Zum Antisemitismus – Ein Beitrag der Panorama-Redaktion in der ARD-Mediathek
„Die Zahl antisemitischer Straftaten in Deutschland steigt, Jud:innen berichten von offener Feindseligkeit. Doch „Antisemitismus” kann auch ein schwerer Vorwurf sein, wenn er mißbraucht wird – etwa um Kritik abzuwehren“.
Aufrechter Gang – so läßt sich das Leben Judith Bernsteins treffend beschreiben, lange Jahre mit Ihrem Mann Reiner Bernstein an ihrer Seite – aufrecht in ihrer Haltung für Menschenrechte und Menschenwürde, unerschrocken, wenn es dafür auch galt, israelische (Regierungs-)Politik zu kritisieren. Unvergessen ihr Einsatz zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern, für Dialog und Verständigung, gerade in ihren Stadt München (Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe – https://www.jpdg.de) , unvergessen auch ihr Einsatz für die Genfer Initiative (seit 2003), der an der Vision eines palästinensischen Staates neben Israel festhielt.
Hier noch einmal ein Hinweis auf ein Interview, das Heinz Michael Vilsmeier im Mai 2024 mit ihr geführt hatte (Auch in Buchform erschienen)
Im Alter von 78 Jahren ist am 10. November Prof. em. Dr. Micha Brumlik gestorben. Er war von 2000 bis 2005 Direktor des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt/Main und von 2000 bis 2013 dort suv Universitätsprofessor. Geboren 1947 im schweizerischen Davos, Sohn jüdischer Eltern, die während der NS-Zeit verfolgt wurden. Er engagierte sich zeitweise bei den Grünen.
Immer wieder hat er sich kritisch und engagiert in der Debatte um das Verhältnis Deutschland-Israel-Palästina, aber auch zum jüdisch-christlichen Verhältnis und zu den Beziehungen zum Islam zu Wort gemeldet. Erinnert sei hier an seine Mitarbeit an der Entstehung und Propagierung der Jerusalem Deklaration zum Antisemitimus, zu der er auch beim diAkRede und Antwort stand.
ARD: „Am 20. November 1945 beginnt der erste der sogenannten Nürnberger Prozesse. Auf der Anklagebank des Internationalen Militärgerichtshofes sitzen Hermann Göring und 23 weitere ranghohe Nazis, wie Franz von Papen, Wilhelm Keitel oder Albert Speer. Nach monatelangen Verhandlungen verhängt das Militärtribunal zehn Todesurteile und sieben Freiheitsstrafen. Drei Angeklagte werden freigesprochen.
Der Justizpalast in Nürnberg ist aber auch Schauplatz der Begegnung zweier junger Auschwitz-Überlebender: Ernst Michel soll für eine US-amerikanische Nachrichtenagentur über die Nürnberger Prozesse berichten, Seweryna Szmaglewska vor Gericht als Zeugin aussagen.
Screenshot ARD/DasErste
Ernst Michel ist mit seinen 22 Jahren nicht nur der jüngste der internationalen Reporter, die den Prozeß beobachten – er ist unter ihnen auch der einzige Shoa-Überlebende. Eines Tages überrumpelt Otto Stahmer, der Anwalt von Hermann Göring, Ernst Michel mit einem Angebot: Göring möchte den Reporter kennenlernen.
Seweryna Szmaglewska ist 29 Jahre alt und eine von nur zwei polnischen Zeugen, die vor Gericht aussagen sollen. Nach ihrer Befreiung hat sie unverzüglich begonnen, ihre Erinnerungen an die Zeit im Konzentrationslager aufzuschreiben. Ihr Buch „Dymy nad Birkenau“ („Die Frauen von Birkenau“) ist eine so detaillierte Darstellung der Vorkommnisse im KZ, daß die sowjetische Delegation bei den Nürnberger Prozessen es zum Teil ihrer Anklageschrift macht. Auch für Seweryna Szmaglewska wird ihr Aufenthalt in Nürnberg zur Qual. Außerdem ist sie auf der Suche nach ihrem Verlobten Witold, von dem seit der Auflösung des KZ Auschwitz jede Spur fehlt.
