Sie war die erste professionelle Photographin im arabischen Raum, eine Sammlung ihrer Photographien und Postkarten wird zur Zeit in Beer Sheva gezeigt. …es ist die Sammlung eines Israelis, was der BR-Beitrag mehrfach betont.
Was nicht erzählt wird: … daß sich an der Dar-al-Kalima Universität in Bethlehem seit Jahren mit der Pionierin befaßt wird…
Der Beitrag auf BR-Klassik ist noch für sieben Tage nachhörbar (bis 5.12.2022)
Zwischen den Fronten und an der Seite – um des Friedens willen …
Neben einer Begegnung mit dem Griech.-orth. Patriarchen Theoplilos III. traf die Deleggation unter Leitung des amtierenden Generalsekretärs des World Council of Churches (WCC), Rev. Prof. Dr Ioan Sauca, unter anderem mit dem israelischen Staatspräsidenten Herzog und dem palästinsensischen Präsidenten Abbas zusammen
22 November 2022, Jerusalem, Palestine: World Council of Churches acting general secretary Rev. Prof. Dr Ioan Sauca (right) congratulates Patriarch Theophilos III of Jerusalem (Greek Orthodox Church of Jerusalem) during a celebration of the 17th anniversary of the patriarch’s enthronement. Photo: Albin Hillert/WCC (c)
Die Macht des Fußballs im Nahen Osten und die Katar-WM
Eine Buchbesprechung von Birte Rodenberg
Jan Busse / René Wildangel (Hgg.), Bielefeld (Die Werkstatt) 2022 | Paperback, 272 S. |978-3-7307-0607-7 | 22,00 €
Wenn es noch einen Beleg brauchte, dass der Profi-Fußballsport der Männer* einem profitorientierten Unternehmen entspricht, dann hat die Weltmeisterschaftsvergabe nach Katar im Jahr 2010 diesen Beleg erbracht. Die FIFA hat ihre Versprechen bis dato nicht eingelöst, sich für die Einhaltung von Menschenrechten und eine nachhaltige Weltmeisterschaft einzusetzen. Zwar sind in Katar durchaus Verbesserungen etwa im Arbeitsschutz zu erkennen: So sind auf internationalen Druck und in Kooperation mit der Internationalen Arbeitsorganisation Reformen, wie die Abschaffung des Kafala-Systems, beschlossen worden. Allerdings bestehen nach wie vor starke Defizite bei der Umsetzung. Zugleich werden im Inneren Katars wesentliche Menschenrechte eingeschränkt, insbesondere die von Frauen und LGBTIQ-Menschen. In Katar prägt der Wahabismus, eine traditionalistische Auslegung des sunnitischen Islam, die Gesellschaft. Human Rights Watch bestätigt, dass Frauen sich durch ein vom Staat durchgesetztes Regelwerk männlicher Vormundschaft bewegen müssen und kein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben führen können. Alle nicht heterosexuellen Lebensformen stehen unter Strafe.
Mittlerweile schließt sich eine breite Öffentlichkeit der Kritik an, und die kritische Aufmerksamkeit kann zu positiven Veränderungen beitragen. Es ist nicht nur darauf zu drängen, dass die Reformen zur Einhaltung von Menschenrechten in Katar nach der WM endlich durchgesetzt werden; auch bedarf es dringend grundlegender Reformen der FIFA und ihrer Vergabepolitik. Eine Forderung, der die Herausgeber des Buches „Das rebellische Spiel“ bereits auf den ersten Seiten mit unglaublichen Zahlen zur Kommerzialisierung des Profifußballs Nachdruck verleihen.
Das Buch diskutiert diese politische Dimension des Fußballs und zeigt, welche Strategie hinter der Sportpolitik Katars steckt. Die Ausrichtung der Weltmeisterschaft ist ein Instrument der soft power, das Katar in der Region und darüber hinaus positionieren und legitimieren soll. So wird der Konflikt zwischen den Arabischen Emiraten und Katar von Marlon Saadi und Guido Steinberg ins Blickfeld gerückt.
Doch Katar ist mit diesem Sports Washing keineswegs allein. „Wie Golfstaaten mit Fußball Politik machen“, wie autoritäre Regime den Fußball als Instrument der Machtkonsolidierung nutzen, um von Missständen abzulenken und ihre Herrschaft zu legitimieren, erörtern Cinzia Bianco und Sebastian Sons in einem weiteren Artikel. Die WM in Katar ist nur jüngster Höhepunkt einer langen Entwicklung die seit Jahrzehnten den Spitzensport charakterisiert. Dennoch war es höchste Zeit für die Austragung einer Fußball-Weltmeisterschaft im Nahen Osten; sind doch insbesondere die Länder Nordafrikas, aber auch Iran fußballbegeisterte Nationen – so die Einschätzung der Herausgeber, deren Begeisterung für den Teamsport in den kurzen Zwischenrufen mit biografischen Porträts von Fußballer*innen aus der Region zwischen den Zeilen spürbar wird.
