Dafür braucht es heute einen AStA …

Save the Date: Academia Under Attack

Konferenz für Wissenschaftsfreiheit und internationale Solidarität

12./13. April 2025, Universität HamburgWeitere Informationen

Beiträge unter anderem von Profin. Drin. Drin . Aleida Assmann (Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft, Uni Konstanz, Mitglied der Steuerungsgruppe der Jerusalem Erklärung zum Antisemitismus), Prof. Michael Barenboim (Barenboim-Said-Akademie, Association of Palestinian and Jewish Academics), Hanno Hauenstein (Journalist, Berlin), Prof. Dr. Werner Ruf (Politikwissenscha

Panels:

  1. The Destruction of Gaza’s Educational Infrastructure & Sustaining Higher Education
  2. Akademische Freiheit in der autoritären Wende
  3. Wissenschaft in der „Zeitenwende”: Militarisierung oder zivile Entwicklung?
  4. Freedom of the Press? How German media have been covering the Gaza War
  5. Wissenschaftliche Zusammenarbeit für Konfliktlösung und gerechten Frieden

Antipluralistische Parteien bedrohen die Wissenschaftsfreiheit

(Bild: FAU/VDem)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 13. März 2025 / Weitere Informationen

Der zunehmende Einfluß antipluralistischer Parteien geht oft mit einer geringeren Wissenschaftsfreiheit im jeweiligen Land einher. Dies ist eines der Ergebnisse des aktuellen Academic Freedom Index (AFI), der am 13. März 2025 veröffentlicht wird. Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) veröffentlichen den Index jährlich in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen des V-Dem-Instituts an der Universität Göteborg. Er umfaßt 179 Länder weltweit.

Der diesjährige Academic Freedom Index zeigt, daß acht der im Index erfaßten Länder im Jahr 2024 deutlich höhere Wissenschaftsfreiheit aufweisen als vor zehn Jahren, während die Werte in 34 Ländern oder Territorien gesunken sind. Zu den Ländern, in denen der Rückgang der Wissenschaftsfreiheit statistisch und substanziell signifikant war, gehören mehrere Demokratien, wie beispielsweise Argentinien, Finnland, Griechenland, Israel, Portugal und die Vereinigten Staaten, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch in Österreich und Deutschland war der Rückgang der akademischen Freiheit meßbar, in beiden Fällen aber bleibt der Rückgang gering und ist noch nicht substanziell signifikant, so die Autorinnen und Autoren des Berichts. Obwohl die Wissenschaftsfreiheit in Demokratien nach wie vor deutlich besser geschützt ist als in Autokratien, verdeutlichen diese Beispiele, daß die Wissenschaftsfreiheit auch in Demokratien unter Druck geraten kann. Daher konzentriert sich der diesjährige Bericht zum Academic Freedom Index auf Länder, in denen mehrere Parteien zur Wahl zugelassen sind.

Wahlerfolg antipluralistischer Parteien als Faktor

Das AFI 2025 Update untersucht den Wahlerfolg antipluralistischer Parteien als plausiblen Faktor für den Rückgang der akademischen Freiheit. Die Daten des Berichts decken einen Zeitraum von 50 Jahren ab und zeigen folgende Korrelation: Länder, in denen antipluralistische Parteien wenig bis gar keinen politischen Einfluß haben, weisen tendenziell ein hohes Maß an Wissenschaftsfreiheit auf, während die Wissenschaftsfreiheit dort, wo Antipluralisten einflußreich sind, typischerweise schwindet. Dabei spielt die Präsenz antipluralistischer Parteien in der Opposition für einen Rückgang der Wissenschaftsfreiheit kaum eine Rolle; die Wissenschaftsfreiheit ist vielmehr dort gefährdet, wo antipluralistische Parteien Teil der Regierung werden oder sind.

