Was die anderen denken (und sehen)

Internationale Presseschau: Was das Ausland über die Documenta denkt

Im Online-Magazin Monopol macht Alia Lübben einen ausführlichenen Gang durch die weltweiten Wahrnehmungen und Einschätzungen der Documenta Fifteen.

Al Ma’mal | EyeDentity Exposed²

Ausstellung in Jerusalemer Altstadt Galerie al Ma’mal: Arbeiten junger Palästinener:innen – als kleiner Hinweis .. auch für die, die (diesmal) nicht analog dabei sein können:
Die Galerie am Neuen Tor lohnt immer ein ‚vorbeischaun‘ …

Al manal Ausstellung EyeDentity Exposed 2

https://mailchi.mp/almamalfoundation/coming-up-al-mamal-august-programme-8669080?e=30a0404afe

Nicht ganz Koscher | Eine göttliche Komödie

Märchenhafte Komödie um einen orthodoxen Juden und einen Beduinen, die während einer Odyssee durch den Sinai aufeinander angewiesen sind, wenn sie nicht sterben wollen. …

Komödie | Deutschland 2022 | 122 Minuten – Regie: Stefan Sarazin – Kinostart: 4. August 2022

Ein weltfremder orthodoxer Jude aus Brooklyn soll der jüdischen Gemeinde in Alexandria aus der existenzbedrohenden Verlegenheit helfen, das Paschafest nicht feiern zu können, da ihnen der zehnte Mann dazu fehlt. Auf der Anreise strandet er jedoch in der Wüste Sinai und wird von einem schroffen Beduinen gerettet, mit dem er sich bald auf einer Odyssee befindet, auf der die kulturellen Differenzen der beiden allmählich aufweichen. Märchenhafte Komödie, die sich Schritt für Schritt zur Ode an die Möglichkeit einer Verständigung entwickelt. Ohne das Minenfeld der Vorurteile auszublenden, stellt der Film mit leisem Humor das Menschliche der Figuren ins Zentrum. – Ab 14 Jahren

Eine Filmkritik von Alexandra Wach auf dem
Portal filmdienst.de

Szenenphoto Film Nicht ganz Koscher 2022
© Enigma Film, Ludwig Sibbel/Alpenrepublik

Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

Kulturstaatsministerin Roth: „Wir halten die Erinnerung wach und richten sie in die Zukunft.“

Am 2. August jährt sich die »Liquidation des Zigeunerfamilienlagers« in Auschwitz-Birkenau zum 78. Mal.

SS-Angehörige ermordeten in der Nacht auf den 3. August 1944 die etwa 4.300 dort verbliebenen Sinti und Roma in Gaskammern. Anläßlich des Europäischen Holocaust-Gedenktages für Sinti und Roma nimmt Kulturstaatsministerin Claudia Roth heute Abend an der Gedenkveranstaltung am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas mit einer Rede teil und wird einen Kranz niederlegen.

Claudia Roth: „Wir gedenken den Opfern des Porajmos, den 500 000 europäischen Sinti und Roma, die befeuert vom nationalsozialistischen Rassenwahn während der NS-Terrorherrschaft verschleppt, misshandelt, gefoltert und ermordet wurden. Wir trauern um sinnlos ausgelöschtes Leben, um Lieben, Familien, Hoffnungen, Talente. Ich verneige mich vor den Opfern.“

Das Ende der Naziherrschaft bedeutete noch nicht das Ende des Leidenswegs der Sinti und Roma. Lange mussten sie im Deutschland der Nachkriegszeit um Anerkennung kämpfen. Der Kampf um Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts zog für viele Überlebende jahrelange quälende Verfahren nach sich. Bis heute haben sie in Deutschland und Europa mit Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus zu kämpfen.

Claudia Roth: „Der Kampf um Anerkennung des unermesslichen Unrechts, der Kampf um Entschädigung macht nur noch deutlicher, wie ungeheuer wichtig die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen für die Aufarbeitung der NS-Verbrechen und des nachfolgenden Unrechts in der Bundesrepublik war.

