Notstand im Auguste-Viktoria-Krankenhaus auf dem Ölberg

Aus dem Mailing des Jerusalemsvereins in Berlin – auch auf der Gedenkveranstaltung für Reiner Bernstein am heutigen 11. Juni in München wrd um Spenden für das Krankenhaus auf der Auguste Viktoria gesammelt, so wie sein letzter Wunsch war.

Eine ARD-Reportage berichtet über die aktuelle Notlage des Auguste-Viktoria-Krankenhauses auf dem Ölberg. Viele schwerkranke Patientinnen und Patienten könnten derzeit nicht behandelt werden, weil ein EU-Kommissar Zahlungen blockiere.

Sogar die Schließung droht: Das Auguste-Viktoria-Krankenhaus auf dem Ölberg in Ost-Jerusalem ist zurzeit finanziell besonders stark angeschlagen, weil zugesagte EU-Gelder nicht ausgezahlt worden sind. Laut Recherchen der Reporter:innen hält der ungarische EU-Kommissar Olivér Várhelyi  die Mittel zurück. Seine Begründung: Palästinensische Schulbücher hätten antisemitische Tendenzen und müssten überarbeitet werden. Das Krankenhaus muss als Konsequenz die Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten unterbrechen.

Dem Verbrechen wird eine Sünde hinzugefügt

Michael Sappir in der Berliner Zeitung über seine Erfahrungen als ‚kritischer, linker Israeli‘ in Deutschland, aus Anlaß einer Veranstaltung auf dem Stuttgarter Katholikentag, aber auch weit darüber hinaus, was es heißt zu erleben, wie der deutsche Diskurs wieder einmal definiert, was ‚gut‘, was ‚jüdisch‘ und was ‚gut jüdisch‘ ist…

Aus dem Beitrag: “ … In der Konsequenz wird erwartet, dass wir still bleiben, während Menschen, die die israelische Realität nur aus der Ferne oder höchstens noch als Touristen kennen, realitätsfremd und idealisierend das dortige System schönreden. Und sich dafür einsetzen, dass es weiterhin die volle Unterstützung der Bundesrepublik genießt….“

Soldaten erzählen…

Noch bis zum 22. Juli 2022 in der Mediathek von Arte – keine einfache Kost, wahrlich!

Israel als Besatzungsmacht – Soldaten erzählen

arte: „Der israelische Regisseur Avi Mograbi läßt Soldaten berichten, die an einer militärischen Besetzung beteiligt waren. Dabei wird deutlich, wie eine kolonialistische Okkupation der palästinensischen Gebiete im Westjordanland funktioniert und welche Logik damit verbunden ist.“

Uri Savir (1953-2022) z”l

Der langjährige israelische Außenpolitiker und ehemalige Knessetabgeordnete Uri Savir ist am 14. Mai in West-Jerusalem gestorben. Savir, der auch als einer der Architekten von Oslo galt, sagte zu dieser Übereinkunft in einem Interview von 2013, aus der Ha’aretz, zu deren gelegentlichen Autoren Savir auch gehörte, in ihrem Nachruf zitiert:

„I think that the title ‚architect of the Oslo Accords‘ is somewhat exaggerated. I was at most a plumber. I got an opportunity to conduct negotiations under clear guidelines laid down by the prime minister and foreign minister.” [Savir did not accept the notion that these accords failed, saying that] “Oslo did not fail or succeed. There was a breakthrough, an opportunity, but it was wasted, since Israel came to their implementation with a prime minister and party who objected to the process. A government can’t implement a policy it opposes,” he said.

Ayman Odehs ‚Odysee‘?

Das politische System in Israel war in den letzten Jahren für einige Überraschungen gut, Parteien blühten auf und verschwanden bei den nächsten Wahlen wieder in der Versenkung, alte Bewegungen kratzten an der Schwelle zur Bedeutungslosigkeit, neue Koalitionen wurden Realität, die noch vor wenigen Jahren undenkbar schienen – for good and bad... An wirklichen Persönlichkeiten, die dem Land eine Vision geben oder die eine Debatte über Entwicklungen anstossen könnten, herrscht durchaus Mangel, während zugleich einige ehemalige Politiker im Gefängnis sitzen oder saßen.

Fathom, eine Onlineplattform („For a deeper understanding of Israel and the region“, so die Selbstbeschreibung), die auch immer wieder kontroverse Themen anpackt und ungewöhnliche Beiträge und Beiträger:innen einlädt, hat gerade einen ausführlichen – und jedenfalls lesenswerten – Beitrag zu Ayman Odeh, Mitglied der Knesset, und Vorsitzender der „Gemeinsamen Liste“, gebracht.

Nach-hören, möglich und wichtig

Die Aufzeichnung der 17. gemeinsamen, israelisch-palästinensischen Gedenkveranstaltung

ist online verfügbar und kann angesehen werden, wer keine Möglichkeit hatte, online live dabei zu sein, oder wer es einfach noch einmal anschauen will.

Hier der Hinweis auf einen Beitrag in der taz dazu: Wir teilen den gleichen Schmerz

Starke Frauen…

Auch wenn es noch andere gute Dinge gibt, die man:frau am 1. Mai tun kann, wer in Berlin sein sollte / nach Berlin kommen will:

Jahresfest des Jerusalemsvereins am 1. Mai 2022

Das Jahresfest findet am 1. Mai 2022 in der Passionskirche (Berlin-Kreuzberg) statt. Nach dem Festgottesdienst (11.30 Uhr) beleuchtet der Festnachmittag (14.00 bis 17.30 Uhr) das Thema „Starke Frauen“ mit Gästen aus Nahost.Der Jerusalemsverein lädt herzlich zu seinem 169. Jahresfest am Sonntag, den 1. Mai 2022 ein. In diesem Jahr sind wir zu Gast in der Passionskirche, Marheinekeplatz 1, 10961 Berlin-Kreuzberg.


Der Festgottesdienst beginnt um 11.30 Uhr. Es predigt Pfarrerin Barbara Deml, die stellvertretende Direktorin des Berliner Missionswerkes und Landeskirchliche Pfarrerin für Ökumene und Weltmission.

„Starke Frauen“ ist das Thema des Festnachmittags (14.00 bis 17.30 Uhr). Über dieses  Thema sprechen Rania Salsaa, Lehrerin in Talitha Kumi, und Sally Azar, Vikarin der ELCJHL in Berlin-Frohnau, Moderation: Sybille Möller-Fiedler, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Jerusalemsvereins.


Bischof Sani Ibrahim Azar berichtet über die Situation der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) und Schuldirektor Matthias Wolf über aktuelle Entwicklungen in Talitha Kumi. bDas Berliner Orient-Ensemble wird den Festnachmittag musikalisch begleiten.

Aus der Geschichte der Kindertransporte…

In der Times of Israel schreibt Robert Philpot über die Geschichte (und Geschichten) der englischen Familien, die in ihr Zuhause aus Nazideutschland gerettete Kinder aufnahmen….

Eine solche Geschichte beschriebt auch der Band: Schritte über den Abgrund, in dem Beate Hammett ihre Erinnerungen an den Kindertransport 1939, der sie aus Berlin nach England brachte, schildert.
(Mit einem Nachwort von Raed Saleh und einem Beitrag zum Jüdisches Zentrum Synagoge am Fraenkelufer, AphorismA Verlag Berlin 2020 | 64 Seiten  | Hardcover mit Beilagen | ISBN 978-3-86575-064-8 15,00 €)

Nach-geschaut

Nemi El-Hassan – danach. Ein Beitrag in der ARD-Mediathek

Die TV-Journalistin Nemi El-Hassan steht kurz vor einem großen Karrieresprung, als ein Bericht der BILD-Zeitung alles verändert: Photos von 2014 zeigen, daß sie am antisemitischen Al-Quds-Tag teilgenommen hat. Es folgt eine öffentliche Gesinnungsprüfung und eine extrem polarisierte Debatte in sozialen Medien. Die Ursprünge der Vorwürfe sind fraglich, doch eine inhaltliche Auseinandersetzung damit findet kaum statt. ZAPP zeigt an diesem Fall: Die Mechanismen sozialer Medien verhindern einen konstruktiven Dialog über das akute Thema Antisemitismus. (Zweiter Teil der Serie „Verurteilt im Netz“.)

Carmen Reinhardt (1915-2022) z”l

Mimi Reinhardt mit 107 Jahren verstorben, sie war im Krieg Oskar Schindlers Sekretärin, die ihm half, Juden und Jüdinnen zu retten.

Im biblischen Alter von 107 Jahren verstarb Mimi Reinhardt. Im Krieg hatte sie für den Industriellen und bekannten Judenretter Oskar Schindler Listen mit den Namen von Juden angefertigt, die in Schindlers Fabriken zur Arbeit eingeteilt und damit vor den Nazis gerettet werden sollten. Die Todesnachricht wurde von Reinhardts Familie publik gemacht.

Die in Österreich geborene Mimi Reinhardt, selber eine Jüdin, war von Schindler persönlich angeworben worden und arbeitete für ihn bis 1945. Nach dem 2. Weltkrieg zog sie zuerst nach New York, doch 2007 beschloß sie, nach Israel zu ihrem einzigen, in Tel Aviv lebenden Sohn Sacha Weitman zu übersiedeln, der damals als Soziologieprofessor an der Universität Tel Aviv arbeitete.

Schindler, der 1974 verstarb, ist vom israelischen Holocaust-Museum «Yad Vashem» zum «Gerechten unter den Völkern» ernannt worden, ein Titel, der an Nichtjuden vergeben wird für ihren Einsaz zugunsten des jüdischen Volkes im Krieg. Mit den Listen, die Mimi Reinhardt für Schindler anfertigte, konnten rund 1.300 Juden das Leben gerettet werden. Mit seinem Einsatz hatte Schindler sein eigenes Leben wesentlich gefährdet. 

Jacques Ungar (Tachles)