Spotlight: Argentinien, Polen und die Vereinigten Staaten

Anhand von drei Länderbeispielen – Argentinien, Polen und den Vereinigten Staaten – zeigt das AFI-Update, wie antipluralistische Parteien die Wissenschaftsfreiheit untergraben, sobald sie an der Macht sind. In allen drei Fällen nutzten antipluralistische Politiker mit Regierungsverantwortung auf nationaler oder bundesstaatlicher Ebene ganz ähnliche Methoden, um mehr Kontrolle über die Wissenschaft zu erlangen, insbesondere durch die Einschränkung der institutionellen Autonomie oder der Freiheit der Lehre sowie durch das Streichen von Finanzierung für Forschung, die der jeweiligen politischen Vision widerspricht. Einen besonders bemerkenswerten Rückgang verzeichnet Argentinien, wo der AFI-Wert innerhalb eines Jahres von einem sehr hohen Wert von 0,97 auf nur noch 0,69 sank (auf einer Skala von 0 bis 1, niedrig bis hoch). Der Fall Polen hingegen zeigt, daß der Rückgang der Wissenschaftsfreiheit auch gestoppt werden kann, wenn antipluralistische Parteien die Macht verlieren. Polen erreichte 2014, also vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2015, einen sehr hohen AFI-Wert von 0,98. Im Jahr 2022 war das Land dann mit einem AFI-Wert von 0,73 auf einem Tiefpunkt angekommen. Nach den Parlamentswahlen 2023 erholte sich die Wissenschaftsfreiheit im Land jedoch wieder und erreichte nun einen Wert von 0,87 auf der AFI-Skala.

Polarisierung überwinden

Mitschnitt der Verleihungszeremonie und Artikel auf ndr.de

Das kostbarste aller Güter

© Studiocanal – Trailer

„Wie läßt sich heute einer jungen Generation von der Shoa erzählen? Der Franzose Michel Hazanavicius versucht es in seinem neuen Film »Das kostbarste aller Güter« mit einer mehrfachen Verfremdung: Er nutzt Animation, um keine realen Gräuel darstellen zu müssen, und er erzählt es in Form eines Märchens. Es war einmal … „

Filmkritik von Thomas Abeltshauser auf dem Portal: epd-film.de

Und nun den Oscar

Der Dokumentarfilm «No Other Land» eines palästinensisch-israelischen Teams über die Räumung palästinensischer Dörfer im Westjordanland hat – nach Auszeichnungen auf der Berlinale 2024 und bei den European Film Awards – nun einen Oscar gewonnen. Die Regisseure Basel Adra und Yuval Abraham nutzten die Bühne in Los Angeles, um auf die Situation der palästinensischen Gemeinden unter israelischer Besatzung hinzuweisen. 

Trailer zum Film

Haim Goren (1946-2025)

Am 1. März 2025 verstarb Prof. Haim Goren. Der 1946 geborene Historiker war lange Zeit Professor am Tel Hai-College im äußersten Norden Israels und DER Experte für den deutschen, v.a. auch katholischen Beitrag zur Geschichte des Heiligen Landes ab dem 19. Jahrhundert. Mehrere seiner zahlreichen Werke wurden deshalb auch in die deutsche Sprache übersetzt, die er selbst so gut beherrschte, daß er auch Quellen in Sütterlin lesen und auswerten konnte – in Israel heute eine Seltenheit.

Für deutsche Leser:nnen sind dementsprechend auch die diesbezüglichen Werke besonders interessant: So behandelte er in „Zieht hin und erforscht das Land“ (Göttingen 2003) die deutsche Palästinaforschung im 19. Jahrhundert, in „Echt katholisch und gut deutsch“ (Göttingen 2009) das Engagement der deutschen Katholiken in Palästina vor dem 1. Weltkrieg – insbesondere das des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande (DVHL).

In dem von ihm und Yossi Leshem herausgegebenen Band über Pater Ernst Schmitz (2020) stellte er den Naturforscher und längjährigen Leiter der DVHL-Einrichtungen vor, und der Sammelband „Deutschland und Deutsche in Jerusalem“ (2011) versammelte Aufsätze zu ganz unterschiedlichen Aspekten – vom Besuch Kaiser Wilhelms II. bis zu deutschen Krankenhäusern und Photographen in Jerusalem. Weitere Werke aus den letzten Jahren waren den historischen Friedhöfen der Templer im Nahen Osten (1869-1948) gewidmet, aber auch dem ‚Vater‘ der modernen Palästina-Wissenschaft Edward Robinson oder der Erforschung des Toten Meeres. Außerdem galt sein besonderes Interesse der Geschichte Galiläas – wohnte er doch seit Jahrzehnten in Rosh Pinna.  

In zahlreichen Vorträgen und Exkursionen gab er sein Wissen weiter – selbst für den Tag vor seinem Tod war noch eine Führung in Tabgha geplant. Er wird fehlen.  

