… der mit der Mundharmonika…

Reuven Moskovitz2

Ein Kirchentag, ein Katholikentag ohne ihn? Viele Jahre gar nicht zu denken, wer an Nahost, an Israel und Palästina interessiert war. Als Sandwich-Plakat eine Minidemonstration vor den großen Foren oder unterwegs auf dem Markt der Möglichkeiten. Und wer in als Reisebegleiter erlebt hat, den kleinen Mann voller Energie und Kraft, wird bleibende Eindrücke mit nach Hause genommen haben…

Am 4. August 2017 ist er in Jerusalem gestorben: Reuven (Ruben) Moskovits. Am 27. Oktober 1928 im rumänischen Schtetl Frumușica geboren, blieb mit ihm immer etwas von dessen Geist am Leben, nicht nur, wenn er zu seiner Geige griff. 2003 erhielt er den Aachener Friedenspreis, eine Auszeichnung aus den Reihen der Friedensbewegung in unserem Land, der er immer verbunden war. Ich erinnere mich an einen Begegnung mit ihm, ganz kurz nach den Angriffen Saddam Hussein auf Israel, als eine Delegation der deutschen Friedensbewegung nicht gerade mit offenen Armen in Israel empfangen wurde… Aber Reuven blieb sich treu, er forderte von „den“ Deutschen den Mut zur Versöhnung, zwischen Deutschen und Juden, wenn dieses Begriffspaar hier einmal erlaubt ist, aber er forderte auch die deutsche Unterstützung und das mutige Worte (- und auch die Tat) für die Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern. Mehr Mut, mehr Vertrauen in das Wort, daran hielt er fest. Ausgezeichnet mit dem AMOS-Preis (2011) der Offenen Kirche und dem Mount Zion Award (2001) der Jerusalemer Dormitio-Abtei ist er in der Stadt der Friedens, die noch so weit vom irdischen Frieden entfernt zu sein scheint, gestorben, begraben wurde er auf dem Friedhof von Neve Shalom/Wahat as-Salam, nahe bei dem Dominikaner Bruno Hussar (1911-1996), mit dem er einst das Dorf begründete und das er Zeit seines Lebens unterstützt hat.

Ein langes Leben, über all die Brüche des 20. Jahrhunderts hinweg, ist zu Ende gegangen. Was bleibt ist das Vermächtnis eines Lebens gegen die Gewalt und für eine Alternative: „Frieden muß doch möglich sein“.

Rainer Zimmer-Winkel

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(Photos: H. Schmitz, Viersen)

Eine Zukunft für die Gewaltfreiheit?

Ein lesenswerter Artikel in der US-amerikanisch-jüdischen Zeitung Forward aus der Feder von Issa Amro, einem palästinensischen Aktivisten aus Hebron/al-Khalil – auch eine Sicht auf die Ereignisse der letzten Tage in der Altstadt von Jerusalem..

Our prayers in the street, met with massive force and violence by the Israeli military, are not only religious practice. They are civil disobedience, a show of nonviolent force. They represent a refusal to cooperate with a system that subjugates, oppresses and controls every aspect of our lives…

Weiterlesen „Eine Zukunft für die Gewaltfreiheit?“

Steigende Spannungen um die ‚Holy Esplanade‘

Mit Blick auf die sich weiter steigenden Spannungen um die ‚Holy Esplanade‘ in der Altstadt und das bevorstehende Freitagsgebet, das zweite seit dem Beginn der Spannungen, sei das Statement von Ir Amim zur Lektüre empfohlen.

Besonders der Satz

What is important to underscore is that perception matters and all events that happen on the Temple Mount / Haram al-Sharif will be seen through the political lenses of the multiple parties involved.

sollte den politisch Verantwortlichen einleuchten.

http://messages.responder.co.il/2660335/82465888/7649373d51a0e5b181dd82c2781a7336

‚Game Changer?‘ Naomi Chazan über die Wahl von Avi Gabbay

Neben den seit Tagen andauernden Unruhen und den ‚Status Quo‘ in der Jerusalemer Altstadt (siehe israel & palästina I 2016) ist die Nachricht über den Ausgang der parteinternen Wahlen der israelischen Arbeitspartei hierzulande ziemlich untergegangen. Naomi Chazan legt in ihrem Blogeintrag für die Times of Israel eine lesenswerte Analyse zur Wahl des ‚Außenseiters‘ und Neulings in der Partei, Avi Gabbay, vor.

