Torat Tzedek zu 5782

Rabbiner Ashermans Reflektion zum Feiertag: Religion im Angesicht der Wirklichkeit

Nitzavim, Rosh HaShanah and Palestinians Picnicking in a Settler Picnic Spot

Und ein Beitrag in der Times of Israel

Republik Haifa

Im vergangenen Jahr legte der israelische Philosoph und an der New School For Social Research lehrende Professor Omri Boehm in „Israel – eine Utopie“ sein Modell eines gemeinsamen politischen Systems von Israelis und Palästinensern vor, und zwar zuerst in deutscher Sprache in Deutschland. In Interviews erklärte er seinerzeit seine „Utopie“ und die Notwendigkeit, eine Regelung jenseits der längst nicht mehr offenen zwei-Staaten-Option zu suchen.

Nun erschien Boehms Buch in englischer Sprache unter dem Titel “Haifa Republic: A Democratic Future for Israel” in den USA und wird in der Tageszeitung Haaretz rezipiert. Und wieder zeigt sich: ein enorm wichtiges Buch zur rechten Zeit.

In Haaretz (Premiumausgabe) schreibt Abe Silberstein über das Buch:

„The book is an effort to reconcile Zionism with the diminishing prospects of a two-state solution. For decades, the Zionist left in Israel and its supporters in the Jewish Diaspora focused on the two-state solution as the only way to preserve Israel as a Jewish and democratic state. Israel’s current government, however, has no intention to advance that solution, as Foreign Minister Yair Lapid recently reminded the European Union’s foreign ministers.“

Boehm’s vision 
So what specifically does he propose? First, Boehm seeks to maintain the territorial unity of historic Israel/Palestine; all Israelis and Palestinians will enjoy freedom of movement, residence and work across the entire territory – a single federation in which two non-sovereign states operate along the pre-1967 lines so that each people can enjoy “cultural and national self-determination.”

Hier noch einmal ein Link zu einem längeren Gespräch mit Omri Boehm.

Auch das gibt es – auch das geht …

Executive BriefingNews about Jewish Arab Education in the Negev | August 2021

Breakthrough! Integrated Scouting is on the Map

Nothing is more powerful than an idea whose time has come.  Two years ago the prospects for integrated scouting were touch and go. Negotiations with the Israel Scouts Movement had just led to a pilot activity for 13 children at the Hagar school when the Coronavirus broke out, threatening to bury the whole idea.  Today Scout Troop Adam – Israel’s first Arab-Jewish Scout troop, has 43 members, and is expected to grow to close to 60 over the coming school year as we reach out to children from other schools.   Troop Adam is more than an opportunity for Jewish and Arab youth to hike and camp together.  The Hagar Association’s goal is to change the very paradigm of informal education in this country.  Our plan is to scale  the group and cultivate bilingual scouting leadership, recruiting and training troop leaders from Hagar graduates and their peers.  Utlimately, we seek to make the scout troop a financially sustainable and attractive option for youth around the city.  We’re definitely on the way…

und hier geht’s zum Weiterlesen!

Neues von Mitvim

Eine ganze Anzahl neuer Beiträge zur aktuellen Entwicklung in Israel und der Region, u.a.:

„We are pleased to share with you the Mitvim Institute’s recent publications focusing on the establishment of the new Israeli government and foreign policy apparatus, a year since the normalization agreements, and various developments in the regional and international spheres. These publications include monthly reports on Israel’s foreign policy, policy papers, conference recordings and media interviews, and opinion pieces and commentaries.“

Im siebten Jahr soll der Boden ruhen

Trotz der Probleme im bilateralen Verhältnis in den vergangenen Jahren einigten sich die Regierungen Israels und Jordaniens auf Agrarimporte im Schnat schmita, dem Schmita-Jahr.

Mit dem Neujahrsfest beginnt nach jüdischer Tradition und Religion nun wieder solch ein Jahr am 7. September. Nach biblischer Überlieferung ernten Jud:innen im siebten Jahr ihren Boden nicht ab, sondern schonen diesen: „..sechs Jahre kannst du in deinem Land säen und die Ernte einbringen; im siebten sollst du es brach liegen lassen und nicht bestellen…“

Um dennoch ausreichend Lebensmittel in Israel zur Verfügung zu haben, wurden bevorzugte Importlieferungen aus/mit Jordanien vereinbart. 