Das besondere an dem Buch ist, dass es einen kaum gekannten Blick in die Geschichte des Fußballs in den Nahen Osten wirft – vom kolonialen Exportartikel zum Massenphänomen. Für die Leser*innen des diAk – blogs mag der dritte Abschnitt des Buches von besonderem Interesse sein: Fußball im Kontext der Nahost-Konflikte. Steffen Hagemann gelingt es hier, den palästinensisch-israelischen Konflikt anhand der Geschichte des Fußballs in und aus Jerusalem bzw. dessen Rolle in beiden Staaten wie in einer Nussschale zu analysieren.
Doch der Fußball im Nahen Osten war und ist nicht nur Propagandainstrument für die Mächtigen, sondern hat oftmals progressive Potentiale von unten entwickelt. Bei den Arabellionen haben Ultras beispielsweise eine zentrale Rolle beim Sturz der autoritären Machthaber gespielt – so etwa die Fans von Al-Ahly, die dazu beigetragen haben, dass der Tahrir Platz gegen die Sicherheitskräfte des Regimes gehalten werden konnte und so zu einem wichtigen Symbol für die Macht der Menschen werden konnte. In diesem hoffnungsvollen vierten Kapitel des Buches aus dem Bielefelder Werkstatt Verlag rücken nun auch fußballspielende Frauen in den Mittelpunkt: ihr beharrlicher Kampf um gleiche Rechte und geschlechtergerechten Zugang zu Stadien und Spielen, zu Trainingsplätzen und zur Möglichkeit, sichtbar zu spielen, wird – wie könnte es in diesen Zeiten anders sein – am Beispiel des Irans dargestellt.
Beiträge aus der ganzen Region von Autor*innen aus Doha, Algier oder Tel Aviv berichten von dem Janusgesicht des Fußballs. Das Buch zeigt die Vielstimmigkeit des Fußballs in der gesamten Region und die Potentiale die das „rebellische Spiel“ für gesellschaftliche Entwicklungen entfalten kann, wenn es Rassismus und Diskriminierung die rote Karte zeigt. Erst recht nach dieser verlorenen WM bietet es eine spannende Lektüre.
Al-Shabaka, das PalestinianPolicyNetwork hat auf seiner Seite ein neues ‚Tool‘ freigeschaltet, eine Scenario Matrix für die Westbank und Gaza – mit seiner Hilfe läßt sich strukturiert(er) betrachten und bedenken, welche Optionen es für die palästinensische Seite (noch) gibt …
Die Ausstellung Dreaming About a Revolution nimmt die revolutionäre Bewegung im Libanon, die im Herbst 2019 angefangen hat, zum Anlaß, über die Möglichkeiten von Künstler*innen, gesellschaftliche Prozesse zu beeinflussen.
Ausstellungstermine: 26. November – 11. Dezember 2022, Freitag – Sonntag 16 – 19 Uhr
Gezeigt werden Arbeiten, die sich auf verschiedene Proteste der vergangenen Jahre beziehen und die Hoffnungen, aber auch die damit verbundenen Enttäuschungen beleuchten. Die verheerende Explosion im Beiruter Hafen im August 2020 hat noch einmal verdeutlicht, wie festgefahren die politische Situation im Land ist und hat bei vielen Kulturschaffenden zu einem Prozeß der Selbst-Reflektion geführt, die hier ebenfalls zur Sprache komm
(c) Rania Rafei, The Square, 2022
In Zusammenarbeit mit FAP Foundation for Art & Psychoanalysis, London
Ort: Art-Lab Berlin im iPhonedoctorPerleberger Straße 60, 10559 Berlin
Vielleicht in diesem Zusamenhang auch von Interesse: Texte des in Deutschland lebenden libanesischen Professors Assaad E. Kattan zu den Ereignissen im Libanon: Mit zur Sonne blickenden Augen …
Auf der 11. Vollversammlung des Weltkircherates in Karlsruhe im September 2022 waren auch die Fragen von Israel & Palästina und die Position zur Verwendung der Begrifflichkeit „Apartheid“ auf der Tagesordnung.
Hier das Heft 2/2002 des PRO ÖKUMENE-Informationsdienstes, das einen Rückblick auf die Tagung und die unterschiedlichen Debatten wirft, auch zu zahlreichen anderen Fragen natürlich.