Das Kalenderblatt im Juli 2017

An dieser Stelle präsentieren wir zu jedem Monatsanfang ein neues Kalenderblatt aus dem diAk-Kalender für das Jahr 2017 (erschienen als Ausgabe IV/2016) – mit vielen Photos und Geschichten zu den Personen und Projekten hinter der Initiative Combatants for Peace. Das Kalenderblatt im Juni erzählt von Ahmad, ein ehemaliges Mitglied der lokalen Hamas-Bewegung und Rettungssanitäter, der trotz schmerzvollen Erfahrungen und Verlusten bis heute daran glaubt, daß ein Dialog mit den Israelis der einzige Weg ist, die Besatzung zu beenden und in Frieden zu leben.

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Jetzt lieferbar: 100 Dokumente aus 100 Jahren

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100 Dokumente aus 100 Jahren
Teilungspläne, Regelungsoptionen und Friedensinitiativen im israelisch-palästinensischen Konflikt (1917-2017).

Herausgegeben von Angelika Timm

Buchvorstellung am 3. Juli in der Heinrich Böll Stiftung in Berlin und am 10. Juli im Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam. Ab dem früheren Herbst werden auch in Südwestdeutschland (Heidelberg, Kaiserslautern, Mainz u.a.) Buchvorstellungen mit der Herausgeberin stattfinden.

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Erstmals in kommentierter Gesamtschau – die wichtigsten ‚Palästina-Papiere‘ der vergangenen 100 Jahre: Positionsbestimmungen internationaler Mächte und Organisationen bzw. israelischer, arabischer und palästinensischer Akteure sowie binationale israelisch-palästinensische Friedensinitiativen, unterlegt durch themenrelevantes Kartenmaterial.


 

 

 

 


Hier ein paar Eindrücke unserer gutbesuchten Buchvorstellung in der Heinrich Böll Stiftung Berlin am 3. Juli 2017 mit der Herausgeberin Angelika Timm und Christian Sterzing, moderiert von Marianne Zepp.

1967 – Jahr der Entscheidung

Die Deutung der Folgen von 1967, den Beginn der Besatzung der Westbank durch Israel, ist im Jubiläumsjahr höchst umstritten. Noam Sheizaf, Blogger und freier Journalist bei zahlreichen israelischen Zeitungen, u.a. auch bei Ma’ariv und Ha’aretz, greift die zeitgenössische Debatte auf. Er stellt zwei offene Briefe gegeneinander und zeigt, daß eine marginalisierte linke Minderheit bereits bei der Besetzung 1967 die Konsequenzen dieser Entscheidung erkannte. Er argumentiert, daß von Anfang an offizielle Stellen in Israel keine Verantwortung für die dort lebende Bevölkerung übernahmen und als einzige Maßnahme nur die Unterdrückung der Palästinenser kannten und kennen.“

Der englische Text erschien am 26. Mai 2017 in Ha’aretz und ist hier als PDF einsehbar.

Neueste Stimmen in der Debatte zur Dokumentation »Auserwählt und ausgegrenzt«

Am Mittwoch, 21. Juni, wurde die Dokumentation »Auserwählt und ausgegrenzt« nun in der ARD um 22.15 Uhr ausgestrahlt, gefolgt von einer Diskussionssendung zum Thema. Der TV-Sender ARTE hatte die Sendung zusammen mit dem WDR in Auftrag gegeben, diese jedoch aus Qualitätsgründen abgelehnt,

„da entgegen dem Auftrag der Fokus nicht auf europäische Länder sondern auf den Nahen Osten gerichtet wurde“.

