APuZ – at it’s best

Der Wochenzeitung „Das Parlament“ lag in dieser Woche eine besonders gelungene Ausgabe der Beilage: Aus Politik und Zeitgeschichte (apuz) bei.


Unter dem Titel Geschichte und Erinnerung sind acht sehr lesenswerte Beiträge (Autor:innen: Mirjam Wenzel, Susan Neiman, Jonas Kreienbaum, Johanna Blokker, [Iman Attia, Olga Gerstenberger, Diane Izabiliza, Ozan Zakariya Keskinkılıç, Iris Rajanayagam, Isidora Randjelović], Cord Arendes, Astrid Erll und [Martin Bauch, Hans-Rudolf Bork, Adam Izdebski) versammelt, die auch online zugänglich sind.

„Instrumentalisieren deutsche Eliten den Holocaust, um andere historische Verbrechen auszublenden? Die mit Schärfe geführte Debatte darüber, welchen Platz die deutschen Kolonialverbrechen in der Erinnerungskultur einnehmen sollen, rührt aus einer älteren Forschungsdebatte und aus dem Sichtbarmachen kolonialer Spuren im öffentlichen Raum.

Wie können wir mit diesen Erblasten, etwa mit Denkmälern, Raubgut oder Rassismus, gesellschaftlich und politisch umgehen? Fragen der kollektiven Verarbeitung und der Erinnerungskultur stellen sich nicht nur bei historischen Verbrechen, sondern auch mit Blick auf (Natur-)Katastrophen, etwa bei Pandemien und Extremwetterereignissen, bei denen die Grenzen zwischen (Mit-)Verursacherinnen und Opfern verschwimmen.“

Wanderausstellung jüdische Juristinnen und Juristinnen jüdischer Herkunft

17 Frauen, 17 Schicksale

Eine Wanderausstellung vom 7. bis 30. Oktober 2021 an der SRH Hochschule Heidelberg gibt Einblick in das Leben der Frauen in der Nazizeit.

Die Ausstellung „Jüdische Juristinnen und Juristinnen jüdischer Herkunft“, die vom 7. bis 30. Oktober im Foyer der SRH Hochschule Heidelberg (Ludwig-Guttmann-Str. 6) zu sehen ist, porträtiert die Geschichte von Frauen, die von den Nationalsozialisten verfolgt und an ihrer juristischen Berufstätigkeit wurden. Sie kämpften um das Recht, um ihre Ausbildung und ihren Beruf, doch verloren alles. Die Wanderausstellung macht ihre Geschichte unvergessen und erinnert auch die Studierenden – nicht nur in den juristischen Fächern – an den Wert von Rechten. Die Ausstellung wird am 7. Oktober um 19 Uhr eröffnet (3G!). .

„Insbesondere in den Rechtswissenschaften, deren Herz die Gerechtigkeit und Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz bildet, ist die Geschichte der jüdischen Frauen so bewegend“, sagt Prof. Dr. Julia Gokel, Studiendekanin an der Fakultät für Sozial- und Rechtswissenschaften an der SRH Hochschule Heidelberg. „Wir sind sehr dankbar, diese Ausstellung zeigen zu können. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist für unsere Studierenden sehr wichtig, denn sie vermittelt eine unglaubliche Leidenschaft, mit der diese Frauen für ihr Fach und ihren Beruf kämpften – eine Leidenschaft, mit der sie auch heute noch andere Menschen anstecken können.“

Erst zwischen 1900 und 1909 war es möglich, dass Frauen an allen deutschen Universitäten studierten. Juristinnen jedoch war der Abschluss noch verwehrt. Endlich, nach dem Ersten Weltkrieg und der Revolution 1918 erhielten Frauen die grundsätzliche Gleichberechtigung, und 1922 schließlich das Recht, juristische Berufe auszuüben. Der Anteil jüdischer Frauen unter diesen ersten Juristinnen war hoch, sie machten 16 Prozent unter den Jurastudentinnen und schließlich 25 Prozent unter den Anwältinnen in Deutschland aus. Mit Hitlers Machtergreifung endete dieses hart erkämpfte Recht abrupt: Berufsverbote, Exil, Ermordungen prägten die Geschichte der jüdischen Juristinnen, und doch kamen viele der Geflüchteten nach 1945 zurück nach Deutschland.

Weitere Informationen unter Zum Programm der Ausstellungseröffnung

Deutscher Historiker:innentag 2021

Im Fokus: Rückgabe von Kulturgütern und Gespräch mit israelischem Autor David Grossmann

Ausgewählte Sonderveranstaltungen aus dem Programm des 53. Deutschen Historikertags sind als Livestream über die digitale Kongressplattform zu sehen.

