Neuerscheinung Muriel Asseburg

[Ergänzung 29. März 2025 – Ausführliche Besprechung von Werner Ruf in der Frankfurter Rundschau]

Hintergrund, Eskalation, Folgen

München (C.H. Beck) 2025 | 286 S. | Mit 12 Abbildungen und 5 Karten | ISBN 978-3-406-82892-8

Mit dem Angriff der Hamas auf Israel und Israels Krieg im Gazastreifen ist der Nahostkonflikt in ungekannter Schärfe eskaliert. Muriel Asseburg erklärt im historischen Kontext und mit wohltuender Distanz, was seit dem 7. Oktober 2023 passiert ist, welche Akteure in den Konflikt involviert sind und welche Folgen der Krieg weit über Israel und Palästina hinaus hat. Ein Muß für alle, die verstehen wollen, warum der Konflikt immer weiter eskaliert und was die Beteiligten antreibt.

7. Oktober 2023: Die Bewohner einiger Kibbuzim und Besucher des Nova-Musikfestivals – aber auch das israelische Militär – werden von einem Terrorangriff der Hamas überrascht. Mehr als tausend Menschen kommen ums Leben, 250 Geiseln werden verschleppt. Israel riegelt daraufhin den Gazastreifen vollständig ab, startet eine Großoffensive gegen die Hamas und nimmt eine humanitäre Katastrophe in Kauf. Muriel Asseburg schildert mit viel Empathie die schrecklichen Ereignisse seit dem 7. Oktober, erläutert die Vorgeschichte und zeigt, wie der Krieg immer weitere Kreise zieht: vom Westjordanland bis nach Syrien und Irak, über den Libanon bis zu den Huthi-Milizen im Jemen und zu direkten Angriffen zwischen Israel und Iran. Sie schildert auch die Bemühungen der USA, der arabischen Kontaktgruppe und der Internationalen Gerichtshöfe in Den Haag, die Gewalt einzudämmen. Dabei gelingt es ihr souverän, die unterschiedlichen Perspektiven deutlich zu machen und so ein Bild von beeindruckender Tiefenschärfe zu zeichnen.

Auch das ist Gaza

Susanne Brunner, Leiterin Auslandredaktion des SFR, in einem Bericht: „Gegen Krieg und Hamas – Proteste in Gaza: «Die Menschen haben genug»“

In der Kulturzeit com 28. März ein Beitrag von/über Akram Surany aus Gaza und seinen Brief an die Hamasführung im Ausland. (Ab Minute 22:21, nicht als eigenständiger Beitrag zu finden)

Ibrahim Dahman and Nadeen Ebrahim bei CNN: ‘Enough war’: Why Gazans are protesting Hamas now – sowie Beitrag mit Filmmaterial

Und noch der Bericht auf +972mag:

Es gibt kein Entrinnen aus der Gegenseitigkeit

Der israelische Historiker Gadi Algazi reflektiert in seinem Beitrag auf Jacobin.de, daß die drohende Massenvertreibung der palästinensischen Bevölkerung für beide Seiten verheerende Folgen haben und eine neue Spirale der Gewalt auslösen wird.

„Nichts kann die Reziprozität aufheben. Wenn wir keine positive Gegenseitigkeit schaffen, werden wir in einem blutigen Kreislauf der negativen Gegenseitigkeit gefangen bleiben. Die Besetzten und Enteigneten sind vielleicht nicht in der Lage, sich gegen die Übermacht einer Armee zu wehren, die bereits auf die neuen Weltuntergangsbomben wartet, die die in Gaza bereits getesteten ersetzen sollen. Wir sollten uns jedoch daran erinnern, was Experten zu Beginn dieses Krieges sagten: Ein erheblicher Teil der Munition der Hamas wurde aus Resten israelischer Munition hergestellt, aus Bomben, die auf Gaza abgeworfen worden waren und nicht detoniert sind.
Wichtiger noch: Ein Vernichtungskrieg sät tödlichen Hass. Wir, die Bürger des Staates der Herren, waren nicht immun und werden auch nie immun sein. Wir bleiben zerbrechlich, menschlich. Jeder Einzelne von uns wird den Preis dafür zahlen müssen, vor allem die Wehrlosen, die Schwachen und die Armen. »Denn sie haben den Wind gesät, und sie werden den Sturm ernten.«“

Unter dem Titel: We must choose reciprocity of pain or reciprocity of life, ist eine englische Fassung des Beitrages unter academie.edu zu finden, hebräisch erschien der Text bei Haaretz, auch eine arabische Fassung ist vorhanden.

Die deutsche Überforderung mit dem Israeldiskurs seit dem 07.10.

Ontologische Dissonanz: Ein lesenswerter Meinungsbeitrag von Peter Lintl, hier ein Zitat daraus, der ganze Beitrag findet sich bei Budrich Journals.

„Um dieser komplexen, moralisch sensiblen wie auch emotional angespannten Situation zu begegnen, muss offensiver eine Debatte geführt werden, wie man historische Verantwortung und universelle Werte, sowie Antisemitismustheorie und Realkonflikt zusammen denken kann.

Eine der größten Herausforderungen wird darin bestehen, wie in den partikularen Blickwinkeln der historischen Verantwortung Israel als Konfliktakteur stärker wahrgenommen und reflektiert werden kann. Zudem muss auf gesellschaftlich-innenpolitischer Ebene das Verhältnis von Antisemitismus zum realen Konflikt besser bestimmt werden (vgl. Lintl/Ullrich 2024). In diesem Kontext muss auch stärker debattiert werden, welchen Platz palästinensische Positionen in Deutschland finden können.“

… trotzdem da!

