Kettenreaktion

Ruslan Suleymanov, bis vor kurzem noch leitender Nahost-Korrespondent der Nachrichtenagentur TASS in Kairo, bevor er aus Protest über die russische Politik zurücktrat, hat auf dem Online-Portal ipg-journal der Friedrich Ebert-Stiftung (FES) die Reaktionen in der arabischen Welt zusammengefaßt.

„Die arabische Welt begegnet dem Ukraine-Krieg zurückhaltend. Während man am Golf von neuen Energiepartnerschaften profitiert, droht andernorts Hunger.“

Nichts Neues in der „Palästina-Strategie“ der israelischen Regierung

Middle East Briefing No 86 der International Crisis Group

Trotz aller Bemühungen der israelischen Regierung in anderen internationalen Konflikten, außenpolitischer Initiativen und Allianzen und Kooperation mit arabischen Staaten in der Region: der weiterhin ungeregelte Grundkonflikt mit der palästinensischen Seite und die Situation arabisch-palästinensischer Staatsbürger Israels kann zwischenzeitlich von zurückhaltender Relevanz sein, bleibt aber letztendlich das latente Problem der Politik Israels.

In ihrem aktuellen Briefing nimmt die International Crisis Group sich die Politik der israelischen Regierung vor und sucht vergeblich nach Ansätzen und Ideen und neuen Aktivitäten zur Konfliktregelung.

„What’s new? Not much, and that is the problem. It is business as usual for Israel and the outside world vis-à-vis the Israeli-Palestinian conflict following the eruption of violence in April-May 2021. The Israeli coalition government arrived with messages of positive change but has stepped up repressive practices instead.“

Und

„What should be done? International stakeholders should push for long-overdue steps to reduce risks of another flare-up –a long-term truce in Gaza; a halt to West Bank settlements and evictions of East Jerusalem Palestinians; respect for traditional arrangements at Jerusalem holy sites; and renewal of Palestinian political leadership – while rethinking approaches to peace.“

Der ausführliche Text: The Israeli Government’s Old New Palestine Strategy, ICG und USIP, Middle East Briefing No 86, 28 March 2022

Birgitta’s Friends

Außergewöhnlicher Doku-Filmabend: „Birgitta’s Friends – border crossings“ (70 Min.) von Christian Kogler

Dienstag, den 05. April, 19.00 – 21.00 Uhr.

Christian Koglers beeindruckender Dokumentarfilm „Birgitta’s Friends – border crossings“ hat mit großem Erfolg im Juni 2021 am Festival „Crossing Europe“ in Linz teilgenommen.

Birgitta, eine österreichische Frau, deren Leben durch ihre Jahre in Israel geprägt wurde, beschließt, ihre fünf Freund:innen aus dieser Zeit wiederzusehen. Fünf Freund:innen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Um nur die beiden Gegenpole aufzuzeigen: Wir lernen Noah kennen, der die Shoah überlebt hat und ein konservativer Zionist ist. Und Mohamed, der seit seiner Kindheit in der Widerstandsbewegung Palästinas aktiv ist. Dazwischen die anderen drei, die irgendwo in Israel und Palästina leben.

Gespräche zwischen Birgitta und ihren Freunden, unterlegt mit beeindruckenden Dokumentarszenen aus wichtigen Lebenssituationen, vermitteln uns die sie prägenden Lebenserfahrungen. Es entsteht der, vielleicht naive, Plan, zum Abschluß ein Treffen aller fünf Protagonist;innen an einem Ort durchzuführen.

In den spannenden 70 Minuten des Films liefert Christian Kogler uns keinen Kommentar, keine Stellungnahme. Allein der Balanceakt der Gegenüberstellung unterschiedlicher Personen genügt, die Zuschauer:innen zu fesseln. Zum Schluß scheitert der Plan des gemeinsamen Treffens. Aber der Film endet mit der Aussage, vielleicht könne es beim nächsten Versuch gelingen. Selbst im Scheitern hört die Hoffnung nicht auf.

Es wird eine kurze Einführung geben, anschließend den Film (per Vimeo-Link), im Anschluss steht Christian Kogler für ein  Gespräch zur Verfügung.

Freunde von Neve Shalom – Wahat al-Salam: Anmeldung unter: freunde@wasns.de


Welche Haltung nehmen Palästinenser:innen zum Krieg in der Ukraine ein?

Der in Gaza ansässige, 2007 gegründete Think Tank Palthink hat zu dieser Frage ein Policy Paper veröffentlicht, eine erste Stimme aus dem palästinensischen Diskurs:

Traditionell hatten und haben die Palästinenser gute Beziehungen zur Sowjetunion und zu Russland unterhalten. Momentan erscheint es ihnen angebracht, sich mit Stellungnahmen eher zurückzuhalten. Falls sie dennoch diplomatische Position beziehen müssen, wollen sie ausbalanciert und abgewogen argumentieren und sich nicht in Allianzen einbinden lassen.  Dazu zitiert das Papier eine Verlautbarung des (palästinensischen) Premierministers: „We look forward to the war being put there to ensure international security and peace, to preserve the safety of civilians who are victims of war, and we also look forward to the international community applying international law to Israel and implementing United Nations resolutions related to Palestine.“

Das Policy Paper “Considerations of condemnation and balance of Palestine’s position on the war in Ukraine” ist online unter diesem Link abrufbar:

KAS-MDC Forum zu Ukraine, Rußland und Nahost

Die Konrad-Adenauer-Stiftung (Büro Israel) und das Moshe Dayan Center Tel Aviv University führen am 30. März 2022, 16-17:30 Uhr (IL-Zeit) das nächste Forum for Intra-Regional Dialogue zum Thema „Ukraine, Russia, and the Middle East“ durch.

Forumsteilnehmer:innrn sind Ksenia Svetlova, Ahmet Kassim Han und Abdulaziz Alkhamis.

Hier finden Sie die Einladung. – Die Veranstaltung wird per Zoom übertragen. Interessenten müssen sich zuvor anmelden.

Dieser Krieg – und der Nahe Osten

Welchen Einfluß hat der russisch-ukrainische Krieg auf die Staaten und Gesellschaften im Nahen Osten?

Das regionale Nachrichtenportal al Monitor bringt aktuelle Meldungen aus erster Hand und Hintergrundinformationen aus Nahost dazu.

Das Middle East Center des mit Hauptquartier in Washington D.C. ansässigen Think Tanks Carnegie Endowment for International Peace blickt strategisch bereits weiter, denn es sei wichtig, über den Horizont hinaus zu blicken und zu analysieren, welcher Rolle Rußland dann in den Regionen südlich des eigenen Territoriums spielen können wird. 

„Die arabischen Staaten halten sich bei einer Verurteilung des russischen Einmarsches in die Ukraine zurück. Auch wenn die 22 Mitglieder der Arabischen Liga sich mehrheitlich der Resolution in der VN-Generalversammlung am 2. März anschlossen, überwiegt der Eindruck, daß Kriege und Krisen von der westlichen Welt mit zweierlei Maß gemessen werden“, schreibt die Karin Leukefeld in ihrem Beitrag „Mit zweierlei Maß. Krieg in der Ukraine: Warum die arabische Welt zum Westen auf Distanz geht“.

Black Panthers Haggadah

The Israeli Black Panthers Haggadah was first written in 1971, at the beginning of their movement. It was written in a dark tin shack in Jerusalem on a stolen typewriter. In the introduction to this 50th Anniversary Edition, Reuven Abergel, one of the founders of the movement, writes that the Haggadah talks „about the pain, discrimination, and oppression that we were subjected to as part of Israel’s policy of separation between Jews from Muslim countries and Jews from Eastern Europe.“

​A year later, a fire destroyed most of the Israeli Black Panthers‘ archives, including the Haggadah. It was thought lost for some 40 years until a rabbi who collected Haggadot reached out to Abergel with a copy.

​In 2019, a second edition of the Haggadah was published in Hebrew as a pamphlet, an effort initiated through The Civil Archive of Social Struggles in Israel, led by Sapir Sluzker-Amran. After that, groups came together with the purpose of making the Israeli Black Panthers struggle and the Haggadah story accessible in both Hebrew and English as a way of promoting dialogue about the potential of Mizrahi struggle in Israel/Palestine.

​Translator Itamar Haritan worked closely with Abergel to translate the Haggadah into English starting in 2017 and has updated parts of it since then with his help. The Israeli Black Panthers Haggadah will be a completely bilingual (Hebrew-English) book and in addition to the new translation from Haritan and introduction from Abergel, there will be other essays that reflect on the Israeli Black Panthers and the Haggadah text. It will also include powerful archival images of the Panthers and their activism.

​On this site, we have also provided a free preview of a section of the Haggadah that you can use at your Seder table. Click here to download it.

​We are so proud to present this new book project.

​In solidarity,

Reuven Abergel and Marcelle Edery | Sapir Sluzker-Amran (Production and Consulting)

Libby Lenkinski (New Israel Fund) | Ari Bloomekatz (Jewish Currents Press)

Video Credits

Producer: Barak Heymann, Director and Editor: Alon Levi, Director of Photography: Yaniv Linton, Script: Amir Pavlovitch – Participants: Reuven Abergel, Sapir Slutzker-Amran, Shirly Karvani, Neta Hamami-Tabib, Avner Gvaryahu, Avi Yalou, Adi Tufik, Yossi Tsabari, Michel (Micado) Warshavsky, Fania Ben Sasson, Yonah Ben Sasson, Itamar Bellaiche, Elinor Arazi, Ram Spinoza (RamZi), Leah Zohar, Menashe Halif, Yossi Cohen, Libby Lenkinski

Vorbestellung hier möglich!

Mitvims Blick nach Osten

Auch wenn der israelische Thinktank Mitvim unter der Überschrift „Crisis“ aufmacht, hier eine lesenswerte Zusammenstellung israelischer Positionen


The Ongoing Ukraine-Russia Crisis
Analysis and Reactions from Israeli Experts



Over the past two weeks, Mitvim has joined the global community in directing our attention and efforts to the ongoing Russian invasion of Ukraine. During this period, our goal has been to inform the Israeli foreign policy community and public, to provide context for Israel’s role within this broader international development, and to design Israel’s steps in accordance with the crisis. The current events have emphasized the importance of Mitvim as a think tank fully committed to strategic, cross-regional analysis of foreign policy and global politics with an emphasis on diplomacy.  The ongoing crisis represents a landmark moment in the status of the current global order. At Mitvim, we believe that a clear stand by Israel against the Russian invasion is crucial to reaffirm Israel’s place among liberal democracies, especially considering the recent erosion of Israel’s own status within the liberal camp. A clear stand does not negate maintaining open channels of communication with Russia or supporting mediation efforts between the parties. However, Israel’s clear alignment with the liberal world is crucial to address the challenges to its liberal identity both at home and abroad. It is both the wise and morally correct policy choice for Israel as the crisis continues to unfold. Our experts have provided a birds-eye view of the situation, as well as context-specific expertise about the influence of the current crisis and the long-term global dynamic it represents on Israel’s foreign policy. This includes insights on the crisis and Israel-Europe relations, expert analysis on Russia’s decision-making, the role of Turkey, and more. Our researchers have had a central role in policy and public discussions: they have been interviewed extensively on TV and radio, and published in various media outlets both in Israel and abroad. A selection of publications and media interviews can be found below.


Pictured: Mitvim’s Director of Israel-Europe Relations, Dr. Maya Sion-Tzidkiyahu, and Director of Israel-Middle East Relations Ksenia Svetlova are interviewed on the ongoing crisis in Ukraine on Israel’s Channel 12 World Order Program, along with the Ministry of Foreign Affairs‘ Spokesperson, Lior Hayat.

Russia-Ukraine war may be a defining moment, Israel must make a choice
Dr. Roee Kibrik The singular reason for Israel to avoid completely allying itself with Ukraine is to preserve its ability to respond to Ukraine’s request to serve as a mediator with Russia. Yes, Israel is weighing many tactical considerations, just as every state does when called on to make a decision. Israel’s decision will have long-term implications for its relations with the US and Europe, which are its closest friends and provide it with the vital support it needs for its security, economy and identity. They, too, are asking where Israel stands.
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„Prime Minister Naftali Bennett meets with German Chancellor Olaf Scholz in Berlin on Saturday night.“
(photo credit: BPA/Reuters, Jerusalem Post)