Aus dem Wissen und Bewußtsein über ihre Zeitzeugnisse erwächst unsere Verantwortung nicht nur zu bewahren, sondern die Erinnerung weiterzugeben. Wir wollen das Erinnern weiterentwickeln. Wir wollen die Gedenkstättenkonzeption des Bundes novellieren und das Programm „Jugend erinnert“ verstetigen. Die vielfältige Kultur, die Musik, die Literatur der Sinti und Roma gehören zu unserem kulturellen Reichtum.

Dass wir hier an den 2. August 1944 erinnern, soll in die Gegenwart wirken. Bis heute gehören Diskriminierung, Ausgrenzung, gehört Antiziganismus zum Alltag vieler Sinti und Roma. Der Weg zu einer gleichberechtigen Teilhabe ist noch weit, doch wir müssen ihn mit Entschlossenheit weitergehen. Wir stehen mit Mehmet Daimagüler, dem Antiziganismusbeauftragten der Bundesregierung, an der Seite von Sinti und Roma, an der Seite ihrer Verbände und Organisationen im gemeinsamen Kampf gegen Antiziganismus, Rassismus und Haß.“

Fünf Jahre Forschungsstelle Antiziganismus

Einrichtung am Historischen Seminar der Universität Heidelberg prägendes Beispiel für gesellschaftliche und politische Relevanz der Geisteswissenschaften

Mit der Aufgabe, Ursachen und Folgen antiziganistischer Ausgrenzung und Verfolgung wissenschaftlich zu untersuchen, hat vor fünf Jahren die Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg ihre Arbeit aufgenommen. Die 2017 ins Leben gerufene Einrichtung erforscht in historisch vergleichender Perspektive Mechanismen der Vorurteilsbildung und Praktiken der Diskriminierung von Sinti und Roma in Europa. Aus Anlaß des fünfjährigen Bestehens lädt der Rektor der Ruperto Carola, Prof. Dr. Bernhard Eitel, am 26. Juli 2022 zu einem Festakt ein. Dazu erwartet werden Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, und Daniel Strauß als Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg, sowie die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas
Detail Brunnenrand – Gedenkstätte Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin-Tiergarten südlich des Bundestages (Plenarbereich Reichstagsgebäude) / Wikipedia: Asio otus – CC BY-SA 3.0

Die Forschungsstelle Antiziganismus wurde als europaweit erste und bislang einzige akademische Institution mit diesem inhaltlichen Schwerpunkt am Historischen Seminar der Universität Heidelberg etabliert. „Sie ist ein prägnantes Beispiel dafür, welche gesellschaftliche und politische Relevanz den Geisteswissenschaften in unserer krisengeschüttelten Gegenwart zukommt“, betont der Rektor der Ruperto Carola. Die Forschungsstelle unter der Leitung des Zeithistorikers Prof. Dr. Edgar Wolfrum beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen zu Ursachen, Formen und Folgen des Antiziganismus in den europäischen Gesellschaften vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Ziel ist es, die Mechanismen der Vorurteilsbildung und die Praktiken der Diskriminierung in ihren lokalen, regionalen, nationalen und transnationalen Erscheinungsformen zu untersuchen. Die Einrichtung beruht auf einem Staatsvertrag, den der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg, und das Land Baden-Württemberg im November 2013 geschlossen haben.

Zu den Projekten der Forschungsstelle Antiziganismus gehört die Arbeit an einer großangelegten Enzyklopädie, die das historische Wissen zum nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma in Europa zusammenführt. Mit finanzieller Förderung des Auswärtigen Amtes sind daran Wissenschaftler aus dem In- und Ausland beteiligt. Dr. Frank Reuter, wissenschaftlicher Geschäftsführer der Forschungsstelle, und Dr. Karola Fings, Leiterin des Enzyklopädie-Projekts, gehörten auch zu den Mitgliedern einer vom Bundestag eingesetzten Unabhängigen Kommission Antiziganismus, die Empfehlungen für Maßnahmen gegen antiziganistischen Rassismus in Deutschland erarbeitet hat. Mit der Forschungsstelle verbunden ist das zum Wintersemester 2019/2020 erstmals vergebene Romani-Rose-Fellowship. Es wendet sich an Doktoranden sowie Postdoktoranden mit Forschungsvorhaben oder Projekten, die einen Schwerpunkt in der Antiziganismusforschung oder einem verwandten Feld wie der Rassismusforschung haben. Das Stipendium wird von der Manfred Lautenschläger-Stiftung finanziert.

