Aufruf zur Wahrung der Dialogkultur in Berlin

Wenn auch schon am 6. Juni veröffentlicht und auch nicht auf Berlin beschränkt …
Liste der Unterzeichnenden und Pressemitteilung hier.

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Seit dem 7. Oktober 2023 und bis heute ist vieles aus dem Ruder gelaufen – auch die Art, wie innerhalb der offenen, demokratischen Gesellschaften über den Nahostkonflikt geredet oder besser gesagt: nicht geredet wird. Beschuldigungen sind zu oft an die Stelle des Zuhörens und Argumentierens getreten. Menschen werden öffentlich an den Pranger gestellt, wenn sie sich für Diskursfreiheit einsetzen. Diskussionsräume werden bewusst durch Störungen zerstört. Die Scheu, in vielen Fällen inzwischen auch die Angst gegenüber freier Meinungsäußerung wächst auf allen Seiten.

Das muss aufhören: Mit diesem Appell wenden wir uns an Zivilgesellschaft, Politik und Medien. Wir müssen klare Grenzen ziehen gegenüber jeglicher Legitimierung von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen – aber wir dürfen auch nicht zulassen, dass offene Diskussion verweigert oder unmöglich gemacht wird. Die Demokratie lebt von einem solchen offenen Diskurs, ohne ihn erstarrt sie.

Die Lage im Nahen Osten fordert auch bei uns die gesamte Gesellschaft heraus. Wir dürfen unser Zusammenleben über Herkunfts- und Kulturgrenzen hinweg nicht gefährden. Wir sollten stattdessen, die Vielfalt der Gesellschaft nutzen, um respektvolles Zusammenleben, aber auch respektvollen Diskurs über Beiträge zum Frieden möglich zu machen. Das fordert uns alle, es ist aber auch eine demokratische Verpflichtung.

Konkret heißt dies:

  • Wir müssen aufhören, Menschen aufgrund ihrer Nationalität, ihrer kulturellen Herkunft oder religiösen Zugehörigkeit eine unterstellte politische Auffassung oder Verhaltensweise zuzuschreiben, ohne ihre persönliche Meinung zu kennen. Menschen aus Kunst und Wissenschaft beispielsweise dürfen nicht allein wegen ihrer israelischen Herkunft oder pro-palästinensischen Haltung ausgegrenzt werden.
  • Wir müssen aufhören, zu schnell politische Bekenntnisse einzufordern, ohne die Möglichkeit zum differenzierten Diskurs zu geben.
  • Wir müssen aufhören, Menschen öffentlich an den Pranger zu stellen oder auf Prangerlisten zu führen. Dies beraubt sie der  Möglichkeit, ihre Meinung so zu äußern, dass sie gehört und verstanden werden können. Auch wenn Menschen oder Institutionen allein aufgrund ihrer Kontakte, die sie zu Personen aufrecht-erhalten, welche möglicherweise problematische Meinungen vertreten, ausgegrenzt werden,  wird die in einer freien Demokratie notwendige kritische Diskurskultur unterminiert und einer Denunziationskultur Vorschub geleistet.
  • Wir müssen aufhören, Personen bewusst misszuverstehen oder Folgerungen aus Äußerungen zu ziehen, die nicht eindeutig belegt sind.  Die Forderung nach Waffenstillstand oder die Anteilnahme an den Opfern des Gaza Krieges sind nicht als solche gleichbedeutend mit der Leugnung des Existenzrechts Israels. Opfer dieser Überführungskultur sind nicht zuletzt auch jüdische Intellektuelle, Künstler und Wissenschaftler, die sich dem Antisemitismusvorwurf ausgesetzt sehen.
  • Wir müssen aufhören, Argumente durch Drohungen zu ersetzen, Diskurse
    durch Einschüchterungen zunichtezumachen und durch Übertragung einseitiger Schuldzuweisungen auf unsere Gesprächspartner die Wirklichkeit zu verkürzen. Das gilt nicht zuletzt auch für bewusste Ausladungspolitik und Drohungen gegen Institutionen aufgrund ihrer Kooperationspartner, soweit sie selbst unzweideutig für offenen, fairen und respektvollen Dialog stehen.
  • Wir müssen aufhören, öffentliche Veranstaltungen durch Störungen zu instrumentalisieren und die Meinungsfreiheit zu missbrauchen, zumal um menschenfeindliche Aussagen zu propagieren und Forderungen zu verbreiten, die Menschen in ihrer Existenz bedrohen.

