Die Jerusalemer Erklärung bleibt weiter in der Diskussion, damit hat sie schon ein wichtiges Ziel erreicht, nämlich kontroverse Auseinandersetzung, aufrichtiges Ringen im besten Falle. Hier der Beitrag von Sarah Judith Hofmann auf der Platfform Qantara.
Kategorie: Antisemitismus
Must read: Hanno Hauenstein zur aktuellen Debatte
Eigentlich soll man:frau mit Superlativen ja vorsichtig sein – aber diesen Beitrag in der Berliner Zeitung sollte gelesen haben, wer zu aktuellen Debatte eine vernüftige, pointierte und zudem auch eloquent geschriebene Position sucht: Hanno Hauenstein in der Berlienr Zeitung: Antisemitismus in Deutschland: Warum Springer-Medien hysterische Kritik üben
Micha Brumlik: Zur Sache gesprochen
Vor kurzem war Micha Brumlik im online-Format des diAk zu Gast, beim dem es um die Jerusalemer Antisemitismus-Erklärung und zu bds ging, sein Text findet sich auf einer neuen Seite beim diAk.
Wir freuen uns, wenn diese Positionierung zum Gespräch, zur Diskussion, zu Widerspruch und Zustimmung anregen sollte!
Eichmann im Kalten Krieg
Die deutsch-deutsche Berichterstattung über den Eichmann-Prozeß
Herausgeberinnen: Judith Keilbach und Irmgard Zündorf
Online Booklet: https://absolutondemand.de/booklet/eichmann-im-kalten-krieg/
Der Prozeß gegen Adolf Eichmann, der 1961 in Jerusalem stattfand, gilt als Wendepunkt der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Kaum ein anderes Land berichtete ausführlicher über das Gerichtsverfahren als die BRD. Der NDR hatte zwei Korrespondenten entsandt, die in 36 Sendungen der Reihe Eine Epoche vor Gericht darüber hinaus das Land Israel vorstellten. In der DDR wurde keine eigene Sendung zum Prozeß entwickelt, aber sowohl in der Aktuellen Kamera als auch im Schwarzen Kanal wiederholt berichtet.
Die Thematisierung des Prozesses diente hier primär dazu, auf mögliche frühere NS-Täter in der Bonner Regierung zu verweisen. Das spannend zusammengestellte Material aus TV und Presse offenbart die Zuspitzung des deutsch-deutschen Konflikts und die Rhetorik des Kalten Krieges.
Bearbeiterinnen: Tabea Georges, Linda Graul, Anna Kokenge, Vivien Püschel
DVD mit Begleitbooklet: 14,90 € – 978-3-8488-2016-0 – absolut MEDIEN
Bestellbar auch über : bestellung@aphorisma.eu
Das Online Booklet: https://film.absolutmedien.de/ Eichmann im Kalten Krieg

Von Emcke bis Baerbock
Über die Präsenz und Wirksamkeit eines „kulturellen Codes“
Es ist keine einfache Debatte, jedenfalls dürfen wir sie uns nicht einfach machen. Und es ist eine Debatte, mit der wir nicht ‚fertig‘ werden. Michael Kloß, Professor an Leuphana Universität in Lüneburg schreibt:
„Antisemitismus funktioniert, um einen sehr erhellenden Begriff der Historikerin Shulamit Volkov zu verwenden, als kultureller Code. (…) Codes [appellieren] an tief eingesunkene Ressentiments, die gar nicht intellektuell verarbeitet werden müssen, um wirksam zu sein.“
Zwei aktuelle lesenswerte Beiträge, die nicht einfach ‚Zustimmung‘ der ‚Ablehnung‘ verlangen, sondern (Auf)Forderungen an die Aufrichtigkeit des eigenes Denkens sind.
Michael Kloß in Die Zeit und ein Offener Brief „Gegen die Lügen“ in Merkur
Aktuelle Ergänzung: 17. Juni 2021
Kommentar auf der Seite von Christ in der Gegenwart (Simon Lukas)
Arnold Schönberg
Aus der langen und unsäglichen Geschichte des Antisemitismus
Online-Gedenkausstellung: Arnold Schönberg und der Sommerfrischen-Antisemitismus im Salzkammergut
Kurz nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurde Arnold Schönberg seine Professur an der Berliner Musikhochschule aberkannt und er ging wenig später über Paris in die USA ins Exil.
