Sebastia – wer kennt es noch ..

Nachrichten zur antiken Stätte Sebastia (bei Nablus)

November 24, 2025
Aus dem Mailing vom Emek Shaveh vom 24. November 2025

In recent years, we have been closely monitoring Israel’s increasingly aggressive actions at archaeological sites across the West Bank – steps that violate international law, dramatically reshape realities on the ground and are tantamount to de facto annexation. One site we follow with particular concern is Sebastia, one of the most important archaeological sites in the West Bank and a candidate for inscription on UNESCO’s World Heritage List for the State of Palestine.

Last week, the Israeli Civil Administration announced the expropriation of approximately 1,800 dunams (some 550 privately owned plots) belonging to residents of Sebastia and the neighbouring town of Burqa. Needless to say, the settlers’ plans have nothing to do with conserving the site – if that were the case, there would be no issue at all, as the entire archaeological mound lies in Area C. Despite the administrative division between Areas B and C, the town and the site form a single historical landscape. The town itself contains impressive antiquities and together, the site and the town, constitute the rich heritage of Sebastia.

The settlers’ plan to separate the town from the site includes paving a new access road entirely within Area C, through which Israelis would reach the site; building a visitors’ center; fencing the site; and charging entry fees – similar to what has been done at Herodium. These steps would effectively sever the site from the town and from the community to which it has belonged for generations.

Following the expropriation announcement, an emergency meeting was held yesterday in Sebastia. Residents reported that the expropriation will severely restrict access to agricultural lands and could lead to the loss of roughly 3,000 olive trees, some of them centuries old. This development comes on top of a sequence of measures that began in March 2023 with the government’s plan for the site, followed by the military seizure of the top of the mound – against which both residents and we submitted objections – and, of course, new excavations by the Staff Officer for Archaeology. All of these steps serve a clear objective: severing the community from the site and from its heritage.

The emergency meeting on Saturday was attended by the Palestinian Minister of Tourism and Antiquities, the Governor of Nablus, and the Mayor of Sebastia. Participants discussed ways to oppose the expropriation and what actions might be taken to halt it. Our Executive Director, Alon Arad, also joined the meeting and presented our expertise and understanding of the situation, as well as potential avenues for action.

Residents described increasing difficulties accessing their land – difficulties that resulted in nearly 60% of the olive trees not being harvested this year, an estimated loss of around 300 tons of olives. They also reported a dramatic decline in tourism, on which many families rely for their livelihood, due to movement restrictions and army harassment, including the use of tear gas and stun grenades near visitors, and demands to shut down local businesses around the site.

The expropriation marks a dramatic escalation, and we are examining how we can effectively support the residents of Sebastia in resisting this plan. We will continue to update as developments unfold. For more information see the following press release: 

Emek Shaveh (Pressemitteilung vom 19. November 2025)

Ergänzung am 26. November 2025: Beitrag von David Neuhaus SJ auf Independent Catholic News, der mit diesen Zeilen endet:

„Religious leaders and people of faith and goodwill must urgently speak out to stop this action. If we remain silent in front of such an egregious decision, then more and more of the Palestinian heritage will be seized. We cannot allow the religious and cultural heritage of the Palestinians to be confiscated, violated and erased using religious texts and archaeological research. The entirety of the land we call holy is the home of Christians, Muslims, and Jews whose common heritage can be identified in the layers of history that stretch back to Biblical times. This heritage cannot be treated as the exclusive property of one group. Rather, in truly honouring this heritage, we might be able to open a future horizon of equality, justice and peace for all who treasure this heritage.“

UNESCO report: https://whc.unesco.org/en/tentativelists/5718/

Rosa-Luxemburg-Stiftung Israel

Newsletter – Oktober 2025 – Gerade erschienen mit lesenswerten Beiträgen zu den aktuellen Entwicklungen

Jüdische Geschichte kompakt

Podcast-Folge zu AS/F – Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste

07. Oktober (2025)

Eigentlich ist es ein Tag wie jeder andere, an dem Menschen leiden, leiden, weil ihre Verwandten, ihre Freund:innen noch in Geiselhaft sind, weil die Kinder hungern und die Besatzungsarmee (noch) immer in Gaza und anderenorts zugange ist … .

Und doch ist es ein besonderer Tag, weil wir Menschen in solchen Zyklen wie Jahrestagen denken und fühlen und auch weil es seit langem etwas, etwas Hoffnung gibt auf eine Ende der Gewalt.

Deshalb heute einmal vier Meldungen, die die Komplexität der Wirklichkeit spiegeln sollen, an einem Tag, nicht wie sonst jeden Tag („nur“) eine:

Das Gedenkprojekt der Israelischen Nationalbibliothek:

Zur Lage der Paästinenser:innen weltweitl: Al-Shabaka: The Palestinian Policy Network … Global Solidarity with Palestine

Eine Reflexion von Aiman Mazyek auf zenith.me über eine inklusive Erinnerungskultur

Und eine Reflexion der Combatants for Peace (CfP)

