Zum Gedenken an Stanisław Lem

Der polnische Schriftsteller wurde vor 100 Jahren, am 12. September 1921, geboren

„Ich hab Hitler gebraucht, um draufzukommen, daß ich jüdisch bin.“

Zum 100. Geburtstag des 2006 verstorbenen polnischen Schriftstellers, Philosophen, Wissenschaftlers und Literaten Stanisław Lem kündigt das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt einen neuen Sammelband zum breiten Schaffen des international bekannten „Weltverbesserers“ (Holger Teschke in der Jungen Welt, 8. September 2021, S. 12-13) und Überlebenden der Shoa an: „Kosmos Stanisław Lem. Zivilisationspoetik, Wissenschaftsanalytik und Kulturphilosophie“ (2021).

S. Lems (1921-2006) Grabstätte auf dem Salwator-Friedhof in Krakau
Photo: Gapcior – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11108254

Lem, studierter Mediziner, hat mit seinen technikinforeichen, phantasievollen Romanen und fiktiven, mit Hypothesen gespickten Geschichten begeistert und nicht nur zum Knobeln, sondern vor allem zum Nachdenken über so manches Fragezeichen und Plausibilität und Logik nachhaltig angeregt. Der Roman vom Schweigenden Stern wurde 1959 von DEFA und Filmstudio Wroclaw verfilmt; damit begründete Lem seinen Ruf als Autor im Science-Fiction-Feld; Solaris von 1961 „sprengte gedanklich und sprachlich die Grenzen aller bisher geschriebenen Science-Fiction“, schreibt Teschke.

Doch Lems schriftstellerisches und akademisches Schaffen ist viel, viel breiter und so aktuell wie vor zehn, zwanzig, dreißig Jahren. Bereits „Sechs Jahre vor dem deutschen ‚Historikerstreit‘ fragt er jenseits der in der sozialistischen Geschichtsschreibung allem vorgelagerten ökonomischen und politischen Begründungen nach tieferliegenden sozialen und psychologischen Wurzeln des Völkermords an den Juden Europas“, schreibt Teschke in seinem JW-Artikel über Lem und zitiert dort den Autor aus einem Zeit-Interview von 2005: „Die ständige Steigerung der technologischen Möglichkeiten geht paradoxerweise mit einem Verfall von Phantasie und Intelligenz der Menschen einher… Heute nennt man auch schon Thermostate intelligent oder Küchenmaschinen. Aber dann sind auch meine Hosenträger intelligent in dem Sinne, daß man sie nämlich regulieren kann. Alles ist heute intelligent.“

Im Beitrag auf DLF Kultur vom 4. September 2021 erinnern die beiden Autoren Markus Metz und Georg Seeßlen an Stanisław Lem und zitieren aus dessen 1990 veröffentlichter Schrift Die Vergangenheit der Zukunft, in der Lem Thesen dazu äußert, „was uns zu Beginn des 21. Jahrhunderts erwartet“, so unter anderem:

„Es wird nicht nur eine ‚postindustrielle Gesellschaft‘ entstehen und nicht nur eine Dienstleistungs- gesellschaft, sondern eine qualitativ neue, die ihre größten Probleme mit den Errungenschaften der Biotechnologie haben wird.
Zu beachten ist, daß Deutschland, bisher im Westen die Bundesrepublik, sich für einen friedliebenden Staat ausgibt, was auch nicht bezweifelt werden soll, gleichzeitig aber gibt es auf dem Territorium dieses Staates Hunderte Produktionsanlagen, die Raketen, Giftgase, Kanonen, Unterseeboote herstellen, ganze Fabriken von todbringenden Mitteln und last but not least Maschinenteile und Know-How, die zum Bau von Anlagen dienen, welche Atombomben oder andere Kernspaltungswaffen produzieren können.
Das Automobil wird in vielen Ländern in peinigenden Staus seinen technischen Tod erleiden. Es wird neue Kommunikationsmittel und neue Betriebsformen geben. Das elektrische Auto ist kein Ausweg aus dem Dilemma der Verkehrsstaus, genauso wenig wie ein lokal betriebener Luftverkehr (nur naive Menschen stellen sich vor, jeder Bürger könnte seinen Hubschrauber haben wie heute seinen Wagen). Es wird künstliches Leben und synthetische Bioprodukte geben. Insgesamt aber wird sich die Kluft zwischen den Armen und den Reichen weiter vergrößern.“

Junge Welt Artikel, verfügbar ab 10. September (für drei Monate)

Deutsches Polen Institut zu Lem

Deutschlandfunk Kultur

Musik aus Gaza

Ein Filmbeitrag über die Arbeit des Edward Said National Conservatory of Music.

Das ESNCM was established in the occupied West Bank city of Ramallah in 1993, and later opened branches in Nablus, Bethlehem and Hebron, as well as Gaza City.

Der Bericht zum Beitrag auf der Seite von EI.

