Ein Beitrag von Dastan Jasim auf dem Blog emanzipation & frieden
Wie der Westen lernte, die Sprache des arabischen Nationalismus zu sprechen
Antikurdische Gewalt durch Regime, Ideologien und politische Bewegungen in arabischen Ländern ist für Dastan Jasim Ausdruck eines geteilten rassifizierenden Verständnisses der kurdischen Präsenz als unvereinbar mit politischer Ordnung. Zugrunde liegt ihr eine pseudoantiimperialistische Lesart der Geschichte des Nahen Ostens, in der Araber:innen als das einzig wahre indigene politische Subjekt gelten. Westliche Länder haben diese Lesart übernommen.
Das deutsche Beschweigen wird so schnell nicht enden – und eine Abrechnung mit Wagner steht vielleicht (hoffentlich?) endlich am Anfang
Michel Friedman sprach zur Eröffnungsfeier des 150. Jubiläums der Bayreuther Festspiele über Richard Wagner, Antisemitismus, jüdische Identität und deutsche Verantwortung. (Die SZ druckt die Rede in leicht gekürzter Form)
Ein Auszug:
Er halte die Rede „nicht, weil ich Jude bin, sondern weil ich Bürger bin. Nicht nur ich werde angegriffen. Sondern wir alle. Was ist uns die Freiheit also wert? Sind wir sicher, dass dieses Land in fünf Jahren noch demokratisch und frei ist? Ich würde mir wünschen, dass in diesem Festspielhaus, im nächsten Jahr, bei den 151. Festspielen, im Foyer eine Dauerausstellung über die antisemitische Biografie des Musikers Richard Wagner Realität werden würde. Und über die naziaffine Familiengeschichte bis weit in die Siebzigerjahre. (…) Es wäre wunderbar, wenn aufgearbeitet werden würde, dass seit Jahrzehnten die Eliten der Bundesrepublik – all die Showstars, Künstler, Politikerinnen und Politiker aller Parteien lächelnd und begeistert und sich vor den Kameras im Kreis drehend – beglückt zu den Festspieltagen pilgern, ohne jemals ihre Zweifel an diesem Ort öffentlich formuliert haben zu müssen. Einige taten es, natürlich. Aber weiter nötig war es im Interesse der ‚reibungslosen Durchführung‘ nicht.“
Die außerordentlich bemerkenswerte Rede Navid Kermani zum Feierlichen Gelöbnis der Bundeswehr am 20. Juli 2026 im Bendlerblock in Berlin – [online gestellt gerade einmal 100 km östlich von „Rastenburg“ …]
Noch im Exil verfasste Fritz Bauer sein bedeutendes Plädoyer für die Ahndung der nationalsozialistischen Verbrechen – und machte deren strafrechtliche Verfolgung zu seiner Lebensaufgabe.
Fritz Bauer legte am Ende des Zweiten Weltkriegs für ein breites Publikum dar, daßan der völkerrechtlichen Legitimität eines alliierten Strafgerichtshofs, der über die Verantwortlichen des »Dritten Reichs« zu Gericht sitzt, kein Zweifel bestehen könne. Sein Buch erschien bereits 1945 kurz nach Kriegsende auf dem deutschen Markt, nachdem es im Jahr zuvor im schwedischen Original publiziert worden war.
Es zeigt die Gedankenwelt des politischen Emigranten »vor Nürnberg«, spiegelt historisch weit ausgreifend die völkerrechtliche Diskussion wider und gibt Aufschluß über Bauers Erwartungen: Er fordert ein Straftribunal und setzt sich zudem eingehend mit den drängenden juristischen Fragen auseinander. In der Bundesrepublik Deutschland wurde sein Buch in juristischen Fachkreisen ignoriert, dies auch und gerade nachdem Bauer 1949 aus dem Exil zurückgekehrt war. Dennoch wurde Fritz Bauer später Generalstaatsanwalt in Hessen und Initiator des ersten Auschwitz-Prozesses, die strafrechtliche Verfolgung von NS-Verbrechen wurde zu seiner Lebensaufgabe. In seinem aufschlußreichen Nachwort ordnet Joachim Rückert Bauers Buch und dessen Bedeutung in den historischen Kontext ein.
Fritz-Bauer-Schriften, Band 1 – Neu erschienen – OPEN ACCESS
Im Podcast von +972mag spricht Eyal Weizman über eine neue Dimension dessen, was im Gazastreifen geschieht: Nicht sprachlos werden, auch wenn einem dieser Gedanke kommen kann…
The tribal societies of the Ottoman Middle East underwent significant transformations from the latter half of the nineteenth century onwards, shaped by a complex interplay of the global trends, Ottoman centralization, and the resulting urban-rural intertwinements. While the available scholarship has addressed these developments, it is difficult to claim that they provide adequate contextualization of the female tribal agency. This talk will argue that the women of the Arab tribes played remarkable roles in the adaptation of their communities to Ottoman modernization, using the example of three sheikhas (wives, sisters and mothers of tribal chiefs). They contributed to evolving imperial policies in a negotiating direction. It will focus on how these sheikhas emerged in the political, social, and judicial spheres of the urban and rural Middle East to defend their community’s interests. In addition, this talk will discuss how the tribal female leadership contributed to the development of the new political and social tools indicating how they actively participated in the tribal resistance against the Ottoman expansionism in early decades of the Tanzimat reformism and the processes of negotiations that followed and resulted with the integration of the tribal groups in the new system of the governance.
Talha Çiçek is an associate professor at the School of History, University College Dublin. Formerly, he was the British Academy Post-Doctoral Fellow at SOAS, England, and Humboldt Experienced Research Fellow at Leibniz-Zentrum Moderner Orient in Berlin. He is the author of the two books, War and State Formation in Syria: Cemal Pasha’s Governorate during World War I (Routledge, 2014) and Negotiating Empire in the Middle East: Ottomans and Arab Nomads in the Modern Era, 1840-1914 (Cambridge UP, 2021). Currently, he is working on the history of the Arabian horse in a global context and leading an ERC Consolidator Grant entitled „Global Capitalism and Rurality: Agency, Commodification and Socio-Ecological Transformation of the Middle Eastern Countryside, 1870-1945“.
Zur Quelle die Selbstauskunft: „Jacobin ist eine führende Publikation der sozialistischen Linken. Wir bringen Euch scharfe und lesbare Analysen zu Politik, Wirtschaft und Kultur. 2011 in New York geboren, erscheint Jacobin auf Englisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Griechisch und Niederländisch – und seit 2020 auch auf Deutsch.“