Heute: 27. Juli 2022 – Register

Heute: 27. Juli 2022 – Register

Einrichtung am Historischen Seminar der Universität Heidelberg prägendes Beispiel für gesellschaftliche und politische Relevanz der Geisteswissenschaften
Mit der Aufgabe, Ursachen und Folgen antiziganistischer Ausgrenzung und Verfolgung wissenschaftlich zu untersuchen, hat vor fünf Jahren die Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg ihre Arbeit aufgenommen. Die 2017 ins Leben gerufene Einrichtung erforscht in historisch vergleichender Perspektive Mechanismen der Vorurteilsbildung und Praktiken der Diskriminierung von Sinti und Roma in Europa. Aus Anlaß des fünfjährigen Bestehens lädt der Rektor der Ruperto Carola, Prof. Dr. Bernhard Eitel, am 26. Juli 2022 zu einem Festakt ein. Dazu erwartet werden Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, und Daniel Strauß als Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg, sowie die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Die Forschungsstelle Antiziganismus wurde als europaweit erste und bislang einzige akademische Institution mit diesem inhaltlichen Schwerpunkt am Historischen Seminar der Universität Heidelberg etabliert. „Sie ist ein prägnantes Beispiel dafür, welche gesellschaftliche und politische Relevanz den Geisteswissenschaften in unserer krisengeschüttelten Gegenwart zukommt“, betont der Rektor der Ruperto Carola. Die Forschungsstelle unter der Leitung des Zeithistorikers Prof. Dr. Edgar Wolfrum beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen zu Ursachen, Formen und Folgen des Antiziganismus in den europäischen Gesellschaften vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Ziel ist es, die Mechanismen der Vorurteilsbildung und die Praktiken der Diskriminierung in ihren lokalen, regionalen, nationalen und transnationalen Erscheinungsformen zu untersuchen. Die Einrichtung beruht auf einem Staatsvertrag, den der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg, und das Land Baden-Württemberg im November 2013 geschlossen haben.
Zu den Projekten der Forschungsstelle Antiziganismus gehört die Arbeit an einer großangelegten Enzyklopädie, die das historische Wissen zum nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma in Europa zusammenführt. Mit finanzieller Förderung des Auswärtigen Amtes sind daran Wissenschaftler aus dem In- und Ausland beteiligt. Dr. Frank Reuter, wissenschaftlicher Geschäftsführer der Forschungsstelle, und Dr. Karola Fings, Leiterin des Enzyklopädie-Projekts, gehörten auch zu den Mitgliedern einer vom Bundestag eingesetzten Unabhängigen Kommission Antiziganismus, die Empfehlungen für Maßnahmen gegen antiziganistischen Rassismus in Deutschland erarbeitet hat. Mit der Forschungsstelle verbunden ist das zum Wintersemester 2019/2020 erstmals vergebene Romani-Rose-Fellowship. Es wendet sich an Doktoranden sowie Postdoktoranden mit Forschungsvorhaben oder Projekten, die einen Schwerpunkt in der Antiziganismusforschung oder einem verwandten Feld wie der Rassismusforschung haben. Das Stipendium wird von der Manfred Lautenschläger-Stiftung finanziert.
Zum Auftakt des Festaktes anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Forschungsstelle Antiziganismus wird der Rektor der Universität Heidelberg sprechen. Anschließend wenden sich Theresia Bauer, Romani Rose und Daniel Strauß mit Grußworten an die Gäste. Zu den Rednern gehört neben Dr. Fings als Leiterin des Projekts „Enzyklopädie des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa“ auch Dr. Maria Bogdan, die 2019 und 2020 als Romani-Rose-Fellow an der Forschungsstelle Antiziganismus geforscht hat. Die beiden Wissenschaftlerinnen werden über ihre Arbeiten berichten. Den musikalischen Rahmen gestalten Ferenc Snétberger (Gitarre) und Benjamin Urbán (Flügel).
(Quelle: https:// idw-online.de/de/news798831)
Ein Text von Georg Diez am 20. Juli 2022: „Anklagepunkt: ‚BDS-Nähe'“
Ein höchst lesenswerter Beitrag, in der „Hitze“ dieser Tage, aber einer Hitze, die wahrscheinlich leider nicht in ein paar Tagen erst mal vorbei sein wird:
„…wenn das alles in Ausschüssen im Bundestag vom Hörensagen zu politischer Realität wird, dann hat hier längst eine gefährliche Eigendynamik eingesetzt, Kurzschlüsse einer sich selbst hysterisierenden Hysterieproduktion.“
