Wie weit ist der Weg zu Gleichheit / zur Gleichberechtigung …?

Es sind oft nicht die großen Gesten und Projekte, sondern die kleinen andministrativen Maßnahmen, die am Ende zählen – Irr Amin folgt den Entwicklungen:

In the framework of a long-term monitoring project, Ir Amim has been closely following the implementation of a five-year plan for socio-economic investment in East Jerusalem called Government Decision 3790 for the „Reduction of Socio-Economic Gaps and Advancement of Economic Development in East Jerusalem.” Adopted in 2018, the Decision allocates NIS 2.1 billion for investment into a variety of fields including: employment, education, transportation, infrastructure, health, and more.

Although Decision 3790 is the first significant step by the Israeli government to attempt to rectify the longstanding neglect of Jerusalem’s Palestinian population, it is also unequivocally driven by political considerations.

From the outset, the decision was effectively presented as an initiative to further apply Israeli sovereignty over East Jerusalem, which carries far-reaching ramifications on the political future of the city and its Palestinian residents.

Offener Brief

Warum rechte Vereinnahmung des Gedenkens dem Kampf gegen Antisemitismus schadet

Im HKW fand jüngst eine kritische Tagung zum Holocaust-Gedenken statt. Sie wurde von einigen deutschen Medien angegriffen. Hier positionieren sich Teilnehmende

Als eingeladene Teilnehmer:inen der Konferenz „Highjacking Memory“ möchten wir, jüdische und nicht-jüdische Personen, den Organisator:innen, Sponsoren sowie dem Austragungsort – dem Haus der Kulturen der Welt – unsere Dankbarkeit und unsere Solidarität für ihre wichtige und mutige Arbeit aussprechen. Die Instrumentalisierung der Erinnerung an den Holocaust und des Kampfes gegen Antisemitismus durch rechte Akteure ist in unseren Augen ein besorgniserregendes und drängendes Problem. Putins Behauptung, die Ukraine „entnazifizieren“ zu wollen, ist hierfür nur das jüngste Beispiel.

Im deutschen Kontext ist eine kritische Untersuchung der politischen Nutzbarmachung des Holocaust-Gedenkens aus nachvollziehbaren Gründen ein sehr sensibles Thema. Umso dankbarer sind wir dem Einstein Forum, dem Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA), sowie dem Haus der Kulturen der Welt (HKW), dass sie diese Konferenz mit ihren vielfältigen Vorträgen und Diskussionen in dieser Form abgehalten haben.

Die Konferenz widmete sich des Themas der rechten Vereinnahmungen direkt und zeigte dabei auch Wege für die Zukunft auf. Dafür kam ein vielfältiges Publikum aus Deutschen und Nichtdeutschen, Jüdinnen, Juden und Nichtjuden, Israelis und Palästinenser:innen zusammen. In oftmals herausfordernden und anspruchsvollen Dialogen und Debatten suchten sie einen produktiven Austausch. Es war eine in dieser Form einzigartige Veranstaltung, wie sie in deutschen Kontexten ansonsten allzu oft erschwert oder unmöglich gemacht wird.

Die Angriffe sind Beleg jener Dynamik, die verhandelt wurde

Wir sind entsetzt von dem Schwall an verleumderischen Vorwürfen aus unterschiedlichen Richtungen – darunter auch deutsche Medien und staatliche Stellen – gegen die Organisatorinnen, Sponsoren sowie den Konferenzort selbst.

Diese Vorwürfe verzerren nicht nur den Inhalt der Vorträge und Diskussionsrunden, die im Videoarchiv des HKW inzwischen online abrufbar sind. Sie sind ironischerweise auch ein Beleg genau jener toxischen Dynamik, welche die Konferenz verstehen und analysieren und der sie entgegenwirken wollte. Wir sehen daher dazu veranlasst, der Arbeit des Einstein Forums, des ZfA und des HKW in der Durchführung dieser zwingend notwendigen Konferenz nochmals deutlich und öffentlich unsere Unterstützung auszusprechen.

