Während in Karlsruhe die Delegierten des Weltkirchenrates darüber diskutieren, beraten und beschließen, wie sie Israels Herrschaft über die Besetzten Gebiete bezeichnen sollen, wird auch in deutschen Kreisen (mehr wohl über die Begriffe, als die Wirklichkeit) diskutiert.
Während an anderer Stelle Doron Kiesel und Christan Staffa (zeitzeichen, 24. August 2022) den Apartheidsbegriff als „No-Go“ bezeichnen, äußeren sich in der Berliner Zeitung am 6. September 2022 mit Alon Liel und Ilan Baruch zwei ehemalige israelische Botschafter in Südafrika unter der Überschrift: „Was in Palästina geschieht, ist Apartheid“, dezidiert anders und schreiben an den Ökumenischen Rat der Kirchen:
(…) „Wir hoffen, dass die Mitglieder der Vollversammlung die Realität in den besetzten palästinensischen Gebieten als das anerkennen, was sie ist: als Apartheid. Sie würden damit einen entscheidenden Schritt zur Förderung von Ehrlichkeit und Gerechtigkeit leisten, während ein Großteil der westlichen Welt weiterhin dazu schweigt. Seit mehr als einem halben Jahrhundert arbeitet Israel daran, sowohl die Geografie als auch die Demografie der besetzten palästinensischen Gebiete durch expansive Siedlungspolitik zu verändern – eine Politik, die nach internationalem Recht illegal ist.“ (…)
Statement von Daniel Levy, Presidemt von USMEP vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 25. August 2022:
„I would like to thank the Council and the Chinese presidency in particular for allowing me to share some thoughts with you today. The events of earlier this month covered in detail by Special Envoy Wennesland are as concerning as they are predictable. To be very clear, Israelis deserve security; Palestinians deserve security…. „
Hier zum Zuschauen auf Youtube – und darunter das Dokument der Rede zum herunterladen:
Am 12. September 2022 veranstaltet das Jüdische Museum, Berlin ein Symposium
Der Hintergrund ist ein Brief, den Albert Einstein am 12. September 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, verfaßte. Er war eine Antwort an den 19jährigen deutsch-jüdischen Flüchtling Hans Kaufmann in Santiago de Chile, in dem er seinen großen Zweifel an der Schaffung einer zentralen Instanz zur Wahrung der jüdischen Interessen äußert.
Der Brief war eine Antwort auf ein Schreiben des jungen Mannes, in dem dieser Einstein gebeten hatte, an der Spitze einer jüdischen Organisation zu stehen, welche die Belange der Juden, ihre Würde und das Projekt einer nationalen Heimstätte in Palästina verteidigen würde.
Anläßlich der Schenkung dieses bedeutenden Briefs aus der Feder des weltberühmten Nobelpreisträgers, veranstaltet das Archiv des Jüdischen Museums Berlin ein Symposium, das sich Themen widmet, die im Kontext der Briefe von Hans Kaufmann und Albert Einstein stehen: der Geschichte der Familie Kaufmann, der deutsch-jüdischen Emigration nach Chile während der NS-Zeit, Albert Einsteins Stellung zum jüdischen nationalen Projekt und der Lage des Zionismus im Jahr 1942.
Bis ins 8. Jahrhundert reichen die Ursprünge des arabischen „takht“ zurück. Wörtlich war damit das Holzpodium gemeint, das den Musiker:innen als Bühne diente – inzwischen bezeichnet der Begriff das klassische Ensemble der arabischen Musik aus Gesangssolist:in, Oud, Flöte, Kanun und verschiedenen Schlaginstrumenten, das im Laufe der Jahrhunderte in zahlreichen musikalischen Traditionen der Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas aufgenommen und weiterentwickelt wurde. Diese Besetzung, die Musiker:innen bis heute zum kreativen Austausch inspiriert, steht im Mittelpunkt der diesjährigen Arabic Music Days.