Das Dokudrama verwebt Spielszenen (u. a. mit Jonathan Berlin, Katharina Stark, Francis Fulton-Smith und Wotan Wilke Möhring) mit Originalaufnahmen sowie Neudrehs, z.B. mit Ernst Michels Tochter, Lauren Shachar, die exklusiv von ihrem inzwischen verstorbenen Vater erzählt. Jacek Wiśniewski gibt Eindrücke in das Leben seiner inzwischen verstorbenen Mutter Seweryna Szmaglewska.“
Der konzeptuelle Rahmen des diesjährigen LABA-Stipendienprogramms ist Entropie. Jede Woche trafen sich jüdische und muslimische Künstler*innen im Künstlerhaus Bethanien, um Entropie aus wissenschaftlicher, theologischer und philosophischer Perspektive zu erforschen und, begleitet von Vertreter*innen beider Konfessionen, in Beziehung zu ihrer künstlerischen Praxis zu setzen.
Entropie markiert den Lauf der Zeit und die Unvermeidbarkeit von Veränderung: Verfall, Zerstörung, Zersetzung. Doch Chaos ist nicht unvermeidlich, sondern gestaltbar: Sein Fortschreiten lässt sich durch Aufmerksamkeit, Fürsorge und Reparatur verlangsamen. Viele der Stipendiat:innen untersuchen, wie Entropie entsteht und sich entwickelt, und wie das Gefühl ihrer Unvermeidbarkeit hinterfragt werden kann. Die Arbeiten in der Ausstellung nehmen diese Herausforderung auf: Durch Film, Installation, Malerei und Performance verfolgen die Künstler:innen Entropie bis zu ihren Ursprüngen, zeichnen ihre Verläufe nach und entwirren ihre Mechanismen.
„Ein Arm mit der Aufschrift aller seit 2014 in Gaza Getöteten – und daraus eine Landkarte als Lichtobjekt: eine provokative Arbeit der Künstlerin Ruth Sergal. Genau das zeigt das jüdisch-muslimische Kunstzentrum LABA Berlin in der neuen Jahresausstellung „Entropie“ am Kottbusser Damm. Für rbb Kultur Das Magazin habe ich heute dort gedreht. Können muslimische und jüdische Künstler/innen in diesen Zeiten zusammenarbeiten? Und was kommt dabei raus? Moderatorin Franziska Hessberger trifft die Kurator/innen Olaf Kühnemann (Israel-Berlin) und Denalisa Shijaku (Kosovo-Berlin). Ihnen geht es um Identitätssuche: Wer sind wir als Menschen, die wir alle Mischbiografien haben?“ (22.10.2025)
Preis 20,00 € – davon 10,00 € als Unterstützung für Clean Shelter – Hilfe in Gaza
Die beiden Herausgeber, Mati Shemoeloff und Yossi Lampel, leiten es so ein:
„How should we react in times of catastrophe? One option is to remain silent; another is to take action and show solidarity with the victims of this catastrophe. As Jewish Israelis who are living in the diaspora we could not remain silent in the face of these atrocities, so we decided to take action by editing a “Bridges גשרים Brücken ”جسور magazine devoted to raise awareness and funds for Clean Shelter’s vital work.
This magazine brings us back to where we first met: documenting home demolitions in the Jordan Valley and the West Bank. That project was a collaboration between Rabbis for Human Rights, where Mati was active, and Dharma Activism, where Yossi volunteered. Since then, we’ve both left Israel and moved to Berlin. Today, though far from the occupation in the West Bank and the horror unfolding in Gaza, we’ve created a unique international and multilingual cultural project that combines both activism and art …“
Beiträge von:
A., R. (R.A.): Ein paar Worte über mich – Untröstlich . Dissident, Menschen- rechtsaktivist, Musik-und Radio-, Videokünstler.
Ajoub, Thaer: Lebt in Berlin und stammt aus Syrien . Für 2026 ist von ihm (bei AphorismA) ein neuer Gedichtband in Vorbereitung.
Bani Odeh, Ilham: Münchner Kindl mit palästinensischen Wurzeln, politischem Kopf und solidarischem Herzen. Sie arbeitet als Politik- wissenschaftlerin an Bildungs- und Friedensprozessen und engagiert sich stark im Community Building.
