Ein interessanter Beitrag von Michele Chabin auf der Seite
Kategorie: Innenpolitik Israel
Israel – die Agenda der Radikalen
Charles Enderlin in einem längeren Beitrag in Le Monde diplomatique online nachzulesen
„Während Zehntausende in Tel Aviv und Jerusalem gegen die geplante Abschaffung des Rechtsstaats auf die Straße gehen, eskaliert der Konflikt mit den Palästinensern. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht, solange in der Regierung Vertreter der radikalen Siedlerbewegung das Sagen haben.“

Noch schwieriger: Permission granted …
Israel Bans Young Palestinians From Entering the Country for ‚Peace-building‘ Meetups
Hagar Shezaf berichtet in Haaretz über eine weitere „kleine Hürde“ …
Until now, Palestinians were allowed to enter at any age to participate in face-to-face ‚peace-building‘ meetings, provided there was no specific cause to ban them ■ ‚The policy was changed now, of all times, when there’s more need than ever to expand our joint Israeli-Palestinian activities,‘ says peace activist Doubi Schwartz

Eine palästinensische Stimme – aus Israel
Der Journalist Atallah Mansour im Gespräch mit Sheren Falah Saab
Jahrzehntelang war Atallah Mansour eine bekannte Stimme der linksliberalen Tageszeitung Haaretz. Nun kommt der palästinensich-israelische Journalist (Jg. 1934) in einem ausführlichen Interview (9. Februar 2023: Israel’s Left Doesn’t Want Arabs to Be Part of the Fight’ – After 34 years of covering Arab society for Haaretz, veteran journalist Atallah Mansour is now more fearful than ever) zu dem Schluß, daß die Lage der arabisch-palästinensischen Israelis nie so gefährdet war wie heute. Das Nationalstaatgesetz von 2018 machte sie zu Bürgern zweiter Klasse. Die geplante ‚Revolution‘ der neuen Regierung hat nicht nur fatale Folgen für den rechtlichen Status aller Minderheiten in Israel, sie wird diese weiter sozial und politisch diskriminieren.

Hier Auszüge aus dem Gespräch:
”Mansour, the first Arab journalist to work in Israeli media, began his career at Haaretz in 1958 and covered Arab society over the next 34 years. “I wasn’t in anyone’s pocket nor was I a spokesman for any particular community. I did my work as a journalist,” he says. From the start, he understood the challenges involved in covering the Arab community for the Israeli media.”
My meeting with Mansour took place at his home in Nazareth several days after another round of protests against the judicial revolution planned by the Netanyahu government. Like many Arab Israelis, he expresses fear and uncertainty about the plan. He says that compared to all the other events of his long career, including the Second Lebanon War and the second intifada, “the situation this time is different from anything I’ve seen.”
“The changes this right-wing government is now proposing didn’t happen suddenly but have been taking place gradually and over an extended period of time,” he says. “In July 2018, they submitted the nation-state law [Basic Law on Israel as the Nation-State of the Jewish People, which critics say turns non-Jews in Israel into second-class citizens] – that was the first breaking point. … The Declaration of Independence takes into account minorities, among them Arabs, and recognizes the principle of equality, human dignity and freedom, even if it is only in theory. But the nation-state law doesn’t relate to equal rights for minorities – even the Druze who serve in the army aren’t mentioned. The nation-state law erases minorities – we’re no longer thought of as equals. That’s the worst thing that’s happened, not just on the level of the law. We’ve seen the consequences of it and they are far-reaching.”
Even the Joint List broke up.
“That happened as part of changes underway in Arab society. I voted for the Joint List – it’s the only choice left for me – but over the years we’ve seen support for Hadash [whose roots are in the Communist Party] weaken. Once they were as strong as the sun; today, they’re barely candlelight. Meanwhile, the Muslim tendencies have strengthened throughout the Arab world – the United Arab List and Mansour Abbas are part of that phenomenon.”
Do you still believe in the two-state solution? Do you think it’s a realistic scenario?
