Call for Papers

israel & palästina – Zeitschrift für Dialog  3-2023

Thema: Spaltungen, Erosionen und Konflikte in der israelischen Gesellschaft oder Wie alles gekommen ist. 

Israel sei ein tief gespaltenes Land, ist zur Zeit fast täglich in Medien zu lesen und zu hören. Tatsächlich gehen tiefe Risse durch Israels Gesellschaft: die einen sind für, die anderen gegen die aktuelle Regierung und deren Justizreform. In dieser Debatte werden alle Widersprüche, Spaltungen und Missstände wiederbelebt: Links gegen Rechts, Religiöse gegen Säkulare, Zentrum gegen Peripherie. 

Bereits die Entstehungsgeschichte des israelischen Staates ist voller Dynamiken und Konflikte. Das Verhältnis von Religion, Ethnie und Politik bleibt seit der Staatsgründung ungelöst und führt seit mehr als 75 Jahren immer wieder zu Spannungen zwischen der Idee eines demokratischen Staates aller Bürger:innen und der einer Heimstatt (und Privilegierung) des jüdischen Volkes. 

Dabei spielt die Frage des Zionismus eine zentrale Rolle: von der Nationalbewegung einer Minderheit wurde er zu einer Staatsideologie, die heute in verschiedenen Varianten vorzufinden ist. Der nationalreligiöse Zionismus,  wie er sich in der jüngeren Geschichte Israels entwickelt hat, dient als Begründung für die Expansions- und Siedlungsbewegung in den besetzten Palästinensischen Gebieten. Gleichzeitig fordern Postzionisten die Überwindung der Verkoppelung von Staat und Religion und die Forderung nach einem liberalen, säkularen Staat.

Der Status der nicht-jüdischen Minderheiten wurde nie endgültig gelöst und ist in den letzten Jahren immer weiter beschnitten worden. Zuletzt entluden sich die Konflikte zwischen Palästinenser*innen mit israelischer Staatsbürgerschaft und rechten jüdischen Israelis bei den sogenannten Mai-Unruhen 2021 im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um Sheikh Jarrah, Ausschreitungen während des Ramadan auf dem Tempelberg/Haram as-Sharif und der Altstadt Jerusalems sowie des Krieges im Gazastreifen. Während der Ausschreitungen zwischen jüdischen und palästinensischen Israelis in israelischen Städten kamen Siedler*innen, insbesondere die sogenannten Hilltop-Youth, vielfach ins israelische Kernland, worin einige Beobachter eine neue Dimension der Eskalation und die Gefahr eines Bürgerkrieges sahen.

Die letzte Episode der Spaltung stellt die Radikalisierung nach der letzten Wahl dar: radikalisierter, religiös begründeter Nationalismus, deren Vertreter heute die Regierung stellen, läßt die Gewalt besonders durch die Siedler auf ein bisher nicht gekanntes Maß anwachsen. Die Justizreform ist der Ausdruck einer Abkehr von den demokratischen und liberalen Elementen des Staates und seinem Kennzeichen der Gewaltenteilung. Zugleich ist dies der Katalysator des Bruches zwischen dem rechten Lager und dem liberal-säkularen Mitte-links Spektrum. Diese Spaltung geht soweit, dass mittlerweile vor der Gefahr einen Bürgerkrieges gewarnt wird.

Steht Israel also vor der endgültigen Spaltung? 

Bedeutet diese Politik und ihre Auswirkungen eine Abkehr von dem historischen Kompromiss zwischen demokratischer Ordnung und jüdischem Staat? Steht Israel vor einer endgültigen Übernahme durch rechtsextreme Kräfte und was würde das für die Minderheiten in Israel/Palästina bedeuten? 

Die Vertreter dieser auch als Neozionismus bezeichneten Neuinterpretation des Staates fordern u.a. die Annexion der palästinensischen Gebiete und die gewaltsame Unterdrückung und Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung. Diese Politik würde das Ende der völkerrechtlich legitimierten und nach UN-Mehrheitsbeschluss festgelegten Teilung und der Forderung des Aufbaus zweier Nationalstaaten bedeuten.  

