Neues aus Israel

Ob zu ThyssenKrupp und der U-Boot-Bestechungs“angelegenheit“, zur Situation während des zweiten „Lockdowns“ in Israel oder zur Frage der Beteiligung israelischer Palästinenserinnen und Palästinenser an den Protesten gegen Ministerpräsidenten Netanjahu –  soziale Zustände analytisch hinterfragend, politisch kritisch und gesellschaftlich breit aufgestellt und treffend wie bisher, so ist auch der aktuelle Newsletter des Tel Aviver Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung wieder mehr als lesenswert.

Damit wird auch der neue Leiter des Büros, Markus Bickel eingeführt und vorgestellt:

„Tsafrirs Schreibtisch am Rothschild-Boulevard in Tel Aviv übernimmt mit dieser Ausgabe des Newsletters Markus Bickel. Der Nahe Osten ist mir seit Jahrzehnten vertraut: Als Kind einer Krankenschwester und eines Entwicklungshelfers lebte ich in den 1980er Jahren in Saudi-Arabien, als Journalist zog ich in den 2000er Jahren in den Libanon, von wo ich für Spiegel Online und die Berliner Zeitung unter anderem über den Krieg zwischen Israel und der Hisbollah 2006 berichtete. Und als Nahostkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit Sitz in Kairo erlebte ich nach 2011 vor Ort mit, wie die arabischen Regime die revolutionären Aufstandsbewegungen sukzessive niederschlugen – in Ägypten und Syrien ebenso wie in Libyen und dem Jemen. Bevor ich im September für die Rosa-Luxemburg-Stiftung nach Tel Aviv zog, arbeitete ich in Berlin als Chefredakteur des Amnesty Journals, der Zeitschrift für Menschenrechte. Diese zu verteidigen, für gerechtere Verhältnisse, gleiche Aufstiegschancen für alle und Frieden zu streiten, wird auch in Israel Richtschnur meines Handelns bleiben – ich freue mich darauf!“

Zum Schluß sei noch auf die neue Papierpublikation der Stiftung hingewiesen, „Israel – ein Blick von innen heraus“, Band drei, die bei der rls bestellt werden kann.

Auslandskorrespondenten treffen Wissenschaftler

GIGA NDR Reihe „Grenzgänger“ | 16.11.2020 – 18.00 Uhr

Aufstand gegen die Machthaber – Umbruch im Nahen Osten

Referent*innen: Natalie Amiri, ARD Iran-Expertin / Björn Blaschke, Leiter des ARD-Hörfunk-Studios in Kairo / Dr. André Bank, Senior Research Fellow am GIGA Institut für Nahost-Studien / Moderation: Julia-Niharika Sen, Moderatorin des NDR Auslandsmagazins „Weltbilder“

Die Veranstaltung findet ausschließlich online statt, es ist nötig, sich anzumelden. Die Anmeldung ist kostenlos. Nach der Registrierung erhalten Sie eine Bestätigungs-E-Mail.

Die Menschen im Nahen Osten demonstrieren seit Monaten. Ihre Wut richtet sich gegen ihre Regierungen, die häufig brutal auf diese Proteste reagieren. So unterschiedlich die Länder der Region, so unterschiedlich sind die Anliegen der Bevölkerung. Im Libanon und Irak soll das Ende von Misswirtschaft und Korruption herbeigeführt werden. Angefochten werden die Profiteure des festgeschriebenen konfessionellen Systems und die Privilegien alter Eliten. Wohin dieses System führt, hat auch die Explosion im Hafen von Beirut im August gezeigt. Im Iran traut sich trotz massiver Einschüchterungsversuche nun auch die Mittelschicht auf die Straße. In Jordanien sind Preiserhöhungen und Lehrerstreiks der Auslöser der Demonstrationen. In Syrien setzt man sich gegen die Diktatur zur Wehr und es herrscht Hunger. Die Sorge ums Überleben steht im Vordergrund.

Erleben wir einen historischen Umbruch? Wie steht es um die Rechte der Menschen? Welche Rolle spielen externe Einflüsse, wie die Nahost-Politik von US-Präsident Donald Trump, sowie die Interessen der verschiedenen Akteure vor Ort?