Am Donnerstag, 7. Oktober 2021, beleuchtet eine Podiumsdiskussion die Perspektiven der aktuellen Debatte um die Restitution von Kulturgütern. Am gleichen Tag findet ein Gespräch mit dem israelischen Autor David Grossman über „The Art of Storytelling and Historical Narratives“ statt.

Seit geraumer Zeit wird über die Frage diskutiert, in welchem Umfang Kulturgüter anderer Länder, die in verschiedenen historischen Kontexten in rechtlich uneindeutiger Weise erpreßt, geraubt oder zwangsverkauft wurden, zu restituieren sind. Diese Debatten schlagen bisweilen hohe Wellen und werden von einer größeren Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt, zuletzt etwa die Eröffnung des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst im Berliner Humboldt Forum. Die Frage nach der Provenienz der Museumsbestände wird dringlich gestellt, wobei die Museen selbst durch neue Initiativen nach Antworten suchen. Auf dem Podium wird über mögliche Perspektiven gesprochen, mit denen die vielfältigen Problemstellungen verantwortungsvoll und in Kooperation mit den betroffenen Ländern gelöst werden könnten.

Es diskutieren Andreas Eckert (Berlin), Larissa Förster (Berlin), Elisio Macamo (Basel) und Hermann Parzinger (Berlin). Die Moderation übernimmt Roland Wenzlhuemer (München).

Die Podiumsdiskussion „Zur Rückgabe von Kulturgütern – Möglichkeiten und Perspektiven der aktuellen Diskussion“ findet am Donnerstag, 7. Oktober 2021, 11–13 Uhr statt.

Partnerland Israel

David Grossman (Jerusalem) zählt zu den wichtigsten Schriftstellern Israels. In seinen Schriften und Reden hat er sich immer wieder für eine Verständigung zwischen Israelis und Palästinenser:innen eingesetzt. Während des Libanonkrieges 2006 rief er öffentlich zu einem Ende der Kämpfe auf – wenige Tage, bevor sein Sohn Uri im Südlibanon getötet wurde. Grossman, der u. a. mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und dem Israel-Preis ausgezeichnet wurde, wird auf dem Historikertag im Gespräch mit Michael Brenner und Mirjam Zadoff (beide München) auf die Verbindungslinien zwischen Geschichte schreiben und Geschichten erzählen eingehen. „The Art of Storytelling and Historical Narratives. Ein Gespräch mit David Grossman” ist am Donnerstag, 7. Oktober 2021, 16–18 Uhr im Livestream des Historikertags zu sehen.

Weitere Informationen unter der Kongreßwebsite des 53. Deutschen Historikertags 2021

Noch einmal: Nemi El-Hassan

Hanno Hauenstein in der Berliner Zeitung

Wie so oft geht es nicht allein um die Person oder ihren Werdegang (oder gar um ihr jetziges berufliches Leben), sondern um die Möglichkeit einer Projektionsfläche… dazu ein lesenwert kritischer Beitrag des Berliner Journalisten.

„Noch abwegiger wirkt die inhaltliche Begründung des WDR: Die in den Augen des Senders „problematischen Likes“ beziehen sich auf eine linke jüdische Gruppe, die in ihrer energischen Kritik der israelischen Siedlungs- und Besatzungspolitik mit Begriffen, Bildern und Forderungen hantiert, die im deutschen Kontext als problematisch gelten und oft in die Nähe von Antisemitismus gerückt werden – obwohl ihre kritische Diskussion etwa in der israelischen, palästinensischen oder amerikanischen Öffentlichkeit als relativ normal gilt.“


„Eine spezifisch deutsche Sensibilität
Die deutsche „Sensibilität“ gegenüber Begriffen wie „Apartheid“ oder „Rückkehrrecht“ ist vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und des tatsächlich existierenden israelbezogenen Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft zwar nachvollziehbar. Die unkritische und auch falsche Ineinssetzung dieser Begriffe mit Antisemitismus ist einer ernst gemeinten Bekämpfung des Letzteren aber eher abträglich. Weder wird dies der Realität international geführter Debatten über israelische Politik gerecht, noch hilft es, die diskursive Schärfe des Antisemitismus-Begriffs aufrechtzuerhalten, der in Deutschland inzwischen zunehmend einer konsequenzlosen Worthülse gleicht.“

Rücksichtslos vernichtet

Babi Jar: Vor 80 Jahren verübten die Nazis in der Nähe von Kiew das größte Massaker des Zweiten Weltkriegs – Am 29. und 30. September 1941 werden mehr als 33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder ermordet

