Zusammen denken / Zusammendenken

Im Online-Magazin +972 eine spannende Außensicht, auf das, was in Deutschland mit Blick auf das Dreieck Deutschland Israel-Palästina geschieht – oder jedenfalls, was wahrgenommen wird.

How Palestine became a ‘forbidden word’ in German high schools

From textbooks to trips, Germany’s education system is aggressively pushing a pro-Israel narrative hostile to any Palestinian dissent in the classroom.

By Hebh Jamal – December 5, 2022

Nicht in einen Topf

Zwischen der extremen Rechten und dem Faschismus sollte genau unterschieden werden – gerade weil die Gefahr von rechts so groß ist

Damit befaßt sich ein Beitrag auf ipg-journal.de von Jan-Werner Müller, derzeit Forschungsmitglied am Wissenschaftskolleg zu Berlin sowie am Exzellenzcluster Contestations of the Liberal Script an der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin. Im Mai 2021 erschien sein Buch Freiheit, Gleichheit, Ungewissheit: Wie schafft man Demokratie? Zuvor lehrte er Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Princeton.IPG Logo

Vortrag von Professor Derek Penslar (Harvard)

Zionism as Hated Object and Hating Subject

Zentrum für Antisemitismusforschung in Kooperation mit dem New Israel Fund Deutschland

Dienstag 06. Dezember, 18.00–20.00 Uhr

Moderation: Stefanie Schüler-Springorum

This talk traces the interdependence of those who hate and the objects of hatred in two different aspects of Zionism: hatred of Zionism and hatred in the name of Zionism. It begins by exploring the historic relationship between antisemitism and Zionism before turning to more recent expressions of anti- Zionism and the circumstances under which they are and are not hateful. The second part of the talk explores forms of Zionist hatred, particularly hatred of Arabs. It details the suppression and denial of this hatred in Zionist public discourse until the turn of the twenty-first century, when it became socially acceptable and more visible.

Der renommierte Historiker Derek Penslar befaßt sich in seinem Vortrag mit der Verflechtung zwischen denjenigen, die hassen, und den Objekten des Hasses anhand zwei verschiedener Aspekte des Zionismus: Er thematisiert sowohl den Haß auf den Zionismus als auch den Haß im Namen des Zionismus.

Zunächst untersucht er die historische Beziehung zwischen Antisemitismus und Zionismus. Im weiteren Verlauf geht er auf neuere Ausdrucksformen des Antizionismus und die Umstände ein, unter denen sie jeweils haßerfüllt sind oder nicht. Im zweiten Teil des Vortrags werden Formen des zionistischen Hasses untersucht, insbesondere der Haß auf arabische Menschen.

Penslar setzt sich mit der Verdrängung und Leugnung dieses Hasses im öffentlichen zionistischen Diskurs bis zur Wende zum 21. Jahrhundert auseinander, als er zusehends gesellschaftlich akzeptiert und sichtbarer wurde.

Derek Penslar ist William Lee Frost Professor für jüdische Geschichte an der Harvard University in den USA. Zu seinen Veröffentlichungen gehören u.a. Shylock’s Children: Economics and Jewish Identity in Modern Europe (2001), Israel in History: The Jewish State in Comparative Perspective (2006), Jews and the Military: A History (2013), und Theodor Herzl: The Charismatic Leader (2020). Sein Buch Zionism: An Emotional State ist im Druck.

Sein aktuelles Forschungsprojekt ist eine globale Geschichte des Palästinakrieges 1947–1949.

Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.

Ort: Hauptgebäude der TU Berlin, Straße des 17. Juni 135, H 1012
Zeit: Dienstag 06. Dezember, 18.00–20.00 Uhr

Karimeh Abbud

Sie war die erste professionelle Photographin im arabischen Raum, eine Sammlung ihrer Photographien und Postkarten wird zur Zeit in Beer Sheva gezeigt. …es ist die Sammlung eines Israelis, was der BR-Beitrag mehrfach betont.

Was nicht erzählt wird: … daß sich an der Dar-al-Kalima Universität in Bethlehem seit Jahren mit der Pionierin befaßt wird

Der Beitrag auf BR-Klassik ist noch für sieben Tage nachhörbar (bis 5.12.2022)

https://www.br.de/radio/live/br-klassik/programm/2022-11-28/3305296/#t=08:41:43

Uraufführung live im Radio: Anno Schreier: Turing

Samstag, 26. November 2022 – 19.05 Uhr – Live aus dem Staatstheater Nürnberg | Oper in zwei Teilen

Szenenbild Turing

Bildquelle: © Ludwig Olah

BR-Klassik

Er war eine der tragischen Figuren des 20. Jahrhunderts: Der geniale Mathematiker Alan Turing, Pionier der Informatik, der im Zweiten Weltkrieg den Enigma-Code der deutschen Wehrmacht knackte und so den Weg der Alliierten zum Sieg ebnete. Doch musste er sich wegen seiner Homosexualität in seiner Heimat Großbritannien einer demütigenden ‚Behandlung‘ unterziehen, die ihn in den Selbstmord trieb.


