Kalender 2025 – September

israel & palästina – Zeitschrift für Dialog | Ausgabe 4-2024


Women Wage Peace is the largest grassroots peace movement in Israel, working to bring about a political solution to the Israeli-Palestinian conflict. Today the movement has more than 50,000 members. WWP’s theory of change reflects the conflict, and its resolution, through a gendered lens. The movement is non-partisan and does not support any one specific solution to the conflict.

Instead, it empowers women from diverse communities, within Israel and from neighboring Palestinian communities, to build trust across divides, leading in turn to a unified demand for diplomatic negotiation, with full representation of women, to end the Israeli-Palestinian conflict. (Donation Link)

Es war das zehnte Mal, daß im Rahmen von israel & palästina | Zeitschrift für Dialog ein Photobegleiter in Kalenderform für das kommende Jahr erschienen ist:

Allianz für Frieden im Nahen Osten – Ein Begleiter durch das Jahr 2025

Erschienen in Zusammenarbeit mit allmep.org

Kalender 2025


Musik für Menschlichkeit

Musik für Menschlichkeit

Missionstatement

Johannes Friedrich (1948-2025) r.i.p.

1985 wurde Friedrich Propst an der Evangelische Gemeinde deutscher Sprache zu Jerusalem. Dort wirkte er bis 1991 als Repräsentant der EKD in Israel, im Westjordanland und Gaza (Palästina) sowie in Jordanien. Propst Johannes Friedrich pflegte den interreligiösen Dialog mit Juden und Muslimen sowie den interkonfessionellen Dialog mit einer Vielzahl christlicher Religionsgemeinschaften.

Nach einer Zeit als Dekan in Nürnberg, wurde Friedrich Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Die Zeit in Jerusalem habe ihn stark geprägt, so sagte er selbst:

„Das war für mich, aber auch für meine Frau und meine Töchter die wichtigste Zeit in unserem Leben“, sagt Friedrich rückblickend – schöne, aber durch die politischen Umstände zugleich auch schwierige Jahre. Für ihn durchaus eine Herausforderung: „Zum ersten Mal in meinem Leben durfte ich mich politisch zu diesem Konflikt nicht äußern, weil ich ja für beide Seiten ansprechbar bleiben mußte. Ich habe erst als ich zurück war, gemerkt, daß das doch eine unglaubliche Spannung war, in der ich gelebt habe.“ (Aus dem Nachruf im Bayerischen Rundfunk)

Demonstration!

Demonstrate with us Tomorrow!

Israel continues its assault on Gaza, bluntly ignoring Hamas’s agreement to reach a hostage deal.

Every day brings worsening devastation, hunger, and suffering. With Israel’s stated plans to occupy Gaza city, it appears determined to continue until the strip is fully annihilated.

We, Israelis living in Germany, call upon the German government to intensify pressure on the extremist Israeli government, which is committing genocide.

Halting arms deliveries is an important first step, but it is not enough – Germany must also impose immediate sanctions on Israel, including the suspension of the Israel-EU association agreement, and recognize a Palestinian State.

Bring pots and Pans!

Co-Resist!

In Beit Jala, Combatants for Peace is defying the norm and showing what’s possible. Each week, they’re leading demonstrations with Palestinians and Israelis, side by side, choosing solidarity over separation.

In August, CfP organized a vigil titled “What Was Their Crime?” One by one, photos of children killed in Gaza were lifted into candlelight. Each child was someone’s whole universe. They had families who loved them, favorite foods they delighted in, and dreams still waiting to be lived. 

Days later, Combatants for Peace returned under a different banner: “Journalism is not a crime.” In blood-stained press vests, they carried portraits of journalists assassinated in Gaza, honoring extraordinary courage. Journalists in Gaza are being threatened, targeted, and killed by Israeli forces. Yet they refuse to stop, risking their lives to show the world the truth. 

On August 29, Palestinian and Israeli women organized a Women’s Peace Sit-in. United in grief, they demanded peace, safety, and equality for their peoples. They remembered the women of Gaza—especially those giving birth under siege. Today, forced famine has turned pregnancy and early motherhood into a possible death sentence. With hospitals attacked, healthcare workers targeted, and starvation, women face high risks of miscarriage, stillbirth, premature delivery, and maternal death.

Quelle: Aus dem Newsletter vom 5.9.25 // Support the Movement

Wenn nur eine Seite spricht

Auf der Seite Jakobin.de findet sich ein Beitrag von Fabian Goldmann (siehe: https://www.schantall-und-scharia.de/nahostquellen) zur deutschen Nahostberichterstattung.