Dr. Georg Röwekamp (Tabgha)

Photo: Yoli Shwartz (יולי שוורץ) – Wikipedia

Turning Holocaust Slang into Art: Between K. Tzetnik and Chava Rosenfarb

Prof. Hannah Pollin-Galay, Tel Aviv University – Zoom 3. März 2024 – Details

2025 Annual Naomi Prawer Kadar Memorial Lecture

Esteemed scholar Hannah Pollin-Galay explores how the Yiddish language evolved in Nazi ghettos and camps, gaining roughly 3,000 new words. Examining the works of K. Tzetnik and Chava Rosenfarb, this talk considers how these writers transformed „Khurbn Yiddish“ into powerful expressions of horror, resilience, and artistic memory.

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The Yiddish language drastically changed in the ghettos and camps of Nazi Europe. By one estimate, roughly 3,000 new words and phrases were added to the language. Many of these neologisms were of a vulgar nature, relating to topics like theft and sex work. While some people found these new words embarrassing, unseemly and just plain ugly, others attempted to uplift them and transform them into art. Among the writers that incorporated Khurbn Yiddish (Yiddish of the Holocaust), into their postwar poetry and prose, the authors K. Tzetnik and Chava Rosenfarb stand out. Each extracted and presented the aesthetic potential of Khurbn Yiddish words in different ways.  K. Tzetnik emphasized the horrifying, bizarre side of Khurbn Yiddish words, molding them into an expressionistic scream. Rosenfarb, by contrast, shined a light onto the small acts of resilience contained within Khurbn Yiddish words, memories of self-expression and communication against the odds. Her ghetto terms become beautiful in the way they invite readers into scenes of everyday life under Nazi rule, moments from the margins of history that are rarely considered worthy of notice. The two authors also clash on the topic of female sexuality—and the ways that words relate to the body.

Hannah Pollin-Galay is Associate Professor in the Department of Literature at Tel Aviv University, where she is also Head of the Jona Goldrich Institute for Yiddish Language, Literature and Culture. Pollin-Galay researches and teaches primarily in the fields of Yiddish literature and Holocaust Studies, and has recently begun to foray into the field of ecocriticism. Her first book, Ecologies of Witnessing: Language, Place and Holocaust Testimony came out with Yale University Press in 2018 and her second, Occupied Words: What the Holocaust Did to Yiddish (U Penn Press, 2024) asks how the Holocaust changed the Yiddish language. She is currently working on a project exploring the fraught connections between Jews and non-human nature, across time and space. In addition to being a 2024-2025 Senior Scholar at the Fortunoff Archive for Holocaust Testimony at Yale University, Pollin-Galay is also a Yiddish Book Center Translation Fellow, where she is translating Yiddish ecopoetry from the Holocaust.

Wer kennt ‚ihn‘ nicht …?

Herod’s Gate, Salaadin Straße. Educational Bookshop, mehr als nur eine Institution …

[All das, angesichts der dramatischen Entwicklungen, der Rückkehr zur Gewalt, die nie aufgehört hat…]

Israelische „Sicherheitseinheiten“ durchsuchen den Buchladen und nehmen zwei der Besitzer in „Gewahrsam“ …

++972mag

Deutschlandfunk

The Guardian

From the Ruins of Gaza

In an interview, Pankaj Mishra discusses his forthcoming book on the Palestinians and the Shoah.

Pankaj Mishra is an Indian essayist and novelist who was born in northern India in 1969. He graduated with a Bachelor of Commerce degree from Allahabad University before completing his M.A. in English literature at Jawaharlal Nehru University in New Delhi. Mishra is the author of numerous books, among them From the Ruins of Empire: The Revolt Against the West and the Remaking of Asia (Picador, 2013), Age of Anger: A History of the Present (Picador, 2017), and a book of essays, titled Bland Fanatics: Liberals, Race, and Empire (Verso, 2020). His most recent book, The World After Gaza: A History, will be published on February 6 by Penguin Press. Diwan interviewed Mishra in late January to discuss his forthcoming book, and more broadly the themes that it addresses.

Diwan

Diwan, a blog from the Carnegie Endowment for International Peace’s Middle East Program and the Malcolm H. Kerr Carnegie Middle East Center, draws on Carnegie scholars to provide insight into and analysis of the region. 

Dr. Mahdi Abdul Hadi (1944-2025) r.i.p.

Schon am 15. Januar ist „Dr. Mahdi“ gestorben, eine Stimme Jerusalems, eine Stimme der palästinensischen Sache – eine Institution in sich selbst und untrennbar mit PASSIA verbunden … sein Büro in Wadi Joz war ein Anlaufpunkt für Information, für Analyse, für Kontakte, für Dialog und Gespräch …

Khalil Assali hat ihn in wunderbarerweise gewürdigt.

Der Nachruf von PASSIA, auch das Photo oben stammt von (c) PASSIA