Zum Auftakt des Festaktes anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Forschungsstelle Antiziganismus wird der Rektor der Universität Heidelberg sprechen. Anschließend wenden sich Theresia Bauer, Romani Rose und Daniel Strauß mit Grußworten an die Gäste. Zu den Rednern gehört neben Dr. Fings als Leiterin des Projekts „Enzyklopädie des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa“ auch Dr. Maria Bogdan, die 2019 und 2020 als Romani-Rose-Fellow an der Forschungsstelle Antiziganismus geforscht hat. Die beiden Wissenschaftlerinnen werden über ihre Arbeiten berichten. Den musikalischen Rahmen gestalten Ferenc Snétberger (Gitarre) und Benjamin Urbán (Flügel).

(Quelle: https:// idw-online.de/de/news798831)

Das „Schlagloch“ der taz

Ein Text von Georg Diez am 20. Juli 2022: „Anklagepunkt: ‚BDS-Nähe'“

Ein höchst lesenswerter Beitrag, in der „Hitze“ dieser Tage, aber einer Hitze, die wahrscheinlich leider nicht in ein paar Tagen erst mal vorbei sein wird:

„…wenn das alles in Ausschüssen im Bundestag vom Hörensagen zu politischer Realität wird, dann hat hier längst eine gefährliche Eigendynamik eingesetzt, Kurzschlüsse einer sich selbst hysterisierenden Hysterieproduktion.“

Geschichte in Geschichten – und doch Gegenwart

Eine „Kleinigkeit“ zum 20. Juli oder wie der Weg von Kreuzberg nach Hamburg und zu dem Dortmunder jüdischen Rechtsanwalt Dr. Otto Salomon Elias (geb. 1876) führt, der sich im April 1933 im (Gestapo-)Gefängnis das Leben nahm …

Gelegentlich ist der Autor dieser Zeilen auch als Antiquar unterwegs, bibliophil erkrankte Menschen sind dafür anfällig. Gestern Abend war ich dabei, den Blogbeitrag für den heutigen 20. Juli 2022 vorzubereiten, ein wichtiger Tag im deutschen Gedächtniskalender und ein Tag, der eine Neigung hat, idealisiert zu werden, so wichtig und bedeutsam er auch war. Dieser „große“ Widerstand darf den „kleinen“ alltäglichen Faschismus eben nicht vergessen lassen.

Mir fiel bei Durchsicht eines Buchbestandes, der uns aus einem Nachlaß überlassen worden worden, ein Band auf, zuerst weil er etwas Reinigung und Pflege bedurfte. Mir war schnell klar, dieses Buch würde ich nicht verkaufen wollen, sondern mit zu mir nehmen …

Ein schönes Frontispiz jeweils, ein Faksimile (Schriftprobe) von beiden Autoren, ein Halbledereinband mit Goldprägung, vergoldeter Kopfschnitt, farbiger Vorsatz, Leseband (Meyers Klassiker-Ausgaben), o. J. (etwa um 1892?), Novalis‘ Werke. Fouqué’s Undine / Novalis (d. i. Friedrich Leopold v. Hardenberg, 1772 – 1801) / Fouqué (d.i. Friedrich de la Motte Fouqué, 1777 – 1843) Leipzig – Wien (Bibliographisches Institut):

Mein Blick viel natürlich auf das Ex Libris, zum einen, weil ich sie ein wenig sammle, aber besonders, weil sie wie die Marquette so wunderbar zum Buch gehören und dem Papier Geschichte geben.

Der Name sagte mir nichts, das Künstlersignet oben rechts kannte ich auch nicht. So führte der Weg an diesem frühen Abend des 19. Juli 2022 „natürlich“ ins Netz.

