Nicht nur, aber auch mit Blick auf die anstehenden jüdischen Feiertage in den kommenden Wochen, hier ein Hinweis auf „eine lebendige, digitale Bibliothek mit jüdischen Texten“: Seferiah (teils auch auf Deutsch)


Nicht nur, aber auch mit Blick auf die anstehenden jüdischen Feiertage in den kommenden Wochen, hier ein Hinweis auf „eine lebendige, digitale Bibliothek mit jüdischen Texten“: Seferiah (teils auch auf Deutsch)


Princeton University Press – Neue Veröffentlichung von Adam Mestyan
The view from the Middle East – hier zum Einleitungstext des Autors.
Modern Arab Kingship: Remaking the Ottoman Political Order in the Interwar Middle East
How the “recycling” of the Ottoman Empire’s uses of genealogy and religion created new political orders in the Middle East


Gunda Bartels im Tagesspiegel über Vertonungen von Dota Kehr der Gedichte der großen Poetin Kaleko (1907-1975), die 1938 in die USA ins Exil gehen mußte.


An dieser Stelle haben wir schon auf die Ausstellung zur Photographie in der Shoa hingewiesen, die noch bis zum Januar 2023 im Berliner Museum für Photographie gezeigt wird. Ulrich Prehn vom Zentrum für Antisemitismusforschung, Technische Universität Berlin, hat die Ausstellung jetzt ausführlich auf H-Soz-Kult besprochen.

Ulrich Prehn: Ausstellungsrezension zu: Flashes of Memory. Fotografie im Holocaust , 24.03.2023 – 28.01.2024 Museum für Fotografie,
In: H-Soz-Kult, 12.08.2023, <www.hsozkult.de/exhibitionreview/id/reex-135894>.
Literaturhinweis: Bildgeographien deutsch-jüdischer Fotografinnen nach 1933 –
Ein Buch von Anna Sophia Messner

Mit 100 Abbildung, teils farbig.
Photographinnen wie Alice Hausdorff, Ellen Auerbach, Liselotte Grschebina, Lou Landauer Marli Shamir oder Ricarda Schwerin und andere waren Teil der avantgardistischen Strömungen der Weimarer Republik und gestalteten diese maßgeblich mit.
Unter der Bedrohung des Nazi-Regimes verließen sie Deutschland und emigrierten nach Palästina / Israel, wo es ihnen unter äußerst entbehrungsreichen Umständen gelang, ihre photographische Tätigkeit fortzusetzen. Die Photographien illustrieren vergessene und unbekannte weibliche Perspektiven auf die Weimarer Republik, Erfahrungen von Flucht und Exil in der Zeit des Nationalsozialismus sowie den Nation-Building-Prozess im Mandats-Palästina und im frühen Staat Israel.
Sie zeigen aber auch einen Kunst- und Kulturtransfer der Avantgarde-Photographie, die die Photographinnen mitbrachten und dort in die neuen Gegebenheiten übersetzten.
Aus Gründen von Gender und Exil ist das bedeutende künstlerische Leben und Werk dieser Photographinnen weitestgehend in Vergessenheit geraten.
Anna Sophia Messner hat die teilweise verschollenen Nachlässe materialästhetisch und historisch aufgedeckt und dabei neue Forschungsfragen und -impulse aufgeworfen, insbesondere mit Blick auf die Relevanz bisher marginalisierter Stimmen.
Göttingen (Wallstein) 2023 - 376 Seiten - ISBN 9783835352056 - 44,00 €
Besprechung erfolgt nach Möglichkeit – DIe Veröffentlichung geht zurück auf eine Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Jahr 2020.
Teilnachlaß von Eugen Rosenstock-Huessy geht ins Deutsche Literaturarchiv

