Kalender 2022 – Mai

Licht aus Licht

Ein Begleiter durch das Jahr 2022 – Photos von Andreas Schröder

Mit einem Text von Hafis:

I have come into this world to hear this:
every song the earth has sung since it was conceived in the Divine’s womb
and began spinning from this wish.


israel & palästina – Zeitschrift für Dialog | Ausgabe 4-2021

‚Aufarbeitung‘ bleibt eine stetige Aufgabe

Das Perlentaucher Online Portal weist auf ein neues Bücher hin:

Offene Wunden Osteuropas von Franziska Davies und Katja Makhotina (WGB Theis 2022)

Reisen zu Erinnerungsorten des Zweiten Weltkriegs

„Deutschland gilt zwar als „Weltmeister der Aufarbeitung“, doch was wissen wir wirklich über den Zweiten Weltkrieg in Osteuropa? Welche Kenntnisse gibt es über die Massenerschießungen in der Sowjetunion und in Polen, das Aushungern der Zivilbevölkerung durch die Leningrader Blockade, die Auslöschung unzähliger Dörfer in Russland, Belarus oder in der Ukraine? In zehn Essays, geschrieben im lebendigen Reportage-Stil, versammeln die Historikerinnen Franziska Davies und Katja Makhotina Berichte osteuropäischer Zeitzeugen vor dem Hintergrund der deutschen Erinnerungslücken. (Klappentext)

Besprechung in der SZ (Robert Probst) und im DLF (Peter Carstens).

Die Oud – Die Königin der arabischen Instrumente

DAFG – Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft e.V. lädt in Berlin (DAFG-Geschäftsstelle, Friedrichstr. 185) ein zu einer neuen Ausgabe der Musikreihe „al musiqa Arabische Musik der Geschichte und Gegenwart

[… läßt sich vielleicht auch an anderen Orten anregen?]

Die Oud besitzt eine über tausendjährige Geschichte und wurde bereits im Mittelalter vom Universalgelehrten al-Farabi beschrieben: die Oud. Doch woher stammt dieses faszinierende Saiteninstrument? Wie wird aus einem Stück Holz ein Musikinstrument und wie spielt man darauf? In der vierten Ausgabe von al musiqa begrüßt Moderator Sean Prieske zwei Oud-Experten: Oud-Bauer Mohamed Khoudir und Oud-Spieler Bakr Khleifi. Erstmals live vermittelt die Veranstaltung mit Beispielen und Live-Musik tiefgehendes Wissen über die Königin der Instrumente.

Die DAFG freut sich über Ihre Teilnahme. Aus organisatorischen Gründen ist eine Anmeldung bis zum 30. Mai 2022 (dafg@dafg.eu; Telefon: 030-2064 9413; Fax: 030-2064 8889 oder online) notwendig. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Anmeldebestätigung wird nicht versandt.

Diese Veranstaltung wird durch die Unterstützung und Finanzierung der Qatar Foundation International (QFI) ermöglicht. Mehr Informationen über QFI finden Sie hier: www.qfi.org

Zur Debatte um das Dreieck Deutschland-Israel-Palästina

Aus der Arbeit der Württembergischen Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Weltmission (WAW)

Wir dokumentieren hier einen kurzen Bericht aus dem Newsletter des Referates für Mission, Ökumene und Entwicklung ( Mai 2022 – S.19/20) der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

Interner Online-Studientag der WAW am 4. April 2022 – ein weiterer Nachgang

„’Der Streit um Israel, Palästina und die ‚postkoloniale Perspektive‘ – was kommt da mit der ÖRK-VV 2022 auf uns zu?!“ So lautete das Thema und man hätte in der Überschrift die Vollversammlung gleich noch um den Weltgebetstag 2024 ergänzen können, dessen Liturgie aus Palästina kommen wird.

Prof. Dr. Klaus Müller, u.a. landeskirchlicher Beauftragter für das christlich-jüdische Gespräch in der badischen Landeskirche und maßgeblicher Verfasser des Papiers „Israel-Palästina –Leitgedanken und Thesen“ der fünf evangelischen Landeskirchen an Rhein und Ruhr (Evangelische Landeskirche in Baden, Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, Evangelische Kirche der Pfalz, Evangelische Kirche im Rheinland, Evangelische Kirche von Westfalen), führte in die Thesen ein, beleuchtete Hintergründe, implizite Adressaten und wesentliche Entscheidungen. Das Papier ist explizit in Blick auf die Vollversammlung verfasst worden. Müller machte deutlich, wie wichtig das Wahrnehmen des Selbstverständnisses beider Seiten sei – von anderen wie im Gegenüber der beiden. Aus kirchlicher Sicht gilt es zu beherzigen, dass das Christentum tief verbunden mit dem Volk des ersten Bundes bleibt, ebenso wie dass das palästinische Christentum im Mutterboden des christlichen Glaubens wurzelt.

