Wenn es nur dumm wäre …

Ein Kommentar

Da kommt der Präsident Palästinas nach Berlin. Präsident eines Staates in ein Land, das seinen Staat nicht kennt, aber einer der wichtigsten Geldgeber seiner Behörde ist … in das Land, dessen Geschichte und Verbrechen zutiefst auch mit dem Schicksal seines eigenen Volkes verwoben ist. Er trifft den Kanzler, ohne Zweifel kein Freund seines Landes, hat Gelegenheit für die Sicht der palästinensischen Seite zu werben.

Am nächsten Tag spätestens muß man:frau sich fragen, wer (ihn bei) dieser Reise beraten hat.

Es gibt genug an der Politik Israels zu kritisieren, aus der Sicht der Palästinenser allemal. Aber was am Ende bleibt ist eine unsägliche Wortwahl, ein Vergleich, der überall in der Welt fehl am Platz wäre, hier, einen Kilometer Luftlinie vom Sitz Adolf Eichmann, schrillt er umso mehr.

Die offizielle Erklärung, nachgeschoben über die staatliche palästinensische Agentur Wafa. „The Holocaust is the most heinous crime in modern human history” – dieser Satz wäre in der Pressekonferenz die Antwort eines Staatsmannes gewesen, eines Menschen, (ja auch eines Palästinensers) …

Er hat seiner Sache keinen Dienst erwiesen, er hat den Palästinenser:innen in diesem Land keinen Dienst erwiesen und er hat dafür gesorgt, daß über diese Pressekonferenz und über das unsägliche Schweigen von Beteiligten gesprochen wird, nicht aber über Schritte zu einer anderen Politik, auch Deutschlands.

Wenn es nur eine verpaßte Chance wäre, ja, wenn es nur dumm gewesen wäre …

Internationalismus aus Kreuzberg

Manchem mag die Sprache gewöhnungsbedürftig sein, anderen aus der Zeit gefallen, wieder anderen im wahrsten Sinne fort-schriftlich…. Kreuzberg United hat auf seine Hompage einen Reisebericht zu einer Delegation gestellt, die zu dem zum 27. Mal stattgefundenen “Farkha-Festival” (der Palestinian Peoples Party (PPP)) nach Palästina geführt hat… (… einiges dazu ging ja schon durch die Medienlandschaft): Jedenfalls interessant zu lesen:

Yallah, Shabab – Bericht einer Delegationsreise nach Palästina.

16670

Am 14. August 1941 stirbt im Hungerbunker des KZ Auschwitz P. Maximilian Kolbe OFMConv, Häftlingsnummer 16670, nachdem er bei einer Strafaktion für Franciszek Gajowniczek in den Todesbunker gegangen war.

Heiliggesprochen in der kath. Kirche für sein Martyrium, bleibt sein Leben schillernd und durchaus umstritten: trotz einer tradtionellen, stark antijüdischen Theologie, gewährt er ab 1939 Juden und Jüdinnen Asyl vor der Naziverfolgung …

Hier das Kalenderblatt des WDR (aus 2016)

Was die anderen denken (und sehen)

Internationale Presseschau: Was das Ausland über die Documenta denkt

Im Online-Magazin Monopol macht Alia Lübben einen ausführlichenen Gang durch die weltweiten Wahrnehmungen und Einschätzungen der Documenta Fifteen.

Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

Kulturstaatsministerin Roth: „Wir halten die Erinnerung wach und richten sie in die Zukunft.“

Am 2. August jährt sich die »Liquidation des Zigeunerfamilienlagers« in Auschwitz-Birkenau zum 78. Mal.

SS-Angehörige ermordeten in der Nacht auf den 3. August 1944 die etwa 4.300 dort verbliebenen Sinti und Roma in Gaskammern. Anläßlich des Europäischen Holocaust-Gedenktages für Sinti und Roma nimmt Kulturstaatsministerin Claudia Roth heute Abend an der Gedenkveranstaltung am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas mit einer Rede teil und wird einen Kranz niederlegen.

Claudia Roth: „Wir gedenken den Opfern des Porajmos, den 500 000 europäischen Sinti und Roma, die befeuert vom nationalsozialistischen Rassenwahn während der NS-Terrorherrschaft verschleppt, misshandelt, gefoltert und ermordet wurden. Wir trauern um sinnlos ausgelöschtes Leben, um Lieben, Familien, Hoffnungen, Talente. Ich verneige mich vor den Opfern.“

Das Ende der Naziherrschaft bedeutete noch nicht das Ende des Leidenswegs der Sinti und Roma. Lange mussten sie im Deutschland der Nachkriegszeit um Anerkennung kämpfen. Der Kampf um Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts zog für viele Überlebende jahrelange quälende Verfahren nach sich. Bis heute haben sie in Deutschland und Europa mit Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus zu kämpfen.

