Die Jüdische mit der Allgemeinen Proletarischen Bewegung zu vereinen

Neuerscheinung: Riccardo Altieri, Bernd Hüttner, Florian Weis (Hrsg.)

„Die Jüdische mit der Allgemeinen Proletarischen Bewegung zu vereinen“

In der Rosa-Luxemburg-Stiftung ist ein neuer Band mit höchst interessanten Beiträgen zu „Jüdinnen und Juden in der Internationalen Linken“ erschienen. Das Themenspektrum ist vielfältig und beinhaltet unter anderen Fragen der osteuropäischen Linken Ende des 19. Jahrhunderts, Persönlichkeiten in ihrem historischen Umfeld, so Rosa Luxemburg, Jürgen Kuczynski und Theodor Bergmann, aber auch Erfahrungen und Fragen von Linken in Großbritannien und Südafrika.

Beim Lesen fielen, neben der Thematik an sich und der akademischen Gründlichkeit, zwei Zugaben des kleinen Bandes besonders auf: Zum einen die zahlreichen Fußnoten mit interessanten Informationen sowie reichhaltigen und bemerkenswerten Quellen. Zum zweiten ist der abschließende Teil „Zum Weiterlesen“ mit Hinweisen zum Thema auf verschiedenen Gebieten sehr zu empfehlen. Möge die gesamte Broschüre an sich viele Leserinnen und Leser finden!

Aus der Einführung:

DIE LINKE, JÜDINNEN UND JUDEN UND DIE «JÜDISCHE FRAGE»

Vielleicht war es Isaac Deutscher (1907–1967), der mit seinem Vortrag «The Non-Jewish Jew» im Jahr 1958 das passende Stichwort für die Mehrheit der jüdischen Linken geliefert hat, um die jeweils eigene religiös-ethnisch-kulturelle Identität kurz und treffend umschreiben zu können: Denn ungeachtet des Umstands, dass sie oftmals mit der Tradition ihrer Vorfahr*innen gebrochen und einen säkularen Weg gewählt hatten, wurden sie durch Fremdzuweisung infolge religiöser Intoleranz und übersteigerter Nationalismen weltweit immer wieder auf ihre jüdische Herkunft reduziert und somit eben zu «nichtjüdischen Juden». Michael Löwy sieht in der «Wahlverwandtschaft» (Max Weber) zwischen revolutionärer Weltanschauung und der jüdischen Hoffnung auf Erlösung ein Spannungsverhältnis, das die Positionen und das Denken von Persönlichkeiten wie Hannah Arendt (1906–1975), Walter Benjamin (1892–1940), Ernst Bloch (1885–1977), Erich Fromm (1900–1980) oder Leo Löwenthal (1900–1993) massiv beeinflusst habe. Dabei ist eine Tradition dessen, was unter dem Begriff der «Linken» subsumiert werden kann, mit Jack Jacobs in den Idealen der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit bzw. Solidarität in heutiger Sicht) zu suchen, das heißt aufseiten derjenigen, die die Revolution damals unterstützten. Jüdische Jakobiner*innen gab es zwar, sie waren allerdings eher eine Randerscheinung….“

Der Band ist online abrufbar unter: https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/luxemburg_beitraege/beitraege_5_Juden_in_der_Linken.pdf

The Jews of Alexandria

Middle Class Feelings, Urban Identity and Politics, 1880s-1920s

Öffentlich-online zugänglicher Vortrag des Leibniz-Zentrum Moderner Orient (ZMO) Berlin

Lecture by Dario Miccoli (Ca’ Foscari University of Venice) 
as part of The Historicity of Democracy Seminar.

Based on a ‘close reading’ of documents from the archives of the Alliance Israélite Universelle (Paris), the Central Archives for the History of the Jewish People (Jerusalem) and from articles found in newspapers published in Egypt in the colonial and early monarchic years, this lecture will look at the consolidation of a middle class Alexandrian Jewish identity and its relation to urban politics and sociability in the period that goes from the early 1880s to the mid-1920s. The lecture will discuss the multiple connections that Alexandrian Jews had with the city in which they lived and its socio-political environment, as well as the ways in which its burgeoning Jewish middle class tried to find a place of its own for example by founding schools, hospitals and cultural associations

The online seminar is free and open to the public upon registration:

https://forms.gle/A8AJDvdaQyUiG5qD8

Das bleibt auch 2022 eine zentrale Aufgabe

Widerstand gegen Rechtsextremismus

Die Friedrich Ebert Stiftung hat Empfehlungen zusammengestellt für die besten Graphic Novels zum Thema Rechtsextremismus und Radikalisierung. Der Autor Dr. Thomas Greven ist ein Kenner des Genres und hat – ganz subjektiv und nicht abschließend – seine TOP 5 ausgewählt und weitere 10 Empfehlungen gegeben.

