„Israel hat das Recht, sich gegen den Terror der Hamas zu verteidigen. Die Freilassung der Geiseln und zielstrebige Verhandlungen über einen Waffenstillstand haben für uns oberste Priorität. Die Entwaffnung der Hamas ist unerlässlich. Die Hamas darf in der Zukunft von Gaza keine Rolle spielen.
Das in der vergangenen Nacht vom israelischen Sicherheitskabinett beschlossene, noch härtere militärische Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen lässt aus Sicht der Bundesregierung immer weniger erkennen, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Unter diesen Umständen genehmigt die Bundesregierung bis auf Weiteres keine Ausfuhren von Rüstungsgütern, die im Gazastreifen zum Einsatz kommen können.
Die Bundesregierung bleibt zutiefst besorgt über das fortdauernde Leid der Zivilbevölkerung im Gazastreifen. Mit der geplanten Offensive trägt die israelische Regierung noch stärker als bisher Verantwortung für deren Versorgung. Sie muss einen umfassenden Zugang für Hilfslieferungen ermöglichen, auch für UN-Organisationen und andere nicht-staatliche Institutionen. Israel muss nach den richtigen Schritten der letzten Tage die humanitäre Lage in Gaza weiter umfassend und nachhaltig verbessern.
Außerdem fordert die Bundesregierung die israelische Regierung dringend auf, keine weiteren Schritte hin zu einer Annexion des Westjordanlands zu unternehmen.“
Internationale Studie zeigt, wie Menschen in Europa die Rolle ihrer Bevölkerung in der NS-Zeit verklären
Ob in Belgien, Polen oder der Ukraine: Wenn es um die Rolle der eigenen Bevölkerung während der nationalsozialistischen Besatzung geht, sehen sich viele Menschen in Europa heute als Opfer – oder als Helden. Zu diesem Ergebnis kommt eine länderübergreifende Studie. An der der Studie zugrunde liegenden Online-Befragung beteiligten sich 5.474 Personen aus acht europäischen Ländern: Belgien, Frankreich, Litauen, Niederlande, Österreich, Polen, Ukraine und Ungarn.
Ob in Belgien, Polen oder der Ukraine: Wenn es um die Rolle der eigenen Bevölkerung während der nationalsozialistischen Besatzung geht, sehen sich viele Menschen in Europa heute als Opfer – oder als Helden. Zu diesem Ergebnis kommt eine länderübergreifende Studie unter Leitung von Drin. Fiona Kazarovytska von der Abteilung Sozial- und Rechtspsychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Die Ergebnisse veröffentlichte sie gemeinsam mit Prof. Dr. Roland Imhoff von der JGU und Prof. Dr. Gilad Hirschberger von der Reichman University in Israel im Fachjournal Political Psychology.
Im Rahmen der Studie führte das Team eine Online-Befragung mit 5.474 Personen aus acht europäischen Ländern durch: Belgien, Frankreich, Litauen, Niederlande, Österreich, Polen, Ukraine und Ungarn. Die Teilnehmenden wurden repräsentativ nach Alter und Geschlecht ausgewählt. Ziel war es herauszufinden, wie Menschen heute die Rolle ihrer eigenen Bevölkerung unter der NS-Besatzung erinnern. Dazu sollten sie auf einer Skala von 1 bis 7 angeben, wie sehr sie bestimmten Aussagen zustimmen – etwa „Die Menschen in meinem Land wurden verfolgt, weil sie Widerstand geleistet haben.“ oder „Die Bevölkerung hatte keine andere Wahl, als mit den Nazis zu kooperieren.“
Einheitliches Erinnerungsmuster über Ländergrenzen hinweg
„Trotz historischer Unterschiede zeigt sich in allen Ländern ein bemerkenswert ähnliches Bild“, erklärt Dr. Fiona Kazarovytska. „Die Menschen tendieren dazu, ihre eigene Bevölkerung als ‚Opfer-Helden‘ wahrzunehmen – also als solche, die unter den Nazis gelitten und zugleich mutig Widerstand geleistet haben.“ Auch die Vorstellung, daß man:frau aus Angst oder unter Zwang mit dem NS-Regime kollaborierte, ist weit verbreitet.
