Rolle der Religion im Nahostkonflikt

Wie viel Frieden steckt in der Religion und im Glauben?

Ein Interview mit Pfarrer Dr. Andreas Goetze, Vorstandsmitglied des diAk, seines Zeichens Referent für den Interreligiösen Dialog mit dem Islam im Zentrum Oekumene von EKHN und EKKW über Hoffnung, Mißbrauch von Religion und Dialog im Nahostkonflikt.

Viele heilige Stätten im Nahen Osten sind für Judentum, Christentum und Islam von zentraler Bedeutung: Die Weihnachts-, Oster- und Pfingstgeschichte spielen in dieser Region, ebenso wie weitere christliche, viele islamische und jüdische Überlieferungen. Und doch: Statt Frieden erleben die Menschen dort immer wieder Gewalt. Auch nach dem jüngsten Waffenstillstand zwischen Israel und dem Iran bleibt die Lage angespannt.

Gründe für den Nahostkonflikt und Religion als Ideologie

Goetze betont: Der Ursprung des Israel-Palästina-Konflikts liegt nicht im Religiösen – sondern in Fragen von Land und Besitz. Er beobachtet, wie sich Religion in eine politische Ideologie verwandelt. Die größte Herausforderung liege in religiös aufgeladenen, exklusiven Nationalismen. Deshalb warnt er: „Religion wird dazu mißbraucht, eigene Land- und Besitzansprüche unter Ausschluß der jeweils anderen zu legitimieren. Dann geht es um absolute Wahrheiten ohne Kompromiß.“

Menschen miteinander ins Gespräch bringen – Schmerz teilen

Pfarrer Goetze fordert Gläubige auf, „gegen diesen Mißbrauch von Religion lautstark zu protestieren“, weil das den liebenden, gerechten und barmherzigen Gott bezeuge. Trotz aller Spannungen sieht Goetze Hoffnung. In Begegnungen von jüdischen und muslimischen Gläubigen habe er erlebt, wie Menschen einander zuhören, sich vom Schmerz des anderen berühren lassen. Deshalb empfiehlt Andreas Goetze: „Wir brauchen mehr Verständigungsorte. Räume, in denen wir lernen, den Schmerz des anderen wahrzunehmen.“

Wie sich der Krieg auf die Menschen im Nahen Osten auswirkt und welche religiösen Aspekte außerdem eine Rolle spielen, läßt sich im kompletten Interview nachlesen: evangelisch.de im Juni 2025

Marc H. Ellis erinnert —

Am 8. Mai 2024 starb der jüdische Befreiungstheologe, am 29. Juni erinnern Freundinnen und Freunde an den inspirierenden und spannenden Denker! Zoom-Link

Bridging Solidarity!

Another event in the INTERACT conversation series:

BRIDGING SOLIDARITY

JUNE, 26 2025  |  18:00

Freie Universität Berlin |  Hörsaal Thielallee 67

In a political climate increasingly marked by repression, securitization, and shrinking spaces for dissent, acts of solidarity—particularly those that confront state policy, unsettle dominant narratives, or emerge from transnational and intersectional struggles—are subject to intensified scrutiny and constraint. This roundtable brings together scholars and activists engaged in different fields of solidarity work to reflect on the contested nature of solidarity in contemporary Germany and to explore the challenges and possibilities of building cross-struggle alliances under these conditions.

The event will interrogate how solidarities that are marginalized, ignored, or repressed—whether due to their alignment with politically sensitive causes, their oppositional stance toward official policy, or their entanglement in competing claims to justice—can nonetheless become sites of political agency and coalition-building. A key aim is to identify both the structural impediments and the practical resources for developing solidarities that are intersectional, durable, and grounded in mutual recognition.

At the same time, the event opens a critical conversation on the role of academia in these dynamics. What does it mean for scholars to be in solidarity with proliferating struggles around them? How can academic engagement move beyond rhetorical expressions of support toward concrete practices of care, co-resistance, and institutional accountability?

Confirmed Speakers:

  • Simin Jawabreh (Activist and Political Scientist) 
  • Ahmed Isamaldin (Artist and Researcher, Sudan Uprising)
  • Naika Foroutan (Director, DeZIM Institute)
  • Moderation: Myriam Ahmed (INTERACT / Freie Universität Berlin)

Concept & Organization: Jannis Julien Grimm (INTERACT / Freie Universität Berlin)

Students, researchers, and activists are invited to join for an open dialogue on the potentials and limits of solidarity work across political, disciplinary, and social boundaries.

