Was wird sich ändern, wenn…

… ja, wenn am Sonntag 61 Knessetangeordnete einen neuen israelischen Ministerpräsidenten wählen sollten?

Wird Bennett anders über ‚Araber‘ denken, weil ein politisch „rechts“ stehender palästinensischer Abgeordneter zu seiner Koalition gehört?

Werden Sa’ar und Liebermann aufhören für das Siedlerprojekt zu werben? Ganz zu schweigen von Bennett selbst?

Wird es einfacher den demokratischen und jüdischen Charakter des Staates unter einen Hut zu bringen?

Wird es einfacher die Ressourcen des Landes, besonders das Wasser, gerecht unter allen Menschen der Region zu verteilen?

Wird es leichter, israelische Poliik in der Weltgemeinschaft zu verkaufen, vielleicht besonders an US-Demokraten?

Zu diesen und den vielen Fragen, die sich hier anschließen liessen, zwei aktuelle Lesehinweise:

Mondoweiss Brookings Institute

Soll Abbas bleiben oder gehen?

Innenpolitische Debatte in Palästina stellt sich kritischen Fragen

Schon die Absage der palästinensischen Wahlen hatte Debatten ausgelöst. Der Protest einer jungen Generation von Palästinenser:innen im Zuge der Ramadanauseinandersetzungen und danach, zeigt deutlich, daß die herrschenden Gruppen in Ramallah nur noch schwer als Repräsentanten der Gesellschaft verstanden werden können.

Eine Online-Petition, (noch?) weitgehend von der Diaspora getragen, fordert nun den Rücktritt von Mahmoud Abbas. Bewegt sich etwas im System?

Bericht im Middle East Monitor

Amira Hass in Haaretz.

Der Nahostkonflikt in Neukölln und die Heilige Erde im Kleiderschrank

Eine lesenswerte Reportage aus der Berliner Zeitung (- auch wenn die redaktionellen Texte den Inhalt kontakarieren: u.a. der erstellte Comic schreibt ausdrücklich von einer Reise nach Israel und in die palästinenischen Gebiete – in der BZ wird daraus eine Reise nach Israel – BZ eben)

Warum ein Lehrer der Rütli-Schule im Unterricht „Kindermörder Israel“-Parolen diskutiert. Und mit seinen Schülern auf dem Tempelberg [sic] war. Gleich dreimal.

Antisemitismus – definitiv!?

Online-Debatte über Hintergründe und Auswirkungen verschiedener Antisemitismus-Definitionen

Teilnehmer:innen:

  • Saba-Nur Cheema (Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt/Main)
  • Prof. Dr. Miriam Rürup (Moses Mendelssohn Zentrum, Potsdam)
  • Prof. Dr. Michael Brenner (Ludwig-Maximilians-Universität, München)
  • Prof. Dr. José Brunner (Tel Aviv University, Tel Aviv)
  • Moderation: Jan Feddersen (taz)
Termin (Termin herunterladen) – 23. Juni 2021, von 19:00 bis 20:30

Die Online-Debatte wird per Livestream auf dem YouTube-Kanal der bpb durchgeführt.
Bundeszentrale für politische Bildung Logo

Die neue israelische Regierung und die drängendsten Probleme (II)

Mit Mossi Raz von der (linken) Partei Meretz sagt ein israelischer Politiker im Interview mit der taz über die neue Koalition: „Eine einzigartige Regierung“ – Und er ist optimistisch, daß das breite Parteienbündnis die Ära Netanjahu beenden werde …

Die neue israelische Regierung und die drängendsten Probleme (I)


Obwohl in wenigen Tagen die Ära Netanjahu wohl (fürs erste?) ihr Ende finden wird, muß sich noch zeigen, ob die neue Koalition die beiden wichtigsten Probleme des Landes angehen kann und wird: zum einen die größer werdende Schere zwischen Arm und Reich in einem Trend wachsender Armut und die Behandlung der Palästinenser:innen.

Die dafür wichtigsten Instrumente, eine soziale Ökonomie und diplomatische Offenheit, sind beides keine Spezialitäten Naftali Bennetts oder seiner Koalitionsparteien, einmal abgesehen von Meretz. Dementsprechend wird sich erst noch zeigen, ob eine neue Regierung auch tatsächlich etwas neues schaffen kann.
Gad Lior dazu auf Ynet.

Spannendes Panel – aus den USA, aber im Netz überall

Ofer Zalzberg, verschiedentlich schon Autor des diAk, ist in diesem Gespräch auf Youtube nachzuhören.