Dabei ist es historisch belegt, daß in vielen Ländern Regierungen oder Teile der Bevölkerung aktiv mit den deutschen Besatzern zusammenarbeiteten – sei es durch bürokratische Unterstützung bei Deportationen, durch eigene antisemitische Gesetzgebung oder durch direkte Beteiligung an Gewaltakten. Die bewußte, ideologisch motivierte Kollaboration sei jedoch in allen Ländern im Erinnern deutlich weniger präsent als Opferschaft und Heldentum.
Die Studie ist die erste ihrer Art, die systematisch und empirisch untersucht, wie Bürgerinnen und Bürger in acht europäischen Ländern moralisch auf die Rolle ihrer eigenen Bevölkerung während der NS-Zeit zurückblicken. Damit rückt diese Studie die subjektive Wahrnehmung der breiten Bevölkerung in den Mittelpunkt. Der Fokus auf moralische Selbstverortung und nationale Identifikation erlaubt dabei neue Einblicke in die psychologischen Mechanismen kollektiver Erinnerung – jenseits offizieller Geschichtspolitik.
Ähnliche psychologische Muster wie die Tendenz zur moralischen Entlastung durch Betonung von Zwang oder Widerstand sind für die deutsche Bevölkerung durch frühere Studien gut belegt. Die neue Untersuchung zeigt nun, daß sich vergleichbare Formen kollektiver Selbstverklärung auch in anderen europäischen Gesellschaften finden, obwohl deren historische Rollen sehr unterschiedlich waren.
Selbstverklärung als Schutz der nationalen Identität
Daß viele Menschen die Rolle ihrer Vorfahren positiv darstellen, hat psychologische Gründe. „Das dient dem Schutz der eigenen nationalen Identität“, erklärt Kazarovytska. Wer sich mit der eigenen Geschichte konfrontiert sieht, stehe oft vor einer psychologischen Herausforderung. „Schuld oder Mitverantwortung anzuerkennen ist etwas, das schwer mit einem positiven Selbstbild vereinbar ist.“ Stattdessen griffen viele auf narrative Strategien zurück, die moralische Ambivalenz ausblenden und die Vergangenheit in ein günstigeres Licht rücken.
Die Ergebnisse der Studie werfen ein neues Licht auf nationale Erinnerungskulturen und ihre psychologischen Mechanismen. Sie zeigen, wie stark das Bedürfnis nach einer positiven kollektiven Identität die Wahrnehmung der Vergangenheit prägt – selbst dann, wenn sie von historischen Fakten abweicht.
As Israel obliterates Gaza with Berlin’s backing, German public support is plummeting. Yet the government is crushing dissent and refusing to change course — all in the name of atoning for Germany’s own genocidal history.
Jüdisch-arabische Berührungen – Herausgegeben von Anika Reichwald im Namen des Jüdischen Museums Hohenems (Online-Katalog)
Redaktion: Dinah Ehrenfreund, Hanno Loewy Übersetzungen: Kirsten Lehmann, Lilian Dombrowski Gestaltung: Thomas Matt Fotos: Dietmar Walser, Thomas Matt / ISBN 978-3-200-10568-3
Die Geschichte arabisch-jüdischer Lebenswelten reicht Jahr- hunderte zurück, bis in die präislamischen Stammesgesell-schaften Arabiens. Eine lange und widersprüchliche Beziehungsgeschichte – mal romantisiert, mal vergessen, verdrängt und dämonisiert – gibt es zu entdecken: jüdisches Leben unter islamischer Herrschaft über die heutigen arabischen Länder und die Iberische Halbinsel (al-Andalus), im Osmanischen Reich oder unter dem Einfluß europäischer Kolonialinteressen.
Yalla. Arabisch-jüdische Berührungen lädt ein zur Erkundung unvertrauter, widersprüchlicher Identitäten. Und leistet einen bescheidenen Beitrag dazu, auf das Begehren nach Eindeutigkeit mit Ironie und Offenheit zu reagieren – sei es in den Auseinandersetzungen um Zugehörigkeit und Abgrenzung in Europa, sei es im Blick auf den scheinbar so unlösbaren Konflikt an der Schnittstelle zwischen Europa, Asien und Afrika, dessen tragische Radikalisierung der Gewalt und der gegenseitigen Auslöschungsfantasien uns jeden Tag mehr beunruhigt. (Hanno Loewy im Vorwort)
Einleitung: Hanno Loewy Texte zur Ausstellung: Anika Reichwald Mit Essays von: Lital Levy „Arabische Juden im Maschrek. Zur Historisierung eines Konzepts“ Emily Benichou „Gottreich Arabische Juden im Maghreb. Zur Historisierung eines Konzepts“ Mati Shemoelof „Fragen (nach) einer arabisch-jüdischen Diaspora“
Online-Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Jüdischen Museum Hohenems, 29. September 2024 bis 05. Oktober 2025. Dank großzügiger Förderung durch die Stiftung Irène Bollag-Herzheimer, Basel.