Alles auf Anfang?

Deutsch-Israelische Literaturtage 2021

»Alles auf Anfang?« – so lautet das Motto der Deutsch-Israelischen Literaturtage in diesem Jahr

Auf Einladung der Heinrich Böll-Stiftung und des Goethe-Instituts lesen und diskutieren neun Autorinnen und Autoren vom 1. bis 4. September 2021 in Berlin, wofür Krisen gut sind, wie sie bewältigt werden können und ob sich durch sie wirklich etwas ändert.

Bei der Eröffnungsveranstaltung am 1. September im Deutschen Theater stellen sich Etgar Keret und Terézia Mora die Frage, was mit Blick auf aktuelle Krisen zu tun ist. Die Lesungen und Diskussionen im Literaturhaus Berlin am 2. und 4. September befassen sich mit dem Phänomen der Krise und ihren Auswirkungen vor dem Hintergrund der deutsch-israelischen kulturellen Beziehungen.

TICKETS

Karten für die Eröffnung am Mittwoch, 1. September, 20 Uhr über das Deutsche Theater

Tickets für den Festivaltag am Sonnabend, 4. September, 16 – 22 Uhr im Literaturhaus Berlin. Die Veranstaltung wird auch per Livestream übertragen. 

Das Gespräch zu den Literaturbeziehungen am Donnerstag, 2. September, 11 Uhr findet ausschließlich online statt. Anmeldung über das Literaturhaus Berlin

Die Deutsch-Israelischen Literaturtage werden von der Heinrich-Böll-Stiftung und vom Goethe-Institut veranstaltet. In Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Berlin und dem Deutschen Theater Berlin.

Erinnerung an das Benefizkonzert für Friedensoase

St. Borromäuskirche in Berlin-Wilmersdorf | 5. September 2021

Am 05. September wird genau ein Jahr vergangen sein, seit die beiden Brandanschläge auf die School for Peace (SfP) in Neve Shalom/Wahat al-Salam in Israel von noch immer unbekannten Tätern verübt wurden. Und die erschreckende Gewaltwelle in den gemischten israelischen Städten im Mai diesen Jahres angesichts der erneuten Krise in Ost-Jerusalem, den Raketenangriffen der Hamas auf Israel und der erneuten Bombardierung des Gazastreifens liegt erst wenige Monate zurück.

Ursula Trede-Boettcher (Piano) und Marianne Boettcher (Violine) wollen mit ihrem Konzert ein Zeichen setzen für ein friedliches Zusammenleben der Menschen in Israel und Palästina. Am Sonntag, den 05. September werden sie in der St. Borromäuskirche in Berlin Wilmersdorf konzertieren. Sie möchten mit ihrem Konzert das Friedensdorf unterstützen, wo bereits seit über 40 Jahren jüdischen und palästinensisch-arabischen Israelis ein friedliches, partnerschaftliches Zusammenleben im Dialog auf Augenhöhe gelingt.

Zum Hinttergrund des Dorfes und seiner Arbeit hier noch zwei kurze Video-Links:

Aktuelles zur SfP | Videobotschaft, die Kinder, Eltern und Lehrkräfte der Grundschule von NSh/WaS während der Mai-Ereignisse an die Menschen in Israel und Palästina

Setzen auch Sie ein Zeichen der Hoffnung. Machen Sie sich zugleich selbst ein Geschenk, kommen sie zu dem Konzert und bringen Sie Ihre Freunde mit. Anmeldung bis spätestens zum 01. September 2021 an ulla.philippsheck@posteo.de.

Neuerscheinung zu Yad Vashem

Nicht für Deutsche…? Yad Vashem als Ort und Wirklichkeit

Das neue Buch von Georg Rößler ist erschienen

Photos von Orli Hefetz-Haim

AphorismA Verlag Berlin 2021

272 Seiten | Fadenheftung | Hardcover mit Leporello | ISBN 978-3-86575-074-7 | 30,00 €

Einführungen von Yehuda Bauer, Gil Yaron, Stephan Reimers und Andreas Goetze

Was ist Yad Vashem? Es ist ein Ort, an dem sich eine historische Wirklichkeit materialisiert, deren Gewicht uns mit Stummheit schlagen kann. Gleichzeitig ist es aber auch ein Ort, an dem aktuelle, beredsamere Wirklichkeiten geschaffen und reproduziert werden. Es sind persönliche Erfahrungen von Nachgeborenen, die den Ort entdecken und sinnhaft verarbeiten, aber auch politische und historische Narrative, die sich an diesem Ort kreuzen. Was ist Yad Vashem? Die Antwort ist schwierig. Aber neben allem anderen, Yad Vashem verstört auch.