Nachdem die ARD beschloß, die Sendung dennoch auszustrahlen, übernahm ARTE die Sendung und sendete diese zeitversetzt, um 23 Uhr, ebenfalls mit anschließender Diskussion.

Hier noch einige Nachträge zu der Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“:

Süddeutsche, 27.6.2017: Woher kommt der Hass auf Juden? Antisemitismusforscher Wolfgang Benz über die Verbreitung judenfeindlicher Vorurteile in der islamischen Welt. Interview von Benedikt Herber: „Der islamische Antisemitismus ist ein Import aus Europa“

Shimon Stein und Moshe Zimmermann, DIE ZEIT Online, 26.6.2017: Dieser Feind steht rechts

Götz Aly, Berliner Zeitung, 26.6.2017: Juden, Schwatzwutz, WDR und Faktencheck

Wolfgang Benz, Der Freitag, 26.6.2017: Judenfeindschaft als Spektakel

Josef Schuster, Tagesspiegel, 23.6.2017: Ruch des Unseriösen

Jürg Altwegg, FAZ, 23.6.2017: Arte-Doku in Frankreich. Antisemitismus mit Ansage

NDR.de, 22.6.2017: „Die Polemik hilft uns nicht weiter“. Interview mit Sylke Tempel

Sarah Stricker, Cicero Online, 20.6.2017: Das Geschenk des Zweifels

 

Weitere ausgewählte Stimmen in der Debatte:

Gewohnt scharf und polemisch die Äußerungen von Ludwig Watzal:  http://der-semit.de/auserwaehlt-und-ausgegrenzt-der-hass-auf-juden-in-europa-ein-machwerk/

B’Tselem, 20.6.2017: Lies and misrepresentation in “Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa”

Spiegel Online, 20.6.2017: Arte zeigt nun doch Antisemitismus-Film

Jüdische Allgemeine, 18.6.2017: ARD zeigt umstrittene Arte-Dokumentation über Antisemitismus

Offener Brief zur Ausstrahlung der Dokumentation: „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“, 15.6.2017

Ayala Goldman, Jüdische Allgemeine, 15.6.2017: »Der Film war zu unbequem«. Ahmad Mansour über die Gründe, warum die Arte-Dokumentation über Antisemitismus nicht gesendet wird

Peter Kapern, Deutschlandfunk, 15.6.2017: Polemik statt Fakten

JTA, Forward, . 8.6.2017: French-German TV Channel Under Fire For Canceling Anti-Semitism Documentary

ARTE, 7.6.2017: Brief an den Zentralrat der Juden in Deutschland

Erste und weitere Stimmen zur Dokumentation »Auserwählt und ausgegrenzt«

Update: Am Mittwoch, 21. Juni, wird die Dokumentation nun in der ARD um 22.15 Uhr ausgestrahlt, gefolgt von einer Diskussionssendung zum Thema. Nun hat sich ARTE entschlossen, dennoch die Sendung von der ARD zu übernehmen und diese zeitversetzt, um 23 Uhr, zu senden, ebenfalls mit anschließender Diskussion.

 

Weitere Stimmen in der Debatte:

https://www.youtube.com/watch?v=S8zuk8QCXKs

Gemma Pörzgen im Gespräch mit Peter Kapern, Deutschlandfunk, 15.6.2017: „Er hat eine sehr klare propagandistische Linie“

Mirna Funk, ZEIT ONLINE, 14.6.2017: Antisemitismus? Gibt es nicht!

Antisemitismus wird in Deutschland beschönigt: als Satire oder Israelkritik. Dass die Dokumentation „Ausgewählt und Ausgegrenzt“ nicht gezeigt wird, hat andere Gründe.

Markus Ehrenberg und Joachim Huber, Tagesspiegel, 14.6.2017: 200.000 sehen umstrittene Antisemitismus-Doku

Arte wollte die Doku „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ nicht zeigen. „Bild“ übernahm den Film einfach online. Rechtliche Konsequenzen muss der Springer-Verlag offenbar nicht fürchten.

