oder der Debatte in Deutschland?

179 Unterschriften, Stand 10. April ….
Hanno Hauenstein im Gespräch (veröffentlicht in der Frankfurter Rundschau) mit der von der Universität Köln ausgeladenen US-amerikanischen Philosophin Nancy Fraser – der Präsident der Universität, der die (seine) Ausladung übermittel hat, ist übrigens auch der Präsident des DAAD …


Die Schule Talitha Kumi im Westjordanland wird von Christen und Muslimen besucht. Der Gazakrieg macht es nicht einfacher, die Gruppen in der zerstrittenen Region miteinander zu versöhnen. Doch die Schule hält an ihrer Friedensmission fest.
Deutschlandfunk Kultur – Pia Steckelbach, Jan-Christoph Kitzler, Margarete Wohlan · 04. April 2024

Ein Beitrag auf +972mag über „repression of Palestine solidarity penetrates every sector of life, the state’s liberal self-image is fast becoming a story Germans can only tell themselves.“

Freundschaft in finsteren Zeiten
Zitat aus seiner Rede zur Verleihung des Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung am 20. März 2024
„Aber nein. Es gibt noch jüdisch-palästinensische Freundschaften, und wo sie existieren, bieten die Forderungen, die sie stellen, Licht. Israelische und palästinensische Freunde konnten nicht so tun, als ob das, was am 7. Oktober geschah, in einem Vakuum geschehen wäre, ebenso wie sie wussten, dass es vor allem für stolze Palästinenser beschämend ist, von diesem Massenmord als „bewaffnetem Widerstand“ zu sprechen. Meine palästinensischen Freunde wissen, dass jeder, der das, was mein Land in Gaza tut, „Selbstverteidigung“ nennt, meine Identität zutiefst beschämt. Israelische und palästinensische Freunde können über das katastrophale Versagen unserer Brüder und Schwestern sprechen, wohl wissend, dass wir, wenn wir unseren Freunden danach nicht mehr ins Gesicht sehen können, auch nicht mehr in den Spiegel sehen können. Freundschaft war immer der Test, der uns vor dem katastrophalen Versagen der Brüderlichkeit und dem grotesken Missbrauch abstrakter Ideen über bewaffneten Widerstand und Selbstverteidigung beschützt hat.“
Neu erschienen bei der Bundeszentrale für politische Bildung
Ausgabe 12/2024 – Als PDF zum herunterladen, online zum Lesen oder analog bestellbar

Am 7. Oktober 2023 verübte die Hamas einen mörderischen Anschlag auf Israel mit über 1200 Todesopfern und verschleppte mehr als 230 Menschen in den Gazastreifen. Bald darauf setzte sich Israel mit einer militärischen Großoffensive gegen die islamistische Terrororganisation zur Wehr. Ein Ende des Kriegs ist seither nicht in Sicht. Vielmehr ist eine Ausweitung der Gewalt zu befürchten, etwa durch mit Iran verbündete Milizen im Libanon und im Jemen.
Als Scharnier zwischen dem östlichen Mittelmeer, der Arabischen Halbinsel und dem Persischen Golf ist der Nahe Osten, historisch betrachtet, ein Schauplatz ethno-religiöser Spannungen, hegemonialer Machtprojektionen und ungewöhnlicher Allianzen. Viele Länder und ihre Gesellschaften sind geprägt von einer gegensätzlichen Dynamik aus Fremdbestimmung und Selbstbehauptung, die zum Teil weit in die Kolonialzeit zurückreicht. Hinzu kommt die wiederkehrende Frage: Wie lässt sich Gewalt durch Verhandlungslösungen verlässlich einhegen?
Zwischen 19. März und 18. Juni: oikos-Institut und Akademie Villigst laden online ein
Die Evangelische Kirche von Westfalen unterhält Kontakte zu etlichen Organisationen in Israel und Palästina. Viele haben sich vor dem 7. Oktober für Begegnung und Verständigung sowie für eine friedliche Lösung der Konflikte im Nahen Osten eingesetzt. Ihre Arbeit hat sich seitdem durch die äußere Situation erheblich verändert. Zum Teil sind aber auch neue Projekte und Initiativen entstanden, die beeindruckend sind.
Das oikos-Institut für Mission und Ökumene (EKvW) lädt in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Villigst (Institut für Kirche und Gesellschaft) zu neun Abenden ein, in denen wir ins Gespräch mit Menschen und Organisationen kommen, die in Israel und Palästina leben und arbeiten. Wie haben sie den 7. Oktober und den anschließenden Krieg erlebt? Wie reagieren sie auf die aktuelle Situation? Wie hat sich ihre Arbeit verändert? Wie kann die Zukunft im Nahen Osten aussehen?
19. März um 19.00 Uhr mit Propst Joachim Lenz, Pfarrer an der Deutschsprachigen Evangelischen Erlöser-Kirche und Repräsentant der EKD-Stiftungen im Heiligen Land.
Weitere Termine sind:
4. April: Arlette Ayoub, Arabisch-Orthodoxe Gesellschaft
9. April: Abt Dr. Nikodemus C. Schnabel, Dormitio-Abtei
17. April: Dr. Sarah Bernstein / John Munayer, Rossing Center for Education and Dialogue
30. April: Dr. Marc Hermann-Cohen, Leo-Baeck-Education-Center
14. Mai: Ranya Karam, Sternberg Rehabilitations-Center
21. Mai: Anton Goodman, Rabbis for Human Rights
30. Mai: Maaike Hoffer, Nes Ammim
18. Juni: Burghard Schunkert, Lifegate Rehabilitation
Herzliche Einladung von
Dr. Christian Hohmann, oikos-Institut für Mission und Ökumene
Ralf Lange-Sonntag, oikos-Institut für Mission und Ökumene
Uwe Trittmann, Evangelische Akademie Villigst (Institut für Kirche und Gesellschaft)
Ein Beitrag von Sarah Judith Hofmann auf der Internetseite der Deutschen Welle (dw.de)