Andere Stimmen (V)

Erklärung des Parents Circle-Israeli Palestinian Bereaved Families for Peace vom 17. Juni 2025

„In diesen dramatischen und schmerzhaften Tagen haben wir – die palästinensischen und israelischen Familien, die den höchsten Preis bezahlt haben – eine klare Botschaft: Wir weigern uns, ein Leben zu führen, das von Mord, Besatzung und Angst bestimmt ist. Krieg und Konflikt werden uns nicht definieren. Wir bestehen weiterhin darauf, daß die Zukunft nur durch geteilte Menschlichkeit, Würde und die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit für alle gestaltet werden kann.“

Wohin entwickelt sich unsere Rechtsprechung…?

Strafbarkeit von Holocaustvergleichen – Wir brauchen keine Metaphernpolizei

Zeit zu Reden

Ein Gespräch in der SPORE (Berlin-Neukölln) 25. Juni 2025

Mit Inge Günther, Yossi Bartal, René Wildangel, Fuad Hamdan und Moderatorin Kristin Helberg

Wie gelingt und woran scheitert Aufklärung und Gedenkarbeit zu rechtsextremen Gewalttaten?

Buchvorstellung am 2. Juli 2025 im Chemnitzer NSU-Dokumentationszentrum

„Rechtsextreme Gewalttaten – darunter gerade auch rechtsterroristische Morde – stellen heute erschreckenderweise eine wiederkehrende, aber nicht hinnehmbare Begebenheit dar. Wie man:frau etwa am noch immer suchenden Umgang mit der Aufarbeitung des NSU-Komplexes sieht, bleibt der angemessene Umgang damit eine offene Frage“, sagt Dr. Ulf Bohmann, Vertreter der Professur Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziologische Theorien an der Technischen Universität Chemnitz. Mit der jüngsten Eröffnung des NSU-Dokumentationszentrums Offener Prozess in Chemnitz sei dies auch zentraler Teil der Europäischen Kulturhauptstadt 2025, in der die TU Chemnitz eine wichtige Akteurin und Partnerin sei.

Bohmann und Dr. Piotr Kocyba, langjähriger Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Chemnitz und heute am Else-Frenkel-Brunswik-Institut Leipzig tätig, widmen sich in ihrem neu erschienenen und online frei zugänglichen Band „Rechte Gewalttaten in Deutschland. Aufarbeitung und Gedenkarbeit im lokalen Kontext“.

Grundlagen, Fallanalysen und Praxisbeispielen in diesem Zusammenhang. Auf 246 Seiten kommen einschlägige Forschende aus diversen akademischen Disziplinen wie auch zivilgesellschaftlich Engagierte zu Wort. Dies wird ergänzt durch Interviews zur Perspektive von Betroffenen (Semiya Şimşek, Tochter des ersten Mordopfers des NSU), des Journalismus (Annette Ramelsberger, Gerichtsreporterin der Süddeutschen Zeitung) sowie der Rechtsstaatlichkeit (Dr. Björn Elberling, Anwalt für Betroffene rechtsextremer Gewalt).

Der Band richtet sich gleichermaßen an Forscherinnen und Forscher wie Praktikerinnen und Praktiker:innen aus dem Bereich Rechtsextremismus und politische Bildung, und ist darüber hinaus auch für Bürgerinnen und Bürger und zivilgesellschaftliche Akteure interessant, die sich mit den Herausforderungen und Möglichkeiten der gelingenden lokalen Gedenk- und Aufklärungsarbeit auseinandersetzen wollen.

Hintergrund des Bandes ist eine Tagung, die im Kontext der von den beiden Herausgebern erarbeiteten Ausstellung „Zwickau und der NSU. Auseinandersetzung mit rechtsextremen Taten“ von 2024. Ausstellung, Tagung und Band wurden gefördert mit Mitteln des (mittlerweile ehemaligen) Sächsischen Staatsministeriums für Justiz und für Demokratie Europa und Gleichstellung sowie in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Zwickau und dem Chemnitzer Verein ASA-FF e.V.