„Wer kommt bei der Nahost-Berichterstattung zu Wort? Eine exklusive Auswertung von 5.000 Schlagzeilen deutscher Leitmedien zeigt: Israels Militär und Regierung dominieren. Unabhängige Quellen werden kaum genutzt.“

A Jerusalem Voice for Justice

This is the moment to come together as Church in new ways. It is a time for increased solidarity and selfless mutual support. As individuals we might indeed lament and feel helpless, but as Church we do have within our DNA a way to overcome crises through our shared faith. Within the Christian community, all qualifications, occupations and social classes are represented: rich and poor, healthy and sick are living side by side. How can we put together our ideas, competences and resources?

Demo in Tel Aviv

Die Zahl der Protestierenden wächst … (auch wenn unterschiedlich darauf geschaut wird)

Reuters, 27. August 2025

Hunderttausende Demonstrantinnen und Demonstranten haben sich in Tel Aviv und Jersualem versammelt; es handelt sich um eine der grössten Demonstrationen in Israel seit dem Wiederaufflammen des Krieges im Oktober 2023.

Die Demonstranten forderten die Beendigung des Gaza-Kriegs und die sofortige Freilassung der Hamas-Geiseln. Zudem riefen sie die israelische Regierung dazu auf, ihre Entscheidung rückgängig zu machen, die Stadt Gaza und andere Gebiete im Gazastreifen einzunehmen. Sie blockierten zahlreiche Strassen im Land, darunter auch eine zentrale Schnellstrasse in der Küstenmetropole Tel Aviv.

Mehr als 30 Menschen wurden nach Angaben der Polizei festgenommen. In Jerusalem wurden Wasserwerfer gegen Demonstranten eingesetzt. Die Organisation der Geiselangehörigen hatte für Sonntag – den Beginn der israelischen Arbeitswoche – zu einem landesweiten Streik aufgerufen. Man werde «das Land zum Stillstand bringen», sagte Einav Zangauker am Samstagabend bei einer Kundgebung – ihr Sohn Matan ist eine von 20 lebenden Geiseln im Gazastreifen. Der mächtige Gewerkschafts-Dachverband Histadrut schloss sich dem Streik zwar nicht an, äusserte aber Verständnis für den Schritt.

Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich nannte die Protestaktionen in einem Post auf der Plattform X eine «schlechte und schädliche Kampagne, die der Hamas in die Hände spielt». Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kritisierte die Proteste.

Instagram Watson News

Bei einer Demonstration in der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv haben zahlreiche Menschen ihre Solidarität mit den Geiseln zum Ausdruck gebracht, die seit fast zwei Jahren von der Hamas im Gazastreifen festgehalten werden.

Tachles.ch

Rabbiner gegen Hunger in Gaza

Rund 80 orthodoxe Rabbiner fordern ein Ende der Hungersnot in Gaza

Rund 80 orthodoxe Rabbiner aus verschiedenen Ländern fordern die israelische Regierung auf, der Hungersnot in Gaza ein Ende zu bereiten. Die Initiative für das Schreiben, das der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt, ging demnach von US-Rabbi Yosef Blau aus. Er erklärte: „Wenn Religion dazu benutzt wird, die Verehrung von Macht zu rechtfertigen, verzerrt sie die grundlegende Moral.“ Unkritische Loyalität widerspreche dem Anspruch der Selbstreflexion, der grundlegend für das Judentum sei.

In dem Schreiben heißt es weiter, die Greueltaten der radikalislamischen Hamas entbünden Israel nicht von seiner Verantwortung für die humanitäre Krise im Gazastreifen. Daher müsse das Land eine massenhafte Hungersnot verhindern. Zu den Unterzeichnenden gehört auch der polnische Oberrabbiner Michael Schudrich, der betonte: „Ich liebe Israel – die Nation, das Land, die Menschen.“

Rückbesinnung auf die jüdische Hoffnung

Kritik gibt es auch daran, dass Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu keine Ideen für eine Zeit nach dem derzeitigen Krieg entwickelt habe. So entstehe ein Vakuum, das extremen Stimmen innerhalb der Regierung ermöglicht habe, „beunruhigende Vorschläge“ zu verbreiten. Zudem verurteilen die Rabbiner die eskalierende Gewalt durch extremistische Siedler im Westjordanland: Sie habe zum Mord an Zivilisten geführt und die Region weiter destabilisiert.

Dieser historische Moment erfordere, so das Schreiben weiter, „eine Stimme, die in unseren tiefsten jüdischen Werten verwurzelt ist und von unserer traumatischen Geschichte der Verfolgung geprägt ist“.