Das mehr als zehn Jahre frühere sogenannte „Mattsee-Ereignis“ während Schönbergs Sommerurlaub im Salzkammergut hatte jedoch weitreichende Folgen für ihn und auch für sein Werk. Das Wiener Arnold Schönberg Center hat die im Juni vor 100 Jahren sich abspielende Begebenheit nun zum Anlaß für eine Online-Ausstellung genommen.
100 Jahre Mattsee-Ereignis
Arnold Schönberg und der Sommerfrischen-Antisemitismus im Salzkammergut
Online-Gedenkausstellung | 2. Juni 2021 – 26. Juli 2021
Über die Dauer der Ausstellung wird täglich ein neues Objekt vorgestellt.

Der Bericht auf BR-Klassik: https://www.br.de/mediathek/podcast/embed?episode=1828861
Antisemitismus – definitiv!?
Online-Debatte über Hintergründe und Auswirkungen verschiedener Antisemitismus-Definitionen
Teilnehmer:innen:
- Saba-Nur Cheema (Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt/Main)
- Prof. Dr. Miriam Rürup (Moses Mendelssohn Zentrum, Potsdam)
- Prof. Dr. Michael Brenner (Ludwig-Maximilians-Universität, München)
- Prof. Dr. José Brunner (Tel Aviv University, Tel Aviv)
- Moderation: Jan Feddersen (taz)

Die Online-Debatte wird per Livestream auf dem YouTube-Kanal der bpb durchgeführt.
Noam Chomsky im Gespräch mit Peter Beinart
Jewish Currents, June 4, 2021
Nicht allein, wenn es um die Frage der Kritik an „bds“ geht (hier besonders ab min 30), sondernn auch als Zeitzeugnis lohnt es sich dieses Gespräch mit dem inzwischen 92jährigen Noam Chomsky zu hören. Dabei geht es von der Auseinandersetzung zwischen Jiddisch und Hebräisch bis zu Edward Said und Uri Avnery um ein ganzes Panorama des 20. Jahrhunderts. Und auch um ein Plädoyer für eine gezielte Politik gegen die (israelische) Besatzung. Grenzen bleiben willkürlich und es gilt immer zu erinnern, um welchen Preis sie errichtet wurden und werden!
Stimmen aus Ravensbrück
Lyrische und bildnerische Zeugnisse aus dem Frauen-KZ Ravensbrück und dessen Außenlagern
Multimediales Erinnern – Ein Kunstprojekt von Pat Binder.
„Ravensbrück, 90 km nördlich von Berlin gelegen, war während der Nazi-Zeit das größte Konzentrationslager für Frauen auf deutschem Gebiet. Von 1939 bis 1945 inhaftierten die Nationalsozialisten dort etwa 120.000 Frauen aus über 30 Nationen – aus politischen und rassistischen Gründen. Ihre menschenfeindliche Ideologie ging mit brutaler Ausgrenzung einher und schreckte auch vor Mord nicht zurück. Eine unfaßbare Zahl der Frauen und Mädchen aus Ravensbrück und seinen Außenlagern wurde hingerichtet oder starb an Hunger, Krankheiten, Erschöpfung durch Schwerstarbeit oder an den Folgen medizinischer Experimente.“
Auch in einer englischen Version einsehbar.
Wir lassen uns nicht trennen – ein offener Brief
Ein offener Brief jüdischer und muslimischer Initiativen 20. Mai 2021
-> Diesen wichtigen Text gibt es auch als PDF: Wir_lassen_uns_nicht_trennen_- Ein_offener_Brief <-
Wir als jüdische, muslimische, jüdisch-muslimische Organisationen, Initiativen und Bündnisse, sowie Einrichtungen, die Räume für jüdisch-muslimische Begegnung geschaffen haben, schreiben diesen Offenen Brief, weil wir nicht hinnehmen, dass der Konflikt im Nahen Osten unser Zusammenleben und unsere politische und kulturelle Arbeit in Deutschland zerstört.
