Danach: Neu verteilte Karten?

Die Hamas hat sich nicht aktiv an der eltzten Auseinandersetzung beteiligt. Hat sie damit in den Augen der Bevölkerung gewonnen, aber ihre Stellung in Iraels Augen gestärkt, so wie in der Vergangenheit die die PNA oft um ihrer eigenen Vorteile willen, dem Druck „der Straße“ nicht gefolgt ist und mit schwindende Einfluß bezahlt hat?

Ein analytischer Artikel zur aktuellen Situation und Debatte von Daoud Kuttab in den Arab News.

Was die anderen denken (und sehen)

Internationale Presseschau: Was das Ausland über die Documenta denkt

Im Online-Magazin Monopol macht Alia Lübben einen ausführlichenen Gang durch die weltweiten Wahrnehmungen und Einschätzungen der Documenta Fifteen.

175 Jahre LPJ

Am 23. Juli 1847 verlegte der Bischof von Rom, Pius IX. p.p., den physischen Sitz des sog. Lateinischen Patriarchats ‚zurück‘ nach Jerusalem und entsandte mit Bischof G. Valerga wieder einen europäischen Kleriker in die Heilige Stadt – mit dem Anspruch eines Patriarchen.


Diese Entscheidung läßt sich nicht verstehen ohne das „neue“ Interesse Europas an der Region und das 1841 errichtete Anglikanisch-protestantische Bistum in Jerusalem … und woher stammten dann in der Folge all die guten neuen Katholik:innen?
Als ökumenisches Zeichen wäre es doch schön, wenn der lateinische (also der römisch-katholische) Bichof in der Stadt einfach nur der (Ritus-)Weihbischof des (griechisch-orthodoxen) Patriarchen wäre…

Geschichte in Geschichten – und doch Gegenwart

Eine „Kleinigkeit“ zum 20. Juli oder wie der Weg von Kreuzberg nach Hamburg und zu dem Dortmunder jüdischen Rechtsanwalt Dr. Otto Salomon Elias (geb. 1876) führt, der sich im April 1933 im (Gestapo-)Gefängnis das Leben nahm …

Gelegentlich ist der Autor dieser Zeilen auch als Antiquar unterwegs, bibliophil erkrankte Menschen sind dafür anfällig. Gestern Abend war ich dabei, den Blogbeitrag für den heutigen 20. Juli 2022 vorzubereiten, ein wichtiger Tag im deutschen Gedächtniskalender und ein Tag, der eine Neigung hat, idealisiert zu werden, so wichtig und bedeutsam er auch war. Dieser „große“ Widerstand darf den „kleinen“ alltäglichen Faschismus eben nicht vergessen lassen.

Mir fiel bei Durchsicht eines Buchbestandes, der uns aus einem Nachlaß überlassen worden worden, ein Band auf, zuerst weil er etwas Reinigung und Pflege bedurfte. Mir war schnell klar, dieses Buch würde ich nicht verkaufen wollen, sondern mit zu mir nehmen …

Ein schönes Frontispiz jeweils, ein Faksimile (Schriftprobe) von beiden Autoren, ein Halbledereinband mit Goldprägung, vergoldeter Kopfschnitt, farbiger Vorsatz, Leseband (Meyers Klassiker-Ausgaben), o. J. (etwa um 1892?), Novalis‘ Werke. Fouqué’s Undine / Novalis (d. i. Friedrich Leopold v. Hardenberg, 1772 – 1801) / Fouqué (d.i. Friedrich de la Motte Fouqué, 1777 – 1843) Leipzig – Wien (Bibliographisches Institut):

Mein Blick viel natürlich auf das Ex Libris, zum einen, weil ich sie ein wenig sammle, aber besonders, weil sie wie die Marquette so wunderbar zum Buch gehören und dem Papier Geschichte geben.

Der Name sagte mir nichts, das Künstlersignet oben rechts kannte ich auch nicht. So führte der Weg an diesem frühen Abend des 19. Juli 2022 „natürlich“ ins Netz.

