In den Evangelischen Kommentaren zu Religion und GesellschaftZeitzeichen setzen sich aktuell Katja Dorothea Buck und Jens Nieper mit der deutsche Debatte über Nahost nach dem 7. Oktober 2023 auseinander.
Mit Blick auf den 1. März 2023, den von den Palästinenserinnen gestalteten, Weltgebetstag der Frauen eine lohnende Lektüre – und ein wichtiges Korrektiv zur Haltung des Deutschen Weltgebetstagskomitees und seinen Eingriffen in die Stimme der christlichen Geschwister im „Heiligen Land“.
Lesehinweis, der zumindest die aktuellen Beiträge dokumentiert und verlinkt:
https://www.jerusalemsverein.de/weltgebetstag-2024-palaestina/
Hilfe an das Flüchtlingshilfswerk UNRWA einstellen – und dann?
Ein Großteil der politischen Klasse Israels lehnt die UNRWA gerade wegen ihres symbolischen Wertes für die Palästinenser ab. Sie argumentieren, daß jede Einrichtung, die sich für die Wahrung des Rückkehrrechts der Palästinenser einsetzt, die Existenz und Legitimität des israelischen Staates unmittelbar bedrohe.
Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu wiederholte am 31. Januar 2024 seine langjährige Forderung an die VN, die UNRWA zu schließen; am 7. Februar behauptete er, deren „Ersatz“ angeordnet zu haben.
Dabei stößt er jedoch auf Widerstand innerhalb des israelischen Sicherheitsapparats, der anerkennt, dass die Dienste des Hilfswerkes eine unverzichtbare Quelle der Stabilität in den palästinensischen Gebieten und in den Nachbarstaaten sind. Sollte die UNRWA zusammenbrechen, würde die Verantwortung für die von ihr erbrachten Leistungen direkt auf die Schultern Israels als Besatzungsmacht im Gazastreifen und im Westjordanland sowie auf die Regierungen des Libanons, Jordaniens und Syriens innerhalb ihrer Zuständigkeitsbereiche fallen – mit dem Risiko enormer Rückschläge für die lokale Bevölkerung.
International Crisis Group | Q&A | 7. Februar 2024
„Um in Frieden leben zu können, muß sich Israel endlich mit den Palästinensern arrangieren, und das ist etwas, was Netanjahu während seiner gesamten Karriere abgelehnt hat. In seiner längsten Amtszeit als Ministerpräsident in der Geschichte Israels hat er die palästinensische Nationalbewegung unterminiert und ins Abseits gedrängt. Er hat seinem Volk versprochen, daß es auch ohne Frieden gedeihen kann. Er hat dem Land die Idee verkauft, daß es mit geringen nationalen und internationalen Kosten palästinensisches Land für immer besetzen kann.
Und selbst jetzt, nach dem 7. Oktober, hat er diese Botschaft nicht geändert. Das Einzige, was Netanjahu gesagt hat, ist, daß Israel nach dem Krieg einen „Sicherheitsperimeter“ um den Gazastreifen aufrechterhalten wird – ein kaum verhüllter Euphemismus für eine langfristige Besetzung, einschließlich eines Kordons entlang der Grenze, der einen großen Teil des knappen palästinensischen Landes verschlingen wird.“
Israel’s Self-Destruction. Netanyahu, the Palestinians, and the Price of Neglect
Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels von 1975
Wie das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels schreibt:
„Der deutsch-französische Politologe und Publizist Alfred Grosser ist tot. Das gab seine Familie bekannt. Grosser starb demnach im Alter von 99 Jahren in Paris. In Frankfurt am Main geboren, floh er als Kind mit seiner Familie 1933 nach Frankreich. In Paris studierte Grosser Politikwissenschaft und Germanistik, lehrte ab 1955 am Institut d’études politiques de Paris. Er war bekannt als Autor journalistischer Texte und zahlreicher Bücher, darunter erschienen „Le Mensch“ (Dietz J-H.W. Nachfahren), „Von Auschwitz nach Jerusalem“ (Rowohlt), „Wie anders ist Deutschland?“ und „Wie anders ist Frankreich?“ (beide C.H.Beck, wo auch seine Autobiografie „Die Freude und der Tod“ publiziert wurde.)
Für seine Rolle als Vermittler wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband sowie dem französischen Großkreuz der Ehrenlegion sowie dem Henri-Nannen-Preis.“
Auch zu Fragen des Nahostkonflikts und der israelisch-palästinensischen Beziehungen hat er sich wiederholt kritisch geäußert.
Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Lizenz: CC-BY-SA 4.0 DE
Diese Überschrift über einem Beitrag von Lidia Averbukh im Online-Magazin ipg-journal könnte in diesen Tagen vieles meinen. Die Autorin denkt aber an die Rolle der arabisch/palästinnensischen Staatsbürger:innen Israel: „In der Debatte um Israel und Palästina dominiert gefährliches Schwarz-Weiß-Denken. Arabische Israelis machen vor, wie eine Annäherung gelingen kann.“
„Israelische Araber erleiden gerade die Probleme beider Seiten. Am 7. Oktober gab es auch unter ihnen Tote und Geiseln, die von der Hamas verschleppt wurden. Vereinzelt finden sich auch unter den gefallenen Soldaten drusische Israelis. Gleichzeitig sind viele der israelischen Araber mit der Bevölkerung in Gaza verbunden und haben Verluste durch israelische Bomben zu beklagen. Wenn ihre Vertreter es schaffen, in dieser Situation sowohl für Israelis als auch für Palästinenser Akzeptanz zu zeigen, müssen wir im entfernten Europa umso eher dazu fähig sein.“
Für die einen überholt, wenn je eine wirkliche Option, für die anderen ein Weg / der Weg aus der Sackgasse… Moshe Zimmermann im Gespräch mit Michael Hesse von der FR über sein mit Moshe Zuckermann veröffentlichtes Buch und dessen Umfeld: „Denk ich an Deutschland …“ Frankfurt a. M. (Westend) 2023. 304 S., 25 Euro.
Als Teil einer SWP-Studie: Mittlere Mächte – einflussreiche Akteure in der internationalen Politik, herausgegeben von Barbara Lippert und Stefan Mair, ist ein Beitrag von Muriel Asseburg und Peter Lintl erschienen:
While Israel’s citizens are united around the need to militarily and politically topple Hamas and bring back the hostages, the Israeli government is in no hurry to discuss the day after. In the meantime, parts of the coalition are already busy promoting destructive measures, such as establishing settlements in Gaza.
Against the resounding failure of conflict management strategies, the strengthening of Hamas, and the weakening of the Palestinian Authority led by the right-wing governments in the last 15 years, there is a necessity to generate new perceptions that will ensure the security of Israel and its existence as a Jewish, democratic, and liberal state.
The Mitvim Institute and the Berl Katznelson Foundation, with the support of the Friedrich Ebert Foundation in Israel and the New Israel Fund, hosted an online conference discussing the ‚day after‘ from various perspectives and presenting a new political vision for Israel and its security. The conference was attended by leaders from the political system, including MK Yair Lapid, MK Mansur Abbas, and MK Naama Lazimi, as well as researchers and prominent figures from civil society.
The conference held in Hebrew. Please press on subtitles in order to watch the videos from the conference with English subtitles.
Vor 55 Jahren, am 4. Februar 1969, wird Yassir Arafat zum Vorsitzenden der PLO gewählt, damit geht die Führung der palästinensischen Befreiungsorganisation in die Hände der Palästinenser:innen über. Es beginnt der lange Weg zu der Überzeugung, daß nur ein Staat Palästina an der Seite Israels zu Befreiung und nationaler Würde führen könne… Was ist von dieser Möglichkeit einer kooperativen Vision heute noch geblieben?
Hüte, Haare, Haut – Köpfe in Jerusalem … – Ein Begleiter durch das Jahr 2024 – Mit Photos von Bärbel Doering
Photos: Doering
israel & palästina – Zeitschrift für Dialog | Ausgabe 4-2023
Es ist das neunte Mal, daß im Rahmen von israel & palästina | Zeitschrift für Dialog ein Photobegleiter in Kalenderform für das kommende Jahr erscheint: Hüte, Haare, Haut – Köpfe in Jerusalem, dieses Thema war schon lange festgelegt …
Was wird dieses Jahr 2024 bereithalten – wir wissen das nie zuvor, wer hätte schon geahnt, welche Katastrophen das Jahr 2023 bereithalten würde?
Zusammen denken und zusammendenken, aus diesem Geist heraus versucht der diAk seit 45 Jahren auf die Region zu schauen, auch auf unsere Verbindungen dorthin. Die tiefen Wunden, welche die Ereignisse des Jahres 2023 geschlagen haben, individuell, aber auch kollektiv, lassen zweifeln, wie eine kooperative Vision für die Region aussehen kann.
Jedoch: Die Vielfalt zu sehen und die Einheit in der Vielfalt zu spüren, bleibt eine entscheidende Voraussetzung … In allen, die das Land kennen, werden bei den Bildern aus und um Jerusalem Assoziationen aufsteigen, Erinnerungen lebendig werden: Es ist so viel der Schönheit der Welt über Jerusalem ausgegossen, sie reicht für alle!