16670 – Eine Ergänzung

Erinnerung, Wahrheit und Versuchung

schreibt am gleichen Tag dieses Blogeintrags (aber erst heute, am 20. August wahrgenommen) auf der Onlineplattform Die Eule einen Beitrag über die Predigt – oder genauer das Beschweigen – des Bamberger Erzbischofs Schick bei einer Meßfeier im Zusammenhang einer Veranstaltung der deutsch-polnischen Kolbe-Stiftung in Oświęcim/Auschwitz:

„Schmälert Kolbes polnisch-katholischer Antisemitismus sein Opfer in Auschwitz? Dort wurde er am 14. August 1941 ermordet, weil er sich „gegen einen polnischen Mithäftling und Familienvater austauschen“ ließ, der aus „Vergeltung“ von den Deutschen ermordet werden sollte. Diese Heldentat steht zu Recht im Zentrum der Kolbe-Verehrung.
Doch muss das nicht bedeuten, Kolbes sicher zeittypischen Antisemitismus zu verschweigen. In seiner Ansprache zum heutigen Gedenken in Auschwitz aber hat Erzbischof Schick genau das getan.“

***

Am 14. August 1941 stirbt im Hungerbunker des KZ Auschwitz P. Maximilian Kolbe OFMConv, Häftlingsnummer 16670, nachdem er bei einer Strafaktion für Franciszek Gajowniczek in den Todesbunker gegangen war.

Heiliggesprochen in der kath. Kirche für sein Martyrium, bleibt sein Leben schillernd und durchaus umstritten: trotz einer tradtionellen, stark antijüdischen Theologie, gewährt er ab 1939 Juden und Jüdinnen Asyl vor der Naziverfolgung …

Hier das Kalenderblatt des WDR (aus 2016)

Neuerscheinung

Stereotypisierungen des Muslimischen in deutschen und israelischen Medien

Von Charlotte Misselwitz

Was sagt die mediale Rede über den muslimischen Anderen eigentlich über uns aus? Die Doktorarbeit untersucht anhand einer „psychologischen Diskursanalyse“ Stereotypisierungen des Muslimischen in deutschen und israelischen Medien. Anhand der Rezeption von drei ausgewählten Medienkunstprojekten werden in einem ersten Schritt zentrale – neuerdings „psychologische“ – Diskurselemente aufgezeigt, die Stereotypisierungen aufbauen und die in einem zweiten Schritt verglichen werden. Den „diskursiven Medienkunstprojekten“ gelang dabei eine bisher nicht erfasste „mediale Interaktion“ als „narrative Rückspiegelung“ zwischen alternativen und etablierten Medien. Die – hier mit Jaques Lacan erweiterte – Diskursanalyse in der Tradition des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung hermeneutisch (und weniger quantitativ) zeigt narrative und emotionale Korrespondenzen in Form von „philosemitischen Einsamkeiten“ oder „parallelen Empathielosigkeiten“ zwischen deutschen und israelischen Diskursen, und zwar als oft unbewusste Komplexe, die Stereotypisierungen des Muslimischen aufbauen.

Misselwitz, Charlotte:
Stereotypisierungen des Muslimischen in deutschen und israelischen Medien: ‚
Narrative Rückspiegelungen in der Rezeption von Medienkunstprojekten.
978-3-11-075069-0 | Band 40 der Reihe Studies on Modern Orient
Berlin / Boston (De Gruyter) 2022. https://doi.org/10.1515/9783110751710

Wer über eine wissenschaftliche Bibliothek Zugang hat, kann das Buch online lesen, ansonsten kostet es gedruckt wie als E-Book 102,95 € (sic) – wir werden versuchen, eine Besprechung nachzureichen.

Erinnerung an Walter Rathenau + 1922

Vor zehn Jahren erschien die Biographie von Shulamit Volkov über den ermordeten deutschen Außenminister, in deutsch erschienen 2012 im Verlag C.H.Beck, München: Walther Rathenau. Ein jüdisches Leben in Deutschland 1867–1922.

Auf der Website von Jewish Lives ist ein Vortrag der em. Professorin nachhörbar.

Besatzung ist Besatzung…

und Widerstand wird nicht geduldet…

So sieht es aus [Twitter], wenn des nachts Besuch kommt, … wegen der Terrorbekämpfung.

Und so beschreibt es Haaretz:

Israel Raids Outlawed Palestinian Rights Groups‘ Offices in West Bank

Defense Minister Benny Gantz declared six Palestinian human rights groups terrorist organizations in 2021, however, several European countries claim Israel had failed to prove these allegations

So sieht es die NZZ.

Wenn es nur dumm wäre …

Ein Kommentar

Da kommt der Präsident Palästinas nach Berlin. Präsident eines Staates in ein Land, das seinen Staat nicht kennt, aber einer der wichtigsten Geldgeber seiner Behörde ist … in das Land, dessen Geschichte und Verbrechen zutiefst auch mit dem Schicksal seines eigenen Volkes verwoben ist. Er trifft den Kanzler, ohne Zweifel kein Freund seines Landes, hat Gelegenheit für die Sicht der palästinensischen Seite zu werben.

Am nächsten Tag spätestens muß man:frau sich fragen, wer (ihn bei) dieser Reise beraten hat.