Dieses Schicksal bewegte den Komponisten Anno Schreier und er komponierte eine Oper über die Triumphe und Leiden des einsamen Genies. Das Libretto schrieb der Nürnberger Dramaturg Georg Holzer. BR-KLASSIK überträgt live die Uraufführung in der Inszenierung von Staatsintendant Jens Daniel Herzog. Musikalische Leitung: Guido Johannes Rumstadt.

Das rebellische Spiel

Die Macht des Fußballs im Nahen Osten und die Katar-WM

Eine Buchbesprechung von Birte Rodenberg

978-3-7307-0607-7

Jan Busse / René Wildangel (Hgg.), Bielefeld (Die Werkstatt) 2022 | Paperback, 272 S. |978-3-7307-0607-7 | 22,00 €

Wenn es noch einen Beleg brauchte, dass der Profi-Fußballsport der Männer* einem profitorientierten Unternehmen entspricht, dann hat die Weltmeisterschaftsvergabe nach Katar im Jahr 2010 diesen Beleg erbracht. Die FIFA hat ihre Versprechen bis dato nicht eingelöst, sich für die Einhaltung von Menschenrechten und eine nachhaltige Weltmeisterschaft einzusetzen. Zwar sind in Katar durchaus Verbesserungen etwa im Arbeitsschutz zu erkennen: So sind auf internationalen Druck und in Kooperation mit der Internationalen Arbeitsorganisation Reformen, wie die Abschaffung des Kafala-Systems, beschlossen worden. Allerdings bestehen nach wie vor starke Defizite bei der Umsetzung. Zugleich werden im Inneren Katars wesentliche Menschenrechte eingeschränkt, insbesondere die von Frauen und LGBTIQ-Menschen. In Katar prägt der Wahabismus, eine traditionalistische Auslegung des sunnitischen Islam, die Gesellschaft. Human Rights Watch bestätigt, dass Frauen sich durch ein vom Staat durchgesetztes Regelwerk männlicher Vormundschaft bewegen müssen und kein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben führen können. Alle nicht heterosexuellen Lebensformen stehen unter Strafe.

Mittlerweile schließt sich eine breite Öffentlichkeit der Kritik an, und die kritische Aufmerksamkeit kann zu positiven Veränderungen beitragen. Es ist nicht nur darauf zu drängen, dass die Reformen zur Einhaltung von Menschenrechten in Katar nach der WM endlich durchgesetzt werden; auch bedarf es dringend grundlegender Reformen der FIFA und ihrer Vergabepolitik. Eine Forderung, der die Herausgeber des Buches „Das rebellische Spiel“ bereits auf den ersten Seiten mit unglaublichen Zahlen zur Kommerzialisierung des Profifußballs Nachdruck verleihen.

Das Buch diskutiert diese politische Dimension des Fußballs und zeigt, welche Strategie hinter der Sportpolitik Katars steckt. Die Ausrichtung der Weltmeisterschaft ist ein Instrument der soft power, das Katar in der Region und darüber hinaus positionieren und legitimieren soll. So wird der Konflikt zwischen den Arabischen Emiraten und Katar von Marlon Saadi und Guido Steinberg ins Blickfeld gerückt.

Doch Katar ist mit diesem Sports Washing keineswegs allein. „Wie Golfstaaten mit Fußball Politik machen“, wie autoritäre Regime den Fußball als Instrument der Machtkonsolidierung nutzen, um von Missständen abzulenken und ihre Herrschaft zu legitimieren, erörtern Cinzia Bianco und Sebastian Sons in einem weiteren Artikel. Die WM in Katar ist nur jüngster Höhepunkt einer langen Entwicklung die seit Jahrzehnten den Spitzensport charakterisiert. Dennoch war es höchste Zeit für die Austragung einer Fußball-Weltmeisterschaft im Nahen Osten; sind doch insbesondere die Länder Nordafrikas, aber auch Iran fußballbegeisterte Nationen – so die Einschätzung der Herausgeber, deren Begeisterung für den Teamsport in den kurzen Zwischenrufen mit biografischen Porträts von Fußballer*innen aus der Region zwischen den Zeilen spürbar wird.