Noch einmal: Von oben…

Alon Shtamberger (See his Instagram presence) began drone photography by chance and has been capturing scenery from heightened angles ever since.

Ein Bericht von Naama Barak auf der Seite von ISRAEL21c, einige der Motive lassen sich zwar nicht eindeutig als Israel (innerhalb der grünen Linie) feststellen, auch wenn der Titel das sagt, aber die Motive sind auch mit diesen Gedanken im Hintergrund spannend zu sehen.

The Latrun Monastery overlooks gardens, fields and the busy Route 3 in the Ayalon Valley. (C) Alon Shtamberger – siehe die angegebene Quelle: https://www.israel21c.org

Hier noch einmal der Hinweis auf Einfach mal von oben vom 29. Juli 2021 – Bilder von Roni Kiperman.

Im siebten Jahr soll der Boden ruhen

Trotz der Probleme im bilateralen Verhältnis in den vergangenen Jahren einigten sich die Regierungen Israels und Jordaniens auf Agrarimporte im Schnat schmita, dem Schmita-Jahr.

Mit dem Neujahrsfest beginnt nach jüdischer Tradition und Religion nun wieder solch ein Jahr am 7. September. Nach biblischer Überlieferung ernten Jud:innen im siebten Jahr ihren Boden nicht ab, sondern schonen diesen: „..sechs Jahre kannst du in deinem Land säen und die Ernte einbringen; im siebten sollst du es brach liegen lassen und nicht bestellen…“

Um dennoch ausreichend Lebensmittel in Israel zur Verfügung zu haben, wurden bevorzugte Importlieferungen aus/mit Jordanien vereinbart. 

Union !

Vom Donnerstag, 12. August – Sonntag, 15. August 2021 dreht sich der neuen Nahe Osten in Berlin: Das Middle East Union Festival läßt mit Literatur, Diskurs und Musik, mit Performance, Poesie, feministischen und queeren Diskussionen mit Gästen aus aller Welt – analog und digital – eine Vision zum Greifen nah erscheinen und lädt dazu ein, Ideen der Utopie frei zu erkunden.

Logo Middle East Union

Ein Amerika, das Israel und Palästina brauchen

Das Portal Qantara bringt einen lesenswerten Beitrag von Mohammed El Baradei – eine arabische Erfahrung und Stimme (bei der man:frau nicht jeden Vergleich für gelungen oder richtig halten muß), die aber einen hilfreichen Blick auf die komplexen Beziehungen und Erwartungen gibt.

2. August – Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

Landkarte Europas von 1942 mit der Überschrift: Stätten des Völkermords an den Sinti und Roma im nationalsozialistisch besetzten Europa. Markiert sind die Grenzen des Deutschen Reiches mit annektierten und besetzten Gebieten und denen verbündeter oder neutraler Staaten. Auf der Karte sind mit Punkten und Symbolen Vernichtungslager, KZ-Lager, Nebenlager sowie die Orte von Deportationen und Massenerschießungen markiert
Quelle: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Ein ausführlicher Beitrag auf der Seite der Deutschen Welle.

UCC: Unterdrückung ist Sünde

Die United Church of Christ, eine der großen US-amerikanischen ev. Kirchen hat am Sonntag, 18. Juli 2021 in einer ErklärungFOR A JUST PEACE BETWEEN PALESTINE AND ISRAEL„, die fortdauernde Unterdrückung der Palästinenser:innen als „Sünde“ bezeichnet. Hier der ausführliche Beschlußtext, der aktuell von US-amerikanisch-jüdischen Lobby-Gruppen, wie dem AJC, erwartungsgemäß kritisiert wird.

Neues SWP-Papier

(Wieder-)Annäherungen in Nahost

Ein neues Dokument in der Reihe SWP-Aktuell zu den (Wieder-)Annäherungen im Nahen/Mittleren Osten und der sich dort abzeichnenden regionalen Ordnung ist gerade online gegangen, verfaßt von Muriel Asseburg und Sarah Charlotte Henkel

(Wieder-)Annäherungen in Nahost

Eine konfliktträchtige neue regionale Ordnung gewinnt Kontur

SWP-Aktuell 2021/A 50, 13. Juli 2021, 8 Seiten

Volltext (HTML) – Volltext (PDF) – Kurzlink

Auch nicht-analog, ein Besuch lohnt sich

Yiddish Book Center home

Einladung einmal durch diese Site zu stöbern, da ist viel Spannendes, Berührendes und Schönes dabei …

„The Yiddish Book Center was founded in 1980 by Aaron Lansky, then a twenty-four-year-old graduate student of Yiddish literature (and now the Center’s president). – In the course of his studies, Lansky realized that untold numbers of irreplaceable Yiddish books—the primary, tangible legacy of a thousand years of Jewish life in Eastern Europe—were being discarded by American-born Jews unable to read the language of their Yiddish-speaking parents and grandparents. So he organized a nationwide network of zamlers (volunteer book collectors) and launched a concerted campaign to save the world’s remaining Yiddish books before it was too late.“