“There’s no other solution apart from two states. But if there really isn’t any readiness to compensate the families that were expelled from here, it will never happen. Peace has a price and Israel needs to make an effort. Annexation, if it happens, will ultimately harm the State of Israel – it will no longer be the same country. How long can the Palestinians remain without equality? The number of Arabs when the state was established was about 160,000. Today we are 2 million, and we are still fighting for full equality of rights.”
International Crisis Group
Der aktuelle Podcast zur Situation in Israel &Palästina
This week on Hold Your Fire!, Richard Atwood speaks with Mairav Zonszein and Tahani Mustafa, Crisis Group’s Israel/Palestine experts, about the latest spike in violence. They talk about Israel’s new government, its efforts to curb judicial power and what it might mean for policy toward the Palestinians. They also talk about Palestinian politics, many Palestinians’ disillusionment at their leadership, the emergence of new militias in West Bank cities and what might happen when ageing Palestinian President Mahmoud Abbas passes from the political scene. They ask whether there is any hope of change in policy from Washington and other Western capitals following U.S. Secretary of State Antony Blinken’s trip to the region this past week. They also talk about flashpoints in the months ahead.
Wieder Vandalismus an christlicher Stätte in Jerusalem
Nachdem erst vor wenigen Tagen der protestantische Friedhof auf dem Zion Ziel der Zerstörungen war, brach am 2. Februar (Maria Lichtmeß) ein radikaler Jude in die Kirche der Flagellation (Geißelungskapelle am Beginn der Via Dolorosa) ein und zerstörte eine Christusfigur, bevor er von Wächtern überwältigt werden konnte.
Hier die Stellungnahme des Custos der Franziskaner, auf deren Gelände die Kapelle liegt, sowie ein kurzes Video.
Erst am Tag zuvor war es zu „violant attacks“ gekommen, wie es in Erklärung des Lateinischen Patriarchates heißt:
A STATEMENT ISSUED BY
THE JERUSALEM PATRIARCHATE
REGARDING THE RECENT RADICALS’ ATTACK ON THE CHRISTIANS OF THE NEW GATE AREA
Offener Brief – … Schutz der Demokratie in Israel
Die neue israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu ist erst seit Dezember 2022 an der Macht, doch in dieser kurzen Zeit hat sie bereits umfassende Gesetzesinitiativen mit weitreichenden Folgen für die Gewaltenteilung und für den Schutz der Menschen- und Bürgerrechte im Land und in den besetzten Gebieten auf den Weg gebracht.Am 22. Januar 2023 haben die Präsidenten aller israelischen Universitäten einen Aufruf an die Regierung veröffentlicht, in dem sie ihre Sorge angesichts der geplanten umfassenden Justizreform durch die neue Regierung zum Ausdruck bringen. In einem weiteren offenen Brief warnen etwa 200 führende Juristinnen des Landes, dass die Umsetzung der Regierungspläne nichts weniger als einen Systemwechsel bedeuten würde. Im Brief heißt es unter anderem:
„Die Vorschläge, der Regierung die absolute Macht bei der Ernennung von Richtern zu geben, die nahezu vollständige Abschaffung der juristischen Kontrolle, die Abschaffung der institutionalisierten juristischen Beratung, die Untergrabung der freien Presse – diese Maßnahmen würden bedeuten, dass es in Israel keine unabhängige Justiz, keine Gewaltenteilung und keine Rechtsstaatlichkeit mehr gibt. Es gibt keine Demokratie auf der Welt, die unter diesen Bedingungen existiert. In dieser Form ist der geplante Regimewechsel entsetzlich und gefährlich und wird die Menschen- und Bürgerrechte in Israel stark beschädigen und zum Verlust der demokratischen und rechtsstaatlichen Struktur des Landes führen.“
Als Wissenschaftlerinnen, die dem Staat Israel verbunden sind und mit israelischen Kolleginnen im Austausch stehen, sind wir angesichts der Pläne der israelischen Regierung äußerst besorgt. Wir unterstützen unsere Kolleginnen und Freundinnen an den israelischen Universitäten in ihrem Kampf um den Fortbestand der Demokratie in Israel. Gerade vor dem Hintergrund der besonderen Beziehung zwischen Deutschland und Israel verurteilen wir diesen Versuch, die Grundpfeiler der israelischen Demokratie zu beschädigen
Zur Liste der Unterzeichnenden: Siehe Bildungsstätte Anne Frank
Erinnern – warum eigentlich?
