Leon Wystrychowski bespricht auf dem Blog Kritisch-Lesen.de den neu auf deutsch vorliegenden Band von Rashid Khalidi Der Hundertjährige Krieg um Palästina. Eine Geschichte von Siedlerkolonialismus und Widerstand ud bezeichnet ihn als „wichtige(n) und überfällige(n) Beitrag zum deutschen Palästina-Diskurs (, er) verbindet historische Analyse und persönliche Perspektive“ – ein wichtiger Lückenfüller.
Rashid Khalidi: Der Hundertjährige Krieg um Palästina. Eine Geschichte von Siedlerkolonialismus und Widerstand. Übersetzt von: Lucien Leitess. Unionsverlag, Zürich 2024 | ISBN: 978-3-293-00603-4 | 384 Seiten. 26,00 €.
Interdisziplinäre Ringvorlesungen für die breite Öffentlichkeit
Die Vielfalt Palästinas – eine kulturelle Zeitreise
Eine interdisziplinäre Ringvorlesung der Wissenschaftlichen Einheit Westasien, Nordafrika und Diaspora am Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin
Beginn: 15.10.2024 18.00 Uhr
„Zwei Völker in einem Land“: Koexistenz und Konflikt in Palästina / Israel Vielfach verflochtene Identitäten, exklusive politische Ansprüche: eine historische Einordnung
Prof. Dr. Dr. h.c. i. R. Gudrun Krämer Institut für Islamwissenschaft, Freie Universität Berlin
Jede Woche Dienstags 18-20.00 Uhr bis zum 4.02. 2025
Shireen Najjar und Neriya Mark sind zu Gast bei der Jahresversammlung 2024 der Freunde und Freundinnen von Neve Shalom ∙ Wahat al-Salam.
Shireen Najjar und Neriya Mark gehören beide zur zweiten Generation der Dorfgemeinschaft von Neve Shalom ∙ Wahat al-Salam, dem einzigen Ort in Israel, wo jüdische und palästinensische Israelis vollkommen gleichberechtigt miteinander leben und arbeiten. Beide gehören sie zu Gründerfamilien, beide sind im Dorf aufgewachsen und in die binationale, zweisprachige Grundschule gegangen – und beide haben in ihrem Beruf und in der Dorfgemeinschaft Verantwortung übernommen.
Zu Jom Kippur 5785 – An der Hoffnung festhalten | Ein Artikel von Avi Kotsere-Burg in der taz vom 5. Oktober 2024
Ein kleiner Auszug:
Aus der ganzen Welt werden sie zu uns kommen, um zu sehen, wie wir Frieden von unten schaffen
Und dann werden wir entscheiden müssen, wie wir reagieren. Ob wir ihren Geschichten zuhören? Ob es uns gelingt, Tränen zuzulassen und mit ihnen zu fühlen? Ob wir vielleicht sogar irgendwann mit ihnen werden lachen können?
Werden wir gemeinsame Geschichten des Leids entdecken können – wohl ein bißchen unterschiedlich und doch einander ähnelnd, Geschichten darüber, was jenseits des Zauns geschehen ist und was hier bei uns? Wohin wird unsere Scham uns tragen und wohin vor allem die Verantwortung? Werden wir ihnen Empathie entgegenbringen können, so wie sie sie uns gegenüber zeigen werden? Und muß man überhaupt erst darauf warten, daß die andere Seite damit beginnt?
Seit längerem wieder einmal ein Hinweis zu den Möglichkeiten des Netzes: 1914-1918-online.net – Ein Projekt der Freien Universität Berlin / Friedrich-Meinecke-Institut (FMI)- hier ein Hinweis auf das Osmanische Reich …
„This article traces some of the uses of photography on the Ottoman fronts during the Great War. It explores images by native photographers from the empire’s various national communities and by European photographers at the front. It highlights three different types of photography: studio portrait images of soldiers and of social life at the time – a neglected theme of particular importance to social historians of war; the work of official, press, and resident photographers, often hired by the Ottoman armies to document notable events (e.g. visits of dignitaries); and, on the British side of the Egyptian-Palestinian front, images taken by soldier-photographers that documented war preparations and the activities of the officers.“
Können die Anschläge des 7. Oktober als „bewaffneter Widerstand“ gerechtfertigt werden? Sind zivile Opfer auf palästinensischer Seite legitime „Kollateralschäden“? Der deutsche Theoretiker Jens Balzer und der israelisch-jüdische Autor Dror Mischani sind zwei gewichtige Stimmen, die aus der intellektuellen Schwarz-Weiß-Malerei des letzten Jahres ausbrechen – der eine sehr politisch, der andere sehr persönlich.
während seit nunmehr einem Jahr Krieg um uns herrscht, während eine neue Offensive an unserer Nordgrenze vorbereitet wird, während die Vertriebenen auf beiden Seiten, die Geiseln und Opfer im Süden [Gazastreifen] ihrem Schicksal überlassen bleiben; während die rechts-extremistische Regierungskoalition ihre Macht wieder festigt; während die Regierung den Willen der Bevölkerung ignoriert und Situationen herbeiführt, die Vergeltung an ihren eigenen Bürgerinnen und Bürger einladen
scheint wenig zu sagen übrig zu bleiben.