Die jüdische Hoffnung auf Gerechtigkeit und Mitgefühl erstrecke sich auf alle Menschen. Zu den Unterzeichnenden gehören auch der Dresdner Rabbiner Akiva Weingarten, der britische Rabbiner David Rosen, der norwegische Rabbiner Michael Melchior sowie der dänische Oberrabbiner Jair Melchior.

Die Macht des Wortes

School for Peace – Update August 2025


Liebe Freundinnen und Freunde,

aus unseren Terminologie-Workshops wissen wir, wie tiefgreifend unsere Wortwahl bei der Beschreibung von Konflikten Menschen beeinflusst. Ob wir etwas Genozid, ethnische Säuberung oder Kriegsverbrechen nennen, solche Bezeichnungen sind nicht nur semantisch – sie haben schwerwiegende politische und emotionale Bedeutungen auf der ganzen Welt. Wir wollten verstehen, warum das so wichtig ist. Und nun wissen wir, dass eine Situation zu bezeichnen einen Wunsch widerspiegelt: den Wunsch nach Anerkennung, nach Wandel, nach Verantwortlichkeit, nach internationaler Verantwortung. Menschen beschreiben mit Begriffen nicht nur, was geschieht, sondern sie pochen zugleich darauf, dass etwas geschehen muss – dass Gerechtigkeit geschaffen werden muss.
Wir sehen, dass überall auf der Welt Menschen glauben, sich „für eine Seite entscheiden“ zu sollen – dass sie sich nur mit einer Seite solidarisieren und sich gegen die andere stellen sollen. Doch uns, deren Arbeit im jüdisch-palästinensischen Dialog verwurzelt ist, aus der wir Stärke gewinnen, ist klar, dass die Realität so zu sehen, wie sie ist – eben nicht bedeutet, einseitig Partei zu ergreifen. Rechenschaft für Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzufordern ist nicht Ausdruck einer Feindseligkeit gegenüber einem Volk – es ist ein Grundsatz, der die Menschenrechte und moralische Klarheit unterstützt. Beim Streben nach Gerechtigkeit geht es nicht um Spaltung; es geht um die Verteidigung universeller Werte und um die Anerkennung aller Menschen, die von Gewalt und Unterdrückung betroffen sind. Darin liegt für uns die ethische Verpflichtung beider Seiten: Leben zu retten, Gerechtigkeit zu schaffen und Heilung für die Opfer zu ermöglichen; und einen Pfad der Rechenschaftslegung und der Transformation für die Täter zu eröffnen – sodass alle in Würde und Hoffnung weitergehen können.

Die entsetzlichen Berichte aus Gaza zerreißen das Herz und sind unstrittig. Der Hunger und die Vernichtung – von Leben, Häusern und ganzen Gemeinschaften – müssen sofort aufhören.
Die 1948 vertriebenen/geflüchteten Palästinenser werden vom Staat systematisch zum Schweigen gebracht und ein Klima geschaffen, das viele lähmt und ihnen die Sprache verschlägt; zugleich fühlen sie sich schuldig, während sie die Auslöschung und Zerstörung ihres Volkes und ihre eigene Ohnmacht erleben. Mittlerweile unterstützen jüdische Israelis entweder aktiv die fortdauernde Gewalt, oder ziehen Verleugnung oder Vermeidung vor, anstatt sich der Realität und ihrer Rolle darin zu stellen. In den vergangenen Wochen, im Angesicht des schrecklichen Hungers, sind wir Zeugen starken Widerstands aus beiden Gruppen geworden – und doch ist dies angesichts des Ausmaßes der Grausamkeiten traurigerweise nicht genug.

Wir rufen jeden Einzelnen von Euch auf: Tut alles, was Euch möglich ist, um diese Grausamkeiten zu beenden und Leben zu retten!

Wenn Ihr nicht wisst, wie, helfen wir Euch gern, darüber nachzudenken, wie Eure Resourcen – Eure Stimme, Eure Zeit, Eure Netzwerke, Eure Geldmittel – etwas bewirken können.

In diesem Brief findet Ihr eine Übersicht über unsere Aktivitäten auch unter diesen unerträglichen Bedingungen, aufrechterhalten durch die Hoffnung und die Überzeugung, dass ein anderer Weg sowohl möglich als auch notwendig ist.


Mit freundlichen Grüßen – Roi Silberberg, Direktor, School for Peace

Übersetzung ins Deutsche ©Ulla Philipps-Heck für Freunde von NSh-WaS e.V., August 2025

Nachtrag

Erklärung der Dorfgemeinschaft und der Bildungseinrichtungen von Neve Shalom ∙ Wahat al-Salam zum Krieg und den fortdauernden Grausamkeiten