Photo: Alex Iong – Памятник „Менора“. Киев, Бабий Яр – Menorah – Gedenstätte in Babi Jar – CC BY-SA 4.0

Ein Beitrag von Ulrich Schneider in der Zeitung Junge Welt

Eines der schlimmsten Verbrechen im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion fand Ende September 1941 in Babi Jar (ukrainisch: Babyn Jar), einer Schlucht in der Nähe von Kiew in der heutigen Ukraine statt. Schon bei der Kriegsplanung war klar, daß dieser Feldzug sich gegenüber den Aggressionen der deutschen Wehrmacht im Westen und Norden unterscheiden werde. Die Befehle der Wehrmachtgeneralität wie der »Kommissarbefehl« und die »Richtlinien für das Verhalten der Truppe in Russland«, die Soldaten und Kommandeure bei Kriegsverbrechen bereits vorab straffrei stellten, machten deutlich, daß es in diesem Krieg nicht nur um Territorien und Rohstoffe ging, sondern auch um die Vernichtung des »jüdischen Bolschewismus«.

So überrascht nicht, daß bereits Anfang Juli 1941 die ersten Massaker an der Zivilbevölkerung hinter der Front im besetzten Lwiw (Lemberg) stattfanden. Die Opfer waren jüdische Akademiker, die – von ukrainischen Kollaborateuren denunziert – von Wehrmacht und Einsatzgruppen ermordet wurden.

Es geht doch beides…

Ein Podcast des US-amerikanischen Forward: Wie kann man:frau Israel verbunden sein und zugleich die Rechte der Palästinenser:innen achten?

Ein hörenswerter Podcast aus den USA – zu einer Frage, die sich auch hierzulande stellt: Deutsch-Israel-Palästina zusammendenken!

Wer gehört dazu – und wer bestimmt das?

Ganz abgesehen von der Frage wozu man:frau denn gehört…

In der Aufgeregtheit mancher Debatte scheint es hilfreich, noch einmal in Ruhe hinzuschauen, was zu den einzelen Fragen der Zugehörigkeit von wem und warum gesagt wird. Und was (klassisches) „Religionsgesetz“ ist und was moderne Entwicklung, was politische Auseinandersetzung, die von ganz anderen Fragen handelt, ist. Jedenfalls scheint etwas Ruhe und Reflektion angebracht.

Hilfreich vielleicht der Beitrag in Die Eule im Gespräch mit Rabbiner Andreas Nachama.

Historische Wahrhaftigkeit…

Ein spannender Beitrag auf der Website von Haaretz

Wahrheit gibt es in der Geschichtsschreibung und in der Erinnerung wohl nicht, aber die Leugnung von Fakten macht diese eher virulent. Das gilt mit Sicherheit für die Auseinandersetzung mit der Nakba.

Ob es es das, was im palästinensischen Narrativ Nakba genannt wird, die Katastrophe der eigenen kollektiven Identität, überhaupt gegeben habe, gilt manchen in Israel als Angriff auf die eigene Identität. Der Versuch, das Gedenken daran administrativ zu unterdrücken, zeigt die Hilflosigkeit und das Scheitern einer um Versöhnung und Verständigung bemühten inklusiven Narration …

Der Beitrag von Or Kashti in Haaretz, zeigt anschaulich, wie die Auseinandersetzung mit dem Gewesenen nicht dauerhaft unterdrückt werden kann und wie sie eigentlich zu eine produktiven pädagogischen Herausforderung werden kann, und wird.

Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Beitrag über aktuelle Fragestelllungen in israelischen Schulabschlußprüfungen ([noch] hiter der Bezahlschranke der Zeitung)

It’s not only about Israeli responsibility for the Palestinians’ flight from the Galilee, it’s about inviting students to weigh in on, and perhaps also confront, statements by famous scholars (for example Tom Segev, on the indifference of the Education Ministry and of “most people in the country to the struggle of the clandestine immigrants” –  Jews who entered illegally during the British Mandate. Also, “in the curriculum, the First Aliyah and the Second Aliyah are lumped together. Is this justified?)”

Such a challenge isn’t new. When Bennett was education minister, students were asked whether “the main emphasis in teaching the War of Independence” should be on its status as “an existential war of the Yishuv [the Jewish community in the pre-state period] and the State of Israel.”

“Textbooks deal with the Nakba and the refugee problem, so the test reflects the curriculum,” Maniv says, adding that since the test is open-book, “it allows a thinking skill like making a comparison.”

Bei Interesse am ganzen Artikel bitte an den diAk mailen.