Nichtsdestotrotz sind wir der Meinung, es ist Zeit, wieder unsere Stimme zu erheben und klar zu benennen, wo wir stehen.
Unsere politische Führung berauscht sich anscheinend an dem Amoklauf gegen die Hezbollah-Führung, bei dem der Tod unschuldiger Zivilisten in Kauf genommen wird. Sie wiederholt ihr Mantra. „Durch die Anwendung von Gewalt werden wir unsere Bürger:innen wieder nach Hause an der Nordgrenze unseres Landes bringen.“ Der Einmarsch in den Libanon hat jedoch zu mehr Toten geführt, zu mehr Vertriebenen nördlich der Grenze und zu mehr Bomben auf das Gebiet südlich der Grenze; zugleich trägt er kaum dazu bei, die Grenze zum Libanon für Israelis sicherer zu machen. Das Planziel ist nicht Frieden sondern eine „verbrannte Erde“-Politik im Gazastreifen und im Libanon.
Unsere Regierung kokettiert mit einem Krieg gegen den Iran; jede Aktion und Reaktion eskaliert die Lage. Uns wird gesagt, ein regionaler Krieg sei möglich. Ein solcher Krieg wird nicht eintreten, weil „jemand die Kontrolle über die Lage verloren hat“, sondern weil jemand von dem Gewaltausbruch profitiert, weil Leben billig geworden ist, und politische Macht teuer.
Wie in der Vergangenheit bringen solche Aktionen vielleicht vorübergehend Ruhe, doch sie nähren die Hass-Spirale.
Nur durch Friedensverhandlungen können wir tatsächlich sicher und vertrauensvoll in unserem Häusern leben. Gewalt löst unsere Probleme nicht; sie schützt keine Grenzen. Nur wenn alle Menschen hier das gleiche Recht haben, frei in ihrem Land zu leben, werden wir unser Leben wieder aufbauen können. Nur bei vollständiger Gleichberechtigung und Gerechtigkeit für alle in unserem eigenen Land können wir Anderen Ratschläge geben.
Es gibt sehr viel zu tun.
Hoffnung schöpfen wir aus Geschichten wie der von Jonathan Zeigen, dessen Mutter, unsere liebe Freundin Vivian Silver, im Oktober 2023 [von der Hamas] getötet wurde. Über seinen Weg zum Friedensaktivist wurde in der New York Times berichtet. Andere haben Vivians Aufruf zu handeln aufgenommen, einen Vivian-Silver-Friedenpreis gestiftet und geschworen, weiterhin „den Frieden zu erklären“ und nicht den Krieg.
Hoffnung gibt uns die große Zahl junger Menschen, darunter viele junge Bewohner aus unserem Dorf, die in verschiedenen Friedensorganisationen arbeiten.
Hoffnung geben uns die täglichen und wöchentlichen Proteste, u.a. an Kreuzungen überall im Land, seit ein Massenprotest in Tel Aviv wegen des Krieges verboten wurde.
Auch wenn wir aus dem Entscheidungsprozess ausgeschlossen sind, der über Tod und Leben von uns allen entscheidet – wir sind davon überzeugt, dass unsere Zeit kommen wird, und dass dann den Menschen zugehört wird.
Wir wünschen all denen, die das Jüdische Neujahr feiern, und uns allen miteinander ein Ende des Krieges und ein Jahr des Friedens.
Mit herzlichen Grüßen
Samah Salaime
… ist Leiterin des Öffentlichkeitsbüros von Neve Shalom – Wahat al-Salam, der Oase des Friedens.
Neue Ausstellung des Sudetendeutschen Museums vom 07.06. bis 27.10.2024
Der sudetendeutsche Unternehmer Oskar Schindler (1908–1974) aus Zwittau/Svitavy im mährischen Schönhengstgau rettete gemeinsam mit seiner Frau Emilie 1200 Juden vor den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten. Dieser Akt der Menschlichkeit und Zivilcourage wurde erst 1993 mit dem Spielfilm Schindlers Liste einer breiten Öffentlichkeit in der Welt bekannt.
Lebensstil und Lebenswandel Oskar Schindlers entsprechen nicht den allgemeinen Vorstellungen von einem Helden. Leichtfertiger Umgang mit Geld und mit Frauen, die Tätigkeit als Agent der Wehrmachtsspionage und als Kriegsgewinnler zeichnen eher das Bild eines charakterschwachen Menschen. Aber in den dunkelsten Stunden Europas während des zweiten Weltkrieges und der Schoah wurden aus dem Lebemann Schindler der Lebensretter Schindler und aus den Geretteten die „Schindlerjuden“.