1948 – und immer noch seine Folgen

Libanon: Maronitische Liga legt Einspruch gegen Zugang von palästinensischen Flüchtlingen zum Arbeitsmarkt ein

Aus einer Meldung der Agentur Fides, die hier einen Mosaikstein der komplexen Lage im Libanon beleuchtet:

Die maronitische Liga hat beim libanesischen Staatsrat Einspruch gegen das jüngste Dekret des libanesischen Arbeitsministers Mustafa Byram eingelegt, das palästinensischen Flüchtlingen im Libanon den Zugang zum Arbeitsmarkt in Sektoren eröffnet, die bisher libanesischen Bürger:innen vorbehalten waren.

Wie Nehmetallah Abi Nasr, der derzeitige Vorsitzende der Liga, berichtete, wurde eine entsprechende Beschwerde am Dienstag, den 28. Dezember 2021, beim Staatsrat eingereicht. Der Ministerialerlaß stehe im Widerspruch „zu den institutionellen und politischen Grundlagen der libanesischen Nation“. Die maronitische Lige, fügte Abi Nasr hinzu, „sah sich desahlb veranlaßt, gegen den Ministerialerlaß vorzugehen, weil sie aus ihren eigenen Gründungsgründen dazu aufgerufen ist, sich allen Operationen und Manipulationen zu widersetzen, die darauf abzielen, das moderne und historische Profil des Libanon zu verändern und zu versuchen, einen neuen demographischen Status quo zu erzwingen“.

Das von der Liga angefochtene Dekret wurde am vergangenen 25. November vom schiitischen Minister Mustafa Bayram erlassen. Mit dem Ministerialerlaß wurden die Beschränkungen für den Zugang palästinensischer Flüchtlinge zu bestimmten Berufen aufgehoben, insbesondere zu Berufen, die eine Pflichtmitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder einem Berufsverband voraussetzen (u.a. Ärzte und Rechtsanwälte) und die bisher libanesischen Bürgern vorbehalten waren.

Im Libanon leben rund 190.000 palästinensische Flüchtlinge, von denen die meisten immer noch in den Flüchtlingslagern leben, die nach der Gründung des Staates Israel eingerichtet wurden, um die palästinensisch-arabische Bevölkerung dort unterzubringen, die aus den Städten und Dörfern floh, die von der israelischen Armee während der verschiedenen Konflikte in den ersten Jahrzehnten des jüdischen Staates erobert wurden.

Die maronitische Liga wurde in den 1970er Jahren als Organisation zur Förderung der maronitischen Identität und Präsenz im Libanon und in der Welt gegründete. Ziel der Organisation ist es, die Verbindungen zwischen den in der ganzen Welt verstreuten maronitischen Christ:innen zu unterstützen und wiederzubeleben und die Souveränität und Unabhängigkeit des Libanon in einem demokratischen und pluralistischen Kontext zu schützen.

Der Erlaß von Minister Byram zur Ausweitung des Arbeitsmarktes für palästinensische Flüchtlinge hatte auch unter libanesischen Politikern heftige Reaktionen hervorgerufen, die in einigen Fällen von fremdenfeindlichen Argumenten und Tönen geprägt waren.

Libanesische Analysten warnen unterdessen im Gespräch mit Fides vor Interpretationen, die dazu neigen, selbst dar rechtliche Vorgehen der maronitischen Liga als Ausdruck einer Reaktion zu betrachten, die von Ressentiments gegenüber Flüchtlingen geprägt ist. Alles, was sich in dem verzerrten Szenario der gegenwärtigen Situation im Libanon abspiele – so die lokale Analysten vor -, müsse objektiv und realistisch betrachtet werden, wobei die Prozesse und Konflikte zu berücksichtigen seien, die seit Jahrzehnten die Ängste der Völker des Nahen Ostens schüren.

Hinter der Debatte um die neuen Regeln für den Zugang der Palästinenser zum libanesischen Arbeitsmarkt steht die ungelöste Frage nach dem endgültigen Status der Flüchtlinge, die im Libanon Zuflucht gefunden haben, nachdem sie ihre Heimat in Palästina verlassen mußten. Der Libanon ist in den letzten Jahren im Zuge des Syrienkonflikts erneut zu einem Zufluchtsort für große Flüchtlingsströme geworden. Vor dem Hintergrund einer verschärften Wirtschaftskrise erhitzt das ungelöste Flüchtlingsproblem die Gemüter, was das fragile demographische Gleichgewicht zwischen den verschiedenen ethnischen und religiösen Zugehörigkeiten, auf dem die Identität des Libanon beruht, zusätzlich gefährdet.