Wir haben in den letzten Jahren, unter schwierigen Bedingungen und in komplexen Prozessen, vielfältige Allianzen, Bündnisse und Netzwerke zwischen jüdischen und muslimischen Organisationen, Communities und Individuen aufgebaut, die wir gegen eine neue Welle des Hasses und der Propaganda verteidigen wollen. Denn, wann immer der Nahost-Konflikt hier ausgetragen wird, leiden auch wir darunter!
Deswegen wollen wir zwei Dinge festhalten:
1.) Wir verurteilen Antisemitismus und anti-muslimischen Rassismus
Wir verurteilen jede Art von Antisemitismus und anti-muslimischen Rassismus, sowie jede Form von Gewalt und Hass, wie etwa die jüngsten Angriffe auf Synagogen in Bonn oder in Gelsenkirchen. Wir verwahren uns dagegen, dass Jüd:innen und Muslim:innen hierzulande für die Geschehnisse im Nahen Osten verantwortlich gemacht werden, sei es durch physische Gewalt oder durch entsprechende Darstellungen in den sozialen Medien. Diese Zuschreibung ist Ausdruck von Antisemitismus und anti-muslimischem Rassismus, die Gegenwart und Zukunft unseres Miteinanders hierzulande gefährden. Genau dagegen richtet sich unsere vielfältige Arbeit seit vielen Jahren.
Jüdisch-muslimische Beziehungen sind alles andere als selbstverständlich. Wir haben viel investiert um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, um dadurch auch vor Fragen nicht zurückzuschrecken, die uns gegenseitig irritieren und
befremden. Diese Fragen sind mit komplexen historischen Dynamiken verwoben, die Leid und Traumata beinhalten. Wir haben gelernt, Differenzen auszuhalten, auch wenn dies nicht immer leichtfällt. Wir haben auch viele Gemeinsamkeiten entdeckt und Ziele formuliert, wie wir als Jüd:innen und Muslim:innen in Deutschland miteinander leben wollen und können, und was wir im Zusammenleben auch von der Mehrheitsgesellschaft erwarten. Deshalb lassen wir unsere jüdisch-muslimischen Freundschaften, Bündnisse und Allianzen weder für politische Zwecke instrumentalisieren noch auf den Nahost-Konflikt reduzieren.
2.) Es muss Raum für unterschiedliche Haltungen zum Nahost-Konflikt geben
Der Nahost-Konflikt ist ein “Hot Button Issue” jüdisch-muslimischer Beziehungen – dessen sind wir uns bewusst. Dass unterschiedliche Haltungen zum Nahost-Konflikt bestehen, ist nachvollziehbar. Unsere jeweiligen Perspektiven sind von unterschiedlichen Sozialisationen, Erfahrungen, Wissensbeständen, und Emotionen bestimmt. Dafür muss es in einer offenen, pluralistischen und demokratischen Gesellschaft Raum geben. Mit diesen Differenzen müssen und können wir leben, denn sie bestehen nicht nur zwischen Jüd:innen und Muslim:innen, sondern auch innerhalb verschiedener Gruppen.
Wir stellen aber auch fest, dass der Nahost-Konflikt nicht der Regelfall jüdisch-muslimischer Beziehungen ist; er ist keine Notwendigkeit des Muslimisch- oder Jüdischseins, sondern eine spezifische Situation, zu der jede und jeder sich verantwortungsvoll verhalten kann. Wir gehen zudem davon aus, dass der Nahost-Konflikt kein zwingendes Thema jüdisch-muslimischer Beziehungen und Gespräche sein muss. Unsere Arbeit ist von einer Fülle an unterschiedlichsten Themen geprägt, das soll auch so bleiben. Wir lassen unsere Arbeit nicht auf die Nahost-Thematik reduzieren.
#wirlassenunsnichttrennen
#wirstehenfüreinanderein
#wirbleibenimgespräch
Unterzeichnende Organisationen:
Jüdisch-muslimischer Stammtisch München
Prof. Dr. Bekim Agai – Direktor der AIWG
Heidelberger Bündnis für jüdisch-muslimische Beziehungen
Jüdisch-Muslimischer Gesprächskreis der W. Michael Blumenthal-Akademie des Jüdischen Museums Berlin
Institut für Deintegration