Wir müssen anfangen, einen kritischen, aber respektvollen und zugewandten Diskussionsstil einzufordern und vorzuleben. Alle, denen das friedliche Zusammenleben in unserer freiheitlichen Demokratie am Herzen liegt, müssen sich für die Achtung der Menschenwürde, für Meinungsfreiheit und einen respektvollen Umgang mit den jeweils Andersdenkenden einsetzen. Verrohung des Diskurses, Polarisierung und aggressiver sprachlicher Ausdruck lösen keine Probleme. Wir müssen anfangen, in unserer Gesellschaft diese Fehlentwicklungen zu korrigieren!

Zur Umweltsituation in Gaza

Das „Enviroment programme“ der Vereinten Nation (UNEP) hat einen ersten, vorläufigen Bericht über die Lage im Gazastreifen vorgelegt, hier das PDF des Gesamtberichtes.

Die Zeit danach

Fania Oz-Salzberger, em. Professorin der Universität Haifa (und Tochter von Amos Oz), zitiert in ihrem Beitrag für das jpg-journal ihren Vater:

„Ich bin weder für Israel noch für Palästina“, pflegte mein Vater zu sagen. „Ich bin für Frieden.“ Doch solange die Gemäßigten schwach bleiben, wird es einen Frieden der Gemäßigten nicht geben.

ATTACKS ON CHRISTIANS IN ISRAEL AND EAST-JERUSALEM

Das Rossing Center for Education and Dialogue auf dem Zion hat in seinem Jahresbericht 2023 den Fokus auf „the disturbing rise in hostilities towards Christians in Israel and East Jerusalem in 2023“ gelegt.

Annual Report 2023 zum download

Mehr ‚Peacebuilding‘ der Zivilgesellschaft

Bis in die Schlußerklärung des G7 Gipfels hat es der Appell „Call to Action“ geschafft, jetzt gilt es der Politik!

„We affirm our commitment to working together – and with other international partners – to closely coordinate and institutionalize our support for civil society peacebuilding efforts, ensuring that they are part of a larger strategy to build the foundation necessary for a negotiated and lasting Israeli-Palestinian peace.“

ALLMEP has spent the last month leading a global coalition united in calling for this new approach from the G7. 37 UK Parliamentarians, 22 Members of the European Parliament, and His Holiness Pope Francis – who attended the summit today– all added their support to the campaign, standing in solidarity with the ALLMEP community and recognizing the critical role that grassroots organizations have to play in any long term, sustainable peace process. The letter was signed by more than 160 Israeli and Palestinian peacebuilding NGOs, and over 200 civil society organizations from around the world, including from places like Northern Ireland, South Africa, Colombia, and Kashmir, where communities know only too well the pain of entrenched conflict and the importance of civil society in breaking cycles of violence and injustice. 

Hier noch einmal der Call to Action from Over 350 Organizations to the G7, den auch der diAk unterschrieben hat.

Zum Thema auch ein Beitrag im britischen Prospect-Magazin:

Auf der Suche nach Palästina

In Le Monde Diplomatique begibt sich Charlotte Wiedemann auf die Suche, auf die Suche nach Einem Land für alle, nach Lebensrealitäten und Erinnerungen, nach inklusiven Narrationen, nach wechselseitigem Respekt für die Traumata, die auf beiden Seiten so prägend sind: Shoa und Nakba – das war schon vor dem 7. Oktober und diesem Gaza-Krieg schwierig, jetzt erst recht und doch noch nötiger als je.