Die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen, die aus Kriegsgebieten fliehen, sollte nach Ansicht der Analysten deshalb unter Wahrung des nationalen Gefüges erfolgen.

Unterdessen haben die im Libanon tätigen internationalen Hilfsorganisationen die für die Unterstützung der palästinensischen Flüchtlinge bereitgestellten Mittel fast vollständig gestrichen, während sie für die syrischen Flüchtlinge Pro-Kopf-Hilfen vorsehen, die inzwischen höher sind als das monatliche Einkommen des größten Teils der libanesischen Bevölkerung. Vor dem Hintergrund dieser problematischen Ungleichgewichte und latenter Konflikte, wird die Aussicht auf die „Nationalisierung“ der vielen syrischen und palästinensischen Flüchtlinge und die Stabilisierung ihrer Präsenz im Libanon von vielen als eine objektive Störung der Identität des Libanon betrachtet.

Zoom Konferenz: Art and Citizenship

Dar al-Kalima University cordially invites you to attend our 23rd International Conference entitled „Art and Citizenship“ Conference on Wednesday and Thursday, December 15th and 16th, 2021 from 10:00AM to 19:30PM via this zoom link; where you can choose between Arabic and English languages.

Simultaneously with the Conference – held in Bethlehem – and as part of the Conference, three sessions shall be held in Lebanon, Gaza, and Amman, according to the following schedule:
15.12.2021 In Amman in cooperation with the Royal Institute of Religious Studies
16.12.2021 In Gaza, at the headquarters of Dar Al-Kalima University.
16.12.2021 In Beirut: in cooperation with the Dar Al-Kalima Association for Arts and Culture.

Please note that all the times are based on Jerusalem time (GMT+2). 

To Check the Program, please click the link below:

https://www.daralkalima.edu.ps/uploads/files/Program%20in%20english.pdf


For more information or inquiries please contact: conference23@daralkalima.edu.ps

Der Truman Institut Atlas des jüdisch-arabischen Konflikts

Verfasser: Dr. Shaul Arieli

Wenn auch unter einem sehr diskussionswürdigen Titel ist am Harry S. Truman Forschungsinstitut für Frieden an der Hebräischen Universität in Jerusalem ein gelungener illustrierter Atlas erschienen, der – mit Unterstützung der Böll Stiftung (Tel Aviv) – auch frei herunterladbar ist (Englisch und Deutsch).

The Truman Institute Atlas of the Jewish–Arab Conflict

The Israeli-Palestinian conflict has already raged for a century, and will probably continue to be the chief concern of the two peoples that live in Israel/Palestine for many years to come. This atlas offers a clear and concise explanation of the development of the conflict in its various aspects, focusing particularly on territorial, demographic, and diplomatic aspects. It begins with the start of modern Jewish immigration to the country and ends at the present day.

Dozens of colored maps present a wealth of information in an accessible form, providing a clear graphic illustration of the historical course of the confl­ict. Concise accompanying texts enhance the maps and create a credible and informative historical narrative.

60 Jahre Orient Institut in Beirut

Ein Blick in den Libanon

Key Visual zur Jubiläumsfeier am Orient-Institut Beirut“

Vom 2. bis 4. Dezember 2021 feiert das Orient-Institut Beirut sein 60-jähriges Bestehen mit einem 2-tägigen akademischen Festprogramm. Neben Workshops und Podiumsdiskussionen zu historischen und aktuellen Themen der Arabistik und Islamwissenschaft, die auch die Bibliothek des Orient-Instituts zur Geltung bringen, wird es Ehrungen langjähriger Weggenossen und eine Foto-Ausstellung zu den Gründungsjahren des Instituts unter der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft geben.

In diesem Jahr feiert das Orient-Institut Beirut sein 60-jähriges Bestehen. „Gerade im Angesicht der mannigfachen Krisen, die unser Gastland Libanon in der letzten Zeit erschüttert haben und noch erschüttern, und nach der Explosion im letzten Jahr in Beirut, die das Institut schwer beschädigt hat, wollen wir dieses Jubiläum besonders festlich begehen“, sagt Institutsdirektorin Birgit Schäbler. „Wir möchten damit vor allem ein Zeichen der Verbundenheit setzen, indem wir Persönlichkeiten ehren, die das Institut seit seiner Gründung loyal begleitet und es durch ihre Forschungen und Veröffentlichungen mit geprägt haben. Das Orient-Institut folgt seit seiner Gründung und avant la lettre dem aktuellen Motto des Bildungs- und Forschungsministeriums ‚forschen mit, nicht forschen über‘, und nichts zeigt dies deutlicher als unser wissenschaftliches Programm und unsere Buchreihen mit ihren vielfältigen Forschungstraditionen, in denen die Kolleginnen und Kollegen vertreten sind.“