Organnized by the Center for American Progress the panel spoke about the recent Israeli-Palestinian escalation.

Ofer Zalzberg highlighted the role of the Temple Mount/Haram al-Sharif as the symbolic core and main political driver of the recent escalation and described ways that the United States and others can address this, especially by including religious worldviews. He argued among other things that this can be helped by a gradual, low-profile U.S. policy, with an envoy assuring deep inclusivity (especially of non-liberal religious constituencies). And I explained that this is vital because effectively addressing the the Israeli-Palestinian conflict requires pursuit of a hybrid political order, such as a negotiated agreement drawing on traditional resources like religious rulings.

The panelists:

Ofer Zalzberg, Middle East Program Director at Herbert Kelman Institute for Interactive Conflict Transformation
Ghaith Al Omari, former Palestinian Authority adviser; Senior Fellow, Washington Institute for Near East Policy
Ezzedine C. Fishere, former Egyptian diplomat; Senior Lecturer, Dartmouth College
Brian Katulis, Senior Fellow, Center for American Progress
Mara Rudman, Executive Vice President for Policy, Center for American Progress; former U.S. Deputy Envoy for Middle East Peace

Aufschrei!

Paul Mendes-Flohr: Cri de Coeur

„My cry is not a mere rhetorical gesture. It is deeply and painfully felt. Jewish dignity is on the line — as is the dignity of the Palestinians.“

Gerade vor zwei Tagen haben wir auf die Stimme eines „alten Mannes“ aufmerksam gemacht, Noam Chomsky. Alter ist ein automatischer Schalter für Weisheit, aber es braucht offensichtlich oft ein paar Jahre.

Auch Mendes-Flohr ist nicht mehr der jüngste (ad multos annos!) (Jg.1941), bekannt für seine Arbeiten zu Martin Buber (u.a.), aber der Beitrag, den er gerade auf der Website von Tikkun – The Prophetic Jewish, Interfaith & Secular Voice to Heal and Transform the World, veröffentlicht hat, hat eine jugendliche Frische, die tief beeindruckt, auch wenn in ihr zu spüren ist, wie sich die Realitäten an den Visionen reiben:

„The prophets exemplify the supreme virtue of a critical solidarity with one’s people. They exhortus to be ever alert to the inherent foibles of a myopic vision of sacro egoismo that contorts the biblical commandment to pursue justice by limiting its focus to the calculus of national self-interest.“

Künste im Exil

Das virtuelle Museum Künste im Exil versteht sich als Netzwerkprojekt, das die inhaltlichen Ressourcen von Forschungseinrichtungen, Sammlungen und Ausstellungshäusern bündelt und die Darstellung des Phänomen Exil auf eine möglichst breite Plattform stellt. Ausstellungsthemen und Exponate stellen eine Zusammenführung von dezentral gepflegten Beständen und dezentral erarbeiteten Forschungsergebnissen dar.

Aktuelle Sonderausstellung zu Ulrich Becher.

Diese Sonderausstellung über Ulrich Becher im Exil widmet sich entlang der Exilstationen Bechers den Möglichkeiten schriftstellerischer Arbeit im Exil, der Bedeutung von Netzwerken auf der Flucht und im Exil sowie der besonderen Freundschaft Bechers zu George Grosz.

Die Ausstellung trägt dabei der Überlieferungsgeschichte des Nachlasses von Ulrich Becher Rechnung: Ein Teil seines Nachlasses befindet sich seit 1985 im Deutschen Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek, ein anderer Teil seit 1993 im Schweizerischen Literaturarchiv der Schweizerischen Nationalbibliothek. …

Noam Chomsky im Gespräch mit Peter Beinart

Jewish Currents, June 4, 2021

Nicht allein, wenn es um die Frage der Kritik an „bds“ geht (hier besonders ab min 30), sondernn auch als Zeitzeugnis lohnt es sich dieses Gespräch mit dem inzwischen 92jährigen Noam Chomsky zu hören. Dabei geht es von der Auseinandersetzung zwischen Jiddisch und Hebräisch bis zu Edward Said und Uri Avnery um ein ganzes Panorama des 20. Jahrhunderts. Und auch um ein Plädoyer für eine gezielte Politik gegen die (israelische) Besatzung. Grenzen bleiben willkürlich und es gilt immer zu erinnern, um welchen Preis sie errichtet wurden und werden!