Hier geht es zum direkten Download: http://library.fes.de/pdf-files/pbud/18709.pdf

Und hier finden sich alle weiteren Expertisen für Demokratie und Impulse gegen Rechtsextremismus der FES aus den vergangenen Jahren.

Es bleibt ein kontroverses Thema: BDS

Anregungen für eine kritische Auseinandersetzung

Offen, verständlich und fundiert, praktisch auf die Kernthemen konzentriert und mit reichlich Verweisen zu den wichtigsten Bezugsmaterialien auf eine lebhafte Debatte zu diesem Thema vorbereitet: In einer RLS-Publikation analysiert das Autorenteam Katja Hermann, Tsafrir Cohen und Florian Weis eines der wichtigsten Themen der Nahostdebatte: 
„Die Kampagne «Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen». Hintergründe, Ziele und Methoden“.

Titleblatt der RLS-Veröffentlichung

„In Deutschland löst der Umgang mit der BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) heftige Reaktionen und Kontroversen aus, die auch die politische Linke betreffen. Während der Deutsche Bundestag den Beschluß «Der BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen» im Mai 2019 mit großer Mehrheit verabschiedet hat, erfährt die Kampagne breite Unterstützung in der palästinensischen Zivilgesellschaft, in diversen politischen Diskursen im globalen Süden, an US-amerikanischen Universitäten sowie in vielen anderen Ländern und findet Anklang bei Teilen der israelischen Friedensbewegung. Allerdings ist auch in progressiven Kreisen eine zunehmend kritische Haltung zu BDS vernehmbar, etwa im Vereinigten Königreich.

Das Westasien-Referat der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) hat dieses Thema aufgegriffen und ein Papier erstellt, in dem es sich mit den Hintergründen, Zielen und Methoden der BDS-Kampagne auseinandersetzt. In dem Text geht es um die Frage, was diese Kampagne für die politische Linke, und insbesondere für die deutsche Linke, bedeutet und wie ein Umgang mit BDS in Deutschland aussehen kann.

Das Papier, das im September 2019 entstanden ist, wurde zunächst in einem internen Fachgespräch reflektiert und kontrovers diskutiert. Ziel war es, mit diesem Text zu einer Versachlichung und Differenzierung der allzu häufig aufgeheizten Diskussion beizutragen. Während die Verfasser*innen und andere an der Diskussion beteiligte Kolleg*innen durchaus unterschiedliche Haltungen zur BDS-Kampagne einnehmen und nicht alle jede einzelne Aussage im Papier teilen, sind sie sich darin einig, daß eine – auch streitbare – Debatte über den Hintergrund und die Motivation der BDS-Kampagne und über gewaltfreie Formen von Widerstand gegen die israelische Besatzungspolitik möglich sein muß. Bewußt muß aber dabei auch sein, daß diese Debatte ohne eine kritische Reflexion über das Fortbestehen von antisemitischen Erklärungsmustern, leider auch in Diskursen zum israelisch-palästinensischen Konflikt, unvollständig bleibt.

Die Debatte um BDS ist seitdem weitergegangen, in Teilen wird sie mittlerweile kenntnisreicher und differenzierter geführt, was sicherlich auch daran liegt, daß sich deutlich mehr und sehr unterschiedliche Akteure aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen daran beteiligen. Angesichts vielfach schrumpfender demokratischer Debattenräume ist das eine begrüßenswerte Entwicklung – Räume für die demokratische politische Debatte müssen erhalten und gestärkt werden, auch in Deutschland.

Vor diesem Hintergrund soll der Hinweis auf die Veröffentlichung des BDS-Papiers, erschienen im November 2021 an dieser Stelle als ein Debattenbeitrag verstanden werden, der einer kritischen Auseinandersetzung förderlich sein soll.

Rosa Luxenburg Stiftung: Die Kampagne

Ein etwas älteres Papier zu dieser Debatte: Königsweg der Befreiung oder Sackgasse der Geschichte?

Buber digital

Langzeitvorhaben der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz

Programm für die nächsten 24 Jahre hat begonnen

Mit ›Buber-Korrespondenzen Digital‹ wurde der Akademie der Wissenschaften und der Literatur / Mainz ein Langzeitvorhaben im Rahmen des gemeinsam von Bund und Ländern geförderten Akademienprogramms bewilligt.

