürgerkriege hätten vermieden werden können, wenn Gebiete nicht nach dem Wunsch europäischer Imperialisten entlang horizontaler, symmetrischer Trennlinien aufgeteilt worden wären? Grenzen, die ohne jegliche humane Logik quer durch Gemeinden, Familien und Kulturen verliefen.

Es gibt eine gewisse europäische Auffassung von der wesentlichen Beziehung zwischen den EU-Staaten: Die Auffassung darüber, wie sich die einzelnen Unionsmitglieder ihren Alltag vorstellen, welche Zukunftsvision sie sich ausmalen, was sie als Einheit motiviert.

Ähnlich bitten auch wir in der Deklaration der Nahost-Union, die Bestrebung nach der Verknüpfung der verschiedenen im Nahen Osten lebenden Communitys nicht aufzugeben.

Diese Vision gemeinsam niederzuschreiben!

Eine Organisation zu begründen, die unsere Ziele vorantreibt, egal ob diese wirtschaftlich oder human sind oder die Zukunft des ganzen Planeten betreffen.

Und mehr an Bildern und Info: The Middle East Union Festival

Logo Middle East Union

Kein „weiter so“

Nach der Gewalteskalation im April/Mail hat die International Crisis Group ihren aktuellen Bericht (Middle East Report Nr. 225) zu den Ereignissen im Gazastreifen und Westjordanland und in Israel vorgelegt.

Darin analysiert das Team die Prozesse der letzten Monate und mahnt die Akteure zum notwendigen konstruktiven Handeln und einer Regelungssuche jenseits eines „weiter so“ in Israel und Palästina: “Beyond Business as Usual in Israel-Palestine“

Vorhang auf!

In Berlin und Potsdam – Open Air und Kinosaal.

„Zwei Städte, zwei Festivalzentren, elf Tage: das 27. Jüdische Filmfestival Berlin und Brandenburg präsentiert sich vom 12. bis 22. August 2021 kompakt mit 46 Filmen und vier Serien.“

„Bei der Festival-Eröffnung feiert nicht nur SHIVA BABY (US/2020) Premiere, sondern auch das „neue“ JFBB. Nach 26 erfolgreichen Jahren, in denen Gründerin Nicola Galliner das JFBB zum größten jüdischen Filmfestival in Deutschland gemacht hat, treten Doreen Goethe und Andreas Stein mit ihrem Team und viel Elan in die Fußstapfen der langjährigen Festivalleiterin.“

Im August läßt sich in „reichlich Prominenz beim JFBB blicken – deutsche und internationale Stars besuchen das Jüdische Filmfestival und präsentieren feierlich ihre Premieren. Sie alle eint das Interesse an jüdischen Themen und die Vorfreude auf das live stattfindende Festival.

Im Schwarz-Weiß-Biopic LIEBER THOMAS von Andreas Kleinert über Thomas Brasch glänzen die deutschen Filmstars Albrecht Schuch (SYSTEMSPRENGER, BERLIN ALEXANDERPLATZ) und Jella Haase (FACK JU GÖTHE, KOKON).

Rachepläne schmiedet August Diehl (INGLOURIOUS BASTERDS) im actionreichen Polit-Thriller PLAN A: eine jüdische Untergrundgruppierung plante nach Kriegsende, das Trinkwasser in mehreren deutschen Städten zu vergiften – nach einer wahren Geschichte.

Harvey Keitel und Udo Kier sind in der bereits mehrfach gekrönten Romanverfilmung THE PAINTED BIRD des tschechischen Regisseurs Václav Marhoul zu sehen. Persönlich zu Gast sein wird Anna Unterberger (GUNDERMANN) bei der Präsentation des Wettbewerbsspielfilms 200 METERS, einer internationalen Koproduktion des palästinensischen Regisseurs Ameen Nayfeh, der ebenfalls zu Gast sein wird.

Am JFBB seine Europapremiere feiert das dokumentarische Porträt IRMI, in dem Hanna Schygulla, Ikone aus dem filmischen Werk von R.W. Fassbinder, der bereits verstorbenen deutsch-jüdischen Protagonistin Irmi Selver ihre Stimme leiht. Und auch ihre prominente Kollegin Katharina Thalbach ist stimmlich beim JFBB zu Gast: sie spricht die verstorbene Mutter des Regisseurs in WHO’S AFRAID OF ALICE MILLER?.

Granden wie Schauspielerin Sharon Brauner und die Sängerinnen Nana Mouskouri und Jocelyn B. Smith erinnern uns in Marc Boettchers BELINA – MUSIC FOR PEACE nicht nur an das Lebenswerk der polnisch-jüdischen Sängerin Belina (1925-2006), sondern auch an die verbindende Kraft der Musik.

In der JFBB-Sektion ZEITREISE ist die DEFA-Produktion DIE SCHAUSPIELERN (1988) zu sehen, mit der Corinna Harfouch ihren Durchbruch auf der Leinwand feierte. Der israelisch-britische Kreativ-Koch und Chef-Pâtissier Yotam Ottolenghi, dessen heiß begehrten Kochbücher inzwischen in fast keiner Küche mehr fehlen, steht im Zentrum der Dokumentation OTTOLENGHI UND DIE VERSUCHUNGEN VON VERSAILLES.

