Eva Schloss (* 11. Mai 1929 als Eva Geiringer in Wien; † 3. Januar 2026 in London) war eine Überlebende der Shoa und wurde durch die spätere Ehe ihrer Mutter mit Otto Frank, dem Vater Anne Franks, als deren Stiefschwester benannt.
Eva Schloss wuchs unter dem Namen Eva Geiringer in einer großbürgerlichen, von ihr als glücklich-harmonisch beschriebenen Familie in Wien auf. Ihre Eltern müssen ein aufsehenerregendes Paar gewesen sein, der Vater war ein Energiebündel und Fitnessfanatiker. Die jüdische Religion spielte wie in vielen anderen Familien eine eher untergeordnete Rolle, aber der Sabbat wurde jeden Freitagabend mit dem Anzünden von Kerzen gefeiert. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme entschlossen sich die Eltern, im Süden der Niederlande eine Schuhfabrik aufzubauen; Eva und ihre Mutter flüchteten im Juni 1938. Im ersten Jahr der Flucht ging sie in Brüssel zur Schule, danach in Amsterdam. Anfangs verstand die Neunjährige kein Wort der fremden Sprache. Als die Deutschen im Mai 1940 Belgien und die Niederlande überfielen und die niederländischen Streitkräfte kapitulierten, saß die Familie plötzlich in der Falle. Die Lage wurde immer gefährlicher, Bruder Heinz hätte deportiert werden sollen, weswegen die Familie mithilfe des niederländischen Widerstandes im Sommer 1942 untertauchte. Ihr Bruder und Vater waren von Eva und ihrer Mutter getrennt versteckt. Ab und zu sahen sie sich; Eva Schloss beschreibt, wie sehr sie ihren drei Jahre älteren Bruder auch wegen seiner Feinfühligkeit und Kreativität mochte, er schrieb Gedichte, komponierte und malte Ölbilder. … (Weiterlesen | https://www.auschwitz.at)
Der konzeptuelle Rahmen des diesjährigen LABA-Stipendienprogramms ist Entropie. Jede Woche trafen sich jüdische und muslimische Künstler*innen im Künstlerhaus Bethanien, um Entropie aus wissenschaftlicher, theologischer und philosophischer Perspektive zu erforschen und, begleitet von Vertreter*innen beider Konfessionen, in Beziehung zu ihrer künstlerischen Praxis zu setzen.
Entropie markiert den Lauf der Zeit und die Unvermeidbarkeit von Veränderung: Verfall, Zerstörung, Zersetzung. Doch Chaos ist nicht unvermeidlich, sondern gestaltbar: Sein Fortschreiten lässt sich durch Aufmerksamkeit, Fürsorge und Reparatur verlangsamen. Viele der Stipendiat:innen untersuchen, wie Entropie entsteht und sich entwickelt, und wie das Gefühl ihrer Unvermeidbarkeit hinterfragt werden kann. Die Arbeiten in der Ausstellung nehmen diese Herausforderung auf: Durch Film, Installation, Malerei und Performance verfolgen die Künstler:innen Entropie bis zu ihren Ursprüngen, zeichnen ihre Verläufe nach und entwirren ihre Mechanismen.
„Ein Arm mit der Aufschrift aller seit 2014 in Gaza Getöteten – und daraus eine Landkarte als Lichtobjekt: eine provokative Arbeit der Künstlerin Ruth Sergal. Genau das zeigt das jüdisch-muslimische Kunstzentrum LABA Berlin in der neuen Jahresausstellung „Entropie“ am Kottbusser Damm. Für rbb Kultur Das Magazin habe ich heute dort gedreht. Können muslimische und jüdische Künstler/innen in diesen Zeiten zusammenarbeiten? Und was kommt dabei raus? Moderatorin Franziska Hessberger trifft die Kurator/innen Olaf Kühnemann (Israel-Berlin) und Denalisa Shijaku (Kosovo-Berlin). Ihnen geht es um Identitätssuche: Wer sind wir als Menschen, die wir alle Mischbiografien haben?“ (22.10.2025)
* 20. Juni 1948 in Bielefeld-Gadderbaum † 3. September 2025 in Nürnberg
1985 wurde Friedrich Propst an der Evangelische Gemeinde deutscher Sprache zu Jerusalem. Dort wirkte er bis 1991 als Repräsentant der EKD in Israel, im Westjordanland und Gaza (Palästina) sowie in Jordanien. Propst Johannes Friedrich pflegte den interreligiösen Dialog mit Juden und Muslimen sowie den interkonfessionellen Dialog mit einer Vielzahl christlicher Religionsgemeinschaften.