Claudia Roth: „Der Kampf um Anerkennung des unermesslichen Unrechts, der Kampf um Entschädigung macht nur noch deutlicher, wie ungeheuer wichtig die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen für die Aufarbeitung der NS-Verbrechen und des nachfolgenden Unrechts in der Bundesrepublik war.

Aus dem Wissen und Bewußtsein über ihre Zeitzeugnisse erwächst unsere Verantwortung nicht nur zu bewahren, sondern die Erinnerung weiterzugeben. Wir wollen das Erinnern weiterentwickeln. Wir wollen die Gedenkstättenkonzeption des Bundes novellieren und das Programm „Jugend erinnert“ verstetigen. Die vielfältige Kultur, die Musik, die Literatur der Sinti und Roma gehören zu unserem kulturellen Reichtum.

Dass wir hier an den 2. August 1944 erinnern, soll in die Gegenwart wirken. Bis heute gehören Diskriminierung, Ausgrenzung, gehört Antiziganismus zum Alltag vieler Sinti und Roma. Der Weg zu einer gleichberechtigen Teilhabe ist noch weit, doch wir müssen ihn mit Entschlossenheit weitergehen. Wir stehen mit Mehmet Daimagüler, dem Antiziganismusbeauftragten der Bundesregierung, an der Seite von Sinti und Roma, an der Seite ihrer Verbände und Organisationen im gemeinsamen Kampf gegen Antiziganismus, Rassismus und Haß.“

Tschechien: Mahnmal statt Schweinefarm

Auf dem Gelände des ehemaligen Nazi-Konzentrationslagers Lety für tschechische Roma wurde nach langem Hin und Her mit dem Abriß einer Schweinefarm begonnen.

Nun entsteht dort ein Mahnmal für den Völkermord an den Roma.

Ein Bericht auf der Website der Deutschen Welle

Nachtrag: Eine kritische Intervention aus Israel

Hanno Hauenstein hat für die Berliner Zeitung den Artikel von Avraham Burg aus dem Hebräischen übersetzt, er erschien am 28. Juli 2022 nachmittags online auf der Seite der Berliner Zeitung, in unserem Blogbeitrag haben wir morgens auf die Ausgabe in der englischen Haaretz verwiesen!

***

Avraham Burg ist ehemaliger hochrangier Politiker der Arbeitspartei in Israel, Sprecher der Knesset und Vorsitzender der Jewish Agency und der World Zionist Organization, inzwischen ist er bekannt für seine fundamentale Kritik an der Besatzungspolitik und an der Erinnerungspolitik in Israel und Deutschland. 

In einem Beitrag in der Tageszeitung Ha’aretz legt er dar, wie die Debatten in Deutschland über das Verhältnis zu Israel und darüber, was als Antisemitismus zu gelten hat, der israelischen Besatzungspolitik in die Hände spielen. Aus einer Atmosphäre der Angst und der Kontrolle heraus sei eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Politik Israels, dem gefährlichen Antisemitismus und der Unterdrückung und Entrechtung der Palästinenser durch die israelische Regierung nicht möglich. Damit spiele man:frau populistischen und rechten ‚Israelfreunden‘ in die Hände.

Haar
etz Screenschot Burg Artikel

Mit Berufung auf eine universalitische Tradition, die er aus der Bibel und aus den Schriften Martin Bubers ableitet, appelliert er an den Zentralrat der Juden in Deutschland „einen offenen Dialog über eine angemessene Erinnerungspolitik zu ermöglichen“.
Germany Provides a Kosher Stamp for the Israeli Occupation – Israel News – Haaretz.com

Eine kritische Intervention aus Israel

Avraham Burg ist ehemaliger hochrangier Politiker der Arbeitspartei in Israel, Sprecher der Knesset und Vorsitzender der Jewish Agency und der World Zionist Organization, inzwischen ist er bekannt für seine fundamentale Kritik an der Besatzungspolitik und an der Erinnerungspolitik in Israel und Deutschland. 

In einem Beitrag in der Tageszeitung Ha’aretz legt er dar, wie die Debatten in Deutschland über das Verhältnis zu Israel und darüber, was als Antisemitismus zu gelten hat, der israelischen Besatzungspolitik in die Hände spielen. Aus einer Atmosphäre der Angst und der Kontrolle heraus sei eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Politik Israels, dem gefährlichen Antisemitismus und der Unterdrückung und Entrechtung der Palästinenser durch die israelische Regierung nicht möglich. Damit spiele man:frau populistischen und rechten ‚Israelfreunden‘ in die Hände.