Ein Zeitzeugengespräch im Potsdamer Filmmuseum mit Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff und dem Auschwitz-Überlebenden Leon Schwarzbaum, der im Februar seinen 100. Geburtstag feierte, sowie zwei Werkstattgespräche mit dem israelischen Filmemacher Yehonatan Indursky (u.a. Netflix-Serie SHTISEL), der beim JFBB seine Serie neue AUTONOMIES zeigt, finden sich außerdem im Rahmen**programm.“

*** https://jfbb.info/blog ***

Sag mir wo Du stehst …

Anfang August hat das Israel Democracy Institute IDI seine neueste Monatsumfrage vorgestellt. Danach sind die wirtschaftliche Situation und die weiteren Maßnahmen der Regierung gegen die Ausbreitung von Covid-19 die wichtigsten Probleme der Bevölkerung Israels. An zweiter Stelle folgt die Arbeitsweise der neuen Regierung und an dritter Stelle schließlich die Sicherheitslage und die dramatischen Folgen des Klimawandels. Daß die seit etwa sechs Wochen amtierende Regierung mindestens ein Jahr hält, davon geht weiterhin weniger als die Hälfte der Bevölkerung Israels aus.

Die Mehrheit der Bevölkerung stimmt auch dafür, daß Spionagesoftware und israelische Waffen nicht an „nondemocratic regimes or rulers“ verkauft werden sollten.

Hinsichtlich der Regelung des israelisch-palästinensischen Konflikts scheint ein Konsens weit entrückt zu sein. Weniger als vierzig Prozent der Gesamtbevölkerung Israels könnte eine Zwei-Staaten-Regelung einschließlich der Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates akzeptieren, in der arabisch-israelischen Bevölkerung wären es mehr als zwei Drittel. Eine Ein-Staaten-Regelung mit gleichen Rechten für alle Bürger wäre nur für etwas mehr als ein Fünftel aller Israelis akzeptabel, aber auch hierzu würden mehr als die Hälfte der arabisch-israelischen Einwohner zustimmen.

In den politischen Lagern zeigt sich der manifeste Graben noch deutlicher: Fast 90% der sich als links verstehenden jüdischen Israels stimmen einer Zwei-Staaten-Regelung zu. Unter den sich als rechts einschätzenden jüdischen Israelis könnten sich weniger als ein Fünftel mit dieser Option abfinden; mehr als die Hälfte von ihnen befürwortet den Status quo.

Union !

Vom Donnerstag, 12. August – Sonntag, 15. August 2021 dreht sich der neuen Nahe Osten in Berlin: Das Middle East Union Festival läßt mit Literatur, Diskurs und Musik, mit Performance, Poesie, feministischen und queeren Diskussionen mit Gästen aus aller Welt – analog und digital – eine Vision zum Greifen nah erscheinen und lädt dazu ein, Ideen der Utopie frei zu erkunden.

Logo Middle East Union

Historikerstreit versus Illiberalismus

„Wir haben keinen neuen Historikerstreit, sondern einen neuen Illiberalismus“

Im Mai dieses Jahres erschien der Essay Der Katechismus der Deutschen, mit dem sein Verfasser, der Genozidforscher Dirk Moses, internationales Aufsehen erregte. Der in den USA lehrende australische Wissenschaftler „entfachte laufende Diskussionen über das Verhältnis des Holocaust-Gedenkens zur vergleichsweise zaghaften Erinnerungskultur gegenüber den deutschen Kolonialverbrechen – sowie über die Frage der historischen Singularität des Holocaust und die Grenzen der Meinungsfreiheit im deutschen Diskurs“, führte die Berliner Zeitung die Debatte weiter. In der Wochenendausgabe stand keine weitere Rezeption zum Text Moses‘ sondern Dirk Moses selbst antwortete seinen Kritikern.

Steingewordener Schlußstrich

Zur Debatte des Umgangs mit der eigenen Geschichte war am 24. Juli 2021 ein wichtiger und bemerkenswerter Text des Historikers Jürgen Zimmerer in der Berliner Zeitung erschienen:  

„Warum das Humboldt-Forum ein steingewordener Schlussstrich ist

Das neu eröffnete Humboldt-Forum, so der Autor, bedeute das Ende deutscher Demut: In ihm spiegelten sich die erinnerungspolitischen Debatten unserer Zeit.

Erinnerung ist nicht teilbar, aber mitteilbar

Was ein Baum zu erzählen hat

In der neuen Ausgaben (August 2021) von This Week in Palestine findet sich eine kleiner Essay von Claudette Habesch, die viele Jahre ehremamtliche Präsidentin der Caritas in Jerusalem war. Sie erinnert an ihre Jugend und die ihres verstorbenen Mannes, beide wurden aus Talpiot (Talbiyeh), heute in West-Jerusalem, vertrieben.

This Week in Palestine