Kompletter Stillstand in Gesprächen und Eskalation der Gewalt

Zur aktuellen politischen Situation in Palästina/Israel

In den letzten Tagen hat die Eskalation der Gewalt in den besetzten palästinensischen Gebieten sowie in der Region zugenommen. Innerpalästinensische Konflikte, als Widerstand gegen die israelische Besatzung gerechtfertigte Aktionen von Palästinensern, Aktionen des israelischen Militärs gegen Palästinensern im Westjordanland, Zusammenstöße in Ostjerusalem, Raketenangriffe palästinensischer Gruppierungen aus dem Gazastreifen auf das israelische Staatsgebiet, Luftangriffe des israelischen Militärs in Syrien, Drohnenangriffe auf den Libanon, auf den Irak. Die Eskalation geht über eine Demonstration von Stärke hinaus und erreicht ein Maß, das weit über dem der letzten Jahre liegt und nicht nur die Region Nahost nah an einen neuen Krieg bringt.

Die Eskalation der Lage mahnte der Sondergesandte des VN in seiner regelmäßigen Berichterstattung vor dem Sicherheitsrat an. Gleich zu Beginn seiner Ausführungen verwies er auf die Zunahme der Gewalt auf beiden Konfliktlinien sowie auf den kompletten politischen Stillstand im Nahost-Friedensprozess und das Fehlen jeglicher Perspektive, um diesen gefährlichen Zustand zu verändern: Security Council Briefing on the Situation in the Middle East, including the Palestinian Question

Die Ereignisse griff die New York Times International auf und schrieb bereits am 22. August 2019, daß Israels Regierung über diese Angriffe im Irak offiziell berichte: „Israeli Airstrike Hits Weapon Depot in Iraq“.

Zur Intervention Israels auf den Libanon schreibt die Jerusalem Post heute, daß selbst ohne genaue Kenntnisse der Vorgänge dies eine Operation eines seit Jahren nicht gekannten Ausmaßes sei („it was an operation ona level not seen in years“).

Das Nachrichtenformat Electronic Intifada (EI) bringt einen eigenen Bericht mit detailliertem Überblick über die letzten Ereignisse in der Region und ein Interview mit As’ad Abu Khalil, Professor an der Columbia State University.

Die Haaretz stellt schließlich fest, daß die jüngsten Aktionen des israelischen Militärs das Potentials der neuen Technologie Israels gezeigt habe: „New Tech Lets Israel Take Over Hostile Drones, Reuse Them Against Enemy“:

Filmfestivals in Deutschland

Im September finden gleich zwei Filmfestivals in Deutschland Station mit ausgezeichneten Dokumentationen und Spielfilmen, die zu Diskussionen anregen:

# Das Israelische Film- und Fernsehfestival vom 01. bis 10. September 2019 in Berlin, Köln, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, München.
http://www.seret-international.org/category/germany-2019/

# Das Jüdische Filmfestival in Berlin und Brandenburg vom 08. bis 17. September 2019 – https://www.jfbb.de

… Und für aktuelle Filme aus der arabischen Welt lohnt es sich immer bei mec film vorbeizuschauen.

Oldies but Goldies. The Voice of Peace

Die Songs mögen eher den Älteren bekannt und mit Erinnerungen aus ihrer Jugend verbunden sein, aber die Botschaften des Sendergründers sind heute so wichtig wie zur Erstausstrahlung in den 1970er und 1980er Jahren: Auf der Medienseite der Jungen Welt“ macht André Scheer auf den legendären Radiosender The Voice of Peace aufmerksam. Dessen Gründer Abie Nathan, 1944 Pilot in der britischen Luftwaffe, später Übersiedlung nach Israel, 1965 spektakulärer Flug mit einem Schalom 1 benannten Flugzeug ins damals mit Israel verfeindete Ägypten, ist nach Ansicht Scheers „vielleicht der bekannteste Friedensaktivist Israels“. Nathan kaufte in den 1970er Jahren ein Schiff in den USA, richtete dort einen Radiosender ein, die Voice of Peace und sendete seit 1973, vor dem Hafen von Tel Aviv im Mittelmeer ankernd aus, seine Friedensbotschaften, protestierte „gegen den Krieg in Vietnam und gegen den Bau von Siedlungen in den besetzten Gebieten“.

Einige Jahre nach dem Tod Nathans (2008) trafen sich ehemalige Mitarbeiter und reaktivierten das Unternehmen „einschließlich der Friedensbotschaft Abie Nathans“, die heute allerdings aus dem Internet kommt. Reinhören und Lesen sehr zu empfehlen!
JW: Stimme der Hilflosen: Radiogeschichte(n) …

Kalender August 2019

Ein-Blicke in die Geschichte – unser Jahreskalender
Für den August

• ‚Tel-Aviv, Lilienblumstraße‘, Edition Moshe Ordmann, Tel-Aviv (Palestine) (Nr. 13) (um 1920?).
• Keren Kayemeth LeIsrael [KKL – Jüdischer Nationalfonds JNF], Rothschild Boulevard Tel Aviv, Werbemarke, o.J. (um 1910?).
• Tel-Aviv, Ben Jehuda Road, Verlag Palphot, Tel Aviv, (um 1935) (gelaufen November 1936).

Einige wenige Restexemplare sind noch beim Verlag erhältlich.

We came back more connected to Israel!

We Went To See The Occupation …

Ist nicht alles schon gesagt? Vielleicht stimmt das – und dennoch finden sich immer wieder Versuche, altbekanntes, oft gehörtes neu und bewegend zu formulieren.

In der US-amerikanischen, inzwischen ’nur‘ noch online erscheinenden Zeitung Forward („Jewish. Fearless. Since 1897“, wir haben gelegentlich an dieser Stelle schon auf Beiträge dort aufmerksam gemacht…) ist in dieser Woche ein höchst lesenswerter Bericht einer kleinen Gruppe von jüdischen Studierenden erschienen. Unter dem Titel: We Went To See The Occupation. We Came Back More Connected To Israel beschreiben die jungen Leute, wie sie ihre Teilnahme an einer Studienfahrt von J Street U’sLet Our People Know” erlebt haben und was die Er-Fahrungen und Ein-Sichten mit ihnen gemacht haben. Der Schlußsatz ihres Beitrages kann auch hierzulande ermutigen:

Ultimately, “Let Our People Know” demonstrated the power of experiential knowledge in catalyzing change; we feel both more connected to Israel-Palestine and more motivated to help transform it than ever.

Die Debatte geht weiter…

Fortsetzung zum Thema BDS

Diesmal ist es ein Text von Amos Goldberg, Professor an der Hebräischen Universität: Ein Appell aus Israel an meine deutschen Freunde, den die Frankfurter Rundschau in ihrer Ausgabe vom 24. Juli 2019 veröffentlicht hat. Darin heißt es unter anderem:

Ich warne meine Freunde in Deutschland wegen unserer Erfahrungen in Israel: Es steht noch mehr Ärger bevor, falls Sie die Grundsätze der Demokratie, die Meinungsfreiheit und eine prinzipientreue Außenpolitik nicht energisch verteidigen. Wenn Sie nicht für diese Werte kämpfen, gerade auch im Kontext sensibler Themen, könnte sich Deutschland in fünf oder zehn Jahren in ein weiteres illiberales Bollwerk verwandeln. Seine Politik könnte dann der Israels, Ungarns und Polens ähneln.