Breslauer Koffer von Eugen Rosenstock-Huessy – Photo: DLA Marbach (Anja Bleeser).
Das teilte das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) mit. Ursprünglich Rechtshistoriker, Soziologe und Philosoph, interessierte sich Eugen Rosenstock-Huessy (1888–1973) im Lauf seines Lebens immer stärker auch für das Thema Sprache, so etwa in seiner zweibändigen Studie „Die Sprache des Menschengeschlechts“ (1963/64).
Rosenstock-Huessy war jüdischer Herkunft, konvertierte aber schon als Jugendlicher zum protestantischen Christentum. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg war er eng mit dem jüdischen Philosophen Franz Rosenzweig (1886–1929) befreundet. Anteil am interreligiösen Gespräch der Freunde hatte auch Margrit Huessy – die Liebesbeziehung von Margrit Huessy und Rosenzweig ist in einem umfangreichen Briefkonvolut in Rosenstocks-Huessys Nachlass in den USA dokumentiert.
Seit 1923 lehrte Eugen Rosenstock-Huessy in Breslau Rechtsgeschichte. Direkt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte er 1933 mit seiner Familie in die USA. Zurück blieb ein großer Holzkasten, ein sogenannter Offizierskoffer, mit Manuskripten, Briefen und anderen Materialien, der von der Haushälterin der Familie gerettet und viele Jahre verwahrt wurde. Dieser sogenannte Breslauer Koffer bildet den Kernbestand des Teilnachlasses, der dem DLA nun von der Eugen-Rosenstock-Huessy-Gesellschaft gestiftet wurde.
Dieser Bestand wird ergänzt unter anderem durch Photos, Briefe und Bücher, eine Porträtplastik, geschaffen von Sabine Leibholz, der befreundeten Zwillingsschwester von Dietrich Bonhoeffer, sowie durch Tonaufnahmen unveröffentlichter Vorträge und Interviews.
Ende der zwanziger Jahre hatte Eugen Rosenstock-Huessy gemeinsam mit dem jungen Helmuth James von Moltke die Löwenberger Arbeitsgemeinschaft initiiert, die unterschiedliche soziale Schichten, Glaubensrichtungen und Überzeugungen miteinander in Verbindung bringen wollte, um die Probleme der sozial und wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeit in Deutschland zu bewältigen. Aus dieser Arbeitsgemeinschaft entstand im Nationalsozialismus die Widerstandsgruppe des Kreisauer Kreises, deren Mitglieder Ideen für die Zeit nach dem Ende der Diktatur entwickelten. Unter den von den Nationalsozialisten ermordeten Mitgliedern des Kreises war auch Helmuth James Graf von Moltke, dessen Witwe, Freya von Moltke, die letzte Lebensgefährtin von Eugen Rosenstock-Huessy war.
Vor einem Jahr war der Depositalvertrag durch das Landeskirchliche Archiv Bielefeld gekündigt worden und so wurde der Weg frei für Marbach …
Volker Witting auf der Seite der Deutschen Welle zu aktuellen Entwicklungen
Antisemitismus, Rassismus, Homophobie – Anschläge auf Gedenkstätten häufen sich. Was sind Gründe für diese Attacken auf Demokratie und Minderheiten?
Ausführliche Besprechung des 2022 in der Ithaka-Press erschienen Bandes über das polnische Erbe seiner jüdischen Geschichte von Zuzanna Dziuban (Institute of Culture Studies and Theater History, Austrian Academy of Sciences). (H-Soz-Kult)

Zuzanna Dziuban: Rezension zu: Weizman, Yechiel: Unsettled Heritage. Living next to Poland’s Material Jewish Traces after the Holocaust. Ithaca 2022 , ISBN 9781501761744
In: H-Soz-Kult, 15.08.2023, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-118377>.
Die beiden Orte Filetto di Camarda in den Abruzzen und Pöcking am Starnberger See verbindet auf den ersten Blick gar nichts. Gäbe es da nicht eine alte Wunde, die eine gegen das Völkerrecht verstoßende Handlung in Italien hinterlassen hat.
Ein Bericht von Christoph Renzikowski/KNA, zu finden auf der Seite des Paulinus.

Im Namen von Geschichtsbewußtsein, Gerechtigkeit und kulturellem Erbe
Am Anfang der Initiative, die von dem Pulitzerpreisträger Joshua Cohen („Die Netanyahus“) angestoßen wurde, steht die Erkenntnis, daß das US-amerikanische Verlagswesen von alten, weißen Männern aufgebaut wurde, allerdings mit dem Zusatz, daß es Juden deutscher Herkunft waren, die, zumeist in der zweiten Generation, die Verlage mit dem Geld aufbauten, das ihre geflüchteten Eltern mit kleinen Gemischtwarenläden in Brooklyn verdient hatten.
Sie trugen damit in einem nicht geringen Teil zum Geistesleben der USA im 20. Jahrhundert bei und wurden dabei selbst zu einem Teil dieser Gesellschaft.
Diese erfolgreiche Flüchtlingsgeschichte ist aus dem Bewußtsein der heutigen USA fast vollständig verschwunden.
Einer ihrer bekanntesten Vertreter war Salman Schocken, der bereits in Deutschland ein jüdisches Verlagshaus gegründet hatte, und nach dessen Wiedergründung 1945 in New York das europäische jüdische Denken des 20.Jahrhunderts nach Amerika brachte, u. a. arbeitete Hannah Arendt zeitweise im Lektorat.
Heute gehört der Verlag, über den Verkauf an Random House 1987, zur Bertelsmann AG, einem Verlagsunternehmen, das unter den Nationalsozialisten groß wurde. Die Übernahme bedeutete den Niedergang des Schockenverlags und seines spezifischen Profils.
Joshua Cohen, der selbst aus der deutsch-jüdischen Tradition kommt, trat mit den Schockennachkommen in Israel in Kontakt und bot an, zusammen mit anderen Mitstreiter:innen, den Verlag zurückzukaufen, um Schocken Books 2023 wieder zum Leben zu erwecken. All die traditionsreichen, klingenden Verlagsnamen, die heute in den großen Konzernen zusammengepfercht sind, seien, so Cohen, „nur noch Geister, Spuren einer vergangenen Ära, in der die Verlage von den Persönlichkeiten lebten, die sie gründeten und finanzierten“. Das von ihm gegründete Konsortium will die Tradition, Flüchtlingen eine angemessene Stimme zu verleihen, wiedererwecken und der Geschichte, Gerechtigkeit und dem kulturellem Erbe einen neuen Platz geben.

Schocken-Kaufhaus, Chemnitz 2023
Eine Artikel dazu in der Süddeutschen Zeitung (hinter der Paywall).

Photos: B. Doering (2023)