Soldaten Gottes

ARTE – Teil 1: Sklaverei und HandelTeil 2: Die Belagerung Maltas

Auf Arte.tv verfügbar bis zum 16. Dezember 2021

Im 16. Jahrhundert kämpfen Christen und Muslime um die Herrschaft über Europa – im Namen Jesu und Allahs.

Mitte des 16. Jahrhunderts kämpfen Christen und muslimische Osmanen um die Herrschaft über Europa. Jeder im Namen seiner Religion. In diesem Kampf trifft die osmanische Elitetruppe der Janitscharen auf die Ritter der katholischen Johanniter, ein Militärorden, der auf Malta stationiert ist.
Die Geschichte dieser Auseinandersetzung wird aus der Sicht zweier junger Männer erzählt, die in unterschiedlichen Kulturen aufwachsen, zu fanatischen Kämpfern für ihren Glauben erzogen werden und in diesem Kampf aufeinandertreffen.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Hasan erzählt, einem zwangsrekrutierten Griechen, der zum osmanischen Janitscharen ausgebildet wird. Und aus der Perspektive von Raymonde, einem Ritter des Johanniterordens auf Malta. Beide werden im Kampf für ihre Religion aufeinandertreffen.

Nur einer von ihnen wird überleben.

Wie im Osmanischen Reich Tradition, wird ein 14-jähriger Bauernjunge in Griechenland zwangsrekrutiert. Er muß vom Christentum zum Islam konvertieren. Nach seiner Ausbildung zum Elitesoldaten wird Hasan auch innerlich zum überzeugten Krieger Allahs. Janitscharen wurden ausschließlich unter Nicht-Muslimen rekrutiert – meist aus den christlichen Gemeinden des Balkans.

Sein Gegenspieler, der junge französische Aristokrat Raymonde, träumt dagegen von einer Karriere beim Johanniterorden, dem letzten christlichen Militärorden aus der Zeit der Kreuzzüge. Auf Malta wird Raymonde Ordensritter und Seefahrer. Bei einer entscheidenden Seeschlacht treffen Hasan und Raymonde als ausgebildete Soldaten aufeinander. Einer zeichnet sich als Offizier aus, während der andere als Galeerensklave endet.
Im 16. Jahrhundert wurde das Ausrauben von Handelsschiffen und der Sklavenhandel im Mittelmeer von Muslimen und Christen gleichermaßen praktiziert. Jeder konnte daran verdienen, jeden konnte es treffen.“

„1565 sticht die Kriegsflotte Suleimans des Prächtigen von Konstantinopel aus in See, um den auf Malta stationierten Johanniterorden unter Großmeister Jean de la Valette zu vernichten. Der Orden stört mit seinen Raubzügen den Handel im Mittelmeer. Und der geschützte Hafen von Malta ist ein ideales Sprungbrett, in Italien einzufallen und von dort Europa zu erobern.

Im Laufe ihres erbitterten Kampfes erkennen Hasan und Raymonde im anderen etwas von sich selbst: den unbezwingbaren Geist, für die eigene Sache bedingungslos einzutreten. Nur einer wird überleben – voller Zweifel über seine Befehlshaber und den Sinn des gnadenlosen Religionskrieges.

76 Jahre hat es gedauert…

… jetzt soll bis 2025 endlich in der Mitte von Berlin ein Gedenkort für die Opfer unserer polnischen Nachbarn entstehen

Ein Ort der Erinnerung und Begegnung für Deutsche und Polen – so der Grundton der Initiative.

Der in Berlin geplante Ort zur Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten in Polen soll im Zentrum ein Denkmal beinhalten. Das geht aus dem Konzept der zuständigen deutsch-polnischen Expertenkommission hervor, das am 15. September in der Hauptstadt vorgestellt wurde. Demnach ist das Denkmal als Verbeugung vor den Opfern in Polen gedacht. Zudem soll ein Gebäude entstehen, in dem Ausstellungen gezeigt und Begegnungen zwischen Deutschen und Polen organisiert werden. Als Standort schlagen die Expert:innen ein Gelände in der Nähe des Kanzleramts im Berliner Tiergarten oder ein Grundstück in der Nähe des Anhalter Bahnhofs vor. Für die Gestaltung soll nach den Vorstellungen der Kommission ein Wettbewerb ausgeschrieben werden.

Hier die Rede von Heiko Maas, Bundesminister des Äußerern, bei der Vorstellung des Konzepts.

Das gesamte Konzeptpapier findet sich hier

Vom Bericht des AA: Flaggen Deutschlands, Polens und der EU, © dpa-Zentralbild