Buber-Korrespondenzen Digital:
Das Dialogische Prinzip in Martin Bubers Gelehrten- und Intellektuellennetzwerken im 20. Jahrhundert (BKD)

Gegenstand des Vorhabens ist die Erstellung einer digitalen (teil)kommentierten Edition der Korrespondenzen von Martin Buber (1878-1965), der zu den bedeutendsten und einflussreichsten Denkern der jüngeren deutsch-jüdischen Kultur- und Geisteswelt gehört. Seine Korrespondenzen, die ein dichtes Gelehrten- und ­Intellektuellen­netzwerk bilden, sind von der Forschung zum größten Teil unbearbeitet. Zu den Briefpartnern zählten Vertreter der Philosophie wie der Literatur, Theologie und Religionswissenschaft oder der Kunst: u.a. Lou Andreas-Salomé, Leo Baeck, Rudolf Borchardt, Max Brod, Albert Einstein, Theodor Herzl, Hermann Hesse, Else Lasker-Schüler, Franz Rosenzweig, Gershom Scholem und Karl Wolfskehl, um nur einige Namen zu nennen. Nach dem Abschluss der Buber-Werkausgabe wird die Edition der Korrespondenzen neue Erkenntnisse über die von Bubers Denken ausgehenden Impulse bis in die Diskurse der Gegenwart hinein liefern.

Martin Buber (und Erich Wolfgang Korngold – zu ihm wurde der Akademie ebenfalls ein Langzeitprojekt genehmigt) – © Wikimedia Common (Buber), Schott Music (Korngold)s

Der überwiegende Teil der rund 40.000 Briefe liegt im Jerusalemer Nachlass von Martin Buber in der National Library of Israel (NLI). Die digitale Edition ist zugleich ein Baustein in der internationalen Forschung zur deutsch-jüdischen Geistes-, Kultur- und Intellektuellengeschichte, der programmatisch für eine Internationalisierung in den Digitalen Geisteswissenschaften in diesem Forschungsfeld steht und auf eine intensive Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern vor allem in Israel und in den USA zielt. In diesem und anderen Briefnachlässen wird das Erbe einer durch den Nationalsozialismus und die Shoah zerstörten und teilweise ins Exil geretteten deutsch-jüdischen Kultur, Geisteswelt und Beziehungsgeschichte erschlossen und bewahrt. Die im Jerusalemer Nachlass und in anderen Archiven in Europa, Israel und den USA aufbewahrten Briefwechsel werden als historisch-kritische Open Source Edition einschließlich einer digitalen Netzwerkanalyse verfügbar gemacht. Die Gesamterschließung sieht zunächst die Faksimilierung der Briefe und deren Erschließung durch Metadaten und ggf. Briefregesten vor. In einer zweiten Stufe werden ausgewählte Quellen transkribiert und mit einem historisch-kritischen Kommentar versehen.

Das Projekt ist auf eine Gesamtdauer von 24 Jahren ausgerichtet und hat ein Fördervolumen von 383.000 € pro Jahr, mit Arbeitsstellen an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Christian Wiese (Goethe-Universität Frankfurt) und Prof. Dr. Martin Leiner (Friedrich-Schiller-Universität Jena), in Kooperation mit Prof. Dr. Abigail Gillman (Boston University).

Doch schon mal nach Bethlehem

Vielleicht öffnen sich die (Flughafen)Grenzen ja am 22. Dezember, aber da wird es für die meisten zu spät sein, noch einen Besuch in Bethlehem zu planen, jedenfalls einen analogen.

Deshalb hier die Einladung Dr. Georg Röwekamp vom DVHL am 15. Dezember zu begleiten und mit einer Einführung in die Mosaiken der Geburtskirche schon mal „vor Ort“ zu sein …

„Beginn ist am Mittwoch dem 15. Dezember um 19:00 Uhr, zu dem Youtube-Livestream gelangen Sie hier…. Zudem wird im Anschluß der Veranstaltung ein Mönch der Dormitio Abtei ‚live‘ vom Vorplatz der Geburtskirche einen Adventssegen erteilen.“

Re: Auswandern nach Deutschland?

Londons jüdische Gemeinde und der Brexit

Ein ungewöhnlicher Weg und in so mancher Familie eine schwer nachvollziehbare Entscheidung.

Zehntausende britische Juden haben deutsche Vorfahren, die sich in mit der Emigration auf die Insel vor den Nationalsozialisten retten konnten. Dementsprechend gespalten sind auch heute noch die Gefühle gegenüber Deutschland. Und doch beantragen infolge des Brexits nun tausende von ihnen die deutsche Staatsbürgerschaft.