Veranstaltungshinweis: Am 2. Juli 2025 wird der Band ab 18:30 Uhr im Rahmen des Programms des NSU-Pilotdokumentationszentrums „Offener Prozess“ (Johannisplatz 8, Chemnitz) von den beiden Herausgebern Piotr Kocyba und Ulf Bohmann kurz vorgestellt, gefolgt von Kurzvorträgen der Autoren Christian Nicolae-Gesellmann und Danilo Starosta, die einen besonderen Fokus auf den lokalen Kontext in Chemnitz und Zwickau legen. Anschließend gibt es die Möglichkeit ins Gespräch zu kommen. Hier geht es zur Anmeldung:

„Unsere eigene Rolle anerkennen …“

Kommentar dazu in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (Tania Martini)


To the
Association of University Heads in Israel, the
Board of Academic Public Colleges, the Israel Academy of Sciences and Humanities, and
Academics for Israeli Democracy

We, members of the academic and administrative staff in institutions of higher
education in Israel, call on you to act immediately to mobilize the full weight of
Israeli academia to stop the Israeli war in Gaza.

Israeli higher education institutions play a central role in the struggle against the
judicial overhaul. It is precisely against this backdrop that their silence in the face of
the killing, starvation, and destruction in Gaza, and in the face of the complete
elimination of the educational system there, its people, and its structures, is so striking.
Since Israel violated the ceasefire on March 18, almost 3,000 people have been killed in
Gaza. The vast majority of them were civilians. Since the start of the war, at least
53,000 people have been killed in Gaza, including at least 15,000 children and at least 41
Israeli hostages. At the same time, many international bodies are warning of acute
starvation – the result of intentional and openly declared Israeli government policy – as
well as of the rendering of Gaza into an area unfit for human habitation. Israel
continues to bomb hospitals, schools, and other institutions. Among the war’s declared
goals, as defined in the orders for the current military operation “Gideon’s Chariots,” is
the “concentration and displacement of the population.” This is a horrifying litany of
war crimes and even crimes against humanity, all of our own doing.

As academics, we recognize our own role in these crimes. It is human societies, not
just governments, that commit crimes against humanity. Some do so by means of
direct violence. Others do so by sanctioning the crimes and justifying them, before and
after the fact, and by keeping quiet and silencing voices in the halls of learning. It is
this bond of silence that allows clearly evident crimes to continue unabated without
penetrating the barriers of recognition.

We cannot claim that we did not know. We have been silent for too long. For the sake
of the lives of innocents and the safety of all the people of this land, Palestinians and
Jews; for the sake of the return of the hostages; if we do not call to halt the war
immediately, history will not forgive us. We will not forgive ourselves. It is our duty to
act to stop the slaughter; it is our duty to save lives. It is our duty to save what can still
be saved of this land’s future. The institutions of higher education in Israel must raise
their voices, address their students and the public at large, look at reality directly and
call things what they are – unspeakable actions being done in our name, with our own
hands, that will ultimately result in destroying higher education in Israel and the entire
society from within.

For the online version of the letter in Hebrew, Arabic, and English with the full list of signatories, click here [Googledoc].

“Black Flag” Action Group

Sie beten mit ihren Füßen

600 Tage nach Beginn des Gaza-Kriegs sind Vertreter verschiedener Religionen am Mittwoch von der Jerusalemer Innenstadt in Richtung Altstadt gezogen. Das Motto der Demonstration lautete: Frieden ist der Weg, und am besten geht man ihn gemeinsam.

Gewidmet war die dritte Ausgabe des interreligiösen Marsches der israelischen Friedensaktivistin Vivian Silver, die am 7. Oktober 2023 von der Hamas ermordet worden ist. Er war als Gegenpol zum nationalistisch aufgeladenen und oft gewalttätigen Flaggenmarsch am sogenannten Jerusalem-Tag entstanden, der in diesem Jahr auf den 26. Mai fiel.

Zu Beginn sprach Rabbiner David Rosen (Autor in unserer Schriftenreihe) zu den ‚Marschierenden‘

Zu den Teilnehmer:innen gehörte auch der deutsche Botschafter in Tel Aviv, Steffen Seibert und Ines Fischer, Pfarrerin der deutschsprachigen lutherischen Gemeinde in Jerusalem, sie sagte gegenüber der Nachrichtenagentur KNA.„Es ist so wichtig, dass Menschen zusammen für die Gottebenbildlichkeit auf die Straße gehen – und schön, daß es geht“.