„Poland’s Prime Minister Mateusz Morawiecki (left) and European Council President Charles Michel visit the Polish-Ukrainian border crossing Korczowa-Krakovets on Wednesday and meet with people fleeing Ukraine.“(photo credit: Agencja Wyborcza.pl/Reuters, Jerusalem Post)

The Russia-Ukraine war is Europe’s hour to act
Dr. Maya Sion-Tzidkiyahu
The EU – which seemed to be limping from crisis to crisis over the past 15 years, with its foreign policy in disarray – is shaping up in front of our eyes over the past two weeks as a significant proactive body, capable of adopting tough diplomatic decisions despite the harm they cause to its member states. Foreign ministers and heads of member states have consolidated an array of increasingly harsh sanctions as the war in Ukraine has escalated. This is the hour of coordinated multilateral action by peace-loving democracies. This is the hour of Europe.
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A new world order is taking shape in Ukraine
Former MK Ksenia Svetlova
My friends in Moscow could not believe what was happening when I spoke to them in the weeks leading up to the war. They had become so desensitized to the violent propaganda pouring out of state TV media outlets that they no longer noticed. Like so many in Ukraine, they did not believe Putin would actually cross the Rubicon. What can be said for certain is that for far too long, the West ignored Putin’s Russia and the internal processes taking place there. The future will not look like the past.
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„President Vladimir Putin meets with members of the Russian Security Council via a video link on Friday.“
(photo credit: Sputnik/Kremlin/Reuters, Jerusalem Post)

„Israeli Foreign Minister Yair Lapid meets with Ukraine’s Deputy Foreign Minister Emine Dzhaparov“ (credit: Ministry of Foreign Affairs, Jerusalem Post)

What does it mean for Israel to undermine the liberal global order?Dr. Ehud Eiran Israel has had ambivalent relations with the liberal world order. On the one hand, Israel was legitimized by a UN resolution, a key liberal institution. Israelis also broadly identify as members of the Western liberal-democratic camp. However, tensions between Israel and the standard-bearers of western liberalism have been heightened in recent decades. It is important to follow developments closely. They are highly troubling and could constitute an initial indication of the type of challenges facing the international order and Israel in the years to come.
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The bells of the liberal world toll for Israel:
Why taking a stance against the invasion is both the smart and just move

Dr. Gil Murciano
Israel’s position on the Russia-Ukraine conflict thus far is focused on the delicate balance between two seemingly contradictory considerations – its values-based affiliation with the Western camp and its realpolitik need for Russian goodwill. However, adopting a clear stance by joining the global liberal camp in condemning Russia’s invasion of Ukraine serves both of Israel’s considerations. It is simply the just and wise move to make. (Originally published in Hebrew in Haaretz)
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„Demonstration in Tel Aviv at the end of the week in favor of Ukraine and against the Russian invasion“(credit: Hadas Porush, Haaretz)

Mitvim’s Media Mentions
Media Mentions in English and Others Israel Weighs Its Neutrality on Russia-Ukraine Conflict (Former MK Ksenia Svetlova in MediaLine) Putin’s invasion of Ukraine: A wake-up call also for the MENA region? (Dr. Nimrod Goren in ISPI) On the Russian invasion in Ukraine, Israel is at the forefront (Dr. Gil Murciano in Libération)
Media Mentions in Hebrew WATCH: Dr. Maya Sion-Tzidkiyahu and Ksenia Svetlova on Channel 12’s World Order program with Arad Nir on the war in Ukraine (February 26, 2022) WATCH: Former MK Ksenia Svetlova on Channel 13 explaining Putin’s perception of the meeting with Bennett (March 5, 2022) LISTEN: Dr. Nimrod Goren on Galgalatz regarding Turkey’s role in the war in Ukraine LISTEN: Dr. Gil Murciano on Kan’s podcast „Between Biden and Putin: Israel’s Dilemma“ Times have changed, in this war Israel has a moral choice (Dr. Gil Murciano, Haaretz) Towing the line, Turkey balances its position more assertively than Israel (Amb. (ret.) Michael Harari, Haaretz)

Mitvim’s research and analysis provide an opportunity to help shape Israel’s future well-being. Philanthropic support enables Mitvim to lead in innovative research and the development of new policy knowledge. It maintains our efforts to promote Israel’s regional belonging and advance Israeli-Palestinian peace. We invite you to support our work challenging paradigms in Israeli foreign policy.
Email info@mitvim.org.il

Welche Interessen hat die russische Regierung?