Themenschwerpunkte für Beiträge: 

  • Ursprünge und Traditionen der zionistischen Bewegung als Nationalbewegung
  • Die Voraussetzungen und Bedingungen der Staatsgründung 1948
  • Geschichte der Friedensbewegungen, Ansätze zur Konfliktlösung 
  • Aushandlung von Minderheitenrechten in der Geschichte des Landes 
  • Was eint bzw. trennt die Protestbewegung?
  • Was ist Neozionismus? 

Call for Papers

Für das Heft 3/2023 suchen wir Beiträge zu den oben genannten Themen. Artikel mit einem Umfang von höchsten 10.000 Zeichen (5 Seiten), 12, Times new roman, 1,5 Zeilen, Harvard Referencing können bis zum 15. Oktober 2023 per E-Mail an redaktion@diak.org eingereicht werden. Bitte fügen Sie auch einen Kurzlebenslauf bei.

Gerne können auch bereits erschienene, gekürzte oder überarbeitete Beiträge eingereicht werden.

Interessierte sind herzlich eingeladen, vor einer Einreichung die Redaktion zu kontaktieren, um sich über die geplante Einreichung abzustimmen. Die Redaktion behält sich vor, nach einem Review-Prozess Beiträge auszuwählen oder abzulehnen.

Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

israel & palästina – Zeitschrift für Dialog

israel & palästina – Zeitschrift für Dialog oder kurz i & p ist das Mitgliedermagazin des diAk – Israel ■ Palästina ■ Deutschland — zusammen denken. Jede der quartalsweise erscheinenden Zeitschrift hat ein Schwerpunkthema und informiert umfassend über neue Entwicklungen in Israel und Palästina. Die Themen reichen von Frieden und Konflikt, über Politik, Kultur, Gesellschaft bis Religion. Die Beiträge, Analysen, Rezensionen und Originaldokumente lassen verschiedene Stimmen aus der Region und Deutschland zu Wort kommen, sodass ein multiperspektivisches Bild entsteht. Damit sollen vor allem konstruktive Debattenanstöße für eine deutschsprachige Leserschaft ermöglicht werden. Ebenso sollen komplexe Themen fundiert und verständlich für ein breites Publikum vermittelt werden. Das i & p Magazin fungiert somit als Medium zwischen Fachreisen, politischer Bildung und breiter Öffentlichkeit.

Die Hefte haben einen Umfang von ca. 80 Seiten und erscheinen seit 2013 im AphorismA Verlag. Das erste Heft hat der diAk 1983 herausgegeben.

Yechiel Weizman: Unsettled Heritage

Ausführliche Besprechung des 2022 in der Ithaka-Press erschienen Bandes über das polnische Erbe seiner jüdischen Geschichte von Zuzanna Dziuban (Institute of Culture Studies and Theater History, Austrian Academy of Sciences). (H-Soz-Kult)

Zuzanna Dziuban: Rezension zu: Weizman, Yechiel: Unsettled Heritage. Living next to Poland’s Material Jewish Traces after the Holocaust. Ithaca 2022 , ISBN 9781501761744

In: H-Soz-Kult, 15.08.2023, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-118377>.

Über Kriegsverbrechen zueinander gefunden

Ein Bericht von Christoph Renzikowski/KNA, zu finden auf der Seite des Paulinus.

Wer würde keinen offenen, freien Nahen Osten wollen …

wo man:frau mit dem Zug von Istanbul nach Riad oder Jiddah fahren kann und einen Abstecher nach Beirut und Haifa macht …

Die ([ver]öffentlichten) Debatten um eine mögliche Annäherung zwischen Israel und Saudi Arabien im Rahmen der sog. ‚Abraham Accords‘ nehmen zu, zwischen Washington, Tel Aviv und Riad reisen die Emmissäre – mit welchem Ergebnis auch immer, auch für Palästinenser:innen…

Hier ein Beitrag von Dana El Kurd zum Thema auf der Plattform +972mag.