Kinder aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiter*innen

Ein überregionales Forschungs- und Ausstellungsprojekt der
Gedenkstätte Lager Sandbostel in Niedersachsen

Deutschlands Rolle

Hanno Hauenstein ordnet auf dem Blog Jacobin.de die Logik hinter den Aussagen des ‚Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein‘ ein, der Trumps Gazaplänen etwas Positives abgewinnen konnte ….: Bedingungslose Unterstützung für Israels Krieg gegen Gaza – allgemein geltendes Völkerrecht spielt dabei keine Rolle mehr …

… with a twist …

CNN: Christiane Amanpour speaks with Rula Hardal and May Pundak, the co-directors of ‚A Land for All‘

Freiheit klingt …

„Make Freedom Ring“ is organizing an international classical concert series that draws attention to the current humanitarian catastrophe in Gaza and collects donations for various aid organizations. 

These concerts has been produced by a loose collective of musicians and culture workers across London, Berlin, Lisbon, and Barcelona. You can find us on Instagram @makefreedomring2024 and at makefreedomring.co.uk.

Tickets: 18. März 2025 Berlin | 7. April 2025 München – [Oxfam]

NSU-Mord in Hamburg

„Spezifische Organisationskulturen bei Polizei und Verfassungsschutz können zu stereotypen Vorstellungen von Tatverdächtigen führen“, sagt Professorin Dr. Daniela Hunold. Die Expertin für Polizeisoziologie von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) ist Mitglied eines Forschungsteams, das im Auftrag der Hamburgischen Bürgerschaft die Geschehnisse und Ermittlungen rund um den Mord an Süleyman Taşköprü am 27. Juni 2001 in Hamburg untersucht. Die Ergebnisse werden in einem unabhängigen, umfassenden Gutachten zusammengefaßt.

Die Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zählen zu den erschreckendsten Terroranschlägen in der jüngeren deutschen Geschichte. Ihr Entstehungskontext konnte nie vollständig aufgeklärt werden. Auch nach bislang 15 politischen Untersuchungsausschüssen und dem Abschluß des „NSU-Strafverfahrens“ sind noch viele Fragen offen.

Systematische Ursachen und gesellschaftliche Wechselwirkung im Fokus
Im Zentrum des Forschungsprojekts steht die Untersuchung der systemischen Aspekte, die zum Versagen bei der Aufklärung und Strafverfolgung des Mordes führten. Besonders im Blick sind dabei die Wechselwirkungen zwischen behördlichem Handeln und den spezifischen gesellschaftlichen, sicherheitspolitischen Bedingungen in Hamburg zur Tatzeit. „Staatliche Behörden agieren niemals im luftleeren Raum“, so Professorin Dr. Daniela Hunold. „Wir wollen untersuchen, wie das öffentliche Meinungsklima und sicherheitspolitische Programmatiken die Ermittlungsarbeit beeinflußten und zu Pfadabhängigkeiten führten.“ Die breite Unterstützung durch die Hamburger Bürgerschaft sowie den beteiligten Behörden und die besondere Interdisziplinarität des Projektteams seien hervorragende Voraussetzung für eine gelungene wissenschaftliche Aufarbeitung des NSU-Mordes in Hamburg, stellt die Berliner Polizeiforscherin heraus.

Interdisziplinarität als Erfolgsfaktor der Forschung
Die Professorinnen Dr. Daniela Hunold (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin), Dr. Constantin Goschler (Ruhr-Universität Bochum), Dr. Charlotte Schmitt-Leonardy (Universität Bielefeld) und Dr. Wolfgang Seibel (Universität Konstanz) werden im Rahmen einer interdisziplinären Untersuchung den komplexen Ursachen und Folgen des organisatorischen wie gesellschaftlichen Versagens bei der Aufklärung und Strafverfolgung des Hamburger NSU-Mords nachgehen. Im Fokus stehen vor allem die systemischen Aspekte, die zu den folgenreichen Terroranschlägen führten. Zugleich untersuchen die Wissenschaftlerinnen Wechselwirkungen und Resonanzen der Ermittlungen mit der Hamburger Stadtgesellschaft. Sie nehmen dafür auch die Zeit vor dem eigentlichen Mordfall in den Blick, um die Entstehung von Wahrnehmungs- und Handlungsmustern im Umgang mit rechter Gewalt analysieren zu können. Das Spannungsfeld von Rassismus und systemischen Dynamiken wird in die Analyse eingeschlossen. Die Forschenden erhalten vollumfängliche Akteneinsicht in die Unterlagen von Polizei, Staatsschutz und Justiz und werden im Rahmen von Interviews die Aussagen von Zeug:innen und professionellen Verfahrensbeteiligten in ihre wissenschaftliche Aufarbeitung einbeziehen.

NSU-Mord in Hamburg: Ein interdisziplinäres Forschungsteam untersucht Ermittlungsfehler und systemische Ursachen: (v.l.n.r.): Prof. Dr. Wolfgang Seibel, Prof. Dr. Charlotte Schmitt-Leonardy, Prof. Dr. Daniela Hunold, Prof. Dr. Constantin Goschler Photo: Michael Zapf / Hamburgische Bürgerschaft/Michael Zapf – https://idw-online.de/de/news847691