Von den ehemaligen Sowjetstaaten über Afrika bis zum Nahen Osten gibt es keine Wahl, keinen Konflikt und keine Verhandlung, zu denen Moskau nichts zu sagen hätte. Ob mittels Social-Media-Kampagnen, diplomatischen Gesprächen oder Handels- und Militärabkommen: der Kreml scheint fest entschlossen, zu alter Größe zurückzufinden.
Seine Ziele hatte Wladimir Putin bereits 2007 auf der Münchener Sicherheitskonferenz angekündigt. Er fühlte sich von seinen westlichen „Partnern“ despektierlich behandelt und unterschätzt, prangerte das Vormachtstreben der Vereinigten Staaten an und prophezeite das Ende der unipolaren Weltordnung. Seitdem sorgt der Kreml-Chef für die Sicherung der russischen Grenzen und bezieht außenpolitisch ganz unverhohlen Stellung, ohne daß ihm andere Staaten Einhalt gebieten. Es besteht kein Zweifel: Der russische Bär ist zurück auf dem internationalen Parkett!“

Eine sehenswerte Doku von Arte.

Bis 16. März 2022 in der Mediathek und TV-Ausstrahlung am 11. März 2022, 9:40 Uhr bei Arte.

Interessen und die Pflicht, zu verhandeln

Wie nur wenige Staaten, hat Israels Regierung in den ersten Tagen nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine die akzeptierten Handlungsmuster auf diplomatischem und internationalem politischen Gebiet beibehalten. Auch bot Premierminister Naphtali Bennet sofort an, daß Israel zwischen beiden Kriegsparteien als Vermittler agiert.

Zu den Motiven dafür mag die gegenseitige Akzeptanz Rußlands und Israels und ihrer jeweiligen regional- und geopolitischen Interessen in der Region und darüber hinaus zählen, darunter die bisher bewährte israelisch-russische Koordination betreffs Syrien, und die historischen Verbindungen ebenso wie die gegenwärtigen vielfältigen Beziehungen und Kontakte auf offizieller staatlicher wie auch gesellschaftlicher Ebene.

Dazu zählen auch die persönlichen Kontakte: Mehr als ein Fünftel der israelisch-jüdischen Bevölkerung stammen aus der Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten, sind nach Israel eingewandert, pflegen bis heute enge Kontakte zu ihren Herkunftsgebieten und sind durch russisch(sprachig)e Medien über die Ereignisse in Rußland und der Ukraine bei Bedarf ausführlicher und u.U. weit klarer informiert als durch übersetzte und komprimiert wiedergegebene Nachrichtenmeldungen.

Israels Regierung wird die internationalen Sanktionen – vorerst – nicht mittragen. So übernimmt die Regierung nun die ausgefallene Versicherung für die Fluggesellschaft EL AL, damit diese ihre Fluglinie Tel Aviv-Moskau vorerst weiterführen wird.

Zuvor hatte Außenminister Jair Lapid angewiesen, für den Fall, daß russische Geschäftsleute Anfragen stellen könnten, um die Sanktionen zu umgehen, diese Anfragen abwegig beschieden werden sollten.

Gleichwohl steht Israel für jüdische ukrainische Staatsbürger:innen auf der Flucht vor dem Krieg offen. Der frühere Ministerpräsident und Likudvorsitzende Benjamin Netanjahu geht hingegen weiter. Er fordert, allen ukrainischen Personen, die Zuflucht in Israel beantragen, ein Kurzzeitvisum zu erteilen und verweist auf die guten Beziehungen zwischen Israel und der Ukraine. Bereits seit Jahren seien die israelische und die ukrainische Wirtschaft eng verbunden. Viele israelische Unternehmen beschäftigten Entwicklungsteams mit ukrainischer Basis und, wie Netanjahu anführt, schätzungsweise bis zu 50.000 Programmierer:innen.

Siehe: Times of Israel / Jerusalem Post