Die Macht des Wortes

School for Peace – Update August 2025


Liebe Freundinnen und Freunde,

aus unseren Terminologie-Workshops wissen wir, wie tiefgreifend unsere Wortwahl bei der Beschreibung von Konflikten Menschen beeinflusst. Ob wir etwas Genozid, ethnische Säuberung oder Kriegsverbrechen nennen, solche Bezeichnungen sind nicht nur semantisch – sie haben schwerwiegende politische und emotionale Bedeutungen auf der ganzen Welt. Wir wollten verstehen, warum das so wichtig ist. Und nun wissen wir, dass eine Situation zu bezeichnen einen Wunsch widerspiegelt: den Wunsch nach Anerkennung, nach Wandel, nach Verantwortlichkeit, nach internationaler Verantwortung. Menschen beschreiben mit Begriffen nicht nur, was geschieht, sondern sie pochen zugleich darauf, dass etwas geschehen muss – dass Gerechtigkeit geschaffen werden muss.
Wir sehen, dass überall auf der Welt Menschen glauben, sich „für eine Seite entscheiden“ zu sollen – dass sie sich nur mit einer Seite solidarisieren und sich gegen die andere stellen sollen. Doch uns, deren Arbeit im jüdisch-palästinensischen Dialog verwurzelt ist, aus der wir Stärke gewinnen, ist klar, dass die Realität so zu sehen, wie sie ist – eben nicht bedeutet, einseitig Partei zu ergreifen. Rechenschaft für Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzufordern ist nicht Ausdruck einer Feindseligkeit gegenüber einem Volk – es ist ein Grundsatz, der die Menschenrechte und moralische Klarheit unterstützt. Beim Streben nach Gerechtigkeit geht es nicht um Spaltung; es geht um die Verteidigung universeller Werte und um die Anerkennung aller Menschen, die von Gewalt und Unterdrückung betroffen sind. Darin liegt für uns die ethische Verpflichtung beider Seiten: Leben zu retten, Gerechtigkeit zu schaffen und Heilung für die Opfer zu ermöglichen; und einen Pfad der Rechenschaftslegung und der Transformation für die Täter zu eröffnen – sodass alle in Würde und Hoffnung weitergehen können.

Die entsetzlichen Berichte aus Gaza zerreißen das Herz und sind unstrittig. Der Hunger und die Vernichtung – von Leben, Häusern und ganzen Gemeinschaften – müssen sofort aufhören.
Die 1948 vertriebenen/geflüchteten Palästinenser werden vom Staat systematisch zum Schweigen gebracht und ein Klima geschaffen, das viele lähmt und ihnen die Sprache verschlägt; zugleich fühlen sie sich schuldig, während sie die Auslöschung und Zerstörung ihres Volkes und ihre eigene Ohnmacht erleben. Mittlerweile unterstützen jüdische Israelis entweder aktiv die fortdauernde Gewalt, oder ziehen Verleugnung oder Vermeidung vor, anstatt sich der Realität und ihrer Rolle darin zu stellen. In den vergangenen Wochen, im Angesicht des schrecklichen Hungers, sind wir Zeugen starken Widerstands aus beiden Gruppen geworden – und doch ist dies angesichts des Ausmaßes der Grausamkeiten traurigerweise nicht genug.

Wir rufen jeden Einzelnen von Euch auf: Tut alles, was Euch möglich ist, um diese Grausamkeiten zu beenden und Leben zu retten!

Wenn Ihr nicht wisst, wie, helfen wir Euch gern, darüber nachzudenken, wie Eure Resourcen – Eure Stimme, Eure Zeit, Eure Netzwerke, Eure Geldmittel – etwas bewirken können.

In diesem Brief findet Ihr eine Übersicht über unsere Aktivitäten auch unter diesen unerträglichen Bedingungen, aufrechterhalten durch die Hoffnung und die Überzeugung, dass ein anderer Weg sowohl möglich als auch notwendig ist.


Mit freundlichen Grüßen – Roi Silberberg, Direktor, School for Peace

Übersetzung ins Deutsche ©Ulla Philipps-Heck für Freunde von NSh-WaS e.V., August 2025

Nachtrag

Erklärung der Dorfgemeinschaft und der Bildungseinrichtungen von Neve Shalom ∙ Wahat al-Salam zum Krieg und den fortdauernden Grausamkeiten

Auf nach Kanaan

Essen verbindet, eigentlich – und das Essen dort erst recht: Berliner Restaurant Kanaan steht vor dem Aus – „Die Menschen haben Angst“ – also um so mehr ein Grund, es zu besuchen!

Beitrag auf Berlin-live | Beitrag auf Tagesspiegel.de

New York Declaration on the Peaceful Settlement …

Bemerkenswertes Abschlußpapier der von Frankreich und Saudi-Arabien organisierten VN-Konferenz zur Zwei-Staaten-Lösung „New York Declaration on the Peaceful Settlement of the Question of Palestine and the Implementaton of the Two-State Solution„:

Aus dem Kommentar des Berliner Tagesspiegel dazu:

Bericht auf Radio Vatikan zur Konferenz Ende Juli (interessant wer als Initiator nicht genannt wird)

Was noch sagen …

Jedenfalls noch solche Stimmen hören …

Einheit? Unter Druck?

Lesenswerte Überlegungen von Rida Abu Rass auf dem Portal +972mag über „What can the Joint List teach us about building Palestinian political power?“ – Ten years after its formation, this experiment in Palestinian unity inside Israel — and its ultimate collapse — shows the need for carefully cultivated alliances.

Salman Schocken Vermächtnis

Inventuren | Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin (20.5.-12.10.2025)

Das Jüdische Museum Berlin lädt den amerika­nischen Autor Joshua Cohen ein, das kulturelle Erbe des Ver­legers und Waren­haus-Unter­nehmers Salman Schocken zu erkunden. Anhand aus­ge­wählter Exponate aus der Sammlung des Museums kommentiert Cohen in der Aus­stellung die Geschichte des Schocken-Verlags und nimmt sie zum Ausgangs­punkt für eine zeit­ge­nössische Per­spektive auf Kultur und Kapital, auf Waren­häuser und Museen und nicht zuletzt auf Fragen der (Wieder-)Aneignung und der Zuge­hörig­keit.