Es gibt genug an der Politik Israels zu kritisieren, aus der Sicht der Palästinenser allemal. Aber was am Ende bleibt ist eine unsägliche Wortwahl, ein Vergleich, der überall in der Welt fehl am Platz wäre, hier, einen Kilometer Luftlinie vom Sitz Adolf Eichmann, schrillt er umso mehr.

Die offizielle Erklärung, nachgeschoben über die staatliche palästinensische Agentur Wafa. „The Holocaust is the most heinous crime in modern human history” – dieser Satz wäre in der Pressekonferenz die Antwort eines Staatsmannes gewesen, eines Menschen, (ja auch eines Palästinensers) …

Er hat seiner Sache keinen Dienst erwiesen, er hat den Palästinenser:innen in diesem Land keinen Dienst erwiesen und er hat dafür gesorgt, daß über diese Pressekonferenz und über das unsägliche Schweigen von Beteiligten gesprochen wird, nicht aber über Schritte zu einer anderen Politik, auch Deutschlands.

Wenn es nur eine verpaßte Chance wäre, ja, wenn es nur dumm gewesen wäre …

Kleine „Katzen“ ….

Es gibt wahrscheinlich kein richtiges Leben im Falschen… aber es gibt auch solches in Gaza:

Employees present three newly born lion cubs at Nama zoo in Gaza City, on August 12, 2022. (Photo by MOHAMMED ABED / AFP via Getty Images)

Day-old Lion Cubs Go on Display at Gaza City Zoo

The Media Line Staff – 08/14/2022

Newborn lion cubs were put on display at a zoo in Gaza City, a day after they were born to a mother lion who had in the past suffered miscarriages. Children who visited the small Nama Zoo on Saturday were permitted to pet the day-old cubs, which each weighed about 700 grams, or under two pounds. The zoo, which is home to birds, monkeys, deer, foxes, wolves and hyenas, is run by a private charity, allowing it to better care for its animals. Private zoos have had a harder time caring for its animals, leading some to starve to death and others to be killed by airstrikes in the coastal strip. Some large animals were evacuated by rescue organizations to animal sanctuaries in other countries.Employees present three newly born lion cubs at Nama Zoo in Gaza City, on August 12, 2022.
(Mohammed Abed/AFP via Getty Images)

Internationalismus aus Kreuzberg

Manchem mag die Sprache gewöhnungsbedürftig sein, anderen aus der Zeit gefallen, wieder anderen im wahrsten Sinne fort-schriftlich…. Kreuzberg United hat auf seine Hompage einen Reisebericht zu einer Delegation gestellt, die zu dem zum 27. Mal stattgefundenen “Farkha-Festival” (der Palestinian Peoples Party (PPP)) nach Palästina geführt hat… (… einiges dazu ging ja schon durch die Medienlandschaft): Jedenfalls interessant zu lesen:

Yallah, Shabab – Bericht einer Delegationsreise nach Palästina.

16670

Am 14. August 1941 stirbt im Hungerbunker des KZ Auschwitz P. Maximilian Kolbe OFMConv, Häftlingsnummer 16670, nachdem er bei einer Strafaktion für Franciszek Gajowniczek in den Todesbunker gegangen war.

Heiliggesprochen in der kath. Kirche für sein Martyrium, bleibt sein Leben schillernd und durchaus umstritten: trotz einer tradtionellen, stark antijüdischen Theologie, gewährt er ab 1939 Juden und Jüdinnen Asyl vor der Naziverfolgung …

Hier das Kalenderblatt des WDR (aus 2016)

Komplexitäten nicht verdrängen

„Frieden gibt es erst, wenn jedem recht geschieht“

Der Zionismus ist ohne Europas Kolonialismus nicht vorstellbar. Aber zugleich ist er die Befreiungsbewegung einer von Europäern unterdrückten Minderheit. Was folgt daraus für die Debatten der Gegenwart?
So führt die FAZ einen Beitrag von Michael Brenner, Professor für Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU München.

(…)
Diskurs bietet wenig Raum für Komplexitäten

Israels Geschichte ist komplex und teilweise auch paradox. Der Zionismus ist ohne den europäischen Kolonialismus nicht vorstellbar, aber gleichzeitig ist er eine Befreiungsbewegung einer von Europäern unterdrückten Minderheit. Ein Teil der jüdischen Einwanderer nach Israel waren weiße Europäer, die von anderen weißen Europäern vertrieben wurden, ein anderer Teil waren arabische Juden, die von muslimischen Arabern aus ihrer Heimat verwiesen wurden. Die Palästinenser tragen keine Verantwortung am Mord an den europäischen Juden, und doch mussten sie dafür bezahlen.
Der von sozialen Medien beherrschte Diskurs bietet immer weniger Raum, um solchen Komplexitäten der Geschichte und ihrer Konsequenzen für die Gegenwart gerecht zu werden. (…)

Danach: Neu verteilte Karten?

Die Hamas hat sich nicht aktiv an der eltzten Auseinandersetzung beteiligt. Hat sie damit in den Augen der Bevölkerung gewonnen, aber ihre Stellung in Iraels Augen gestärkt, so wie in der Vergangenheit die die PNA oft um ihrer eigenen Vorteile willen, dem Druck „der Straße“ nicht gefolgt ist und mit schwindende Einfluß bezahlt hat?

Ein analytischer Artikel zur aktuellen Situation und Debatte von Daoud Kuttab in den Arab News.