Haar
etz Screenschot Burg Artikel

Mit Berufung auf eine universalitische Tradition, die er aus der Bibel und aus den Schriften Martin Bubers ableitet, appelliert er an den Zentralrat der Juden in Deutschland „einen offenen Dialog über eine angemessene Erinnerungspolitik zu ermöglichen“.
Germany Provides a Kosher Stamp for the Israeli Occupation – Israel News – Haaretz.com

Erinnerung in der Schweiz

Die Schweizer Tageszeitung NZZ bringt eine Erinnerung der besonderen Art: Ein Beitrag von Marc Tribelhorn über den «Wilhelm Tell von Auschwitz»

Ende Juli 1989 endete die Flucht des berüchtigten SS-Mannes und KZ-Aufsehers Gottfried Weise – im Berner Oberland. Der Fall ist ein beklemmendes Beispiel für die juristische Aufarbeitung von Nazi-Verbrechen. Ein Blick zurück.

Ausschitt aus der NZZ vom 25.Juli 2022

Fünf Jahre Forschungsstelle Antiziganismus

Einrichtung am Historischen Seminar der Universität Heidelberg prägendes Beispiel für gesellschaftliche und politische Relevanz der Geisteswissenschaften

Mit der Aufgabe, Ursachen und Folgen antiziganistischer Ausgrenzung und Verfolgung wissenschaftlich zu untersuchen, hat vor fünf Jahren die Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg ihre Arbeit aufgenommen. Die 2017 ins Leben gerufene Einrichtung erforscht in historisch vergleichender Perspektive Mechanismen der Vorurteilsbildung und Praktiken der Diskriminierung von Sinti und Roma in Europa. Aus Anlaß des fünfjährigen Bestehens lädt der Rektor der Ruperto Carola, Prof. Dr. Bernhard Eitel, am 26. Juli 2022 zu einem Festakt ein. Dazu erwartet werden Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, und Daniel Strauß als Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg, sowie die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas
Detail Brunnenrand – Gedenkstätte Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin-Tiergarten südlich des Bundestages (Plenarbereich Reichstagsgebäude) / Wikipedia: Asio otus – CC BY-SA 3.0

Die Forschungsstelle Antiziganismus wurde als europaweit erste und bislang einzige akademische Institution mit diesem inhaltlichen Schwerpunkt am Historischen Seminar der Universität Heidelberg etabliert. „Sie ist ein prägnantes Beispiel dafür, welche gesellschaftliche und politische Relevanz den Geisteswissenschaften in unserer krisengeschüttelten Gegenwart zukommt“, betont der Rektor der Ruperto Carola. Die Forschungsstelle unter der Leitung des Zeithistorikers Prof. Dr. Edgar Wolfrum beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen zu Ursachen, Formen und Folgen des Antiziganismus in den europäischen Gesellschaften vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Ziel ist es, die Mechanismen der Vorurteilsbildung und die Praktiken der Diskriminierung in ihren lokalen, regionalen, nationalen und transnationalen Erscheinungsformen zu untersuchen. Die Einrichtung beruht auf einem Staatsvertrag, den der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg, und das Land Baden-Württemberg im November 2013 geschlossen haben.

Zu den Projekten der Forschungsstelle Antiziganismus gehört die Arbeit an einer großangelegten Enzyklopädie, die das historische Wissen zum nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma in Europa zusammenführt. Mit finanzieller Förderung des Auswärtigen Amtes sind daran Wissenschaftler aus dem In- und Ausland beteiligt. Dr. Frank Reuter, wissenschaftlicher Geschäftsführer der Forschungsstelle, und Dr. Karola Fings, Leiterin des Enzyklopädie-Projekts, gehörten auch zu den Mitgliedern einer vom Bundestag eingesetzten Unabhängigen Kommission Antiziganismus, die Empfehlungen für Maßnahmen gegen antiziganistischen Rassismus in Deutschland erarbeitet hat. Mit der Forschungsstelle verbunden ist das zum Wintersemester 2019/2020 erstmals vergebene Romani-Rose-Fellowship. Es wendet sich an Doktoranden sowie Postdoktoranden mit Forschungsvorhaben oder Projekten, die einen Schwerpunkt in der Antiziganismusforschung oder einem verwandten Feld wie der Rassismusforschung haben. Das Stipendium wird von der Manfred Lautenschläger-Stiftung finanziert.

Zum Auftakt des Festaktes anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Forschungsstelle Antiziganismus wird der Rektor der Universität Heidelberg sprechen. Anschließend wenden sich Theresia Bauer, Romani Rose und Daniel Strauß mit Grußworten an die Gäste. Zu den Rednern gehört neben Dr. Fings als Leiterin des Projekts „Enzyklopädie des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa“ auch Dr. Maria Bogdan, die 2019 und 2020 als Romani-Rose-Fellow an der Forschungsstelle Antiziganismus geforscht hat. Die beiden Wissenschaftlerinnen werden über ihre Arbeiten berichten. Den musikalischen Rahmen gestalten Ferenc Snétberger (Gitarre) und Benjamin Urbán (Flügel).

(Quelle: https:// idw-online.de/de/news798831)