Dr. Rainer Stuhlmann, u.a. langjähriger Studienleiter in Nes Ammim (Israel), griff den Vortrag von Müller auf, indem auch er unterstrich, wie wichtig es sei, die Geschichte und die Narrative der anderen, die ja jeweils auch in sich vielfältige Perspektiven haben, zu kennen. Er berichtete von gelungenen Begegnungen zwischen Juden, Muslimen und Christen, von Israelis und Palästinensern und von Organisationen, die Räume für solche Begegnungen eröffnen, ohne zu verschweigen, dass auch massive Abwehr statt Offenheit vorhanden sei. Er unterstrich die Notwendigkeit einer doppelten Solidarität.

Dr. Ellen Ueberschär, zuletzt Vorständin der Heinrich-Böll-Stiftung, jetzt Vorständin der Stephanus-Stiftung, einem diakonischen Unternehmen in Berlin-Brandenburg, veränderte die Perspektive, indem sie explizit die deutsche Sicht auf Israel und Palästina reflektierte aus einer politischen und moralischen Dimension heraus. Die Stellung zum Komplex „Israel und Palästina“ sieht sie im Kreuzungspunkt von drei Spannungsfeldern: Dem der deutschen Erinnerungspolitik, des Antisemitismus-Verständnisses und des Nahostkonflikts. „Die“ deutsche Position lautet „Nie wieder Auschwitz“, während Israelis auf dem Hintergrund der Erfahrung des Holocausts argumentieren: „Nie wieder so wehrlos“. In Deutschland nimmt der Antisemitismus zu; es gibt einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, nur bleibt strittig, was denn Antisemitismus sei. Der BDS-Beschluss hat das Dilemma ebenso offensichtlich gemacht wie die Jerusalemer Erklärung, die 2021 die Antisemitismusdefinition des International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) von 2016 kritisierte, weil dort antisemitische Rede und legitime Kritik an Israel / dem Zionismus nicht klar voneinander getrennt würden. In der Bewertung des Nahostkonflikts trifft das Narrativ des Holocausts auf die Kolonialismus-Debatte, in der Israelis als weiße Siedler dargestellt werden. Durch die Ausblendung der Hintergründe der Staatsgründung Israels kommt es dabei zu einer Opfer-Täter-Umdrehung. In dieser Spannungslage bleiben oft die eigenen Interessen im Hintergrund bei den Disputierenden unausgesprochen, was die Komplexität noch verstärkt. Ueberschär forderte ein, die eigene kontextuelle Sichtweise im Blick zu behalten ebenso wie die Diskussionskontexte. Eine differenzierte und auch selbstkritische Zugangsweise sei nötig im Gespräch über Israel und Palästina.

Elementarisiert könnte man das Ergebnis des Studientages wohl folgendermaßen zusammenfassen: Erst denken, dann reden und vorher noch einmal die eigene Position hinterfragen. Und das Ganze erst nach gründlichem Hören auf die Aussage des anderen. Und Räume offenhalten für solche Gespräche!“




Und noch einmal zum Thema Demonstrationen

Falsches Demokratieverständnis – taz 17. Mai 2022 – S. 14.

Es sei die Aufgabe der Zivilgesellschaft, sich rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Demonstrationen entgegenzustellen, so die TAZ im Beitrag. von Lea Fauth.

Doch im Falle der Anmeldung einer Nakba-Gedenkveranstaltung kam es zu keiner Demonstration oder einer Gegenkundgebung, denn die Berliner Polizeibehörde und die Verwaltungsgerichte verboten jegliche Kundgebungen, ebenso die Gedenkfeier für die ermordete Al Jazeera Journalistin Shireen Abu Akleh. Mit der Begründung, man befürchte, „volksverhetzende, antisemitische Rufe, Gewaltverherrlichung und Gewalttätigkeiten“, delegitimierte man jegliche öffentliche Demonstration von palästinensischer Seite. Nicht nur die TAZ erhebt Zweifel daran, ob dies mit dem demokratisch verbrieften Recht auf Meinungsfreiheit noch gedeckt ist.