Eine Photo- und Buchausstellung widmet sich den Anfangsjahren des Instituts, in denen das ikonische Wörterbuch von Hans Wehr eines der ersten Werke der Forschungsbibliothek war, die ihm einen Workshop widmet. Eine Podiumsdiskussion über den „Mehrwert der Koranwissenschaft“, und eine Podiumsdiskussion zum aktuellen Verhältnis von Islamwissenschaft und Islamischer Theologie, die mit dem gegenwärtigen Forschungsschwerpunkt des Instituts „Relations“ verknüpft ist, runden das akademische Programm ab.

Das Programm zur Veranstaltung finden Sie hier:
https://www.orient-institut.org/fileadmin/user_upload/60_Years_Program_2.pdf

Das Orient-Institut Beirut wurde 1961 durch die Deutsche Morgenländische Gesellschaft gegründet. Es betreibt und fördert Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften mit Bezug auf die arabische Welt und den weiteren Mittleren Osten.
Das Orient-Institut Beirut wurde 1961 durch die Deutsche Morgenländische Gesellschaft gegründet. Es betreibt und fördert Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften mit Bezug auf die arabische Welt und den weiteren Mittleren Osten.

Die EU unterstützt weiterhin UNRWA

Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationenen

Seit 1971 unterhalten die Europäische Gemeinschaft / EU und the United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East (UNRWA) eine strategische Partnerschaft mit dem gemeinsamen Ziel,  humanitäre Entwicklungserfordernisse palästinensischer Flüchtlinge und Stabilität im Nahen Osten zu unterstützen.

Inzwischen ist die EU die größte multilaterale Unterstützerinstitution, die internationale Hilfe für mehr als 5,8 Millionen palästinensischer Flüchtlinge in Jordanien, Libanon, Syrien,  Westjordanland und Gaza leistet.

Am 17. November 2021 unterzeichneten die beiden Vertreter der EU und der UNRWA eine Gemeinsame Erklärung über die weitere Unterstützung der EU für die UNRWA für die Jahre 2021 bis 2024. Josep Borrell, EU High Representative, hob hervor, daß UNRWA in den Kernbereichen bei der Versorgung von Millionen palästinensischer Flüchtlinge eine „essential role“ spiele.

Der Text der gemeinsamen Erklärung ist hier abzurufen:

Joint Declaration between the European Union and the United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East (UNRWA) on European Union support to UNRWA (2021-2024)

***

Deutschland erhöht Unterstützung des VN-Flüchtlingshilfswerkes UNRWA

Die Bundesrepublik Deutschland wird das VN-Flüchtlingshilfswerk UNRWA mit weiteren 72 Millionen Euro unterstützen. Dies teilte Staatssekretär Miguel Berger gestern im Rahmen der virtuellen UNRWA-Konferenz in Brüssel mit. In dem Betrag sind zusätzliche 15 Millionen Euro zur Entlastung des Programmbudgets enthalten.

5. Jahreskonferenz Mitvim

Future Pathways for Israel’s Foreign Policy

Join the 5th Annual Conference of the Mitvim Institute  
In cooperation with the Friedrich-Ebert-Stiftung. Featuring experts, government officials and politicians.

25 October 2021, 16:30 Israel time (15:30 CET, 09:30 EDT) Via Zoom;

In Hebrew, with simultaneous translation into English | To register, click here

Eisenbahn – Online…

Online historic Middle East railway tour

Was noch nicht gehr, oder was noch nicht wieder geht, geht online eben doch.

Einladung Donnerstag, 28. [sic] Oktober 2021 18.00 (Berliner Zeit) – Kostenlos – Spenden gern gesehen …

Eine „Veranstaltung“ von Green Olive Tours.

Words like ‘online’ and ‘historic’ may not usually go together when you think of a tour! But now you can join Green Olive for a special online event to explore how war, religion, and economics have driven the development of trains in Israel, Palestine, Jordan and beyond.
Nowhere else on the planet have railways connected three continents and been at the centre of such intense politics. At various points the story is driven by a desire to wage war and to pray for peace. It involves Arabs and Jews, South Africans and Turks, British and French.
The tour will cover it all; from the Ottoman era when the Middle East’s first railway linked Jaffa with Jerusalem and the Hejaz Express brought pilgrims to Islam’s holy cities; to British attempts to cross the Suez Canal and navigate the mountainous Lebanese coast; or even future plans to once again see international rail cross the Jordan and connect us to the Gulf.
All aboard!