Arno Frank, Spiegel Online, 14.6.2017: TV-Dokumentation zu Antisemitismus. Mit Elan ins Minenfeld

Übten Arte und WDR Zensur, als sie entschieden, eine Dokumentation über Antisemitismus nicht auszustrahlen? Kaum – der Film hat schlicht handwerkliche Mängel. Die Lösung von Bild.de, ihn unfertig doch zu zeigen, ist keine.

Brot für die Welt, 13.6.2017: Stellungnahme Brot für die Welt zur Berichterstattung der BILD Zeitung, 13.06.2017

ARTE, 13.6.2017: Pressestatement zur Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“

Marie Schmidt, ZEIT ONLINE, 13.6.2017: „Es gab nur Gerüchte“. Ein Gespräch mit dem Filmemacher Joachim Schröder, dessen Dokumentation über Antisemitismus das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht senden will

ZEIT ONLINE, 13.6.2017: Filmemacher Joachim Schröder wehrt sich gegen Arte und WDR

René Martens, taz, 11.6.2017: Zensur einer Antisemitismus-Doku. Wehrhafte Juden sieht man nicht gern

Richard Herzinger, Die Welt, 10.6.2017: So ist die Doku, die von Arte zurückgehalten wird

Michael Hanfeld, FAZ, 7.6.2017: Arte und WDR gehen in Deckung


Zur Dokumentation »Auserwählt und ausgegrenzt«, die eine deutsches Boulevardblatt am 14. Juni 24 Stunden online zugänglich gemacht hat, nachdem die Ausstrahlung bei ARTE abgelehnt worden war, fünf erste Stimmen:

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1054225.ein-kaum-zu-ueberbietendes-zerrbild-vom-nahostkonflikt.html564203382

https://www.jrbernstein.de/blog-1/2017/6/15/journalismus-oder-propaganda

https://deutsch.rt.com/gesellschaft/52352-wirbel-um-arte-doku-wenn-antideutsche-ueber-antisemiten-berichten/

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/28823

https://www.journal21.ch/ausstrahlungsverweigerung

Veranstaltungshinweis: Der 1967-Krieg, 50 Jahre danach: Die deutsche Perspektive

Gerne weisen wir auf folgende Veranstaltung des New Israel Fund Deutschland hin. Zeit und Ort: Dienstag, 20. Juni, 19:00 im Roten Rathaus Berlin.

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Der 1967-Krieg, 50 Jahre danach: Die deutsche Perspektive

Eine Veranstaltung des New Israel Fund Deutschland in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Berlin
Dienstag, 20. Juni 2017, 19:00 Uhr (Einlass: 18:00 Uhr), Großer Saal, Rotes Rathaus Berlin

Die Veränderungen des Juni 1967 prägen den Nahen Osten bis auf den heutigen Tag. Nachdem das Westjordanland und Ostjerusalem im Zuge des Sechs-Tage-Kriegs von Israel erobert wurden, befindet sich das Land in einer mittlerweile 50jährigen, völlig erstarrten Realität – geprägt von Gewalt und immer wieder scheiternden Friedensbemühungen auf beiden Seiten. Diese Realität wird zunehmend auch zum zentralen Gegenstand der deutsch-israelischen Beziehungen.
Welchen Einfluss hat der Krieg auf die israelische Zivilgesellschaft, deren Sicherheit laut Angela Merkel „zur deutschen Staatsräson“ gehört? Wie gehen Politik, Medien und Zivilgesellschaft in Deutschland mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt um? Darf die Bundesrepublik sich vor dem Hintergrund der deutsch-jüdischen Vergangenheit einmischen – oder ist es nicht sogar vielmehr ihre Pflicht, gerade aufgrund dieser Vergangenheit?
Anlässlich des 50. Jahrestages des Krieges lädt der New Israel Fund-Deutschland (NIF) in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Berlin in das Berliner Rathaus am 20. Juni ein, um diese und weitere Fragen anzugehen. Der NIF ist die führende israelische Organisation zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten in Israel und ist seit 2014 auch in Deutschland vertreten.

Der Eintritt ist frei.
Um Anmeldung wird gebeten unter diesem LINK oder per Mail an koordinator@nif-deutschland.de

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