Wir wollen auch unterstreichen, dass die rechte Vereinnahmung und Instrumentalisierung des Holocaust-Gedenkens dem Kampf gegen Antisemitismus – aber auch dem Kampf gegen Rassismus auf der ganzen Welt – schadet.

Unterzeichnende:

Gilbert Achcar – Tareq Baconi – Omer Bartov – Peter Beinart – Omri Boehm – Hannah Black – Avrum Burg – Daniel Cohn-Bendit – David Feldman – Sander Gilman – Lewis Gordon – Philip Gorski –Daniel Kahn – Volkhard Knigge – Nikolay Koposov – Daniel Levy – Carinne Luck – Eva Menasse – Andrea Peto – Diana Pinto – Ben Ratskoff – Miriam Rürup – Rachel Shabi – Jelena Subotic

*** Auch in der Berliner Zeitung vom 6. Juli 2022 zu finden. ***

Verdichtete Erinnerung

arte-Feature zum Werk des im Mai 2021 im Alter von 90 Jahren verstorbenen israelischen Künstlers Dani Karavan, der unter anderem in Berlin das Erinnerungsmal für die ermordeten Sinti und Roma im Tiergarten und an der Spree am Jakob Kaiser-Haus die transansparente Installation „Grundgesetz 1949“ gestaltet hat.

Karavn Walter Benjamin Denkmal in Portbou.
„Passagen“, ein Gedenkort für den deutschen Philosophen Walter Benjamin in Portbou.

Hier noch einmal der Nachruf von Alexandra Föderl-Schmid in der Süddeutschen Zeitung.

Frauen von gestern und heute

Von den Königinnen, Prostituierten, Kriegerinnen und Heiligen der Vergangenheit bis hin zum Engagement der heutigen Frauen in der palästinensischen Zivilgesellschaft.

Frauenprojekt proTerraSanta.org

Ein ungewöhlichen und ausführlichen Beitrag findet sich aktuell auf der Seite von Pro Terra Santa. Ein kulturgeschichtlicher Durchgang bis in heutige Arebitsbereiche, beschrieben durch Carla Benelli, Leiterin des Vereins für Kulturprojekte Pro Terra Sancta. Und am Ende ein Download-Link zu einem PDF zur Arbeit.

Den Schmerz der Anderen begreifen

Buchvorstellung als hybrides Ereignis: Donnerstag, 30. Juni 2022 19.00 – 21.00 Uhr
Heinrich Böll Stiftung Berlin – und im Livestream

Charlotte Wiedemann sucht in ihrem jüngsten Buch nach Wegen, Erinnerungskultur im Geist globaler Gerechtigkeit neu zu denken. Dazu bringt sie zwei Anliegen in einen Dialog, die ihr auch persönlich am Herzen liegen: Sensibilität und Verantwortung für die Shoah bewahren und einseitig europäisches Geschichtsdenken überwinden.

So haben Millionen Kolonialsoldaten gegen Nazi-Deutschland gekämpft, aber bis heute verbinden wir die Befreiung vom Nationalsozialismus nicht mit der Freiheit und Würde des kolonisierten Menschen.

Parallel zu den Nürnberger Prozessen wurden in den Kolonien nie geahndete Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen, eine moralische Asymmetrie, die bis heute andauert. Dabei folgt aus der Shoah, jedes Leben als gleichermaßen schutzwürdig zu erachten.

Erinnerungskulturen sind geprägt vom globalen Machtgefüge. Die Holocaust Memory Culture verfügt weltweit über das größte Prestige – aber wer darf sich jüdischem Schmerz anverwandt machen?

Und warum finden Deutsche den verzweifelten Widerstand im Warschauer Ghetto ergreifend, während sie der Widerstand gegen koloniale Besatzung in Deutsch-Ostafrika nicht berührt? Vergleiche, sagt die Autorin, können helfen, das Gemeinsame in den Prozessen von Entmenschlichung zu erkennen und unser Empathievermögen zu erweitern.