Die gebürtige Britin Pippa Goldschmidt nahm vor kurzem die deutsche Staatsangehörigkeit an und zog nach Frankfurt am Main. Zum Unmut vieler Freunde und Familienmitglieder. Denn Pippa ist die Enkelin eines geflüchteten deutschen Juden. Obwohl ihr Großvater Ernst Goldschmidt im Ersten Weltkrieg für Deutschland in den Schützengräben an der Somme kämpfte, mußte er Jahre später in seiner Heimat um sein Leben fürchten. Zuflucht vor den Nazis fand er in Großbritannien.

Heute sichert Deutschland den Nachfahren geflüchteter Juden das Recht auf die deutsche Staatsangehörigkeit zu. Gab es vor dem Brexit-Referendum etwa 40 solcher Anträge pro Jahr, wuchs ihre Zahl mittlerweile auf über 1.500 an. Pippa Goldschmidt verließ Anfang 2020 London, um sich in Deutschland auf die Spuren ihres Großvaters zu begeben.

Auch Janet Lew hat für sich und ihre Kinder die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt. Während Tochter Annie und Sohn Saul nach dem Brexit die Vorteile eines EU-Passes sehen, ist das Thema für Janets Mutter Eva ein überaus emotionales. Eva ist gebürtige Berlinerin und entkam dem NS-Regime durch ihre Flucht nach England. Der deutschen Kultur ist sie nach wie vor stark verbunden: Auch heute noch bewahrt sie beispielsweise deutsche Kuchenrezepte auf. Weil die deutsche Kultur zu Hause immer lebendig war, fühlt sich Tochter Janet Deutschland näher als Großbritannien. Dennoch kann ihre Mutter Eva nicht verstehen, daß ihre Tochter und ihre Enkel wieder deutsche Staatsbürger werden wollen.

„Re:“ über einen generationenübergreifenden Identitätskonflikt -Eine Dokumentation in arte tv abrufbar bis zum 02. September 2022

Frieder Wolf-Buchert (1955-2021) – r.i.p.

Langjähriger Abteilungsleiter für internationale Angelegenheiten der Stadt Köln ist am 30. N ovember gestorben.

Frieder Wolf, viele Jahre Mitglied des diAk, verkörperte mit seiner Arbeit ein wesentliches Prinzip unseres Engagements: Deutschland-Israel-Palästina | zusammen denken.

So erklärte die Kölner Oberbürgermeisterin Reker: „Sein besonderer Einsatz für die Städtepartnerschaften Bethlehem und Tel Aviv-Yafo habe dabei für ihn eine besondere Rolle gespielt. Seine Aufgaben waren ihm zugleich Berufung – so wirkte es auf mich. Mit Kompetenz und Leidenschaft setze er sich für Menschenrechtsfragen und Entwicklungspolitik auf kommunaler Ebene ein.”

Sich für die Beziehungen nach Bethlehem und nach Tel Aviv zu engagieren, war für ihn kein Widerspruch, sondern Teil seines bürgerschaftlichen Handelns über alle Grenzen hinweg.

Am 10. Dezember wird er in der Pfalz beerdigt.

Kölner Stadtanzeiger | Traueranzeigen | Palästinensische Mission

Zeitzeugen im Gespräch

Der ehemalige israelische Diplomat Avi Primor

Eine Sendung des Deutschlandfunks vom 25. November 2021 | Link: Deutschlandfunk

„Die Nahost-Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist aus Sicht des früheren israelischen Botschafters in Deutschland, Avi Primor, stark von ihrer DDR-Vergangenheit geprägt gewesen. Merkel habe ihm erklärt, daß sie sich nie gegen israelische Interessen wenden würde, sagte Primor im Deutschlandfunk. Zentraler Grund dafür neben der Shoa sei ihre Erfahrung in der DDR gewesen. Die Regierung in Ost-Berlin habe nicht nur Propaganda gegen Israel geführt, so Primor. Sie habe palästinensischen Terror unterstützt und Terroristen ausgebildet. Dies habe Merkel weder vergessen noch verziehen.“

Abraham Joshua Heschel (1907-1972)

Jewish Lives | Podcast: Episode 27

Civil Rights leader. Anti-Vietnam War activist. Rabbi. How did Abraham Joshua Heschel, a Hasidic rabbi from Warsaw, become a progressive Jewish icon?

Join us as we explore why Heschel remains a symbol of the fight to make progressive Jewish values relevant in the secular world with Julian Zelizer, author of the new Jewish Lives biography Abraham Joshua Heschel: A Life of Radical Amazement.