Nach einer Zeit als Dekan in Nürnberg, wurde Friedrich Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.
Die Zeit in Jerusalem habe ihn stark geprägt, so sagte er selbst:
„Das war für mich, aber auch für meine Frau und meine Töchter die wichtigste Zeit in unserem Leben“, sagt Friedrich rückblickend – schöne, aber durch die politischen Umstände zugleich auch schwierige Jahre. Für ihn durchaus eine Herausforderung: „Zum ersten Mal in meinem Leben durfte ich mich politisch zu diesem Konflikt nicht äußern, weil ich ja für beide Seiten ansprechbar bleiben mußte. Ich habe erst als ich zurück war, gemerkt, daß das doch eine unglaubliche Spannung war, in der ich gelebt habe.“ (Aus dem Nachruf im Bayerischen Rundfunk)
In Beit Jala, Combatants for Peace is defying the norm and showing what’s possible. Each week, they’re leading demonstrations with Palestinians and Israelis, side by side, choosing solidarity over separation.
In August, CfP organized a vigil titled“What Was Their Crime?” One by one, photos of children killed in Gaza were lifted into candlelight. Each child was someone’s whole universe. They had families who loved them, favorite foods they delighted in, and dreams still waiting to be lived.
Days later, Combatants for Peace returned under a different banner: “Journalism is not a crime.” In blood-stained press vests, they carried portraits of journalists assassinated in Gaza, honoring extraordinary courage. Journalists in Gaza are being threatened, targeted, and killed by Israeli forces. Yet they refuse to stop, risking their lives to show the world the truth.
On August 29, Palestinian and Israeli women organized aWomen’s Peace Sit-in. United in grief, they demanded peace, safety, and equality for their peoples. They remembered the women of Gaza—especially those giving birth under siege. Today, forced famine has turned pregnancy and early motherhood into a possible death sentence. With hospitals attacked, healthcare workers targeted, and starvation, women face high risks of miscarriage, stillbirth, premature delivery, and maternal death.
Jüdisch-arabische Berührungen – Herausgegeben von Anika Reichwald im Namen des Jüdischen Museums Hohenems (Online-Katalog)
Redaktion: Dinah Ehrenfreund, Hanno Loewy Übersetzungen: Kirsten Lehmann, Lilian Dombrowski Gestaltung: Thomas Matt Fotos: Dietmar Walser, Thomas Matt / ISBN 978-3-200-10568-3
Die Geschichte arabisch-jüdischer Lebenswelten reicht Jahr- hunderte zurück, bis in die präislamischen Stammesgesell-schaften Arabiens. Eine lange und widersprüchliche Beziehungsgeschichte – mal romantisiert, mal vergessen, verdrängt und dämonisiert – gibt es zu entdecken: jüdisches Leben unter islamischer Herrschaft über die heutigen arabischen Länder und die Iberische Halbinsel (al-Andalus), im Osmanischen Reich oder unter dem Einfluß europäischer Kolonialinteressen.
Yalla. Arabisch-jüdische Berührungen lädt ein zur Erkundung unvertrauter, widersprüchlicher Identitäten. Und leistet einen bescheidenen Beitrag dazu, auf das Begehren nach Eindeutigkeit mit Ironie und Offenheit zu reagieren – sei es in den Auseinandersetzungen um Zugehörigkeit und Abgrenzung in Europa, sei es im Blick auf den scheinbar so unlösbaren Konflikt an der Schnittstelle zwischen Europa, Asien und Afrika, dessen tragische Radikalisierung der Gewalt und der gegenseitigen Auslöschungsfantasien uns jeden Tag mehr beunruhigt. (Hanno Loewy im Vorwort)
Einleitung: Hanno Loewy Texte zur Ausstellung: Anika Reichwald Mit Essays von: Lital Levy „Arabische Juden im Maschrek. Zur Historisierung eines Konzepts“ Emily Benichou „Gottreich Arabische Juden im Maghreb. Zur Historisierung eines Konzepts“ Mati Shemoelof „Fragen (nach) einer arabisch-jüdischen Diaspora“
Online-Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Jüdischen Museum Hohenems, 29. September 2024 bis 05. Oktober 2025. Dank großzügiger Förderung durch die Stiftung Irène Bollag-Herzheimer, Basel.