Fromm und gegen die Besatzung?!

This week’s guest is Mikhael Manekin. Mikhael is an anti-occupation activist, Director of the Alliance Fellowship, and an Orthodox religious Jew living in Jerusalem. The narrative around the fight for Israel’s values – within the Jewish community –  is often told as one with a stark divide: where “Secular Left” faces off against “Religious Right“. And it’s true that, oftentimes religious observance and right wing politics in Israel do go hand in hand. But Mikhael challenges that narrative. In this episode, we talk to Mikael about how the religious community fits into the struggle to end the occupation, the struggle for peace, equality, and justice.

Und was läßt sich bei uns zum ‚Elephanten im Raum‘ sagen?

[….] „Es hilft auch nicht, sich hinter Aussagen von Juden/Jüdinnen zu verstecken. Zu glauben, nur Juden dürften Israels Politik kritisieren, wäre seltsam identitär. Und um zu erahnen, wie die Ku-Klux-Klan-Gestalten in Netanjahus Koalition die humanistischen Traditionen des Judentums beleidigen, muss ich nicht Jüdin sein. So wie es der Aufklärung dienen kann, gegen reaktionären Islamismus progressive muslimische Stimmen zu zitieren, lassen sich gegen den Ethnonationalismus jüdische Antipoden anführen.
Doch enthebt einen dies eben nicht davon, eine eigene Position zu beziehen. Die sollte, vom Deutschen aus, stets die Geschichte im Blick haben, auch den heutigen Antisemitismus. Gleichgültigkeit und Wegsehen lassen sich indes nicht mit dem Holocaust begründen.“

Beitrag von Wolfgang Iro in der Frankfurter Rundschau: Die Diskussionskultur hierzulande über Antisemitismus verweigert sich der Realität in Israel und den besetzten Gebieten.

Der Elephant im Raum

„Elephant in the Room“ – so lautet der Titel eines Manifests, das aus den USA kommt. Aktuell (17.8.23) haben 1.719 überwiegend jüdische Wissenschafter:innen sich der Erklärung angeschlossen.

We, academics and other public figures from Israel/Palestine and abroad, call attention to the direct link between Israel’s recent attack on the judiciary and its illegal occupation of millions of Palestinians in the Occupied Palestinian Territories. Palestinian people lack almost all basic rights, including the right to vote and protest. They face constant violence: this year alone, Israeli forces have killed over 190 Palestinians in the West Bank and Gaza and demolished over 590 structures. Settler vigilantes burn, loot, and kill with impunity.

Without equal rights for all, whether in one state, two states, or in some other political framework, there is always a danger of dictatorship. There cannot be democracy for Jews in Israel as long as Palestinians live under a regime of apartheid, as Israeli legal experts have described it. Indeed, the ultimate purpose of the judicial overhaul is to tighten restrictions on Gaza, deprive Palestinians of equal rights both beyond the Green Line and within it, annex more land, and ethnically cleanse all territories under Israeli rule of their Palestinian population. The problems did not start with the current radical government: Jewish supremacism has been growing for years and was enshrined in law by the 2018 Nation State Law.

American Jews have long been at the forefront of social justice causes, from racial equality to abortion rights, but have paid insufficient attention to the elephant in the room: Israel’s long-standing occupation that, we repeat, has yielded a regime of apartheid. As Israel has grown more right-wing and come under the spell of the current government’s messianic, homophobic, and misogynistic agenda, young American Jews have grown more and more alienated from it. Meanwhile, American Jewish billionaire funders help support the Israeli far right. 