Online-Lesung und Gespräch anläßlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar)
Mit Georg Rößler – Mittwoch, 01. Februar 2023 – 19.00 Uhr
In Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dillenburg
Der Toten zu Gedenken gehört zu den Ritualen einer Gesellschaft. Mit Gedenkveranstaltungen würdigen wir Menschen, die ihr Leben dem Dienst der Allgemeinheit gewidmet haben, die sich für die Allgemeinheit geopfert haben oder die Opfer von Unrecht und Gewalt geworden sind. Die Pflege einer Erinnerungskultur vor allem im Blick auf die Verbrechen des Nationalsozialismus gehört seit jeher zum ureigensten Selbstverständnis der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.
In letzter Zeit ist dieses Selbstverständnis ins Wanken gekommen. Es läßt sich darüber streiten, ob wir – die Kinder und Enkelkinder der sogenannten Zeitzeugen und Überlebenden – uns überhaupt an etwas ‚erinnern‘ können, was wir selbst nicht erlebt haben. Und gilt dies nicht erst recht für unsere Kinder und Kindeskinder?
Vor diesem Hintergrund wird die Frage, wie eine gemeinsame Kultur des Gedenkens zwischen Juden/Jüdinnen und Christen/Christinnen gestaltet werden kann, zu einer elementaren Herausforderung für uns und unsere Zukunft.
In seinem Buch „Nicht für Deutsche…? Yad Vashem als Ort und Wirklichkeit“ (AphorismA Verlag Berlin 2021) führt Georg Rößler seine Leser und Leserinnen durch die Jerusalemer Shoa-Gedenkstätte am Herzlberg, wo die Frage nach einer Erinnerungskultur eine jüdische und israelische Antwort gefunden hat.
Unterwegs teilt er mit uns – als Deutsch-Israeli und langjähriger Reiseleiter deutscher Reisegruppen – seine Gedanken über die Darstellung der Shoa aus deutscher und israelischer Perspektive, über den Umgang mit unserer Geschichte und über Wege, wie die Erinnerung an die Vergangenheit auch für nachfolgende Generationen eine Zukunft haben kann.
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Georg Rößler, gebürtiger Düsseldorfer, lebt seit über 30 Jahren in Jerusalem. Er ist Reiseveranstalter und Co-Direktor von SK-Tours in Nature, Gründer und ehrenamtlicher Co-Direktor von SOS-Gewalt/Zentrum für Friedenspädagogik in Israel.
Anmeldung bis 31. Januar 2023 an gcjz-dillenburg@gmx.de. Eine E-Mail mit dem Link zum Zoom-Meeting wird zeitnah vergeschickt.
Aus dem babylonischen Gefängnis ausbrechen
Die religiösen Parteien in Israel sind seit längerem in einer „unheiligen“ Allianz mit der politischen Rechten, ein aufeinander angewiesen sein, das eine große Herausforderung für die prophetische Kraft der Religion ist. Einer der Gründe dafür ist sicher auch das Schweigen der „religiösen Linken“ – links und fromm scheint für viele unvereinbar.
Eine Konferenz in dieser Woche in Jerusalem versuchte, sich dem zu nähern, hier der Bericht von Yuval Abraham auf +972.

Queerness is part of Palestinian culture
Ein Essay von Eliyahu Freedman auf +972 – Der Titel dürfte manchen vielleicht zuerst erstaunen…
We’ve existed forever’ – Elias Jahshan, editor of the anthology ‘This Arab is Queer,’ discusses sexuality in the Arab world, Israeli pinkwashing, and his dream of a liberated Jaffa.