Eine neue jüdische Internationale

Eine ganze andere Sicht, als sie gemeinhin hierzulande vertreten wird und die viel Anlaß zur Debatte geben kann: Auf der Plattform Mondoweis schreibt Marilyn Garson über den ersten gemeinsamen Kongreß des Netzes in London im Juni 2024.

„The International Jewish Collective for Justice in Palestine began in opposition to the IHRA antisemitism definition and is now a worldwide network of organizations from 16 countries working as partners with Palestinians in pursuit of justice.

Mission Statement of the IJCJP

„We are Jews from diverse countries, part of local, national, international networks and organizations. We are connected by our involvement in the struggle for Palestinian rights, and by our determination to work for justice. We oppose Zionism and all forms of racism. We came together to share our experiences of the International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) Working Definition of Antisemitism. Although it claims to protect Jews, the IHRA Working Definition is in fact being used to shield Israel from valid political challenge, silence Palestinians, and suppress any mention of Palestinian rights. The IHRA’s weaponization of antisemitism sets a dangerous precedent for limiting speech on many issues. We take this as our immediate priority, but it is only a starting point for our collective commitment to build a more just world.“

G7: Für eine andere Politik!

Mehr als 350 NGOs aus der ganzen Welt fordern diese Woche die Staats- und Regierungschefs der G7 auf, zivilgesellschaftliche Friedensförderung in den Mittelpunkt des G7-Gipfels in Italien zu stellen. Schließen Sie sich an, um diese wichtige Botschaft zu verbreiten und echte internationale  Unterstützung für Frieden in Israel und Palästina zu fordern. #PeacebuildingPersists #G7

#peacebuildingpersits #G/

Mehr als 350 Friedensorganisationen und ihre internationalen Unterstützer:innen fordern, daß zivilgesellschaftliche Friedensförderung auf dem G7-Gipfel in Italien diese Woche eine Priorität sein muß. Teilen Sie diese Botschaft und machen gegenüber den Staats- und Regierungschefs klar, daß Frieden keine Nebensache ist! #PeacebuildingPersists #G7

Am 13. Juni treffen sich die Staats- und Regierungschefs aus Italien, Deutschland, Japan, Kanada, Großbritannien, den USA, Frankreich und der EU zum G7-Gipfel, um über globale Fragen zu diskutieren. Schließen Sie sich uns und über 350 anderen Organisationen an und fordert die G7 auf, zivilgesellschaftlicher Friedensförderung in Israel/Palästina Priorität zu geben. #PeacebuildingPersists #G7

Jedes Jahr treffen sich die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten und anderer Länder zum G7-Gipfel, um wichtige globale Fragen zu diskutieren. Fordert gemeinsam mit uns die G7 auf, einen neuen Präzedenzfall für die Friedensförderung in Palästina und Israel zu schaffen, bei dem die Stimmen der Zivilgesellschaft im Mittelpunkt stehen. #PeacebuildingPersists #G7

Dieses Jahr fordern wir die Staats- und Regierungschefs auf, beim G7-Gipfel im Juni in Apulien Frieden zur Priorität zu machen. Schließen Sie sich uns und 350 anderen Organisationen an und fordern die G7 auf, sich hierzu zu verpflichten:

“We affirm our commitment to working together multilaterally – and with other international partners –  to closely coordinate and institutionalize our support for civil society peacebuilding efforts. Ensuring that such efforts are part of a larger strategy to build the foundations necessary for a negotiated and lasting Israeli-Palestinian peace.” #PeacebuildingPersists #G7

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Für mehr zu allmep, hier der Link zum Jahresbericht 2023.

10 von 150 …

Reicht das? Frauen sollen in den Rat berufen werden, der im Sommer die neuen Oberrabbiner wählt …

„Israel’s minister of religious affairs, Michael Malchieli, announced last week that he would commit to appointing 10 women to seats in the 150-member assembly responsible for electing Israel’s two chief rabbis, ahead of the next election this summer.“

Ein Bericht dazu auf RNS.