Nicht allein, wenn es um die Frage der Kritik an „bds“ geht (hier besonders ab min 30), sondernn auch als Zeitzeugnis lohnt es sich dieses Gespräch mit dem inzwischen 92jährigen Noam Chomsky zu hören. Dabei geht es von der Auseinandersetzung zwischen Jiddisch und Hebräisch bis zu Edward Said und Uri Avnery um ein ganzes Panorama des 20. Jahrhunderts. Und auch um ein Plädoyer für eine gezielte Politik gegen die (israelische) Besatzung. Grenzen bleiben willkürlich und es gilt immer zu erinnern, um welchen Preis sie errichtet wurden und werden!
Samah Salaime hat die Situation, die Stimmung, die Gefühle der letzten Woche in einem ‚Brief an die Freunde und Freundinnen‚ aus der Sicht des Friedensdorfes zusammen gefaßt – andere Nachrichten!
„The recent events were emotionally challenging to us all, and they continue to present new challenges. We hid from the rocket fire, Arabs and Jews huddled together for safety. We wept at the heavy cost, in lives, spirit and property, that we all – Palestinian citizens of Israel, Jewish Israelis and citizens of Gaza ̶ have paid. But the conflict is not new, and our resolve to provide an example of a just, equal and peaceful society has not wavered.“
Auch wenn die Waffenruhe zwischen Hamas und Israel zu halten scheint und die bürgerkriegsartigen Zustände in Israel schwächer werden, ist die Unsicherheit über die nahe Zukunft greifbar. Während die israelische Grenzpolizei mit ihrer „Law and Order“ Offensive versucht, Stärke zu zeigen, feiert die Hamas sich selbst als Siegerin der letzten Gewalteskalation und präsentiert sich als potenzielle Alternative zur schweigenden Fatah.
Die eigentlichen Opfer und Verlierer sind die zahlreichen Zivilisten, die unter dem Krieg und den Ausschreitungen leiden mußten, ohne eine Antwort auf die Frage nach dem danach zu haben: Karim el-Gawhary für die taz
Auch in Deutschland fand der ‚Krieg im Nahen Osten‘ statt. Er wurde und wird geführt zwischen den Verteidigern unhinterfragbarer Solidarität mit Israel und den ‚Befreiern Palästinas von der zionistischen Unterdrückung‘.
Differenzierungen sind nicht gefragt, es herrscht Haß, es wird mit Unterstellungen gearbeitet und die Gewißheit auf der richtigen Seite der Weltgeschichte zu stehen, wird mit Zähnen und Klauen verteidigt. Wieder gerieren sich die Deutschen als Friedensmacht und benutzen die Kriege und Krisen im Nahen Osten doch nur als Projektionsfläche für ihre eigenen, auch 75 Jahre nach Weltkrieg und Shoa nicht aufgelösten Identitätsprobleme.
Meron Mendel, Leiter des Anna-Frank-Zentrums in Frankfurt am Main stellt in seinem Beitrag für die FAZ diese Verbindung her zwischen diesen deutschen Befindlichkeiten und der hoch emotionalisierten Reaktion auf den erneuten Krieg in Israel und Palästina.
Wo auch jetzt konstruktive Perspektiven gelebt werden
In Neve Shalom/Wahat al-Salam zeigen seit über 40 Jahren jüdische und palästinensisch-arabische Israelis jeden Tag aufs Neue – und auch jetzt –, daß eine tragfähige Regelung des Konfliktes zwischen Israel und den Palästinensern möglich ist.
Die folgenden Texte, die der Verein „Freunde von Neve Shalom/Wahat al-Salam e.V.“ zusammengestellt hat, zeigen beeindruckend, wie das Friedensdorf mit der derzeitigen katastrophalen Lage umgeht. Dazu im folgenden
[zait wa: zaʕtar]Festival mit palästinensischer Kunst und Kultur wird fortgesetzt
… oder Wie hat der Blick westlicher christlicher Reisender dazu beigetragen, das heutige Bild von Palästina in Europa zu prägen?
Ruth und Boaz – Photo: American Colony, Photo Department, um 1910 (Beit Sahour)
Samstag, 22. Mai 14 Uhr FORUM Factory, Besselstraße 13-14, 10969 Berlin – online
Christliche europäische Männer reisten in den Nahen Osten auf der Suche nach dem Land, wie es in dem ihnen heiligen Buch beschrieben war. Einige prominente Reisende, und hier vor allem Gustaf Dalman, legten ganze Archive an, die heute meist an theologischen Fakultäten von Universitäten, darunter Berlin und Greifswald, untergebracht sind.
Was waren ihre Vorstellungen zu dieser Zeit, dem Beginn der Fotografie durch Reisende (ca. 1900-1913), wie haben die damaligen Bilder der arabischen Völker, hier der einheimischen Palästinenser, zu der Art und Weise beigetragen, wie sie heute noch dargestellt werden? Und wie prägt dies die Art und Weise, wie Europäer das umstrittene Land, das einst allseits als Palästina bekannt war, heute sehen und beurteilen, und in der sie sich zu ihm verhalten?
Podiumsgäste: Dr. Bashar Shammout, Irit Neidhardt – Moderation: Cora Jostings
Am östlichen Ufer des Jordan herrscht (immer noch) Ruhe, auch wenn im hashemitischen Königreich die Unruhe wächst. Selbst der König ist relativ eindeutig in seiner Sprache, trotz der Abhängigkeiten seines Landes. Netanyahu hat in der letzten Zeit wenig Rücksicht auf die Stabilität des Nachbarn gelegt, was durchaus als eine Änderung der politischen Prämisen gelesen werden kann.
Am 18. Mai 2021 hat das jordanische Parlament, in Anwesenheit des Ministerpräsidenten, die Regierung einstimmig aufgefordert, des israelischen Botschafter auszuweisen und den Jordanischen aus Tel Aviv zurück zu beordern.
Einen ausführlichen und informativen Bericht zur Situation Jordaniens hat gerade MERIP vorgelegt und ruft noch einmal die Ereignisse um den Halbbruder des Königs, seinen Hausarrest und seine Stellungnahmen in Erinnerung.
Karin Leukefeld bringt einen ausführlichen Bericht von der gestrigen Tagung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen; die Sitzung wird am 18. Mai 2021 fortgesetzt.
Die Brutalität der Auseinandersetzung macht den/die Beobachter:in sprachlos, schockiert und nach Worten suchend. Mit militärischen Mitteln wird dieser Konflikt erneut brachial ausgetragen; aber mit diesen Mitteln ist der Konflikt seit mehr als hundert Jahren nicht zu regeln geschweige denn zu lösen gewesen. Also warum diese erneute Eskalation ? Und wieder fragen wir: Wem nützt die Ermordung von Menschen in diesem asymmetrischen Krieg? Die International Crisis Group faßt die Ereignisse der letzten Tage noch einmal zusammen.
Obwohl man:frau meinen könnte, zum Konflikt sei doch schon alles gesagt, die Entwicklungen gehen weiter und die Konfliktlage und ihre Akeure Akteure verändern sich.
Was sich nicht verändert, ist die Einsciht, daß sich die europäische Politik endlich einmal zu konsequentem und glaubwürdigen Handeln jenseits des Scheckbuches verstehen müßte.
Hier ide aktuelle Einschätzung von Hannes Alpen, der das Büro der Friedrich Ebert-Stiftung in Ost-Jerusalem leitet.