Auf der Plattform Soziopolis ein langes und anregendes Gespräch zwischen Klaus Holz und Jens Bisky über Antisemitismus nach dem 7. Oktober, den Definitions-Fetisch und antirassistischen Bankrott.

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Die Auseinandersetzung mit dem Text lohnt – und sie ist wichtig, um nicht in eine Dichotomie von Schwarz und Weiß zu verfallen, von gut und böse. Es geht auch in diesem Text nicht darum, jedem Satz zuzustimmen, sondern sich auch selbst immer wieder neu zu befragen …
Zitat vom Ende des Textes:
„Ich halte BDS für ein wirkliches Problem, dennoch kann man nicht sagen, dass BDS in allen Hinsichten antisemitisch ist. Angesichts all der Skandale der letzten Zeit scheint mir fragwürdig zu sein, dass als hinreichender Beleg für Antisemitismus ausreicht, wenn irgendjemand irgendwann mal einen Boykott-Aufruf unterschrieben hat, selbst wenn sich die Leute heute davon deutlich distanzieren. Wir erzeugen insgesamt eine gesellschaftliche und politische Situation, die nur noch schwarz oder weiß kennt. Man geht davon aus, klar zu haben, was Antisemitismus ist, selbst selbstverständlich komplett frei davon zu sein und glasklar einschätzen zu können, dass die Anderen antisemitisch sind. Wir lassen den Gedanken nicht mehr zu, dass es Bereiche gibt, über die wir streiten müssten. So landet man notorisch im simplifizierenden Entweder-Oder. Dabei sollte uns doch bewusst sein, dass sich Demokratie, Bildung und Aufklärung nicht fördern lassen, ohne sich andauernde diskursive Anstrengungen zuzumuten. Wir hingegen reden so gut wie nur noch über Maßnahmen zur Repression. Daher fürchte ich, dass die Antisemitismuskritik im Moment dabei ist, ihre Qualität als Kritik, ihre Tiefenschärfe und ihre Orientierung an Aufklärung und Selbstreflexion zu verlieren.“
Tomer Dotan-Dreyfus in einem Interview mit Inge Günther in der Frankfurter Rundschau
„Wenn man faul ist im Denken, dann muss man die Welt in Binaritäten sehen: die Guten und die Bösen. Dass Israelis und Palästinenser was zusammen machen, ob nun bei der Berlinale oder den „Combatants für Peace“, stört dieses Weltbild. Wer das nicht wahrhaben will, kann leider den Konflikt nicht verstehen. (…) Komplizierter denken zu können, ist zwar nötig. Aber manche Sachen sind ganz einfach, zum Beispiel, dass Kinder nicht ausgehungert werden dürfen. Meine Hoffnung besteht in dem Konzept von Empathie, der Idee, dass man den Schmerz der anderen verstehen kann, unter anderem durch den eigenen Schmerz. Ich sehe die Bilder der Mütter aus Israel, die am 7. Oktober ihre Kinder verloren haben, oder der Kinder, deren Eltern an dem Tag umgebracht wurden. Aus diesem Schmerz heraus kann ich verstehen, warum wir auch die Eltern und Kinder in Gaza nicht töten sollen. Das ist für die meisten gerade sehr schwierig. Aber ich hoffe, dass es im Laufe der Zeit leichter wird, den Schmerz der anderen anzuerkennen.“