Diese und weitere Themen diskutieren Natalie Amiri (ARD Iran-Expertin), Björn Blaschke (Leiter des ARD-Hörfunk-Studios in Kairo) und Dr. André Bank (Senior Research Fellow und Nahostexperte am GIGA). Durch die Veranstaltung führt Julia-Niharika Sen (Moderatorin des NDR Auslandsmagazins „Weltbilder“).

In der gemeinsamen Veranstaltungsreihe des NDR und des GIGA „Grenzgänger – Auslandskorrespondenten treffen Wissenschaftler“ diskutieren ForscherInnen und JournalistInnen über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt, die immer auch Deutschland und Hamburg betreffen.

Die Veranstaltung wird ausschließlich online übertragen. Wenn Sie sich anmelden, erhalten Sie vor Beginn der Online-Veranstaltung weitere Informationen per E-Mail.

Eine Zusammenfassung der Veranstaltung finden Sie in der NDR Mediathek und NDR Info „Das Forum“.

Welche Optionen bleiben?

The Abraham Accords and the Palestinian Issue

Die online Plattform E-International Relations bringt aktuell eine Analyse von Dr. Massimiliano Fiore, seines Zeichens Assistant Professor, Homeland Security Program der Rabdan Academy in Abu Dhabi, die die Möglichkeiten abschreitet, die der palästinensischen Seite noch bleiben, nachdem sie sich solange auf die Arabische Friedensinitiative gestützt hat.

A new chapter in the history of the Middle East has begun with the signing of the Abraham Accords. These agreements between Israel, Bahrain and the United Arab Emirates reflect a strategic realignment against the two non-Arab powers, Iran and Turkey, threatening their interests in the region. The uprisings and civil wars of 2011 heightened the decades-old divisions between the competing sides in the Middle East and gave rise to a more genuinely regional geopolitical order, defined by mutually hostile nationalisms and sectarian identities.

Entschleunigend und fast ein wenig puritanisch

Marian Brehmer über einen Sufi-Musiker mit einer Mission

Den Atem des Ney-Spielers bewahren – so ist der lesenswerte Beitrag auf der Onlineplattform Quantara überschrieben. La Mélancolie Royale ist eine einstündige Sufi-Meditation auf der Rohrflöte des großen türkischen Virtuosen Kudsi Ergüner – der auch auf Youtube zu hören ist als ein Mitschnitt eines Konzertes an der Franz Liszt Hochschule in Weimar – eine gute Gelegenheit an diesem heutigen Sonntag zwischen Reformationstag und Allerheiligen ….

Nahost & Nordafrika Update

Neues Dossier der Heinrich Böll Stiftung | Okober 2020

„No Women – No Peace“. Mit diesem Dossier würdigt die Heinrich-Böll-Stiftung den 20. Jahrestag der VN-Resolution 1325. Hier finden Sie Interviews und Porträts über starke Frauen, auch aus unserer Region, wie z.B. Nivin Al Hotary und Sabah Al Hallak aus Syrien, Hanan Ashrawi aus Palästina, Mozn Hassan aus Ägypten und Netta Loevy aus Israel.

Radikaler Universalismus

HAU4 | Israel und die progressiven Kräfte

Ein außerordentlich spanndendes Gespräch zwischen Omri Boehm, Eva Illouz und Susan Neiman, das am Abend des 29. Oktober im Hebbel am Ufer noch stattfinden konnte und auf Youtube weiter zu sehen ist! Welche Perspektiven bleiben für die Region? Was muß neu gedacht werden, wie kann/muß Universalismus neu begründet werden? Was ist der Zusammenhang oder Widerspruch von Ethnizität und liberaler Demokratie? Wie ist das Verhältnis zwischen Selbstbestimmung und Souveränität zu bestimmen? Welche Haltung resigniert nicht angesichts der Verhältnisse?

„In seinem Buch “Israel – eine Utopie” spricht der israelische Philosoph Omri Boehm über liberale Demokratie, Erinnerungspolitik, und ethnischen Nationalismus. Er fordert eine Bindung an den Universalismus zur ethnisch unabhängigen Ausweitung der Staatsbürgerschaft auf alle Bürger der Region. Aus diesem Anlass diskutiert er gemeinsam mit der Soziologin Eva Illouz und der Direktorin des Einstein Forums, Susan Neiman, über alternative Zukunftsvorstellungen für Israel und die Notwendigkeit eines radikalen Universalismus als Leitidee für progressive Politik.

