Ein Stadtspaziergang durch/in Berlin

Zur Geschichte und Gegenwart des Konflikts um Israel / Palästina

Auf diesem Stadtspaziergang mit Martin Forberg möchte ich sowohl palästinensische als auch israelische, sowohl israelische als auch palästinensische Perspektiven vorstellen. In diesem Sinn ist er von einem binationalen Ansatz getragen. Es geht dabei auch darum, was heute für die Menschenrechte aller in Israel/Palästina getan werden kann. Und wie in einer Stadt wie Berlin zugleich allen Formen von Rassismus entgegen getreten werden kann – Antisemitismus und anderen Ausprägungen.

Ecke Jerusalemer Straße / M-Straße (Mohrenstraße, zukünftige Anton-Wilhelm-Amo-Straße) 37, 10117 Berlin. Vor der Fassade am Bundesjustizministerium mit dem Zitat von Albert Einstein

(Wenn es sich um Wahrheit und Gerechtigkeit handelt, gibt es nicht die Unterscheidung zwischen kleinen und großen Problemen”)

Weitere Termine: 1. Oktober 2023, 5. November, 3. Dezember 2023, jeweils 15 bis 17 Uhr  

Teilnahmebeitrag: „13 €, ermäßigt 10 €.
Infos unter: martin.forberg@web.de.

Vor 75 Jahren, am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel ausgerufen. In diesem Datum spiegeln sich mehrere Entwicklungen von unterschiedlicher Dramatik.

Auf die Gründung des Staates Israel warf erstens der nazideutsche Völkermord an den Jüdinnen und Juden Europas (und auch Nordafrikas) seinen Schatten.

Zweitens war diese Staatsgründung mit der Vertreibung und Flucht von 700 000 Palästinenser:innen verbunden. Für diese Vertreibung wurde schon in den 1950er Jahren der Begriff „Nakba“ (Arabisch für „Katastrophe“) geprägt. Sie wurde von palästinensischen und israelischen Historiker:innen bereits seit den 1950ern und besonders in den 1980ern untersucht, so etwa von den „Neuen Historiker:innen“ in Israel, wie Simha Flapan, Benny Morris, Avi Shlaim, Tom Segev und Ilan Pappe.

Drittens waren die Ereignisse um das Jahr 1948 von einem Krieg zwischen den benachbarten arabischen Staaten und Israel geprägt: die Armeen dieser Staaten griffen den jungen Staat Israel an. Der palästinensische Historiker Walid Khalidi hat schon in den 1950ern die These vertreten, daß der „Palästina-Krieg“, oder „Unabhängigkeitkrieg“ (letztlich zwischen 1947 und 1949) aus zwei getrennten Kriegen bestanden habe.

Viertens kann die Nakba zusammen mit dem Schicksal arabischer Jüd:innen zwischen 1941 und den 1960ern betrachtet werden: es gab in diesem Zeitraum u.a. Pogrome in verschiedenen arabischen Ländern, Vertreibungen und ebenfalls Entscheidungen von arabischen Jüd:innen für eine Auswanderung oder Aktionen der israelischen Regierung, die dies bezweckten.

Das Leid der von verschiedenen Formen des Nationalismus Betroffenen sollte aber nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Und fünftens ist die aktuelle Situation in Israel/Palästina von großer Bedeutung und Dringlichkeit:

Allein 2023 ist eine enorme Zuspitzung mit Opfern auf beiden Seiten – zahlenmäßig besonders bei Palästinenser:innen – festzustellen. Demokratische und rechtsstaatliche Strukturen in Israel werden durch die rechteste Regierung, die es je in Israel gab, gefährdet. Viele Israelis demonstrieren derzeitig dagegen. Zugleich verschärft diese Regierung die Siedlungs- und Verdrängungpolitik in den seit 1967 besetzten Gebieten Westjordanland und Ost-Jerusalem. Auch deshalb ist die These von einer Fortsetzung der Nakba leider kein Hirngespinst.