Neuerscheinung Andreas Hackl – Bei Interesse am Erwerb: Mail genügt
The Invisible Palestinians: The Hidden Struggle for Inclusion in Jewish Tel Aviv
Within the heart of the Jewish city of Tel Aviv, there is a hidden reality—Palestinians who work, study, and live as an unseen minority without access to equal urban citizenship.
Grounded in the everyday lives of Palestinians in Tel Aviv, The Invisible Palestinians offers an ethnographic critique of the city’s self-proclaimed openness and liberalism. Andreas Hackl reveals that Palestinians‘ access to the social and economic opportunities afforded in Tel Aviv depends on keeping a low profile, which not only disrupts opportunities for true urban citizenship but also draws opposition from other Palestinians. By looking at the city from the perspective of this hidden urban minority, Hackl uncovers a critical opportunity to imagine and build a more inclusive and just future for Tel Aviv.
An important read, The Invisible Palestinians explores the marginalized urban presence of both Palestinian citizens of Israel and Palestinian laborers from the West Bank in this quintessential Jewish Israeli city. Hackl reveals a highly diverse Palestinian population that includes young people, manual workers and middle-class professionals, residents and commuters, students, artists, and activists, as well as members of an underground Palestinian LGBT community who carefully navigate their place in a city that refuses to recognize them.
Andreas Hackl is a Lecturer in Anthropology of Development at the University of Edinburgh. His research has been published in leading academic journals such as World Development, American Ethnologist, and Social Anthropology. He has worked as a consultant with the International Labour Organization and as a newspaper correspondent based in Jerusalem.
Hanno Hauenstein in der Berliner Zeitung noch einmal über: Hijacking Memory.
Wie eine Konferenz Engpässe deutscher Debatten aufzeigt
„Druckwellen der „Hijacking Memory“ Konferenz wirken noch nach. Die Tagung, die vor knapp einem Monat am Haus der Kulturen der Welt stattfand und sich mit der Erinnerung an den Holocaust und ihrer politischen Instrumentalisierung auseinandersetzte, startete mit einer Differenzierung: „Keine jüdische Person, nirgends, wird die reale Gefahr des Antisemitismus anzweifeln“, erklärte Susan Neiman, die Direktorin des Einstein Forums und eine der drei Konferenz-Organisatorinnen. „Doch wir sind überzeugt, dass die Instrumentalisierung des Antisemitismus-Vorwurfs auf zynische Weise für nationalistische Zwecke eingesetzt wird….“
Gemeinsame Erklärung der Außenministerien
Belgiens, Dänemarks, Deutschlands, Frankreichs, Irlands, Italiens, der Niederlande, Schwedens und Spaniens
„Am 22. Oktober 2021 hat Israel sechs palästinensische Zivilgesellschaftsorganisationen als terroristische Organisationen eingestuft. Terrorismusvorwürfe oder Vorwürfe, Verbindungen zu terroristischen Gruppen zu unterhalten, müssen ausnahmslos mit der größtmöglichen Ernsthaftigkeit behandelt werden. Daher war es geboten, diese Einstufungen sorgfältig und umfassend zu überprüfen. Aus Israel gingen keine wesentlichen Informationen ein, die es rechtfertigen würden, unsere Politik in Bezug auf die sechs palästinensischen zivilgesellschaftlichen Organisationen auf der Grundlage der Entscheidung Israels, diese Organisationen als „terroristische Organisationen“ einzustufen, zu widerrufen.
Sollten gegenteilige Belege zur Verfügung gestellt werden, würden wir dementsprechend handeln. Solange solche Belege nicht vorliegen, werden wir unsere Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den besetzten Palästinensischen Gebieten und unsere deutliche Unterstützung für sie fortführen. Eine freie und starke Zivilgesellschaft ist für die Förderung demokratischer Werte und für die Zwei-Staaten-Lösung unerlässlich.“
Pressemitteilung des Auswärtigen Amtes, Berlin, 12. Juli 2022
Für die einen aus der Zeit gefallen, für die anderen das Zeichen der Zeit:
Der Palästinenser Bassam Aramin und der Israeli Rami Elchanan waren vom 9. – 23. Juni 2022 in verschiedenen Orten zu Gast. Für November sind Veranstaltungen in Freiburg und der Schweiz geplant.