In this moment of urgency and also possibility for change, we call on leaders of North American Jewry – foundation leaders, scholars, rabbis, educators – to

  1. Support the Israeli protest movement, yet call on it to embrace equality for Jews and Palestinians within the Green Line and in the OPT. 
  2. Support human rights organizations which defend Palestinians and provide real-time information on the lived reality of occupation and apartheid.
  3. Commit to overhaul educational norms and curricula for Jewish children and youth in order to provide a more honest appraisal of Israel’s past and present.
  4. Demand from elected leaders in the United States that they help end the occupation, restrict American military aid from being used in the Occupied Palestinian Territories, and end Israeli impunity in the UN and other international organizations.

No more silence. The time to act is now.

Die aktuelle Liste der Unterzeichnenden findet sich online.

Wie ein jüdisches Konsortium versucht, den Schocken-Verlag zurückzukaufen

Am Anfang der Initiative, die von dem Pulitzerpreisträger Joshua Cohen („Die Netanyahus“) angestoßen wurde, steht die Erkenntnis, daß das US-amerikanische Verlagswesen von alten, weißen Männern aufgebaut wurde, allerdings mit dem Zusatz, daß es Juden deutscher Herkunft waren, die, zumeist in der zweiten Generation, die Verlage mit dem Geld aufbauten, das ihre geflüchteten Eltern mit kleinen Gemischtwarenläden in Brooklyn verdient hatten.

Sie trugen damit in einem nicht geringen Teil zum Geistesleben der USA im 20. Jahrhundert bei und wurden dabei selbst zu einem Teil dieser Gesellschaft.

Diese erfolgreiche Flüchtlingsgeschichte ist aus dem Bewußtsein der heutigen USA fast vollständig verschwunden.

Einer ihrer bekanntesten Vertreter war Salman Schocken, der bereits in Deutschland ein jüdisches Verlagshaus gegründet hatte, und nach dessen Wiedergründung 1945 in New York das europäische jüdische Denken des 20.Jahrhunderts nach Amerika brachte, u. a. arbeitete Hannah Arendt zeitweise im Lektorat.

Heute gehört der Verlag, über den Verkauf an Random House 1987, zur Bertelsmann AG, einem Verlagsunternehmen, das unter den Nationalsozialisten groß wurde. Die Übernahme bedeutete den Niedergang des Schockenverlags und seines spezifischen Profils.  

Joshua Cohen, der selbst aus der deutsch-jüdischen Tradition kommt, trat mit den Schockennachkommen in Israel in Kontakt und bot an, zusammen mit anderen Mitstreiter:innen, den Verlag zurückzukaufen, um Schocken Books 2023 wieder zum Leben zu erwecken. All die traditionsreichen, klingenden Verlagsnamen, die heute in den großen Konzernen zusammengepfercht sind, seien, so Cohen, „nur noch Geister, Spuren einer vergangenen Ära, in der die Verlage von den Persönlichkeiten lebten, die sie gründeten und finanzierten“. Das von ihm gegründete Konsortium will die Tradition, Flüchtlingen eine angemessene Stimme zu verleihen, wiedererwecken und der Geschichte, Gerechtigkeit und dem kulturellem Erbe einen neuen Platz geben.

Schocken-Kaufhaus, Chemnitz 2023

Eine Artikel dazu in der Süddeutschen Zeitung (hinter der Paywall).

Photos: B. Doering (2023)

Von draußen – und drinnen – draufgeschaut

Peter Kuras („Writer and translator, born and raised in Traverse City, Michigan, lives in Berlin“) auf Jewish Currents zu:

Tirazain

Eine Website zeigt den Zauber palästinensischer Stickerei

Jennifer Holleis auf der Seite der Deutschen Welle

Die preisgekrönte Unternehmerin Zain Masri hat traditionelle palästinensische Kreuzstichmuster digitalisiert. Nun stehen sie zum Download bereit. Sie bergen erstaunliche Geheimnisse und erzählen komplexe Geschichten.

Screenshot aus dem Beitrag der Deutschen Welle Tirazain

Screenshot aus dem Beitrag der Deutschen Welle

Auch auf Instagram zu finden und hier die eigene Seite auch auf Englisch.