Eben gerade war in Hamburg eine Austellung eröffnet worden, die „mein“ Buch in einen weiten Horizont stellte. Gastgeber und Gäste waren wohl noch beisammen an der Elbe, als mir das Schicksal von Dr. Otto Salomon Elias (1876-1933) klar wurde und das seiner Bücher (und sich nebenbei das Ex libris erschloß: „Das ausgesprochen schöne Exlibris stammt vom Maler und Graphiker Walter Buhe. Buhe, ein Schüler von Emil Orlik, war 1920-1947 Professor für angewandte Grafik in Leipzig“).

Verfolgungsgeschichte ist kein Abstraktes, Vergangenes – sie holt uns immer wieder ein, damit wir nicht vergessen! Die Geschichte dieses Buches ist noch nicht zu Ende.

Die Geschichte dieses Buches ist noch nicht zu Ende.

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Zur Lage / zur Situation: Shai Goren und Avraham Burg im Gespräch

Eine Youtube Aufzeichnung einer Zoom-Begegnung organisiert von den American Friends of Combatants for Peace am 14. Juli 2022

Screenshot Shai Goren

Screenshot Avraham Burg

Offener Brief

Warum rechte Vereinnahmung des Gedenkens dem Kampf gegen Antisemitismus schadet

Im HKW fand jüngst eine kritische Tagung zum Holocaust-Gedenken statt. Sie wurde von einigen deutschen Medien angegriffen. Hier positionieren sich Teilnehmende

Als eingeladene Teilnehmer:inen der Konferenz „Highjacking Memory“ möchten wir, jüdische und nicht-jüdische Personen, den Organisator:innen, Sponsoren sowie dem Austragungsort – dem Haus der Kulturen der Welt – unsere Dankbarkeit und unsere Solidarität für ihre wichtige und mutige Arbeit aussprechen. Die Instrumentalisierung der Erinnerung an den Holocaust und des Kampfes gegen Antisemitismus durch rechte Akteure ist in unseren Augen ein besorgniserregendes und drängendes Problem. Putins Behauptung, die Ukraine „entnazifizieren“ zu wollen, ist hierfür nur das jüngste Beispiel.

Im deutschen Kontext ist eine kritische Untersuchung der politischen Nutzbarmachung des Holocaust-Gedenkens aus nachvollziehbaren Gründen ein sehr sensibles Thema. Umso dankbarer sind wir dem Einstein Forum, dem Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA), sowie dem Haus der Kulturen der Welt (HKW), dass sie diese Konferenz mit ihren vielfältigen Vorträgen und Diskussionen in dieser Form abgehalten haben.

Die Konferenz widmete sich des Themas der rechten Vereinnahmungen direkt und zeigte dabei auch Wege für die Zukunft auf. Dafür kam ein vielfältiges Publikum aus Deutschen und Nichtdeutschen, Jüdinnen, Juden und Nichtjuden, Israelis und Palästinenser:innen zusammen. In oftmals herausfordernden und anspruchsvollen Dialogen und Debatten suchten sie einen produktiven Austausch. Es war eine in dieser Form einzigartige Veranstaltung, wie sie in deutschen Kontexten ansonsten allzu oft erschwert oder unmöglich gemacht wird.

Die Angriffe sind Beleg jener Dynamik, die verhandelt wurde

Wir sind entsetzt von dem Schwall an verleumderischen Vorwürfen aus unterschiedlichen Richtungen – darunter auch deutsche Medien und staatliche Stellen – gegen die Organisatorinnen, Sponsoren sowie den Konferenzort selbst.

Diese Vorwürfe verzerren nicht nur den Inhalt der Vorträge und Diskussionsrunden, die im Videoarchiv des HKW inzwischen online abrufbar sind. Sie sind ironischerweise auch ein Beleg genau jener toxischen Dynamik, welche die Konferenz verstehen und analysieren und der sie entgegenwirken wollte. Wir sehen daher dazu veranlasst, der Arbeit des Einstein Forums, des ZfA und des HKW in der Durchführung dieser zwingend notwendigen Konferenz nochmals deutlich und öffentlich unsere Unterstützung auszusprechen.

Wir wollen auch unterstreichen, dass die rechte Vereinnahmung und Instrumentalisierung des Holocaust-Gedenkens dem Kampf gegen Antisemitismus – aber auch dem Kampf gegen Rassismus auf der ganzen Welt – schadet.

