Die Betreiber des israelisch-palästinensischen Restaurants „Kanaan“ in Berlin (Prenzlauer Berg), Jalil Dabit und Oz Ben David, erhalten den diesjährigen Moses-Mendelssohn-Preis des Landes Berlin. Das gab die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt bekannt.
Ermordung der letzten überlebenden Sinti und Roma im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau durch die SS.
„Wir rufen Euch auf zum gemeinsamen Protest für den Erhalt unseres Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas!
Unser Denkmal ist durch den geplanten Bau einer S-Bahnlinie massiv bedroht.
Dieses Denkmal hat für uns eine große Bedeutung: Es erinnert an den Völkermord an Rom:nja und Sinti:zze, der über 500.000 Menschen das Leben kostete. Einige Historiker:innen schätzen die Opferzahl sogar auf 1,5 bis 2 Millionen Menschen. Für Nachkommen der Verfolgten, wie uns, ist es ein Ort der Anerkennung dieses Verbrechens und ein wichtiges Mahnmal gegen heutigen Rassismus. Es hat eine zentrale Funktion in der Erinnerungskultur, besonders angesichts des wieder erstarkenden Rassismus in Deutschland.
Die geplanten Baumaßnahmen werden das Denkmal erheblich beeinträchtigen durch: die Abholzung zugehöriger Bäume, Störung durch Emissionen und Lärm, der Beeinträchtigung des charakteristischen Geigentons, mehrmonatige Schließung für Umbauarbeiten, langfristige Veränderung der Umgebung, da voraussichtlich keine Wiederanpflanzung großer Bäume möglich sein wird.
Dank des unermüdlichen Engagements unserer Selbstorganisationen und solidarischer Zivilgesellschaft wurde 2012 unser Denkmal endlich nach Jahrzehnten der Leugnung des Völkermords und Verweigerung des Gedenkens eingeweiht. Nun bedrohen
massive Eingriffe die Integrität des Denkmals und damit die Erinnerung an den an Rom:nja und Sinti:zze begangenen Völkermord. Die Beeinträchtigung des Denkmals kommt einer Rücknahme der hart erkämpften Anerkennung unseres Leids gleich!
Besonders erschütternd ist die Tatsache, dass ausgerechnet die Deutsche Bahn den Auftrag erhält, unser Denkmal zu schädigen. Dies ist umso empörender, als dass die Deutsche Reichsbahn, Vorgängerorganisation der heutigen Deutschen Bahn, während der NS-Zeit an der massenhaften Deportation unserer Menschen Blutgeld verdient hat. Diese historische Verantwortung wird durch die geplanten Baumaßnahmen völlig missachtet.“
Kooperationsprojekt der Staatsbibliothek mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste: „Das Zentralantiquariat der DDR: Verkaufswege. Empfänger. Provenienzen“
Das 1959 gegründete Zentralantiquariat der DDR (ZA) spielte bei der Fragmentierung und Verteilung historisch gewachsener öffentlicher und privater Buchsammlungen eine zentrale Rolle. Das ZA hatte als Handelsunternehmen Devisen für die DDR zu erwirtschaften. Zu diesem Zweck verkaufte es Buchbestände in das – nach DDR-Sprachgebrauch – Nichtsozialistische Wirtschaftssystem (NSW), insbesondere in die Bundesrepublik, nach Schweden, in die Niederlande und in die Schweiz. Die Verkäufe des ZA erfolgten über die Deutsche Buch-Export und -Import GmbH (ab 1971/1972 Außenhandelsbetrieb Buchexport) meist an als Zwischenhändler fungierende Antiquariate im sog. NSW, so dass relevante Erwerbungen in Bibliotheken nur schwer nachvollziehbar sind. …
Der Nahosthistoriker Lorenzo Kamel im Gespräch auf Quantara.de (jetzt neu unter derm Dach des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart) über die Möglichkeiten der Europäischen Union (EU), die bislang keine nennenswerte Vermittlerrolle im Nahen Osten übernommen hat. Wie könnte sie wirksam zu einer dauerhaften Friedenslösung nach dem Gaza-Konflikt beitragen? Welchen Kurs sollte sie gegenüber autoritären Regimen in der Region einnehmen?
Die Einen beschliessen in der Knesset eine Resolution gegen „einen palästinensischen Staat“ (der eine Gefahr für die Sicherheit Israels sei) und NUR die arabischen Parteien, ja, nur die arabischen Parteien stimmen dagegen – und auf der anderen Seite müssen die Friedensgruppen vor dem Obersten Gericht ihre Demonstration gegen den Verbotsversuche seitens des Minsters Ben Gvir erstreiten – wohin steuert dieses Land?
Haaretz, 18. Juli 2024:
Aus dem Mailing von Standing Together (18. Juli 2024)
Ronit Vered schreibt in der Wochenendbeilage von Haaretz über das Restaurant Majda in der Nähe von Jerusalem – und über sein Ende, vielleicht / wohl nicht das einzige, das zu Ende geht …
„On the last Saturday of June, the Majda restaurant outside Jerusalem closed its doors for the last time, 14 years after it opened. „Summer 2024, the last meal,“ a note atop that day’s menu stated. And at the bottom of the changing, seasonal menu, penned as always in Michal Baranes‘ lovely handwriting: „Majda is closing at the end of this week. Thanks to all the good people who accompanied us over all the years. In the end things will be good. Yakub and Michal.