Zorn ist kein Grund, Protest zu verbieten

„Versammlungsfreiheit gilt auch für Palästinenser. Zorn ist kein Grund, Protest zu verbieten“,

 schreibt Ralf Michaels zum Versammlungsverbot für palästinensische Kundgebungen am Wochenende in Berlin. Ein Beitrag mit klaren rechtlichen Erläuterungen und einer Bestandsaufnahme dazu, wie legitime Rechte von Bevölkerungsgruppen immer weiter eingeschränkt werden. 

Ralf Michaels ist der Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht und Professor für globales Recht an der Queen Mary University London sowie Professor für Recht an der Universität Hamburg.

International officials: Massafer Yatta Palestinians should be allowed to stay in their homes with dignity

16 May 2022, Massafer Yatta (Hebron, southern West Bank)

Today, the Humanitarian Coordinator a.i., Samer Abdel Jaber, visited the Massafer Yatta area of the southern West Bank, to meet with Palestinian residents at risk of forcible transfer. Along with colleagues from the United Nations (UN) and non-governmental organizations (NGOs), he briefed senior diplomats who joined the visit.

“Following the recent court ruling on Massafer Yatta, I call upon the Israeli government to allow residents to remain here with dignity,” Mr. Abdel Jaber stated. “Living here in safety is what residents wish for, as some of them told us today. We, the international community represented here, are committed to support them.”

The visit to Massafer Yatta, was attended by officials from five UN Agencies and eleven NGOs, as well as by diplomats representing 24 countries, including Denmark, Finland, France, Germany, Mexico, the Netherlands, Norway, Turkey, the United Kingdom, and the European Union.

“As the occupying power, the Israeli authorities’ responsibility is to protect Palestinian civilians,” Abdel Jaber stressed. “Forcing thirteen communities out to make room for military trainings is contradictory to that imperative, and simply inhumane and illegal.”

On 4 May, the Israeli High Court of Justice approved the eviction of Palestinians living in Massafer Yatta to make room for Israeli military trainings. About 1,200 people, including 580 children, are now at imminent risk of forced eviction and displacement. They stand to lose their homes, belongings, access to water, livelihoods, primary health facilities and schools. This could amount to forcible transfer, a grave breach of international humanitarian law and, thus a war crime.

Erinnerung an die Erinnerung

Heute, 15. Mai 2022 – 18.00 Uhr online

Uri Savir (1953-2022) z”l

Der langjährige israelische Außenpolitiker und ehemalige Knessetabgeordnete Uri Savir ist am 14. Mai in West-Jerusalem gestorben. Savir, der auch als einer der Architekten von Oslo galt, sagte zu dieser Übereinkunft in einem Interview von 2013, aus der Ha’aretz, zu deren gelegentlichen Autoren Savir auch gehörte, in ihrem Nachruf zitiert:

„I think that the title ‚architect of the Oslo Accords‘ is somewhat exaggerated. I was at most a plumber. I got an opportunity to conduct negotiations under clear guidelines laid down by the prime minister and foreign minister.” [Savir did not accept the notion that these accords failed, saying that] “Oslo did not fail or succeed. There was a breakthrough, an opportunity, but it was wasted, since Israel came to their implementation with a prime minister and party who objected to the process. A government can’t implement a policy it opposes,” he said.

Libanon, quo vadis?

An diesem Sonntag fiinden in dem Land, das einmal die Schweiz des Nahen Ostens genannt wurde, Parlamentswahlen statt. Dieser Urnengang trifft das Land am Abgrund, ökonomisch wie politisch.

Hier ein kleiner Überblick über Berichte aus Anlaß der Wahlen, die dem Land etwas internationale Aufmerksamkeit gebracht haben.

Joseph Daher: Unerfüllbare Hoffnungen (ipg-journal)

Anna Osius: Ein Staat kollabiert (Deutschlandfunk)

Julia Neumann: Libanesische Diaspora hat gewählt und Leute, die von hier sind (taz)

Libanon: Vor der Parlamentswahl und Wirtschaftskrise, Inflation und Verzweiflung: Vor der Wahl im Libanon (Tagesschau)

Bleiben, hoffen, kämpfen (Süddeutsche Zeitung)

Frauen gegen die „Regierungsmafia“ im Libanon (dpa, übernommen von: Die Zeit)

Lebanon vote seen as last chance in crisis-plagued nation (ap, übernommern von: New York Times)

(Dank an den Infodienst des EMS, von dem Teile dieser Nachricht angeregt sind)