Von Omri Boehm gib es zudem einen hörenswerten Beitrag im Podcast jung und naiv Nr. 468: Philosoph Omri Boehm über einen Staat für Juden & Palästinenser.

Ökologie und Umweltpolitik im Nahen Osten

Podiumsgespräch zu ‚Konzepten und Krisen

In einer Kooperationsveranstaltung der Gesellschaft zur Förderung des ZMO e.V., der Maecenata-Stiftung und der Katholischen Akademie Berlin werden am 9. November 2020 um 19:00 Uhr,

Juliane Schumacher (ZMO): Neues Interesse an mediterranen Wäldern – Auswirkungen von Klimawandel und Klimapolitik
PD Dr. Katrin Bromber (ZMO): Sportambitionen und Umweltfragen in den Golfstaaten
Adnan Tabatabai (CARPO): Umweltherausforderungen in Iran und deren soziopolitische Implikationen
Prof. Dr. Mira Sivers (HU Berlin): Islamisch-theologisch Reflexion zu Umweltfragen

miteinander dsikutieren. Die Veranstaltung kann über einen Livestream verfolgt werden.

Medientip: ‚Leiter zum Himmel‘

Filmdokumentation: Bis zum jüngsten Tag

Der NDR veröffentlichte kürzlich im Zuge der anstehenden US-Präsidentschaftswahl Anfang November eine Dokumentation, die sich mit dem komplexen und fragwürdigen Verhältnis der Evangelikalen und Israel auseinandersetzt.
Das Fundamentalchristentum der USA betrachtet den Staat Israel und all seine Bewohner*innen, vor allem aber die jüdischen, eher als Verhandlungsmasse gegenüber Gott denn als lebendigen und wichtigen Staat. In einer vermeintlichen Solidarität und Unterstützung drückt sich vielmehr eine besondere Spielart des Antisemitismus aus, die das jüdische Israel und Jerusalem insbesondere eher als ‚Leiter zum Himmel‘ betrachtet und jede Form von Gewalt als freudvolles Zeichen einer nahenden Apokalypse deuten.

Die komplette Dokumentation ist findet sich hier.

Wishful Landscapes

Die Flut der Literatur zu Israel-Palästina/Palästina-Israel ist kaum zu überschauen, geschweige denn im einzelnen zu würden. Hin und wieder weisen wir an die dieser Stelle auf neuere Arbeiten hin.

In der Zeitschrift Comparative Studies of South Asia, Africa and the Middle East ist 2019 ein Aufsatz von Noa Shandlinger, (2016 promoviert an der Universität Toronto, jetzt Fakultätsmitglied an der 1843 gegründeten Jesuitenhochschule Holy Cross in Worcester, Massachusetts), erschienen, der auf zweijährigen Feldstudien basiert: Wishful Landscapes: Protest and Spatial Reclamation in Jaffa, (Jg. 39 (2), S. 313–327). Hier die Zusammenfassung:

„The Clock Tower Square protests are practices of emplacement that produce imaginative remapping of the nation and its colonized homeland. Israel’s spatial practices entail the continued fragmentation of Palestine and of Palestinians: “Israeli-Arabs” who reside within the state’s pre-1967 territories, Palestinians subjected to military control in the West Bank, those who survive under siege in the Gaza Strip, and finally— the diaspora. Those groups are also subdivided according to their geographic location and access to political rights and material resources.
While the enfeebled nationalist leadership has been unable to effectively challenge these processes of fragmentation, grassroots and local organizers, such as the Jaffa-based activists, take a leading role and provide Palestinians (and allies) avenues to refashion their sense of belonging, overthrow colonial boundaries, and craft a vision for the future of Palestine.
My analysis of local protests, then, demonstrates multiple forms of anti-and decolonial engagement beyond the realm of politics and peace negotiations. It is also indicative of the potential of studying materialities as another site for the battleground over the history of Israel/Palestine, beyond the archives.“

Auf der Plattform Academia.edu ist der Artikel auch komplett zugänglich, kostenfreie Registrierung vonnöten.

Also doch.

Nach jahrelangen Beteuerungen, es handele sich nur um die Aufgabe der ‚Administration‘, wurde am Wochenende mit dem eh. Custos der Franziskaner und seit 2016 Apostolischen Admininistrator, Pierbattista Pizzaballa wieder ein Italiener zum Lateinischen Patriarchen und Erzbischof von Jerusalem ernannt.