I too came to take leave of Majda, located in the Arab village of Ein Rafa, west of the capital. From the place, from the people, from the food. On the table in the beautiful garden – a green, tangled Eden of wild, decorative and edible vegetation – the waiter placed a jug of cold water, and on the neck of a bottle of rosé, which Yaakov Barhum makes himself from the grapes of a vine he planted in the yard, beads of moisture glistened in the heat of the day. On the plate of gazpacho made from red-yellow tomatoes, the foliage of the trees played games of light and shade, flitting between ice cubes and puddles of olive oil.
…
„It’s very likely that the leaving tendency – or the attempt to move the center of one’s activity abroad – will only gather momentum. An end to the war is not looming on the horizon, and in contrast to previous rounds of fighting, the trauma will not make it possible to repress easily the fragmentary nature of the ability to maintain a stable, tranquil life here. The state creates difficulties for the food and restaurant industries here even in times of calm – in the form of draconian regulations, rigid kashrut laws and the high cost of living.
Living eternally by the sword and the absence of foreign tourists, an important element in the thriving of a restaurant scene, are death blows to an industry that has already found it difficult to stay afloat in recent years. It’s hard to blame those who are looking for other places in which they and their children can enjoy a life of sanity, but also where they can realize professional dreams and make an honorable living.“
Unterrichtung durch die deutsche Delegation in der Interparlamentarischen Union Bundestagsdrucksache 20/11865
Die humanitäre Lage im Gaza-Streifen sowie die Gewalteskalation in Folge des Hamas-Terrors in Israel sind Ende März 2024 Thema der Versammlung der Interparlamentarischen Union in Genf gewesen. Das geht aus der Unterrichtung (20/11865) durch die deutsche Delegation hervor.
Unter Federführung der dänischen Delegation und mit Unterstützung diverser Mitglieder der geopolitischen Gruppe der 12 Plus, der die deutsche Delegation angehört, sei ein Dringlichkeitsantrag eingebracht worden, der einen sofortigen Waffenstillstand, umfassende humanitäre Hilfe für den Gazastreifen sowie die sofortige Freilassung aller Geiseln gefordert habe. Der Antrag habe jedoch nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreicht; auch sei der Versuch gescheitert, einen gemeinsamen Antrag mit der afrikanischen und der arabischen Gruppe zu formulieren.
„Um zu diesem wichtigen Thema nicht zu schweigen, entschied IPU-Präsidentin Tulia Ackson (Tansania) gemeinsam mit IPU-Generalsekretär Martin Chungong (Kamerun), im Namen der weltweiten parlamentarischen Gemeinschaft eine Erklärung über dringende Maßnahmen zur Bewältigung der Situation in Gaza abzugeben“, heißt es in der Unterrichtung weiter. In der Erklärung würden ein sofortiger Waffenstillstand im Gazastreifen, die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Geiseln, die sofortige Ausweitung lebenswichtiger humanitärer Hilfslieferungen für die Betroffenen im Gazastreifen gefordert sowie jegliche Art von Gewalt gegen Zivilistinnen und Zivilisten verurteilt und appelliert, das humanitäre Völkerrecht zu achten.
In der Frankfurter Rundschau finden sich ein Interview, daß Maria Sterkl mit der Juristin Netta Barak-Corren und dem Militärhistoriker Danny Orbach geführt hat, beide sind Autor:innen eines Stragegiepapiers, das in Israel seit einiger Zeit diskutiert wird („Von einem Mörder-Regime zu einer gemäßigten Gesellschaft: Die Transformation und Rehabilitation von Gaza in der Post-Hamas-Ära“)
Hier ein Zitat aus dem Papier, dessen Duktus israelische Interessen reflektiert und aus historischen Erfahrungen (und Fehlern) lernen will …
Wann würden Sie den Übergang in Gaza als geglückt bezeichnen – wenn es dort Demokratie gibt? Orbach: Nein, es wäre bevormundend und kontraproduktiv, wenn wir Gaza ein demokratisches System aufzwingen wollten. Das ist eine Sache der Menschen in Gaza. Unser Erfolgsmaßstab ist, dass es gelingt, eine Art Kontinuität aufzubauen – ein Modell eines Sunni-Staates, der konservativ ist, aber nicht jihadistisch, ähnlich wie in den Emiraten. Wir sollten nicht anstreben, dass die Menschen in Gaza ein israelisches Narrativ übernehmen. Sie sind Palästinenser und werden auch weiterhin die Nakba als ihr bestimmendes Ereignis sehen. Sie werden weiterhin Zionismus verachten und Jassir Arafat verehren. Das macht mich nicht glücklich, aber das ist die Realität. Die Hauptsache ist, dass sie sich für Koexistenz einsetzen. Welches Narrativ sie dabei anleitet, das sollen und können wir nicht kontrollieren.