Zitat zum Sonntag

„Wenn man faul ist im Denken, dann muss man die Welt in Binaritäten sehen: die Guten und die Bösen. Dass Israelis und Palästinenser was zusammen machen, ob nun bei der Berlinale oder den „Combatants für Peace“, stört dieses Weltbild. Wer das nicht wahrhaben will, kann leider den Konflikt nicht verstehen. (…) Komplizierter denken zu können, ist zwar nötig. Aber manche Sachen sind ganz einfach, zum Beispiel, dass Kinder nicht ausgehungert werden dürfen. Meine Hoffnung besteht in dem Konzept von Empathie, der Idee, dass man den Schmerz der anderen verstehen kann, unter anderem durch den eigenen Schmerz. Ich sehe die Bilder der Mütter aus Israel, die am 7. Oktober ihre Kinder verloren haben, oder der Kinder, deren Eltern an dem Tag umgebracht wurden. Aus diesem Schmerz heraus kann ich verstehen, warum wir auch die Eltern und Kinder in Gaza nicht töten sollen. Das ist für die meisten gerade sehr schwierig. Aber ich hoffe, dass es im Laufe der Zeit leichter wird, den Schmerz der anderen anzuerkennen.“

Keine Besserung in Sicht

Die Crisis Group beobachtet kontinuierlich mehr als 70 Krisen- und Konfliktgebiete weltweit und veröffentlicht monatlich Berichte zum Stand, zu Veränderungen, Stagnationen, Regelungsbemühungen, gibt aber auch ihrerseits Warnungen zu möglichen Eskalationen heraus.

Diese Woche hat die Crisis Group ihren neuen Krisenbeobachterbericht CrisisWatch für den Monat Februar und den Ausblick auf den Monat März veröffentlicht. In der globalen Übersicht stellt die CG hinsichtlich des Risikos einer Eskalation den Krieg in Gaza und den Konflikt in Nahost mit an die erste Stelle.

Betrachtet das Team der Crisis Group seine Arbeit zu Israel und Palästina seit 2002, also seit mehr als zwanzig Jahren, fällt das Resüme der Group wenig überraschend aus: Mit jeder Eskalation sei ein israelisch-palästinensischer Frieden weiter entfernt denn je.

Die Lage ist weiter verfahren, aber: noch besteht Aussicht auf ein Ergebnis der Vermittlungsgespräche zwischen den Konfliktparteien.

Crisis Watch | Israel/Palestine | Middle East

Mixed Heritage

Die Situation von Menschen, deren Eltern aus verschiedenen Kulturen/Religionen/Nationen kommen, hat die aktuelle Lage noch schwerer werden lassen, wie Tara Abhasakun in einem Beitrag für RNS beleuchtet (und zeigt einmal mehr, wie wenig weit und weitsichtig solche Narrative für Menschen sind…)

Eingeschränkte Sicht

Die Nahost-Debatte verschwindet zunehmend hinter dem starren Korsett eigener Geschichtsschreibung und Selbstinszenierung – ein Essay von Robert Misik (Wien) auf den Seiten von ipg.

Screenshot ipg

Muriel Asseburg: Der 7.10. und der Gazakrieg

Die deutsche Nahost-Wissenschaftlerin zu Besuch im Jüdischen Museum Hohenems
Der Mittschnitt (ab Min 10:30) ihres Vortrages auf Youtube, davor eine Einführung des Chefredakteurs der österreichischen Zeitschrift International, Fritz Edlinger.

ORF – Im Gespräch

Wie kann es im Nahen Osten weitergehen?

Wie bleibt frau HumanistIn?“ – Renata Schmidtkunz im Gespräch mit der Autorin Maya Arad Yasur, dem Wissenschaftler Gal Hertz und dem Politiker Jules El-Khatib

Die israelische Autorin Maya Arad Yasur, geboren 1976 in Israel, hat kurz nach dem Massaker der Hamas einen Theatertext verfaßt. Der Titel: „Wie man (frau) nach einem Massaker humanistisch bleibt in 17 Schritten.“

Der Text der studierten Dramaturgin dreht sich um das Ringen um eine humanistische Haltung gegenüber den zivilen Opfern. Wie schafft man:frau es nach allem, was geschah und geschieht, nicht der blinden Rachsucht zu verfallen.

Die in München lebende israelische Regisseurin Sapir Heller hat zu dem Text ein Konzept für eine Bühnenperformance entwickelt, die an mehreren deutschen Theatern in unterschiedlicher Besetzung zu sehen war.

Das Theater Nestroyhof Hamakom im 2. Wiener Gemeindebezirk zeigt diese Performance, die nach Menschlichkeit, Empathie und Zukunft fragt von 31. Jänner bis 2. Februar 2024. Es spielt die in Wien lebende deutsch-israelische Schauspielerin Lena Kalisch. In einer Kooperation mit dem Theater Hamakom, kuratiert von Martina Schmidt, spricht Renata Schmidtkunz mit der Autorin Maya Arad Yasur, dem israelischen Germanisten Gal Hertz und dem palästinensisch-deutschen Hochschul-Dozenten für Soziale Arbeit, Jules El-Khatib darüber, wie es nach derartig viel Gewalt im Nahen Osten weitergehen kann.

Denk ich an Deutschland…

Die deutsch-israelische Historikerin Tamar Amar-Dahl bespricht das 2023 im Westend-Verlag erschienene Buch „Denk ich an Deutschland… Ein Dialog in Israel“, der beiden Experten auf dem Gebiet des deutsch-israelischen Verhältnisses, Moshe Zuckermann und Moshe Zimmermann, im Online Fachjournal der Geschichtswissenschaft sehepunkte 24 (2024), Nr. 1 [15.01.2024].

Räume für den Dialog

Auf der Online-Plattform qantara.de reflektiert Jannis Julien Grimm, Leiter der Forschungsgruppe „Radical Spaces“ am Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung, sehr nachdenkenswert über die Herausforderungen der aktuellen Debatten.

„Diskussionen um den Nahost-Konflikt werden seit je her durch Lagerdenken erschwert. Insbesondere in Deutschland erweist es sich mitunter als ein heikler Balanceakt, Empathie für Opfer politischer Gewalt in Israel zu zeigen und gleichzeitig auf das Leid der Menschen in Gaza und im Westjordanland hinzuweisen, die bei weitem die Hauptlast aller Konfrontationen zwischen israelischen Truppen und palästinensischen Milizen tragen.“

Eine Stimme aus Israel gegen Haß und Rache

Die Schweizer Online-Zeitung Infosperber bringt aktuell ein Gespräch mit Ruchama Morten, seit Jahrzehnten aktiv in der Menschenrechts- und Versöhnungsarbeit, das erschreckend zeigt, wie wenig „leicht“ eine solche Arbeit war und ist …

Als das Monster freundlich war

Berlin Review“ orientiert sich an der „London Review of Books“ und der „New York Review of Books“. Die erste, ausschließlich online publizierte Ausgabe ist jetzt im Februar erschienen. Darin findet sich ein Beitrag von Adania Shibli, in dem es auch um die Verschiebung der LiBeraturpreis-Verleihung geht.