Bericht auf Vaticannews (und Audienz für Vertreter:innen von Friedensbewegungen im Vatikan)

Bericht der Frankfurter Rundschau

Ein Lebenswerk gegen visuellen Antisemitismus

Die Technische Universität Berlin hat am 26. Mai 2025 auf Beschluss des Akademischen Senats dem belgischen Shoa-Überlebenden Arthur Langerman die Würde eines Ehrensenators verliehen. Mit dieser Auszeichnung würdigt die Universität sein jahrzehntelanges Engagement gegen Antisemitismus sowie die großzügige Überlassung seiner weltweit einzigartigen Sammlung visueller Antisemitika an die TU Berlin.

Arthur Langermans Eltern sowie zahlreiche weitere Verwandte wurden 1944 nach Auschwitz deportiert, nur seine Mutter kehrte zurück. Er selbst überlebte in mehreren Kinderheimen. Seit über fünfzig Jahren sammelt er judenfeindliche Bilder, um auf deren Wirkungsmacht hinzuweisen und der Verbreitung von Hassbildern entgegenzuwirken.

Die Sammlung, die Langerman in jahrzehntelanger mühevoller und akribischer Arbeit zusammengetragen hat, bildet das Fundament des nach ihm benannten Arthur Langerman Archivs zur Erforschung des visuellen Antisemitismus, das am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin angesiedelt ist. Sie stellt einen einzigartigen Quellenbestand mit mehr als 11.000 Artefakten zur Erforschung historischer und gegenwärtiger Judenfeindschaft dar, dient Bildungs- sowie Ausstellungszwecken und steht für die kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung mit visuellem Antisemitismus.

Pioniere im Kampf gegen Antisemitismus und für die Demokratie

In ihrer Laudatio sagte Prof’in. Drin. Stefanie Schüler-Springorum, Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung: „Seine Sammlung ist ein unbequemes kulturelles Erbe, aber auch ein zentraler Teil der historischen Verantwortung Deutschlands. Sie verpflichtet uns und hilft uns, die Erinnerung an die Folgen des Judenhasses ebenso lebendig zu halten wie die Wachsamkeit in der Gegenwart. Gleichzeitig stärkt sie durch ihre weltweite Einzigartigkeit auch den Wissenschaftsstandort Berlin. Daß ein Holocaust-Überlebender sein Lebenswerk einer deutschen Universität vermacht, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Sein Geschenk und sein Vertrauen erfüllen uns mit Dankbarkeit und Demut – und dem Wissen um unsere Verantwortung. Denn Arthurs Hoffnung und Auftrag sind eindeutig: ‚Deutschland und Berlin müssen Pioniere sein im Kampf gegen den Antisemitismus und für die Demokratie!‘“

Die Ehrensenatorenwürde überreichte TU-Präsidentin Prof. Dr. Geraldine Rauch.

Eröffnung der Ausstellung #FakeImages – Gefahren von Stereotypen erkennen

Am Vormittag des 26. Mai 2025 eröffnete Lars Oeverdieck, TU-Kanzler und Mitglied im Kuratorium „Arthur Langerman Archive for the Study of Visual Antisemitism Foundation“ (Arthur Langerman Foundation) die Ausstellung #FakeImages – Gefahren von Stereotypen erkennen im Lichthof der TU Berlin. Sie wurde aus den Beständen der Langerman-Sammlung zusammengestellt. Gemeinsam mit Dr. Angelika Königseder, Forschungs- und Projektkoordinatorin des Arthur Langerman Archivs, führte Arthur Langerman durch die vom Museum Kazerne Dossin (Mechelen, Belgien) kuratierte Schau, die nach Stationen u.a. bei den Vereinten Nationen in New York und der Europäischen Kommission in Brüssel erstmals in Deutschland gezeigt wird. Die Ausstellung thematisiert die Wirkung und Funktionsweise antisemitischer Bildpropaganda und richtet sich an eine breite Öffentlichkeit.

Die Ausstellung #FakeImages ist bis voraussichtlich 19. Juli 2025 um den Lichthof des Hauptgebäudes der TU Berlin zu sehen. Eintritt ist frei.
Adresse: TU Berlin, Hauptgebäude, 1. Etage, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin

Weitere Informationen:
Interview mit Arthur Langerman:
Videointerview mit Arthur Langerman:
Laudatio zur Verleihung der Ehrensenatorwürde von Prof’in. Drin. Stefanie Schüler-Springorum:
Rede der TU-Präsidentin Prof’in Drin. Geraldine Rauch:
Website Arthur Langerman Foundation: