Auf der Seite des ORF kommt Margot Friedländer zu Wort, ein Beitrag, der auf einem Bericht in der Wochenzeitung DIE ZEIT basiert:

Auf der Seite des ORF kommt Margot Friedländer zu Wort, ein Beitrag, der auf einem Bericht in der Wochenzeitung DIE ZEIT basiert:

Eva Illouz in der der Frankfurter Rundschau im Gespräch mit Michael Hesse

Dialog in den dunklen Zeiten des Krieges
Ein Brief aus der School for Peace von Neve Shalom-Wahat as-Salam
Liebe Freundinnen und Freunde,
wir befinden uns in traumatischen Zeiten eines eskalierenden Krieges. Wir alle in der SfP sind in einem Schockzustand und tiefem Kummer angesichts der unfassbaren Grausamkeiten vonseiten der Hamas, und angesichts der tödlichen und von Rache getriebenen Reaktion Israels im Gazastreifen. Inzwischen dient der Krieg überdies als Rechtfertigung für willkürliche weitere Grausamkeiten: Palästinensisch-arabische Israelis werden mehr denn je zuvor massiv mundtot gemacht und verfolgt, und in der Westbank gehen jüdische Siedler zunehmend – von der Armee unterstützt – gegen die palästinensische Bevölkerung vor. Dieser bösartige Teufelskreis von Gewalt, Terror und Vergeltung zerrt an unseren Seelen.
Angesichts dieses Stresses und der Ungewissheit zu verstummen und abzuwarten wäre durchaus natürlich. Doch zu sprechen bedeutet zugleich zu denken, und besonders in katastrophalen Zeiten ist es wichtig, miteinander nachzudenken. Das ist unser Auftrag in diesem hochdramatischen historischen Moment: aufrichtig über die komplexen und schwierigen Streitfragen nachzudenken und Dialog zu ermöglichen.
Nur durch persönlichen Einsatz können wir den Schmerz auch der anderen Seite anerkennen und sowohl in unserem eigenen Umfeld als auch über die nationalen Linien in Verbindung bleiben. In einer Atmosphäre extremer Hetze und Entmenschlichung, in der „Andere“ ausschließlich als Feinde gesehen werden, erziehen wir dazu, die „Anderen“ als Menschen wahrzunehmen.
Zwar sind wir vielleicht nur ein Tropfen im aufgewühlten Meer, doch wir arbeiten weiter an einer egalitären, gerechten und demokratischen Gesellschaft, indem wir die Werkzeuge einsetzen, die wir über viele Jahre entwickelt haben. Wir verlassen uns dabei auf das schwer erarbeitete Vertrauen, das zwischen der School for Peace und ihren Kursabsolvent:innen gewachsen ist.
Seit Kriegsbeginn haben wir bereits verschiedenes unternommen*:
• … mehrere Dialog-Treffen für unsere bi-nationalen Gruppen;
• … mehrere Dialogtreffen der Dorfgemeinschaft von Neve Shalom ∙ Wahat al-Salam und des Kollegiums der NSh∙WaS-Grundschule. Es ging um den Krieg und seine Auswirkungen auf den Alltag von Menschen in einem national gemischten Umfeld.
• … ein neues Dialog-Projekt mit Palästinenser:innen und jüdischen Israelis, die in Europa leben (Beginn: Tag 2 des Krieges)
• … Beratungsgespräche mit mehreren Hochschulen und Gesundheitseinrichtungen mit gemischtem Personal und gemischten Zielgruppen;
• … Interviews in internationalen Medien.
• … Zusammenarbeit mit anderen israelischen Menschenrechtsorganisationen; gemeinsame Aufrufe zum Schutz für Zivilisten, die von Gewalt bedroht sind.
Die School for Peace will durch Bildungsangebote zum Frieden in der Region beitragen – auch in der jetzigen dunklen Zeit. Wir wissen nicht, wie sich die jetzigen Ereignisse auf unsere Gesellschaften auswirken werden, doch wir haben unsere Finger am Puls des Geschehens und evaluieren ständig die Wirkungen auf die jüdisch-palästinensischen Beziehungen, um unsere Strategien den neuen Erfordernissen anzupassen und unsere Kursabsolvent:innen bestmöglich zu unterstützen.
Die School for Peace will durch Bildungsangebote zum Frieden in der Region beitragen – auch in der jetzigen dunklen Zeit. Wir wissen nicht, wie sich die jetzigen Ereignisse auf unsere Gesellschaften auswirken werden, doch wir haben unsere Finger am Puls des Geschehens und evaluieren ständig die Wirkungen auf die jüdisch-palästinensischen Beziehungen, um unsere Strategien den neuen Erfordernissen anzupassen und unsere Kursabsolvent:innen bestmöglich zu unterstützen.
Ein Teilnehmer eines unserer derzeit laufenden Kurse erzählte, sein 13-jähriger Sohn habe ihm viele Fragen zur Lage in Gaza gestellt und sich große Sorgen um die Kinder dort gemacht. Sein Vater schlug ihm vor, an die Kinder von Gaza einen Brief zu schreiben und das tat er. Dies ist der Brief:
„Liebe Leute in Gaza, wahrscheinlich werde ich niemals verstehen, wie sehr Ihr leiden müsst. Ich wünschte, Ihr – und auch sonst niemand auf der Welt – müsste so leiden. Aus dem Tiefsten meines Herzens wünsche ich Euch wirklich nur das Beste. Ich wäre sehr, sehr glücklich, wenn ich eines Tages wüsste – wenn das möglich ist – dass Ihr glücklich seid und gut leben könnt. Ich glaube fest daran, dass dieser Konflikt einmal endet und wir in Frieden und ohne Vorurteile und Hass leben können. Ich wünschte, allen Menschen auf der Welt ginge es richtig gut. Mit Liebe und dem tiefen Verstehen, dass auch Ihr nur Gutes verdient,
Euer …“
Danke, dass Ihr bis zu Ende gelesen habt.
Ihr könnt mich gern kontaktieren, wenn Ihr Fragen habt oder etwas sagen möchtet.
Passt gut auf Euch auf,
Dr. Roi Silberberg, Direktor der School for Peace | http://www.sfpeace.org
© Übersetzung: Ulla Philipps-Heck, 28.10.2023 (Beispiele wurden stichwortartig gekürzt
Kontakt: Freunde von Neve Shalom ∙ Wahat al-Salam e.V., Ricarda-Huch-Str. 13,
79211 Denzlingen, Tel. 07666 – 99109, Mail: freunde@wasns.de
Auf der Website des ORF schreibt Caecilia Smekal (ORF.at) über den „Krieg und der Drang, Stellung zu beziehen“ – eine gute Erinnerung an uns selbst!

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Und auf dem jpg-journal.de reflektiert Robert Misik über die Grenzen des Sagbaren…

Drei unterschiedliche Stimmen an diesem Abend:
Daniel Bax schreibt auf qantara.de einen Kommentar mit Blick auf die Wahrnehmung der Palästinenser:innen bei „uns“:

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Mati Shemoelof schreibt im Rahmen der Open-Source-Initiative der Berliner Zeitung über seine Zerissenheit in/an der aktuellen Situation:

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Und mit Jonathan Shamir schauen wir in JewishCurrents über unsere deutsche Debatte hinaus und ordnen die Entwicklungen in einen europäischen Kontext ein:

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Solidarity: A Path to Liberation
Aus dem Mailing der Combatants for Peace
As this time of violence and unfathomable loss threatens to divide us, Combatants for Peace calls on us to come together. Please join CfP this Sunday, October 29th, for a conversation, „Solidarity: A Path to Liberation.“

The talk will be led by Palestinian activists, Rana Salman and Souli Khatib, and Israeli activists, Eszter Koranyi and Avner Wishnitzer. It will be moderated by the Director and Producer of „Disturbing the Peace,“ Stephen Apkon, and A’ida Shibli, Palestinian Bedouin activist and co-worker at the Tamera biotope in Portugal.
Solidarity: A Path to Liberation
Sunday October 29th 9pm Jerusalem | 7pm London | 1pm New York
Click here to join the meeting; Join the Zoom – A Path to Liberation
They don’t want revenge
Solche Stimmen gehen leicht verloren oder unter, aber sie haben einen wichtigen Platz, +972.mag hat einige in ihrem Mailing zusammen getragen!

Auch in so schwierige Tagen, deren Ende noch nicht abzusehen ist, gibt es brennende Fragen und dringende Analysen, gerade mit Blick auf den Gaza-Streifen und die menschlichen Katastrophen, die dort jetzt täglich geschehen – Gibt es einen Weg aus der Spirale von Gewalt und Vernichtung…?
Dalia Scheindlin (Policy fellow at The Century Foundation) fragt in Ha’aretz in einem langen Artikel danach, ob die Blockade richtig war/ist, was die Perspektiven sind, wie mit Fehlern umzugehen sein wird – ohne einfache Antworten zu haben….:
















(Screensho, 23.10.2023 (c) Haaretz)
Dieser Krieg ist ein Weckruf für alle denkenden Personen
Etgar Keret ist einer der bekanntesten Autoren Israels und hat sich immer wieder für einen Frieden mit den Palästinensern ausgesprochen. Ein Gespräch über das, was der Krieg ihn gelehrt hat – und welche Art von Solidarität er sich nun wünscht. (rbb, 21. Oktober 2023)
[Auszug:]
Welche Art von Solidarität wünschen Sie sich?
Ich würde mir wünschen, dass Menschen ihre Augen und ihr Herz öffnen, reflektieren, kritisch sind, wenn sie helfen wollen. Ich habe das Gefühl, dass wir in einer Zeit leben, in der Aktivismus bedeutet, jemand anderen zu beleidigen und anzugreifen. Hier im Nahen Osten haben wir Bedürfnisse. Wirkliche Bedürfnisse. Aktivismus heißt also Medikamente schicken, Freiwilligenarbeit leisten. Ich schätze jeden, der Freiwilligenarbeit für Palästinenser leistet und der Israelis hilft. Wenn man etwas machen möchte: Macht etwas, das menschlich ist.

Zur Ergänzung ein Interview mit E.Keret im Stern (13. Oktober 2023).