Vier Tage, vier Konzerte
In vier Konzerten, kuratiert vom irakischen Oud-Virtuosen Naseer Shamma, präsentieren Künstler:innen aus Syrien, dem Libanon und Marokko traditionelle und zeitgenössische Spielarten. Außerdem werden alle vier Konzerte per Livestream auf Pierre Boulez Saal Online übertragen.
In seinem Essay fragt der renommierte libanesische Journalist und Autor Hazem Saghieh, wie die Zukunft der arabischen Welt aussieht. Gibt es Auswege aus einer existentiell bedrohlichen Krisenhaftigkeit?
„Vorbei mit der Höflichkeit“ – Aus: Kattan: … mit zur Sonne blickenden Augen – 978-3-86575-091-4
Wie stark sind unsere Wahrnehmungen, gerade auch von Konflikten, durch Bilder, zu Ikonen geronnenen Augenblicke, geprägt. Ein Gang durch diese Sammlung ist erhellend, für unser geprägt sein, auch für unsere blinden Flecke? (Am 28. Januar 2022 haben wir an dieser Stelle auf das Israel Film Archive aufmerksam gemacht)
is a literary arts publication and cultural institution that curates content and programs on the greater Middle East and our communities in diaspora. The Markaz signifies “the center” in Arabic, as well as Persian, Turkish, Hebrew and Urdu.
Coming soon, TMR’s special issue on Berlin, from guest editor Viola Shafik. Essays, fiction, interviews, art, film and music
Das beanstandete die bischöfliche Kommission ‚Justitia & Pax / Justice and Peace in Jerusalem‘ am Freitag, 19. August 2022, in einer Stellungnahme. Israel übe eine strenge Kontrolle über alle Wasserressourcen in Palästina aus und habe dort nichts für die Wasserinfrastruktur getan, vermerkt die Kommission. Zusätzlich zu einer drastischen Verknappung führe dies zu einer Qualitätsverschlechterung des verfügbaren Wassers.
Besonders hart treffe die Situation Dutzende Gemeinden, „die von den israelischen Behörden daran gehindert werden, sich an ein funktionierendes Wassernetz anzuschließen“ sowie jene, die in der Landwirtschaft arbeiteten. Sie seien gezwungen, Wasser zu erheblichen Kosten privat zu kaufen. Da sich das viele nicht leisten könnten, müßten sie ihre landwirtschaftlichen Flächen aufgeben.
Die bischöfliche Kommission wirft Israel vor, mit der Nichtachtung des Rechts auf Wasser die Siedlungspolitik voranzutreiben. Durch Wassermangel aufgegebene Landwirtschaftsflächen etwa könnten von Israel beschlagnahmt werden. Ferner sorge die Zerstörung von Zisternen durch die israelische Armee oder Siedler „zur Entvölkerung, oft in Gebieten, in denen Israel die Präsenz von Siedlern verstärken will“. Israel müsse auf das menschliche Grundbedürfnis nach Wasser eingehen und „den Bewohner:innen Palästinas erlauben, Wasserzisternen zu bauen und zerstörte Zisternen zu reparieren, um Regenwasser zu sammeln und gekauftes Wasser zu speichern“, so die Stellungnahme.
Israel liegt in einer semi-ariden Zone, in der es durchschnittlich an nur 50 Tagen im Jahr regnet. Die Wüste Negev nimmt gut 60 Prozent des Landes ein. Nur drei Wasserquellen versorgen die Bevölkerung im Land. Die Regierung setzt auf Entsalzungsanlagen: 2025 sollen 85 Prozent des Trinkwassers durch das Filtern von Meerwasser gewonnen werden. In den Palästinensergebieten herrscht allerdings chronischer Wassermangel.