Bassam und Rami sind Freunde. Sie gehören beide dem Parents Circle Families Forum an, einer israelisch-palästinensischen Organisation, deren Mitglieder ein Familienmitglied durch Gewalt der „Gegenseite“ verloren haben. Beide sind auch mit den Combatants for Peace verbunden, den ehemaligen Kämpfern, die den Kampf mit der Waffe gegen friedensfördernde Aktivitäten eingetauscht haben.
Ghassan Kanafani (1936-1972) – Gefeiert, verdammt, erinnert, umstritten, ein Leben wie im Brennglas der unterschiedlichen Narrationen – Zwischen Terror und Literatur – eine Ikone.

Die Lektüre „lohnt“ noch immer …

Und dazu das Kalenderblatt des Deutschlandfunk.
Es sind oft nicht die großen Gesten und Projekte, sondern die kleinen andministrativen Maßnahmen, die am Ende zählen – Irr Amin folgt den Entwicklungen:
In the framework of a long-term monitoring project, Ir Amim has been closely following the implementation of a five-year plan for socio-economic investment in East Jerusalem called Government Decision 3790 for the „Reduction of Socio-Economic Gaps and Advancement of Economic Development in East Jerusalem.” Adopted in 2018, the Decision allocates NIS 2.1 billion for investment into a variety of fields including: employment, education, transportation, infrastructure, health, and more.
Although Decision 3790 is the first significant step by the Israeli government to attempt to rectify the longstanding neglect of Jerusalem’s Palestinian population, it is also unequivocally driven by political considerations.


Im HKW fand jüngst eine kritische Tagung zum Holocaust-Gedenken statt. Sie wurde von einigen deutschen Medien angegriffen. Hier positionieren sich Teilnehmende
Als eingeladene Teilnehmer:inen der Konferenz „Highjacking Memory“ möchten wir, jüdische und nicht-jüdische Personen, den Organisator:innen, Sponsoren sowie dem Austragungsort – dem Haus der Kulturen der Welt – unsere Dankbarkeit und unsere Solidarität für ihre wichtige und mutige Arbeit aussprechen. Die Instrumentalisierung der Erinnerung an den Holocaust und des Kampfes gegen Antisemitismus durch rechte Akteure ist in unseren Augen ein besorgniserregendes und drängendes Problem. Putins Behauptung, die Ukraine „entnazifizieren“ zu wollen, ist hierfür nur das jüngste Beispiel.
Im deutschen Kontext ist eine kritische Untersuchung der politischen Nutzbarmachung des Holocaust-Gedenkens aus nachvollziehbaren Gründen ein sehr sensibles Thema. Umso dankbarer sind wir dem Einstein Forum, dem Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA), sowie dem Haus der Kulturen der Welt (HKW), dass sie diese Konferenz mit ihren vielfältigen Vorträgen und Diskussionen in dieser Form abgehalten haben.
Die Konferenz widmete sich des Themas der rechten Vereinnahmungen direkt und zeigte dabei auch Wege für die Zukunft auf. Dafür kam ein vielfältiges Publikum aus Deutschen und Nichtdeutschen, Jüdinnen, Juden und Nichtjuden, Israelis und Palästinenser:innen zusammen. In oftmals herausfordernden und anspruchsvollen Dialogen und Debatten suchten sie einen produktiven Austausch. Es war eine in dieser Form einzigartige Veranstaltung, wie sie in deutschen Kontexten ansonsten allzu oft erschwert oder unmöglich gemacht wird.
Wir sind entsetzt von dem Schwall an verleumderischen Vorwürfen aus unterschiedlichen Richtungen – darunter auch deutsche Medien und staatliche Stellen – gegen die Organisatorinnen, Sponsoren sowie den Konferenzort selbst.
Diese Vorwürfe verzerren nicht nur den Inhalt der Vorträge und Diskussionsrunden, die im Videoarchiv des HKW inzwischen online abrufbar sind. Sie sind ironischerweise auch ein Beleg genau jener toxischen Dynamik, welche die Konferenz verstehen und analysieren und der sie entgegenwirken wollte. Wir sehen daher dazu veranlasst, der Arbeit des Einstein Forums, des ZfA und des HKW in der Durchführung dieser zwingend notwendigen Konferenz nochmals deutlich und öffentlich unsere Unterstützung auszusprechen.
Wir wollen auch unterstreichen, dass die rechte Vereinnahmung und Instrumentalisierung des Holocaust-Gedenkens dem Kampf gegen Antisemitismus – aber auch dem Kampf gegen Rassismus auf der ganzen Welt – schadet.
Unterzeichnende:
Gilbert Achcar – Tareq Baconi – Omer Bartov – Peter Beinart – Omri Boehm – Hannah Black – Avrum Burg – Daniel Cohn-Bendit – David Feldman – Sander Gilman – Lewis Gordon – Philip Gorski –Daniel Kahn – Volkhard Knigge – Nikolay Koposov – Daniel Levy – Carinne Luck – Eva Menasse – Andrea Peto – Diana Pinto – Ben Ratskoff – Miriam Rürup – Rachel Shabi – Jelena Subotic
*** Auch in der Berliner Zeitung vom 6. Juli 2022 zu finden. ***