„Der palästinensische Aktivist Odeh Hadalin wurde Augenzeugen und Medienberichten zufolge von einem israelischen Siedler angeschossen und schwer am Oberkörper verletzt. Im Krankenhaus im israelischen Beersheva erlag er seinen Verletzungen.“
Ein Bericht von Judith Poppe in der taz und ein Beitrag von Yuval Abraham (Regisseur von No other Land, an dessen Entstehung Odeh Hadalin beteiligt war).
Nachtrag 2. August 2025: Ein Nachruf auf Holy Land Trust:
How to document the reality on the ground when reporters are systematically barred from accessing it?
Panel Discussion in English 16. Juli 2025 19.00 Uhr (Öffnung 18:30 Uhr) im ACUD Studio, Veteranenstraße 21, 10 119 Berlin
Entrance: Donation (proceeds will pay technicians and go to Fatma Hassouna’s surviving mother)
With Israel blocking International press access, Gaza’s journalists and filmmakers have become essential witnesses – and paid a heavy price for it. In this conversation, we explore the role of local and western journalists and filmmakers in challenging enforced silence, and the emotional, ethical, and logistical complexities of bearing witness about inaccessible grounds – when the journalism quest for truth becomes a battle of its own.
The Gaza blockade on international press has left Western journalists struggling to inform impartially on a ground they can’t access. For too long they relied on Israel’s narrative as their only source, amid highly emotional domestic politics. In this context, Palestinian journalists have slowly imposed themselves as their Western colleagues’ eyes and ears in Gaza, and paid a high price for it. Israel has killed (and sometimes targeted) 220 media workers since October 2023, making Gaza the deadliest conflict for journalists in the world today, according to Reporters Without Borders (RSF).
At the heart of this reality stands the fate of the young Gaza photojournalist Fatma Hassouna whose determination and courage are the subject of Sepideh Farsi’s “Put Your Soul on Your Hand and Walk”. Hassouna was killed by an Israeli strike one day after the film’s selection at the Cannes Film Festival, but her testimony survives — through her photography and through Farsi’s documentary. This stresses the power of filmmaking as a critical tool in breaking through imposed silence. The collection of Gaza-made short films “From Ground Zero” is another instance of cinema of urgency, defying media blackouts through raw, firsthand depictions of inaccessible realities.
PANEL: The panel kicks off with an exclusive visual presentation of Hassouna’s photowork, as Sepideh Farsi shares intimate details of her collaboration with Fatma Hassouna. Researcher Aurélia Kalisky (Centre Marc Bloch) will contextualize the tactics of silencing war crimes and how film, including fiction, can defy dominant narratives and distributor and scholar Irit Neidhardt (mec film/distributor “From Ground Zero”) will the power of cinema of urgency in war contexts. Meanwhile, Middle-East Editor Lisa Schneider (taz), and Christopher Resch (Reporter Ohne Grenzen) will discuss the ethical and logistical challenges of reporting on Gaza, and the Western media’s work with Gaza journalists.
The conversation is curated and moderated by Nadja Vancauwenberghe who reported the Second Chechen War despite the Russian media blackout and currently coordinates a transnational investigation on the media and Gaza.
Our goal is to share knowledge and collectively reflect on how, in an age defined by global digital networks and real-time information flows, the total erasure of war crimes, crimes against humanity, and other forms of state violence is no longer possible. As seen in Gaza today, victims can document and share their own stories through social media, bypassing traditional gatekeepers. This marks a stark contrast to conflicts of the pre-digital world, like the Second Chechen War, where banning journalists truly meant no images, no news — leaving crimes shrouded in silence.