Charlotte Wiedemann, Autorin, Publizistin und Auslandsreporterin im Gespräch mit René Aguigah, Ressortleiter Literatur von Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur

Anne Frank und die Schweiz

Ausstellung in Zürich

Das Tagebuch der Anne Frank ist weltberühmt. Weniger bekannt ist, dass die globale Verbreitung grösstenteils aus der Schweiz erfolgte. Während Anne, ihre Schwester und ihre Mutter im Konzentrationslager ermordet wurden, überlebte Annes Vater als Einziger der Familie den Holocaust. Otto Frank zog in den 1950er-Jahren zu seiner Schwester nach Basel. Von dort machte er es sich zur Aufgabe, die Aufzeichnungen seiner Tochter in die Welt zu tragen und ihre Botschaft für Menschlichkeit und Toleranz für die kommenden Generationen zu erhalten.

Walter Rathenau, ermordet am 24. Juni 1922

Heute vor 100 Jahren wurde Walter Rathenau, deutscher Außenminister, Jude und Demokrat, von völkischen Antisemiten in Berlin ermordet. Er war die Symbolgestalt des in die  Demokratie aufbrechenden Nachkriegsdeutschland. Der Mord an ihm wurde zum Fanal für den Beginn des Untergangs eben dieser Demokratie.

Photo um 1921 – Walther Rathenau 1867-1922 (Quelle: https://www.dhm.de/lemo/biografie/walther-rathenau)

Es gilt gerade in unseren Zeiten, sich ihn und seine Versöhnungspolitik wieder ins Gedächtnis zu rufen…

Die Erinnerung in Ha’aretz: Reviving a Jewish icon of German democracy, assassinated by far right antisemites – Opinion – Haaretz.com

Auch bei einer neuen Regierung…

wie auch immer sie aussehen wird: Viele Fragen bleiben offen, wenn Recht auf Macht / wenn Macht auf Recht trifft…

Aus dem aktuellen Newsletter von Torat Tzedek / Rabbi Arik Asherman

Dear Friends and Supporters,
Will you be in Israel on June 29th in advance of the Hartman Rabbinic Torah Seminar, or for any other reason? – If so, please join us at a crucial Israeli Supreme Court hearing that may decide whether or not the KKL-JNF and Elad settler organization succeed in their unholy alliance to evict the Sumreen family from their home in Silwan, East Jerusalem.

Hier der Link:

Indirekte Herrschaft oder volle Bürgerrechte?

Raef Zreik in der Tel Aviv Review of Books über die Teilhabe / Teilnahme der United Arab List in der (noch?) regierenden israelischen Koalition – der Beginn einer neuen Ära? Ein lesenswerter Beitrag, egal wie lange diese Regierung noch amtiert.

Eine wichtige, eine legitime Stimme!

Yazan Khalili im Gespräch mit Hanno Hauenstein von der Berliner Zeitung

[Berliner Zeitung] „Vor wenigen Wochen ist die unsachliche Debatte um vermeintlichen Antisemitismus in den Reihen der Documenta eskaliert. Ende Mai wurde der Ausstellungsraum des Kollektivsin Kassel mit Graffiti beschmiert. Der Akt des Vandalismus richtet sich offenbar gezielt gegen das palästinensische Kollektiv. Die Zahl „187“ und der Name „Peralta“ wurden dabei auf mehrere Wände gesprüht. Wandoberflächen wurden mit einem Feuerlöscher beschädigt.

The Question of Funding war in den vergangenen Monaten auf einem obskuren Online-Blog in die Kritik geraten, Antisemitismus nahezustehen. Die Kritik wurde weitestgehend unkritisch von deutschsprachigen Mainstream-Medien wie Zeit und Welt übernommen. Wir sprachen anlässlich der Eröffnung der Documenta mit einem prominenten Vertreter des palästinensischen Kollektivs, Yazan Khalili.“