Eben gerade war in Hamburg eine Austellung eröffnet worden, die „mein“ Buch in einen weiten Horizont stellte. Gastgeber und Gäste waren wohl noch beisammen an der Elbe, als mir das Schicksal von Dr. Otto Salomon Elias (1876-1933) klar wurde und das seiner Bücher (und sich nebenbei das Ex libris erschloß: „Das ausgesprochen schöne Exlibris stammt vom Maler und Graphiker Walter Buhe. Buhe, ein Schüler von Emil Orlik, war 1920-1947 Professor für angewandte Grafik in Leipzig“).

Verfolgungsgeschichte ist kein Abstraktes, Vergangenes – sie holt uns immer wieder ein, damit wir nicht vergessen! Die Geschichte dieses Buches ist noch nicht zu Ende.

Die Geschichte dieses Buches ist noch nicht zu Ende.

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Immer wieder: Was wir wie – oder auch nicht – erinnern

Neuerscheinung Andreas Hackl – Bei Interesse am Erwerb: Mail genügt

The Invisible Palestinians: The Hidden Struggle for Inclusion in Jewish Tel Aviv

Within the heart of the Jewish city of Tel Aviv, there is a hidden reality—Palestinians who work, study, and live as an unseen minority without access to equal urban citizenship.

Grounded in the everyday lives of Palestinians in Tel Aviv, The Invisible Palestinians offers an ethnographic critique of the city’s self-proclaimed openness and liberalism. Andreas Hackl reveals that Palestinians‘ access to the social and economic opportunities afforded in Tel Aviv depends on keeping a low profile, which not only disrupts opportunities for true urban citizenship but also draws opposition from other Palestinians. By looking at the city from the perspective of this hidden urban minority, Hackl uncovers a critical opportunity to imagine and build a more inclusive and just future for Tel Aviv. 

An important read, The Invisible Palestinians explores the marginalized urban presence of both Palestinian citizens of Israel and Palestinian laborers from the West Bank in this quintessential Jewish Israeli city. Hackl reveals a highly diverse Palestinian population that includes young people, manual workers and middle-class professionals, residents and commuters, students, artists, and activists, as well as members of an underground Palestinian LGBT community who carefully navigate their place in a city that refuses to recognize them.

Andreas Hackl is a Lecturer in Anthropology of Development at the University of Edinburgh. His research has been published in leading academic journals such as World DevelopmentAmerican Ethnologist, and Social Anthropology. He has worked as a consultant with the International Labour Organization and as a newspaper correspondent based in Jerusalem.

Gemeinsam (ge)denken

Erinnerung ist immer politisch: Kreisau / Krzyżowa heute

Der Jahresbericht 2021, der in diesem Jahr erstmalig als gemeinsames Projekt der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung, der Kreisau-Initiative e. V. sowie der Freya von Moltke-Stiftung für das Neue Kreisau vorbereitet wurde, ist ab sofort online zugänglich (Hier der Link zum PDF-Download). Anlaß ist der 80. Jahrestag des ersten Treffens des Kreisauer Kreises zu Pfingsten 1942 im „Berghaus“ auf Gut Kreisau.

Unsere Debatten (über uns) und jenes Land dort…

Hanno Hauenstein in der Berliner Zeitung noch einmal über: Hijacking Memory.

Wie eine Konferenz Engpässe deutscher Debatten aufzeigt

„Druckwellen der „Hijacking Memory“ Konferenz wirken noch nach. Die Tagung, die vor knapp einem Monat am Haus der Kulturen der Welt stattfand und sich mit der Erinnerung an den Holocaust und ihrer politischen Instrumentalisierung auseinandersetzte, startete mit einer Differenzierung: „Keine jüdische Person, nirgends, wird die reale Gefahr des Antisemitismus anzweifeln“, erklärte Susan Neiman, die Direktorin des Einstein Forums und eine der drei Konferenz-Organisatorinnen. „Doch wir sind überzeugt, dass die Instrumentalisierung des Antisemitismus-Vorwurfs auf zynische Weise für nationalistische Zwecke eingesetzt wird….“