„Der palästinensische Aktivist Odeh Hadalin wurde Augenzeugen und Medienberichten zufolge von einem israelischen Siedler angeschossen und schwer am Oberkörper verletzt. Im Krankenhaus im israelischen Beersheva erlag er seinen Verletzungen.“
Ein Bericht von Judith Poppe in der taz und ein Beitrag von Yuval Abraham (Regisseur von No other Land, an dessen Entstehung Odeh Hadalin beteiligt war).
Nachtrag 2. August 2025: Ein Nachruf auf Holy Land Trust:
As a binational movement of Palestinians and Israelis committed to nonviolence and equality, Combatants for Peace issues this urgent statement in light of the deepening humanitarian and political crisis across Gaza and the West Bank:
In response to the continued policy of starvation in Gaza and the accelerating ethnic cleansing of Palestinian communities in the West Bank, we are compelled to speak clearly: this is genocide – and it must be stopped.
We do not use this word lightly. As outlined in B’Tselem’s recent report, “Our Genocide” what we are witnessing is not simply a failure to protect civilian life – it is the deliberate, state-enabled destruction of it.
In Gaza, more than 60,000 people have been killed, including thousands of children. Families are dying of hunger, and entire neighborhoods have been reduced to rubble. Israel has systematically and deliberately destroyed over 70% of Gaza’s buildings, damaged or destroyed 94% of hospitals, and wiped out 89% of schools. Aid is obstructed, water is cut off, and civilians are being shot as they attempt to reach food. This is not a natural disaster – it is a deliberate policy choice aimed at destroying the conditions for civilian life.
In the West Bank restrictions on movement have worsened dramatically, with checkpoints multiplying, roads closed without notice, and entire villages cut off from hospitals, schools and markets – all while entire rural Palestinian communities are being displaced by armed settlers and military units working in tandem. In the Jordan Valley, South Hebron Hills, and northern districts, homes have been torched, water sources poisoned, livestock killed, and people forced to flee. Just last night, Awdah Hathaleen – a well-known and loved community activist from Umm al-Khair – was shot and killed in yet another murderous settler attack. Weeks earlier, Sayfollah Musallet was beaten to death in the village of Sinjil while defending his family’s land from encroaching settlers. These are not isolated acts. They are part of a clear and documented strategy to remove Palestinians from their land – what international law recognizes as ethnic cleansing.
We also recognize the pain and anguish of Israeli families whose loved ones remain held hostage in Gaza. These hostages must be returned unharmed now – or, where necessary, given a respectful burial. Their immense suffering cannot be ignored. But it also cannot justify the starvation and mass killing of an entire civilian population.
At the same time, thousands of Palestinian political prisoners remain imprisoned in Israeli jails, held in inhumane and degrading conditions. Many have endured years without trial, in solitary confinement, or denied access to legal recourse. Their release must be part of any just and lasting political resolution.
Any meaningful path toward peace must confront the full scope of human rights violations in this conflict – including the systemic use of unlawful detention and collective punishment against Palestinians, and the ongoing trauma, insecurity, and targeting of civilians experienced by Israelis. Justice must be extended to all who live here, without exception.
As Palestinians and Israelis who have chosen to walk the path of nonviolence – even in a time of war – we call on all people of conscience, within our societies and beyond them, to speak out. To act. To refuse complicity, and to reject the lies that tell us there is no other way.
We remain committed to peace, to nonviolence, and to each other.
This commitment is rooted in the belief that the occupation must end, and that justice is not a dream – it is a requirement. Only then can we begin to repair what has been broken – and begin to build the future we know is possible: a future where Palestinians and Israelis live in freedom and equality, guided by a shared commitment to nonviolence and humanity.