Unterzeichnende:

Gilbert Achcar – Tareq Baconi – Omer Bartov – Peter Beinart – Omri Boehm – Hannah Black – Avrum Burg – Daniel Cohn-Bendit – David Feldman – Sander Gilman – Lewis Gordon – Philip Gorski –Daniel Kahn – Volkhard Knigge – Nikolay Koposov – Daniel Levy – Carinne Luck – Eva Menasse – Andrea Peto – Diana Pinto – Ben Ratskoff – Miriam Rürup – Rachel Shabi – Jelena Subotic

*** Auch in der Berliner Zeitung vom 6. Juli 2022 zu finden. ***

Eine wichtige, eine legitime Stimme!

Yazan Khalili im Gespräch mit Hanno Hauenstein von der Berliner Zeitung

[Berliner Zeitung] „Vor wenigen Wochen ist die unsachliche Debatte um vermeintlichen Antisemitismus in den Reihen der Documenta eskaliert. Ende Mai wurde der Ausstellungsraum des Kollektivsin Kassel mit Graffiti beschmiert. Der Akt des Vandalismus richtet sich offenbar gezielt gegen das palästinensische Kollektiv. Die Zahl „187“ und der Name „Peralta“ wurden dabei auf mehrere Wände gesprüht. Wandoberflächen wurden mit einem Feuerlöscher beschädigt.

The Question of Funding war in den vergangenen Monaten auf einem obskuren Online-Blog in die Kritik geraten, Antisemitismus nahezustehen. Die Kritik wurde weitestgehend unkritisch von deutschsprachigen Mainstream-Medien wie Zeit und Welt übernommen. Wir sprachen anlässlich der Eröffnung der Documenta mit einem prominenten Vertreter des palästinensischen Kollektivs, Yazan Khalili.“

Dem Verbrechen wird eine Sünde hinzugefügt

Michael Sappir in der Berliner Zeitung über seine Erfahrungen als ‚kritischer, linker Israeli‘ in Deutschland, aus Anlaß einer Veranstaltung auf dem Stuttgarter Katholikentag, aber auch weit darüber hinaus, was es heißt zu erleben, wie der deutsche Diskurs wieder einmal definiert, was ‚gut‘, was ‚jüdisch‘ und was ‚gut jüdisch‘ ist…

Aus dem Beitrag: “ … In der Konsequenz wird erwartet, dass wir still bleiben, während Menschen, die die israelische Realität nur aus der Ferne oder höchstens noch als Touristen kennen, realitätsfremd und idealisierend das dortige System schönreden. Und sich dafür einsetzen, dass es weiterhin die volle Unterstützung der Bundesrepublik genießt….“

Und noch einmal zum Thema Demonstrationen

Falsches Demokratieverständnis – taz 17. Mai 2022 – S. 14.

Es sei die Aufgabe der Zivilgesellschaft, sich rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Demonstrationen entgegenzustellen, so die TAZ im Beitrag. von Lea Fauth.

Doch im Falle der Anmeldung einer Nakba-Gedenkveranstaltung kam es zu keiner Demonstration oder einer Gegenkundgebung, denn die Berliner Polizeibehörde und die Verwaltungsgerichte verboten jegliche Kundgebungen, ebenso die Gedenkfeier für die ermordete Al Jazeera Journalistin Shireen Abu Akleh. Mit der Begründung, man befürchte, „volksverhetzende, antisemitische Rufe, Gewaltverherrlichung und Gewalttätigkeiten“, delegitimierte man jegliche öffentliche Demonstration von palästinensischer Seite. Nicht nur die TAZ erhebt Zweifel daran, ob dies mit dem demokratisch verbrieften Recht auf Meinungsfreiheit noch gedeckt ist.

Zorn ist kein Grund, Protest zu verbieten

„Versammlungsfreiheit gilt auch für Palästinenser. Zorn ist kein Grund, Protest zu verbieten“,

 schreibt Ralf Michaels zum Versammlungsverbot für palästinensische Kundgebungen am Wochenende in Berlin. Ein Beitrag mit klaren rechtlichen Erläuterungen und einer Bestandsaufnahme dazu, wie legitime Rechte von Bevölkerungsgruppen immer weiter eingeschränkt werden. 

Ralf Michaels ist der Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht und Professor für globales Recht an der Queen Mary University London sowie Professor für Recht an der Universität Hamburg.