Barski, Ester: Illustrator, writer, graphic designer and activist . Studied at Bezalel Art Academy and lives with her partner and their hamster in Jerusalem.
Demir, Diren: Born 1997 in Istanbul, is a Kurdish and Turkish, Berlin-based interdisciplinary artist and curator . Diren focuses on transformational activism, participatory practices, and developing new models of resistance in their artworks.
Dvori, Assaf: Dichter und Kindergärtner . Sein erstes Buch Drafts for the Family erschien 2019 (New World).
Ermacova, Laurence: Writes and performs poetry in French and German . In April 2024 her first collection of poetry États de mes lieux – Gesammelte Gedichte is published by Éditions du Bunker, Paris.
Groth, Monika: Writer and filmmaker based in Berlin. Born in East Germany, her current novel project traces her Jewish grandfather’s hidden history during WW II.
Körting, Katharina: Freelance writer based in Berlin . She writes poetry, prose, and journalistic texts . In 2025, she published the novel Marlenes Kampf im Wahlkampfgeschäft.
Lampel, Yossi: Kulturagent, Verleger und Geschichtenerzähler am Stammesfeuer. Er lebt auf dem Bruch zwischen Berlin und Israel.
Lutzky, Avital (Tali): Jerusalem-born, Berlin-based educator and illustrator. Draws to stay sane. Overthinks most things.
Misselwitz, Charlotte: Hat als Journalistin in Israel gearbeitet und schrieb ihre Dis- sertation über deutsche und israelische Medien . Sie schreibt heute von Berlin aus.
Nowack, Jana: Berlin-based artist with a Master’s in Art and a degree in Communication Design. Her work has been featured in exhibitions and private collections around the world .
Rosenfelder, Nait: Berlin-based artist and researcher, who explores the inter- sections of textile, tradition, and community engagement through craft .
Ross, Shula: Multidisziplinärer Künstler, Maler und Bildhauer. Studio in Kiryat El-Melacha, Tel Aviv .
Shatz, Zamir: Born 1969 in Kvutzat Kinneret (Israel), lives and works in Tel Aviv, a graduate of the Bezalel Art Academy MFA program.
Shemoelof, Mati: Schriftsteller, Dichter und Kurator . Er hat bislang zwölf Bücher in Israel und Deutschland veröffentlicht. Im Jahr 2026 wird im Elif Verlag sein Lyrikband Jiddische Sounds, deutsche Wörter (Arbeitstitel) erscheinen.
Solari, Héctor: Visual artist and curator, born 1959 in Montevideo [Uruguay], in Germany since 1993, since 2022 in Berlin . Studied art in Montevideo and in Lucca [Italy] with Luis Camnitzer. His work includes numerous video dance projects, as well as video- and sound installations.
Solovey, Vanya: Transfeminist author and translator. He lives and writes in Berlin.
Als kostenloser Download wird auf der Seite des Nomos Verlages der von Stephan Grigat und Karin Stögner herausgegebene Band Projektiver Antizionismus. Antisemitismus gegen Israel vor und nach dem 7. Oktober zur Verfügung gestellt.
Hier sind zentrale Akteure und Argumentationen zu finden, etwa solche, die die Antisemitimus-Definition der IHRA befürworten und sich – in der Tradionen der Kritischen Theorie verortend – zur Frage der Solidarität – wie es Stephan Grigat selbst als polemisch charakterisiert- so äußern „Mit den ermordeten Juden zeigt man sich solidarisch, aber den lebenden Juden in Israel wird die Solidarität verweigert, wenn es um die Bekämpfung von bedrohlich antisemitischen Formationen geht.“ Auf über 600 Seiten werden zahlreiche Facetten der aktuellen Debatte – pointiert und zum Teil sehr polemisch – in Deutschland aufgegriffen. Auch dort wo es zum Widerspruch herausfordert, bleibt es wichtig, diese Sicht der Dinge zu kennen und sich mit ihr aufrichtig auseinanderzusetzen. Einfache Antworten gibt es nämlich nicht.