(Nachbemerkung: Der originale Wortlaut der Erklärung war noch nicht online zu finden und wird ggfs. nachgereicht bzw. verlinkt)
Nachtrag – 22.8.2022:
JUSTICE AND PEACE COMMISSION
Assembly of Catholic OrdinariesOf the Holy Land
August 19, 2022
A cry in the heat of the summer to respect the right to water
Drink water from your own cistern, flowing water from your own well. (Proverbs 5:15)
As the northern hemisphere passes through a scorching summer, we hear the voices of the thirsty rising up from our land. Water is a vital resource for human existence. The right to water is also basic right. Like in many places in the world, in Israel, people benefit from running water to meet their household needs twenty-four hours a day. However, hundreds of thousands of Palestinians face severe water shortages, especially during the summer months. Some of them have no running water during parts of the summer.
Israel maintains strict control of all water resources in Palestine (the areas of the Palestinian Autonomy and those areas under direct Israeli control). The Israeli authorities have not advanced the development of the water infrastructure in these areas nor its maintenance, causing dire hardship. This is not only causing drastic shortages but also the degradation of the quality of water when it is available.
Worst off are dozens of communities that the Israel authorities prevent from connecting to a functioning water grid, forcing them to buy water privately at considerable cost. The cost increases when water must be transported in areas where there is no easy road access due also to developmental neglect.
Those who work in agriculture in rural areas are particularly badly hit by the water shortage. They have to pay five to nine times the regular price for water, which many cannot afford. They must often abandon their agricultural lands, which can then be confiscated by the Israeli authorities. While Palestinian zones become wasteland because of the lack of water, Israeli settlements in these same areas continue to boast of green lawns and swimming pools.
We call on the Israeli authorities to respond to this basic human need and allow residents of Palestine to construct water cisterns and repair destroyed ones in order to gather rain water and store purchased water. We also hope that this attention to a basic human need will end the destruction of water cisterns by the Israeli army, also impeding Israeli settlers from doing the same. In the past fifteen years, hundreds of cisterns have been destroyed by the Israeli army or settlers. This destruction leads to depopulation, often in areas where Israel is seeking to intensify the presence of settlers.
The need for water is universal and God sends his rain down on one and all. Is anyone listening to this cry?
Stereotypisierungen des Muslimischen in deutschen und israelischen Medien
Von Charlotte Misselwitz
Was sagt die mediale Rede über den muslimischen Anderen eigentlich über uns aus? Die Doktorarbeit untersucht anhand einer „psychologischen Diskursanalyse“ Stereotypisierungen des Muslimischen in deutschen und israelischen Medien. Anhand der Rezeption von drei ausgewählten Medienkunstprojekten werden in einem ersten Schritt zentrale – neuerdings „psychologische“ – Diskurselemente aufgezeigt, die Stereotypisierungen aufbauen und die in einem zweiten Schritt verglichen werden. Den „diskursiven Medienkunstprojekten“ gelang dabei eine bisher nicht erfasste „mediale Interaktion“ als „narrative Rückspiegelung“ zwischen alternativen und etablierten Medien. Die – hier mit Jaques Lacan erweiterte – Diskursanalyse in der Tradition des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung hermeneutisch (und weniger quantitativ) zeigt narrative und emotionale Korrespondenzen in Form von „philosemitischen Einsamkeiten“ oder „parallelen Empathielosigkeiten“ zwischen deutschen und israelischen Diskursen, und zwar als oft unbewusste Komplexe, die Stereotypisierungen des Muslimischen aufbauen.
Misselwitz, Charlotte: Stereotypisierungen des Muslimischen in deutschen und israelischen Medien: ‚ Narrative Rückspiegelungen in der Rezeption von Medienkunstprojekten. 978-3-11-075069-0 | Band 40 der Reihe Studies on Modern Orient Berlin / Boston (De Gruyter) 2022. https://doi.org/10.1515/9783110751710
Wer über eine wissenschaftliche Bibliothek Zugang hat, kann das Buch online lesen, ansonsten kostet es gedruckt wie als E-Book 102,95 € (sic) – wir werden versuchen, eine Besprechung nachzureichen.