Das besondere an dem Buch ist, dass es einen kaum gekannten Blick in die Geschichte des Fußballs in den Nahen Osten wirft – vom kolonialen Exportartikel zum Massenphänomen. Für die Leser*innen des diAk – blogs mag der dritte Abschnitt des Buches von besonderem Interesse sein: Fußball im Kontext der Nahost-Konflikte. Steffen Hagemann gelingt es hier, den palästinensisch-israelischen Konflikt anhand der Geschichte des Fußballs in und aus Jerusalem bzw. dessen Rolle in beiden Staaten wie in einer Nussschale zu analysieren.

Doch der Fußball im Nahen Osten war und ist nicht nur Propagandainstrument für die Mächtigen, sondern hat oftmals progressive Potentiale von unten entwickelt. Bei den Arabellionen haben Ultras beispielsweise eine zentrale Rolle beim Sturz der autoritären Machthaber gespielt – so etwa die Fans von Al-Ahly, die dazu beigetragen haben, dass der Tahrir Platz gegen die Sicherheitskräfte des Regimes gehalten werden konnte und so zu einem wichtigen Symbol für die Macht der Menschen werden konnte. In diesem hoffnungsvollen vierten Kapitel des Buches aus dem Bielefelder Werkstatt Verlag rücken nun auch fußballspielende Frauen in den Mittelpunkt: ihr beharrlicher Kampf um gleiche Rechte und geschlechtergerechten Zugang zu Stadien und Spielen, zu Trainingsplätzen und zur Möglichkeit, sichtbar zu spielen, wird – wie könnte es in diesen Zeiten anders sein – am Beispiel des Irans dargestellt.

Beiträge aus der ganzen Region von Autor*innen aus Doha, Algier oder Tel Aviv berichten von dem Janusgesicht des Fußballs. Das Buch zeigt die Vielstimmigkeit des Fußballs in der gesamten Region und die Potentiale die das „rebellische Spiel“ für gesellschaftliche Entwicklungen entfalten kann, wenn es Rassismus und Diskriminierung die rote Karte zeigt. Erst recht nach dieser verlorenen WM bietet es eine spannende Lektüre.

Dreaming About a Revolution

Die Ausstellung Dreaming About a Revolution nimmt die revolutionäre Bewegung im Libanon, die im Herbst 2019 angefangen hat, zum Anlaß, über die Möglichkeiten von Künstler*innen, gesellschaftliche Prozesse zu beeinflussen.

Künstler*innen: Gilbert Hage | May Kassem | Rania Rafei | Marwan Tahtah

Kuratiert von Charlotte Bank und Salah Saouli

Ausstellungstermine: 26. November – 11. Dezember 2022, Freitag – Sonntag 16 – 19 Uhr

Gezeigt werden Arbeiten, die sich auf verschiedene Proteste der vergangenen Jahre beziehen und die Hoffnungen, aber auch die damit verbundenen Enttäuschungen beleuchten. Die verheerende Explosion im Beiruter Hafen im August 2020 hat noch einmal verdeutlicht, wie festgefahren die politische Situation im Land ist und hat bei vielen Kulturschaffenden zu einem Prozeß der Selbst-Reflektion geführt, die hier ebenfalls zur Sprache komm

 Rania Rafei, The Square, 2022

(c) Rania Rafei, The Square, 2022

In Zusammenarbeit mit FAP Foundation for Art & Psychoanalysis, London  

Ort: Art-Lab Berlin im iPhonedoctor Perleberger Straße 60, 10559 Berlin

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Vielleicht in diesem Zusamenhang auch von Interesse: Texte des in Deutschland lebenden libanesischen Professors Assaad E. Kattan zu den Ereignissen im Libanon: Mit zur Sonne blickenden Augen …

Mediator und ‚Grenzgänger‘

Eine internationale Tagung am Franz Rosenzweig Minvera Reseach Center an der Hebräischen Universität in (West-)Jerusalem über den Dichter und Künster Manfred Winkler (1922-2014) | 29./30. November 2022

Zwischen dieser ‚Freiheit‘ und jener ‚Freiheit‘

Aktueller Bericht in der israelischen Tageszeitung Ha’aretz über die Verbannung von Literatur aus US-amerikanischen öffentlichen Büchereien.

Wir gratulieren

Daniel Barenboim zum 80. Geburtstag

Daniel Barenboim zu 80. Geburtstag