From empire to federation?

The view from the Middle East – hier zum Einleitungstext des Autors.
Modern Arab Kingship: Remaking the Ottoman Political Order in the Interwar Middle East

How the “recycling” of the Ottoman Empire’s uses of genealogy and religion created new political orders in the Middle East

Flashes of Memory

An dieser Stelle haben wir schon auf die Ausstellung zur Photographie in der Shoa hingewiesen, die noch bis zum Januar 2023 im Berliner Museum für Photographie gezeigt wird. Ulrich Prehn vom Zentrum für Antisemitismusforschung, Technische Universität Berlin, hat die Ausstellung jetzt ausführlich auf H-Soz-Kult besprochen.

Ulrich Prehn: Ausstellungsrezension zu: Flashes of Memory. Fotografie im Holocaust , 24.03.2023 – 28.01.2024 Museum für Fotografie,
In: H-Soz-Kult, 12.08.2023, <www.hsozkult.de/exhibitionreview/id/reex-135894>.

Palästina / Israel im Blick

Mit 100 Abbildung, teils farbig.

Photographinnen wie Alice Hausdorff, Ellen Auerbach, Liselotte Grschebina, Lou Landauer Marli Shamir oder Ricarda Schwerin und andere waren Teil der avantgardistischen Strömungen der Weimarer Republik und gestalteten diese maßgeblich mit.

Unter der Bedrohung des Nazi-Regimes verließen sie Deutschland und emigrierten nach Palästina / Israel, wo es ihnen unter äußerst entbehrungsreichen Umständen gelang, ihre photographische Tätigkeit fortzusetzen. Die Photographien illustrieren vergessene und unbekannte weibliche Perspektiven auf die Weimarer Republik, Erfahrungen von Flucht und Exil in der Zeit des Nationalsozialismus sowie den Nation-Building-Prozess im Mandats-Palästina und im frühen Staat Israel.

Sie zeigen aber auch einen Kunst- und Kulturtransfer der Avantgarde-Photographie, die die Photographinnen mitbrachten und dort in die neuen Gegebenheiten übersetzten.

Aus Gründen von Gender und Exil ist das bedeutende künstlerische Leben und Werk dieser Photographinnen weitestgehend in Vergessenheit geraten.

Anna Sophia Messner hat die teilweise verschollenen Nachlässe materialästhetisch und historisch aufgedeckt und dabei neue Forschungsfragen und -impulse aufgeworfen, insbesondere mit Blick auf die Relevanz bisher marginalisierter Stimmen.

 Göttingen (Wallstein) 2023 - 376 Seiten - ISBN 9783835352056 - 44,00 €

Besprechung erfolgt nach Möglichkeit – DIe Veröffentlichung geht zurück auf eine Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Jahr 2020.

Marbach wächst (wieder) (weiter)

Teilnachlaß von Eugen Rosenstock-Huessy geht ins Deutsche Literaturarchiv

Breslauer Koffer von Eugen Rosenstock-Huessy – Photo: DLA Marbach (Anja Bleeser).

Das teilte das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) mit. Ursprünglich Rechtshistoriker, Soziologe und Philosoph, interessierte sich Eugen Rosenstock-Huessy (1888–1973) im Lauf seines Lebens immer stärker auch für das Thema Sprache, so etwa in seiner zweibändigen Studie „Die Sprache des Menschengeschlechts“ (1963/64).

Rosenstock-Huessy war jüdischer Herkunft, konvertierte aber schon als Jugendlicher zum protestantischen Christentum. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg war er eng mit dem jüdischen Philosophen Franz Rosenzweig (1886–1929) befreundet. Anteil am interreligiösen Gespräch der Freunde hatte auch Margrit Huessy – die Liebesbeziehung von Margrit Huessy und Rosenzweig ist in einem umfangreichen Briefkonvolut in Rosenstocks-Huessys Nachlass in den USA dokumentiert.