Prof. em. Dr. Michael Wildt: Überarbeitete und ergänzte Fassung der Abschiedsvorlesung vom 17. Februar 2022 an der Humboldt-Universität zu Berlin
„In der aktuellen Debatte um Holocaust, Kolonialismus und Erinnerung hat Per Leo jüngst angeregt, dass Historikerinnen und Historiker irritierende Fragen stellen sollten. Diesem, wie ich finde, klugen Vorschlag folgend, möchte ich hier diskutieren, ob und inwieweit die Rede von der Singularität des Holocaust angemessen, sinnvoll, erkenntnisfördernd ist. Wie ist sie (in der Bundesrepublik) entstanden, und worin könnte heute ihre Aussagekraft liegen? Müsste die Perspektive nicht erweitert werden? Solche Fragen führen in das Zentrum einer Debatte, die hierzulande seit der Auseinandersetzung vom Frühjahr 2020 um den afrikanischen postkolonialen Theoretiker Achille Mbembe heftig entbrannt ist, dem der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung Felix Klein vorwarf, den Holocaust zu relativieren. Die vor allem in den Feuilletons geführte Debatte verschärfte sich, als der in den USA lehrende Historiker A. Dirk Moses im Mai 2021 mit einem provokanten Essay die deutsche Erinnerungskultur kritisierte: In der Fixierung auf den Holocaust würden die Kolonialverbrechen ausgeblendet. Die Kontroverse um Antisemitismus auf der diesjährigen documenta bildete mit den schrillen Tönen zweifellos den vorläufigen Tiefpunkt dieser Debatte. Nachdenkliche Argumente wie von Micha Brumlik, Sebastian Conrad, Charlotte Wiedemann oder Natan Sznaider scheinen kaum noch Gehör zu finden.“
Der spannende ganze Text kann hier gelesen oder heruntergeladen werden.
Deutsch-Israelisch-Palästinensisches Promotionskolleg in Flensburg wird gefördert
Wissenschaftler*innen präsentieren Arbeit zu internationaler Verständigung im Deutschen Bundestag
Mit insgesamt 2,1 Millionen Euro fördert der Bund die European Wasatia Graduate School for Peace and Conflict Resolution an der Europa-Universität Flensburg. Das hat der Haushaltsausschuß des Bundestages entschieden. Damit ist die Graduiertenschule, in der Promovierende aus Israel, Palästina und Deutschland gemeinsam religionsübergreifend und interdisziplinär zu Lösungen des Konflikts im Nahen Osten forschen, bis zum Jahr 2029 gesichert. Zudem kann mit dem Geld ein Programm für Gastwissenschaftler*innen (scholar-in-residence) aufgelegt und eigene Stipendien vergeben werden.
„Ich freue mich sehr darüber, daß es gelungen ist, dieses in Deutschland bisher einmalige Programm für Promovierende aus Israel, Palästina und Deutschland weiter zu fördern. Die European Wasatia Graduate School for Peace & Conflict Resolution wird zukünftig bis zu 359.000 € jährlich im Rahmen ihrer Arbeit für Frieden, Verständigung und Versöhnung vom Bund erhalten“, so Dr. Wiebke Esdar, zuständige Haushaltspolitikerin der SPD-Bundestagsfraktion für den Etat des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Prof. Dr. Ralf Wüstenberg, Professor für evangelische Theologie und Direktor des Graduiertenkollegs bewertet diese Anschlußfinanzierung als wichtiges friedensethisches Signal. „Dieses Zeichen strahlt über den Nahost-Konflikt hinaus und berührt wesentlich auch europäische Fragen. Es ist nun sichergestellt, daß über die gegenwärtig eingeschriebenen Promovierenden zwei weitere Kohorten in 2023 und in 2026 aufgenommen werden können. Neben Israelis, Palästinensern und Deutschen sollen Stipendien auch an junge Promovierende aus andere Transformationsgesellschaften gehen, wie u.a. Südafrika, Irland, Albanien. Gemeinsames Lernen, eigenständiges Forschen und das wechselseitige Entdecken von Konfliktlösungsstrategien im Horizont von Wasatia und Versöhnung sind die Eckpfeiler des Programms.“
Auch Prof. Dr. Udo Steinbach, Leiter des MENA Study Centre der Maecenata Stiftung, das eng mit der Wasatia Graduate School zusammenarbeitet, schätzt die Entscheidung des Deutschen Bundestags als nachhaltigen Beitrag Deutschlands für die Lösung des palästinensisch-israelischen Konflikts ein.
Projektkoordinatorin Dr. Zeina Barakat freut sich über das breite Interesse an der European Wasatia Graduate School for Peace and Conflict Resolution unter den Parlamentariern des Deutschen Bundestages und erklärte: „Als in Jerusalem geborene Palästinenserin, die sich über ein Jahrzehnt auch wissenschaftlich mit Friedensethik befaßt, sind die Ziele der Graduiertenschule auch eine Herzenzangelegenheit.“
Die „European Wasatia Graduate School for Peace and Conflict Resolution“
Das interdisziplinäre, transnationale und multireligiöse Promotionskolleg wurde im November 2021 gegründet. Derzeit sind zwölf Doktorand*innen Teil der „European Wasatia Graduate School for Peace and Conflict Resolution“.
Das Kolleg identifiziert Wahrheit wie Recht als Bedingung für Frieden und Konfliktlösung im israelisch-palästinensischen Verhältnis. Vor dem Hintergrund, dass rechtliche, politische und religiöse Dimensionen der Versöhnung ihrerseits mentale Komponenten beinhalten, wie etwa die Anerkennung von Leid, die Befähigung zur inter-religiösen Toleranz und zur Dekonstruktion festgefahrener Narrative, soll die Wasatia Graduate School als ein interdisziplinäres Forum fungieren, das Versöhnung als zentrales Element zur gesellschaftlichen Konfliktlösung herausstellt.