Georg Rößler stellt sich der schwierigen Aufgabe, persönliche und gesellschaftliche Erfahrungen zu verschränken. Es spricht die Perspektive einer deutsch und christlich geprägten Identität, die sich von der Shoa hat erschüttern lassen, und nun nach einer Sprache sucht, die um die Vermittlung und Verständlichkeit des israelischen Erinnerungsnarrativ bemüht und der Versöhnung verpflichtet ist.

Das Buch ist vieles zugleich: Es ist ein Lesebuch, welches das Ringen nach Worten eines geschichtsbewußten Subjekts dokumentiert, das aus dem Land der Täter kommt und in Israel ein zu Hause gefunden hat. Es ist ein Text, der über historische und gesellschaftliche Zusammenhänge aufklärt. Und es ist ein ungewöhnlicher Reisebegleiter, der für einen (neuerlichen) Besuch Yad Vashems eine Bereicherung sein dürfte. Eine ausfaltbare Karte bietet den Besuchenden und Lesenden Orientierung. Detailphotographien von Orli Hefetz-Haim sorgen für den Eindruck einer Stille, an die bei so vielen Worten erinnert sein soll.

Sag mir wo Du stehst …

Anfang August hat das Israel Democracy Institute IDI seine neueste Monatsumfrage vorgestellt. Danach sind die wirtschaftliche Situation und die weiteren Maßnahmen der Regierung gegen die Ausbreitung von Covid-19 die wichtigsten Probleme der Bevölkerung Israels. An zweiter Stelle folgt die Arbeitsweise der neuen Regierung und an dritter Stelle schließlich die Sicherheitslage und die dramatischen Folgen des Klimawandels. Daß die seit etwa sechs Wochen amtierende Regierung mindestens ein Jahr hält, davon geht weiterhin weniger als die Hälfte der Bevölkerung Israels aus.

Die Mehrheit der Bevölkerung stimmt auch dafür, daß Spionagesoftware und israelische Waffen nicht an „nondemocratic regimes or rulers“ verkauft werden sollten.

Hinsichtlich der Regelung des israelisch-palästinensischen Konflikts scheint ein Konsens weit entrückt zu sein. Weniger als vierzig Prozent der Gesamtbevölkerung Israels könnte eine Zwei-Staaten-Regelung einschließlich der Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates akzeptieren, in der arabisch-israelischen Bevölkerung wären es mehr als zwei Drittel. Eine Ein-Staaten-Regelung mit gleichen Rechten für alle Bürger wäre nur für etwas mehr als ein Fünftel aller Israelis akzeptabel, aber auch hierzu würden mehr als die Hälfte der arabisch-israelischen Einwohner zustimmen.

In den politischen Lagern zeigt sich der manifeste Graben noch deutlicher: Fast 90% der sich als links verstehenden jüdischen Israels stimmen einer Zwei-Staaten-Regelung zu. Unter den sich als rechts einschätzenden jüdischen Israelis könnten sich weniger als ein Fünftel mit dieser Option abfinden; mehr als die Hälfte von ihnen befürwortet den Status quo.

Dreimal das gleiche?

Für die einen ist ein Kompromißvorschlag, für die anderen eine unmögliche Teilung … was geschieht hier? Und warum interessiert es die Welt – und die europäischen Diplomaten im Gerichtssaal, aber ziemlich wenige Israelis?

Beim Streit um Wohnbauten im Ostjerusalemer Stadtteil Scheich Dscharrah haben die Richter des Obersten Gerichts am Montag eine Kompromißlösung vorgeschlagen: Die palästinensischen Bewohner sollen für die kommenden Jahrzehnte Bleiberecht erhalten und dafür umgerechnet eine symbolische Miete von rund 390 Euro pro Jahr zahlen. ….

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Sheikh Jarrah:
Israeli Supreme Court Divides Solomon’s Baby, Telling Residents to Be Satisfied With Half a Child

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Neither judges nor diplomats are coming to save Sheikh Jarrah

It was infuriating to follow the Israeli High Court’s deliberations on Sheikh Jarrah on Monday….