Seit 1923 lehrte Eugen Rosenstock-Huessy in Breslau Rechtsgeschichte. Direkt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte er 1933 mit seiner Familie in die USA. Zurück blieb ein großer Holzkasten, ein sogenannter Offizierskoffer, mit Manuskripten, Briefen und anderen Materialien, der von der Haushälterin der Familie gerettet und viele Jahre verwahrt wurde. Dieser sogenannte Breslauer Koffer bildet den Kernbestand des Teilnachlasses, der dem DLA nun von der Eugen-Rosenstock-Huessy-Gesellschaft gestiftet wurde.

Dieser Bestand wird ergänzt unter anderem durch Photos, Briefe und Bücher, eine Porträtplastik, geschaffen von Sabine Leibholz, der befreundeten Zwillingsschwester von Dietrich Bonhoeffer, sowie durch Tonaufnahmen unveröffentlichter Vorträge und Interviews.

Ende der zwanziger Jahre hatte Eugen Rosenstock-Huessy gemeinsam mit dem jungen Helmuth James von Moltke die Löwenberger Arbeitsgemeinschaft initiiert, die unterschiedliche soziale Schichten, Glaubensrichtungen und Überzeugungen miteinander in Verbindung bringen wollte, um die Probleme der sozial und wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeit in Deutschland zu bewältigen. Aus dieser Arbeitsgemeinschaft entstand im Nationalsozialismus die Widerstandsgruppe des Kreisauer Kreises, deren Mitglieder Ideen für die Zeit nach dem Ende der Diktatur entwickelten. Unter den von den Nationalsozialisten ermordeten Mitgliedern des Kreises war auch Helmuth James Graf von Moltke, dessen Witwe, Freya von Moltke, die letzte Lebensgefährtin von Eugen Rosenstock-Huessy war.

Vor einem Jahr war der Depositalvertrag durch das Landeskirchliche Archiv Bielefeld gekündigt worden und so wurde der Weg frei für Marbach …

Tirazain

Eine Website zeigt den Zauber palästinensischer Stickerei

Jennifer Holleis auf der Seite der Deutschen Welle

Die preisgekrönte Unternehmerin Zain Masri hat traditionelle palästinensische Kreuzstichmuster digitalisiert. Nun stehen sie zum Download bereit. Sie bergen erstaunliche Geheimnisse und erzählen komplexe Geschichten.

Screenshot aus dem Beitrag der Deutschen Welle Tirazain

Screenshot aus dem Beitrag der Deutschen Welle

Auch auf Instagram zu finden und hier die eigene Seite auch auf Englisch.

Reuven Abergel

Einer der Gründer der israelischen Black Panther, wird in diesem Jahr 80 Jahre alt – a.m.a.! – Es ist wichtig auch das, auch ihn zu erinnern!

Workshops zur hebräischen Typographie

Daran festhalten: Es gibt Alternativen …

Torat Tzedek – Torah of Justice:
Rabbi Arik Asherman zum Tish B’av

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Israel. Auf dem Weg in den Gottesstaat

Weltspiegel Doku – 17.Juli 2023 – 45 min

(Verfügbar in der ARD-Mediathek bis Juli 2024)

„Kein Strom mehr am Shabbat? Geschlechtertrennung im öffentlichen Nahverkehr? Ein Staat Groß-Israel in seinen ursprünglichen biblischen Grenzen? Das alles könnte Realität in Israel werden, wenn es nach dem Willen einiger Ultra-Orthodoxer oder nationalistisch-religiöser Hardliner geht. So stark wie nie zuvor sind sie derzeit in der Regierungskoalition vertreten. Sie lassen Premier Netanjahu spüren, daß er auf sie angewiesen ist und setzen sich kompromißlos für die eigenen Belange ein: ‚Land and Law‘, also ‚Land und religiöse Gesetze‘.“